Géraudot bis Belfort – Wir ändern die Richtung

Wir verschieben unseren Wunsch, Disneyland Paris zu besuchen, fahren stattdessen in Richtung Alpenrand - und finden dort französischen Lebensstil samt gutem Essen.

Unsere ursprüngliche Route sollte uns weiter nach Westen (bis Paris) führen, danach runter zur Loire und schließlich gen Osten (zurück nach München). Alles durch flache Gebiete. Speziell Marvin jedoch, der seine Leidenschaft für Motorradreisen ja erst vor Kurzem entdeckt hat, möchte Kurven fahren  – und wir wissen nicht, wo wir die hier in der Gegend finden sollen. Leider fehlt uns auch die Zeit (und eine geeignete Informationsquelle), um unsere Fehler in der Routenplanung zu korrigieren, weshalb wir heute in Richtung Süden aufbrechen – hin zu den Alpen und somit in vertrautere Gefilde.

Von freundlichen Tankwarten und spannenden Schlaglöchern

Da die Infrastruktur-Dichte hier nicht allzu hoch ist (und noch dazu vieles davon im August geschlossen hat), wählen wir als Tagesziel Besancon aus. Dort gibt es einen recht großen Campingplatz, von dem wir wissen, dass er geöffnet hat, weil wir ihn uns auch für unsere ursprüngliche Route als Übernachtungsmöglichkeit ausgesucht hatten.

Das Wetter ist nach wie vor sehr schön und wir lassen uns von unserem Navi gut gelaunt abseits der Autobahnen durch die Landschaft leiten. Diese ist – wie gestern schon – flach und nicht allzu aufregend. Doch das bestärkt uns nur in der Richtigkeit unserer Entscheidung. Immer wieder durchqueren wir kleine Dörfchen, die recht nett anzusehen sind. Daran, dass sie gleichzeitig auch ziemlich ausgestorben wirken, haben wir uns inzwischen gewöhnt.

Irgendwo in der Pampa müssen wir tanken. Günni – unser Navi – leitet uns dafür an eine in einem winzigen Dorf versteckt liegende Zwei-Säulen-Tankstelle, die wir so nie gefunden hätten. Der Tankwart reagiert verblüfft, als er bemerkt, dass ich eine Frau bin (die Emanzipation hat hier wohl noch nicht Einzug gehalten, denn eine Frau, die selbst Motorrad fährt, erscheint ihm offensichtlich extrem ungewöhnlich). Fröhlich redet er auf Französisch auf uns ein, überschüttet mich mit Bewunderung für meinen Mut und fachsimpelt mit Marvin über BMW-Motoren, während er unsere Tanks füllt. Unsere Hinweise, dass wir nur recht wenig von seiner Sprache verstehen, veranlassen ihn nur, noch schneller zu sprechen. Wohl in der Hoffnung, dass umso mehr zu uns durchdringt, je mehr er redet :).

Seine überschäumende Freundlichkeit ist extrem sympathisch und wir hätten uns gerne länger mit ihm unterhalten, aber bis auf ein gestammeltes „Merci beaucoup“ und einem anschließenden „Au revoir“ bringen wir leider nichts raus. Ich muss Marvin unbedingt einmal zu einem Französisch-Kurs schicken …

Kurz darauf sorgt Günni für die nächste angenehme Überraschung auf dieser Etappe (Vielleicht sollten wir ihm einfach ganz die Führung überlassen?): Unverhofft treffen wir auf einen Streckenabschnitt, der dermaßen einsam und auf dem die Straße so schmal und mit Schlaglöchern übersät ist, dass sich ein Hauch von Spannung und Abenteuer breitmacht. Wo wird uns dieser scheinbar schon seit langem nicht mehr benutzte Weg wohl hinführen? Nun ja – lediglich auf eine besser ausgebaute Strecke einige Kilometer weiter hinten … macht aber nix, dieser kurze Straßenabschnitt hat richtig Spaß gemacht! Leider wiederholt sich das nicht und für den Rest der Strecke nach Besancon macht sich wieder Langeweile breit.

