Mauterndorf bis Postojna – Über den Kaiserschmarrn zum Palatschinken

Quer durch Kärnten, ein kleiner Abstecher nach Italien und zu guter Letzt über den grandiosen Passo del Predil nach Slovenien - auch unser zweiter Anreisetag lässt nichts vermissen. Und der Palatschinken am Abend ist die Krönung des Tages!

Jaja, ich weiß, Die Überschrift dieses Artikels lässt vermuten, dass ich nur noch ans Essen denke. Nach einem Jahr kontrolliertem Konsum tut es tatsächlich gut, sich mal nicht zurückhalten zu müssen. Doch keine Sorge, auf dieser Reise geht es auch noch um andere Dinge – versprochen.

Routenführung mit Zufallsfaktor

Die erste Nacht im Vista 300 ist prima, der Schlaf ungestört. Bereits kurz nach Sonnenaufgang erwachen wir frisch und ausgeruht. Ja, doch – unser neues mobiles Zuhause wird diese und zukünftige Touren angenehm bereichern.

Wir faulenzen noch ein wenig herum, bis der Campingplatzladen seine Pforten öffnet. Dort können wir einen Cappuccino und frische Semmeln erstehen, zusammen mit den gestern erworbenen Zutaten ergibt das ein leckeres Frühstück.

Während wir mampfen, studieren wir die Karte. Heute wollen wir unsere erste „richtige“ Urlaubsetappe erreichen: Postojna. Wir werden dort zwei Nächte bleiben und uns die weltberühmte Grotte ansehen. Eine exakte Route haben wir vorab noch nicht erarbeitet, stellen aber fest, dass so ziemlich jeder Weg dorthin spannend zu sein scheint. Also überlassen wir todesmutig Günni, unserem Navi, die Führung, stellen ihn auf „Mautstraßen vermeiden“ (wodurch Autobahnen ausgeschlossen werden) und hoffen, dass er sich nicht allzu viel Unfug ausdenken wird.

Über den Katschberg nach Kärnten

Von Mauterndorf aus folgen wir zuerst der Katschbergstraße, deren nördlicher Teil uns gestern schon über den Tauernpass (bei Obertauern) geführt hat. Heute erreichen wir recht schnell den Namensgeber der Straße, der gleichzeitig auch die Grenze zwischen Salzburg und Kärnten markiert. Wie die meisten hochgelegenen Orte dieser Gegend ist Katschberg eher ein Wintersportort und jetzt, im Sommer, entsprechend leer gefegt. Umso schöner fährt es sich. Die Straße ist angenehm wenig frequentiert, der Zustand durchgehend gut, die Strecke dadurch nicht allzu schwer zu fahren und macht viel Spaß. Der Pass selbst ist unspektakulär, die Umgebung aber durchaus sehenswert. Gleich nach der Passhöhe geht es mit Schwung hinunter ins Katschtal, es folgen Rennweg und Leoben, die wir ohne nennenswerten Verzögerung zügig durchfahren.

Bald danach erreichen wir das weite Drautal, das Haupttal des Bundeslandes Kärnten, wo wir in Richtung Osten abbiegen und dem Talverlauf ein ganzes Stückchen folgen. Spittal an der Drau stellt sich als hübsche Kleinstadt heraus, durch die wir mitten hindurchgeleitet werden – glücklicherweise ohne groß aufgehalten zu werden. Nur am Ortsende, dort wo sich eine Menge Einkaufszentren befinden, wird der Verkehr etwas dichter und entsprechend langsamer. Doch es dauert nicht lange und wir können wieder Gas geben, die gut temperierte Luft und schöne Umgebung genießen.

Pause oberhalb des Gailtals

Hinter Paternion führt Günni uns vom Drautal weg, auf eine immer kleiner werdende Straße, die sich teilweise recht steil den Berg hinaufschlängelt. Unser Misstrauen regt sich, ist aber, wie sich bald herausstellt, unbegründet. Der Weg ist klasse und die vielen kleinen Kurven steigern unsere sowieso schon gute Laune noch.

