Dolomiten – Via Corvara und Arabba nach Rocca

Unsere heutige Etappe führt uns quer durch die Dolomiten. Leider auch quer durch tiefhängende Wolkenfelder - was zwar den Ausblick verdirbt, aber nicht den Fahrspaß.

Nach einer erholsamen Nacht in unserem neuen Zelt (das deutlich geräumiger ist, als unser altes Mini-Zwei-Mann-Zelt – ein guter Kauf) gönnen wir uns erst einmal ein Frühstück mit frischen Croissants und herrlichem Cappuccino im Campingplatzrestaurant. Zwei der vielen schönen Dinge an einem Italienurlaub sind die teilweise sehr günstigen Preise in Restaurants und die hohe Qualität des Essens. Das merkt man bereits hier in Südtirol: Die Croissants sind knusprig-frisch und die Kaffees ebenso perfekt. Und alles kostet weniger, als man bei uns an einem Stehtisch in einer Bäckerei dafür bezahlen würde. Aus diesem Grund nehmen wir nie Kochgeschirr mit auf unsere Italien-Urlaube. Kochen lohnt nicht, essen gehen ist billig und ungleich besser.

Die Dolomiten in Wolken

Nach dem Packen fahren wir für wenige Kilometer weiter Richtung Osten, um dann bei St. Lorenzen nach Süden abzubiegen. Nun geht es nach oben. Auf schmalen, aber gut ausgebauten Straßen und durch einige Tunnels schraubt sich der Weg in die Dolomiten. Leider auch zunehmend hinein in schlechtes Wetter. Bei Corvara schließlich beginnt es zu regnen – und hört für eine ganze Weile nicht mehr auf, so dass wir mangels trockener Gelegenheit keine Fotos von großen Teilen der Strecke haben.

Das Gebiet um Corvara und Arabba kenne ich ursprünglich von Skiurlauben her – ein wunderbares Skigebiet übrigens, auf alle Fälle empfehlenswert – aber auch im Sommer ist es beeindruckend schön. Steile Felsformationen, zig Pässe, dazwischengestreute Ortschaften und Wiesen – schade, dass wir heute so gut wie nichts davon zu sehen bekommen. Wenigstens kennt Marvin das Gebiet noch von unserer Tour im Jahr 2010 und kann sich ungefähr vorstellen, was sich hinter den Wolken verbirgt.

Doch trotz des widrigen Wetters macht das Fahren Spaß. Der Vorteil ist, dass sich außer uns kaum jemand auf den Straßen befindet. Somit können wir in angepasster Langsamkeit mit unseren Motorrädern über die teilweise sehr schmalen, steilen und engen Kurven hinauf bis zum höchsten Punkt der Etappe, ungefähr bei Arabba, klettern. Danach geht es – streckenweise genauso schmal, steil und eng – wieder nach unten. Wir lassen uns Zeit und konzentrieren uns aufs Fahren. Die nassen Straßen sind rutschig, da sollte man besser aufmerksam sein.

Ab Agordo werden die Straßen flacher und weniger kurvig, man kann nun deutlich flotter fahren. Auch das Wetter besinnt sich endlich eines Besseren, die Wolkendecke reißt teilweise auf und beschert uns immer wieder grandiose Ausblicke auf die Berge um uns herum. Außerdem wird es merklich wärmer – was gut ist, denn inzwischen sind wir schon ziemlich ausgekühlt. Dank des nunmehr milden Fahrtwindes trocknet unsere Kleidung jedoch rasch. Nur meine Socken sind noch nass. Das kommt davon, wenn man zu faul ist, sich die Regengamaschen aus den Koffern zu kramen…

Die Po-Ebene begrüßt uns mit Sonnenschein

Schließlich erreichen wir die die südlichen Alpenausläufer am Rande der Po-Ebene und endlich wird es auch so richtig sonnig! Bei allerbestem Wetter erreichen wir das Ziel unserer heutigen Etappe, Rocca. Dieser kleine, etwas versteckt liegende Ort am Monte Grappa dürfte vor allem Paraglidern bekannt sein, befindet sich doch direkt neben dem Campingplatz ein Landeplatz für die Gleitschirmspringer. Fasziniert gucken wir eine Weile den Paraglidern zu – und bekommen einen riesigen Schrecken, als sich einer davon in einer engen Spirale nach unten schraubt. Der stürzt ab, denken wir uns! Doch gleich danach erkennen wir, was passiert ist: Durch den See, der hier ebenfalls unmittelbar anschließt, werden an dieser Stelle bevorzugt Sicherheitsübungen in der Luft durchgeführt. Denn falls so eine Übung einmal schiefgeht, landet der Flieger wohlbehalten im Wasser. Nun, der von uns Beobachtete schafft es, seinen Schirm wieder in den Griff zu bekommen und landet kurz darauf neben uns auf der Wiese. Puh!

Mit noch immer klopfendem Herzen suchen wir uns einen Platz für unser Zelt. Der Camping Lago Arsiè ist ziemlich voll, doch wir entdecken einen schönen, großen Bereich, auf dem wir uns niederlassen. Eigentlich hätten wir misstrauisch sein sollen, weil hier überhaupt noch niemand steht – sind wir aber nicht. Und bereuen es später bitter …

Gleitschirme und Tanzmusik in Rocca

Doch zuerst machen wir uns frisch, hängen die nassen Socken auf und duschen. Und dann testen wir das Campingplatz-Restaurant – mit außerordentlich guten Ergebnissen. Marvin’s Pizza ist einfach nur noch großartig und meine Pasta mit frischen Steinpilzen ebenso. Es lebe Italien und sein gutes Essen! Nach dem genauso grandiosen Nachtisch machen wir es uns in der Nähe unseres Zeltes bei ein paar Partien Schach gemütlich und beobachten dabei die Paraglider bei ihren Absturz-Übungen. So lässt es sich leben :-).

Als dann die Dämmerung langsam hereinbricht und wir uns müde in unsere Schlafsäcke zurückziehen wollen, wird endlich klar, warum rund um uns herum kein anderer campt: Wir stehen in unmittelbarer Nähe zu der Tanzfläche des Campingplatzes. Und heute findet eine Tanzveranstaltung statt, bei der unglaublich laut Musik gespielt wird und sich verblüffend viele Tanzpaare bis spät in die Nacht auf der Tanzfläche vergnügen.

So ein Pech, ausgerechnet heute – ich will schlafen! Doch erst nachdem ich mir eine halbe Rolle Klopapier in die Ohren gestopft habe, gelingt mir das auch …

Routenüberblick

Datum: 15. August 2011
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer
Länge: 155 km, ca. 4 h, bei trockenem Wetter schneller
Eindrücke: Eine wunderschöne Route quer durch die Dolomiten bis an die Po-Ebene.