Bereits kurz nach Mittag kommen wir am Ziel an. Also noch viel zu früh, um für heute das Lager aufzuschlagen, zudem wissen wir nicht so recht, was wir hier mit dem Rest des Tages anfangen sollen. Der nächste von uns recherchierte Campingplatz liegt bei Belfort, das wiederum befindet sich am Rand der südlichen Vogesen. Fanden wir die freundlichen Hügel dieses Gebirgszuges auf der Hinreise noch eher uninteressant, so erscheinen sie uns nun als sehr verlockendes Ziel – daher beschließen wir spontan, dorthin weiterzufahren.

Belfort – zurück in der Zivilisation

Belfort entpuppt sich als hübsche kleine Stadt und Le Camping de l’Etang des Forges liegt am Stadtrand, direkt neben einem kleinen See. Das Personal ist sehr freundlich, die Stellplätze großzügig geschnitten, es gibt einen Swimming Pool und die Sanitäranlagen sind sehr modern und sauber. Passt!

Wir bekommen einen schönen Platz zugewiesen und schlagen unser Lager auf. Ein wenig misstrauisch gucken wir gen Himmel, an dem so langsam dunkle Wolken aufziehen. Das Wetter wird doch wohl nicht … ? Doch noch hält es, wir duschen und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt. Uns gelüstet es nach Menschenmassen und endlich einem dieser sagenhaften französischen Menüs!

Zuerst sind die Straßen genauso verlassen wie in den Tagen zuvor, wir befürchten schon, erneut vor verschlossenen Türen zu landen. Doch dann begegnen wir immer mehr anderen Menschen und gelangen schließlich zu einem netten, belebten Platz mit gleich mehreren geöffneten Restaurants samt verlockenden Menüangeboten. Super! Hungrig vergleichen wir die Speisekarten und entscheiden uns letzlich für ein Restaurant der etwas höheren Preisklasse, dafür aber mit dem schönsten Blick auf den Platz.

Gutes Essen und schlechtes Wetter

Endlich kommen wir in den Genuß der von mir so hochgelobten französischen Küche. Hierzu eine kurze Erklärung: Ich war vor vielen Jahren mit dem Motorrad schon mehrmals in anderen Teilen Frankreichs (den Pyrenäen, der Côte d’Azur und der Provence). In diesen Urlauben habe ich in den Restaurants grundsätzlich das jeweils angebotene Tagesmenü gewählt – und bin nie enttäuscht worden. Immer hat  es sich um ausgesprochen kreative, perfekt zubereitete und sehr wohlschmeckende Kost gehandelt.

Nun, heute ist das Erlebnis gemischt, denn die Vorspeise trifft so überhaupt nicht unseren Geschmack. Kreativ ist sie ja schon: grüner Spargel, Meerrettich-Sahne, bitter schmeckende Blutorangen, dazu eine Avocado-Gurken-Creme und roher Thunfisch. Auch sind die Einzelzutaten frisch und (soweit ich das beurteilen kann) gut zubereitet, schmecken tut es (uns) aber trotzdem nicht so recht. Außerdem ist die Portion zu groß, insbesondere der in ziemlich grobe Würfel geschnittene Thunfisch wird einem bald zu viel. Hier wäre weniger mehr gewesen. Doch der Hauptgang (gegrilltes Lamm mit hausgemachten Pommes) und erst recht die Nachtische reißen es wieder heraus – und sorgen schließlich doch noch für einen angenehmen kulinarischen Ausklang dieses Tages.

Leider hat sich während unseres Essens das schlechte Wetter durchgesetzt und es regnet. Aus einer Besichtigung der Zitadelle von Belfort wird somit nichts. Wir schaffen es, während einer kurzen Regenpause trocken zurück zum Campingplatz kommen und machen es uns im Zelt gemütlich. Vollgegessen wie wir sind ist das auch sehr schön. Trotzdem hoffen wir, dass es morgen wieder besser ist!

Routeninfo

Datum: 23. August 2012
Schwierigkeitsgrad: simpel
Länge: 310 km (Autobahn meiden), ca. 5 h
Eindrücke: eine flache, weitläufige Landschaft – hübsch, aber ohne große Abwechslung