Nicht weit hinter dem Ort Kreuzen, am oberen Rande des Gailtals, fällt uns am rechten Fahrbahnrand ein Gasthaus ins Auge, auf dessen Parkplatz sich einige Motorräder tummeln. Da das im allgemeinen ein gutes Zeichen ist und wir sowieso schon wieder Hunger haben, gesellen wir uns dazu und schauen, was es hier so gibt. Und in der Tat: Die Wirtsleute empfangen uns fröhlich (offensichtlich ist man Motorradfahrer gewöhnt), das Essensangebot ist prima und noch dazu günstig. Was wir auf den Tellern der anderen Gäste sehen, wirkt appetitlich, also fackeln wir nicht lange und bestellen uns Käsespätzle (Marvin) und Kaiserschmarrn (ich). Beides schmeckt genau so, wie es schmecken soll, nämlich super lecker. Bei Mehlspeisen kann den Österreichern einfach kaum einer das Wasser reichen!

Für eine längere Pause haben wir keine Zeit, schließlich liegt ein Großteil der heutigen Strecke noch vor uns. Also brechen wir auf, ehe die Verdauungsmüdigkeit uns daran hindert. Der Fahrtwind hält uns munter, die kleine Straße führt uns recht schnell hinab zum Talgrund, dem wir für ein paar Kilometer Richtung Villach folgen. Am Ortsrand von Arnoldstein leitet Günni uns jedoch abrupt nach Süden. Das irritiert mich ein wenig, eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass unser Navi sich für den Wurzen- oder Loiblpass entscheidet. Aber er hat halt seinen eigenen Kopf, und da er uns heute noch nicht enttäuscht hat, folgen wir seinem Vorschlag vertrauensvoll.

Flüsse, Felsen und grandiose Aussichten

Über eine Schnellstraße gelangen wir binnen weniger Minuten nach Tarvis in Italien. Somit erhöht sich die Zahl der Länder, die wir heute besuchen, auf drei. Die Straße selbst ist nicht besonders schön (breit und eher wie eine Autobahn), die Aussicht aber schon, da im Hintergrund bereits die Felsmassive der Carnischen Dolomiten zu sehen sind.

Wir folgen der Route allerdings nicht lang, bereits bei Tarvis biegen wir erneut ab, Richtung Osten. Nach einer kurzen Weile kommt mir diese Strecke irgendwie bekannt vor. Das ist doch… ? Ja, es ist der Weg zum Passo del Predil, den ich von lange zurückliegenden (Auto-)Fahrten nach Slovenien kenne. Das ist aber eine schöne Überraschung, denn ich habe diesen Pass als hübsch in Erinnerung und wollte ihn schon immer einmal mit dem Motorrad fahren. Fein, dann kann ich das endlich auch abhaken. Danke, Günni!

Da das Wetter perfekt und heute Samstag ist, begegnen wir vielen anderen Motorradfahrern. PKWs und größere Vehikel wie Gespanne oder LKWs sind hingegen kaum unterwegs, was wir natürlich prima finden. Auf der italienischen Seite fahren wir bei gemächlicher Steigung und nur leichten Kurven durch das Kanaltal, in dem die wildromantische Gailitz fließt – ein Fluß mit streckenweise auffallend vielen Felsen aus rötlichem Gestein. Es sieht aus, als hätte hier ein Riese mit gigantischen Murmeln gespielt.

Am Raiblsee geht es schließlich in ein paar engen Kehren hoch zur Passhöhe, wo sich auch die Staatsgrenze befindet. Kontrolliert wird nicht, wir können einfach hindurchfahren.

Kurz darauf streifen wir Sloweniens höchstgelegenste Straße, die Mangartstraße, folgen ihr aber nicht nach oben, sondern lenken unsere Motorräder bergab, ins Sočatal Richtung Bovec. Die Bergwelt ist hier überwältigend, die riesigen Felswände (Westseite des Triglav-Nationalpark) sind fast schon ein wenig einschüchternd, aber nichtsdestotrotz grandios.

Je weiter wir nach unten kommen, desto sanfter wird die Landschaft. Bei Bovec gelangen wir schließlich auf den Talboden – und finden auch endlich eine Tankstelle, die wir auf den letzten Kilometern vergeblich gesucht hatten. Zeit für eine (Eis-)Pause 🙂 Was die Tankstelle jedoch (im Gegensatz zu den meisten mir bekannten deutschen Tanken) nicht anbietet, ist eine Toilette – ein Zustand, der sich für den Rest des Urlaubs wiederholen wird und meine Pinkelpausen deutlich schwieriger gestaltet. Da haben es die Männer schon einfacher …

Das letzte Stück ist waldig

Wir haben zwar jetzt kilometertechnisch erst etwas über die Hälfte der Tagesetappe geschafft, für den Rest brauchen wir aber bei weitem nicht mehr so lange.

Ab jetzt kommen wir deutlich flotter voran, denn die Straßen sind in sehr guter Verfassung, die Kurven entspannend mäßig und die Wälder, die wir durchfahren, sorgen für ausreichend Schatten. So düsen wir bequem vor uns hin und fressen Kilometer um Kilometer. Die Gegenden, die wir durchqueren, sind sich zwar alle ziemlich ähnlich, aber Abwechslung hatten wir heute schon mehr als genug, daher stört uns das nicht. So langsam möchten wir lieber ankommen.

Am Nachmittag erreichen wir endlich Postojna. Wir durchqueren den gesamten Ort, um auf die (einzige) kleine Straße zu gelangen, die zu dem von uns gewählten (einzigen) Campingplatz in der Nähe führt. Wir fahren dabei auch gleich am Grotten-Eingangs-Gelände vorbei, das von hier aus eher einem riesigen Parkplatz gleicht. Sehr gut, das hilft uns morgen sicherlich bei der Orientierung.

Der Campingplatz ist schöner als erwartet

Der Campingplatz Pivka Jama ist eine angenehme Überraschung. Ich hatte wenig erwartet, denn die Google-Rezensionen waren so lala. Weil es aber sowieso keinen anderen Campingplatz in der Gegend gibt, hatten wir uns im Vorfeld damit abgefunden, hier vielleicht eher suboptimal zu übernachten.

Umso besser, dass wir einen deutlich positiveren Eindruck gewinnen können. Der Platz ist riesig und liegt sehr idyllisch mitten in einem felsig-hügeligen Waldgebiet. Bei der Rezeption werden wir superfreundlich empfangen, einen Stellplatz dürfen wir uns (wie ins Slovenien wohl üblich) selbst aussuchen. Wir lassen uns dabei Zeit und durchwandern das gesamte Gelände. Und das ist echt hübsch, wenn auch stellenweise (wegen der Felsigkeit und Hügeligkeit) in viele kleine Terrassen unterteilt, die für uns (mit größerem Zelt plus zwei Mopeds) nicht unbedingt geeignet sind. Doch es gibt trotzdem genug Auswahl. Sogar eine eigene Grotte hat der Platz zu bieten, die man zweimal am Tag (um 9 Uhr morgens sowie um 17 Uhr am Spätnachmittag) in einer Gruppenführung besichtigen kann. Weil wir uns aber schon die Postojna-Grotte vorgenommen haben, lassen wir das. Eine Höhle reicht 🙂

Bei unserer Platzsuche schwanken wir kurzfristig zwischen einem schönen, flachen Stück unter großen Bäumen direkt in der Mitte des Platzes sowie einem etwas versteckteren Fleckchen hinter den Sanitäranlagen. Wir entscheiden uns schließlich für den versteckteren Fleck, was sich im Nachhinein als richtige Entscheidung herausstellt. Der große Platz in der Mitte wird nämlich im Laufe des Abends von einer ganzen Kolonne riesiger Wohnmobile beschlagnahmt, zwischen denen wir uns dann wohl ziemlich eingepfercht gefühlt hätten. Aber klar, diese großen Fahrzeuge haben natürlich Probleme, woanders Platz zu finden.

Wir sind jedenfalls glücklich mit unserer Wahl, schlagen das Lager auf und testen anschließend mit knurrendem Magen das Campingplatzrestaurant. Auch hier werden wir bestens bedient. Die Grillplatte ist abwechslungsreich, gut zubereitet und lecker. Ein absolutes Gedicht ist jedoch der Nachtisch: Ich wähle den Palatschinken und bekomme zwei große, aufgerollte Pfannkuchen mit einer extrem leckeren Nussfüllung, garniert mit Eis, Sahne und Schokosauce. Großartig! Ich mag Slovenien 🙂

Routenüberblick

Datum: 16. Juli 2018
Schwierigkeitsgrad: mittel – meist eher einfach, aber ab und zu wird es eng, steil und kurvig
Länge: 280 km, ca. 4,5 h Fahrzeit
Eindrücke: streckenweise grandiose Bergwelt