Von Plitvice nach Trogir – Über den Krka-Ursprung zum Kiesstrand

Am sechsten Tag unserer Tour erreichen wir endlich das Meer. Heute steht der Besuch des berühmten mittelalterlichen Stadtkerns von Trogir auf dem Plan.

So schön unsere Reise bisher auch war, inzwischen sehnen wir uns schon langsam nach dem, was man mit Kroatien normalerweise verbindet: eine ewig lange Meeresküste. Doch genau deswegen bleiben wir zuerst einmal weiterhin im Hinterland. Wir wollen es nämlich vermeiden, allzu viele Strecken doppelt fahren zu müssen. Spätestens nach Makarska bleibt einem jedoch nicht mehr viel anderes übrig, denn ab dort besteht Kroatien im Grunde nur noch aus der Küstenstraße und einer Autobahn. Also sorgen wir zumindest vorher noch für ein wenig Abwechslung und wählen für heute die Route über Knin. Dort entspringt die Krka und wir hoffen auf eine schöne Landschaft.

Süden, wir kommen

Bis Knin bleiben wir auf der D1, die sehr gut ausgebaut und flott zu fahren ist. Anfangs ist sie auch entsprechend frequentiert  – also genau das, was wir nicht so mögen. Doch sobald sie nach Osten abbiegt, also nicht mehr Richtung Küste verläuft, ändert sich das und das Fahren wird entspannter.

Zumindest theoretisch, denn inzwischen suchen wir zunehmend unruhig nach einer Tankstelle. Als die Straße noch so voll war, haben wir darauf verzichtet, auf eine der dortigen Tankstellen zu fahren (die waren irgendwie alle auf der falschen Straßenseite), aber jetzt, wo das Benzin nun wirklich langsam knapp wird, kommt keine mehr! Endlich entdecken wir am Straßenrand ein Hinweisschild (Tankstellensymbol und die Entfernung), doch auch nach den darauf angegebenen 1,5 km finden wir lediglich eine Abzweigung vor, jedoch keine irgendwie gearteten Gebäude. Weil wir nicht ohne Sprit in das Gebirge fahren wollen, biegen wir auf gut Glück ab. Und tatsächlich: Nach weiteren 3 km finden wir eine einsame, aber geöffnete Tankstelle. Auf die Entfernungsangaben braucht man sich also nicht zu verlassen. Die Schilder selbst stimmen aber.

Über die Hochebene zum Ursprung der Krka

Wir tanken voll und fahren zurück auf die Hauptstraße. Die führt uns schnurgerade durch eine wunderschön anzusehende Hochebene Richtung Osten. Die Aussicht entschädigt für die fahrerische Langeweile. Immer wieder mal von der Seite kommende und häufig unvorhersehbare Windböen sorgen für zusätzliche Spannung. Vermutlich wegen des Windes gilt hier auch weitestgehend eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h, aber niemand hält sich daran. Nicht mal wir, auch wenn wir nicht ganz so rasen wie die Einheimischen.

Bei Otrić biegt die Straße nach Süden ab und wird ein wenig kurviger, die Umgebung noch etwas hügeliger. Aber recht bald wird es wieder flach. Spektakuläre Schluchten und hohe Gipfel darf man also nicht erwarten (trotz der Nähe zum höchsten Berg Kroatiens). Seinen eigenen Reiz hat es aber trotzdem.

Knin selbst ist ein lebhaftes Dörfchen mit einer von unten hübsch anzusehenden Festung, die wir aber nicht besuchen. Inzwischen ist es nämlich sehr heiß geworden und wir machen lieber eine kleine Pause im Schatten. Die laminierten Speisekarten der Pizzeria, die wir hierfür auswählen, sind eklig klebrig (was mich mehr stört als Marvin – ich finde so etwas unnötig, die Seiten könnte man doch wirklich auch mal abwischen) und die Pizza ist eher unterstes Mittelmaß. Aber für einen kleinen Zwischensnack reicht es. Die Bedienung ist immerhin freundlich und die Cola schön kühl.

Wir bleiben nicht lange sitzen. Ich habe Hummeln im Hintern, möchte endlich ins Meer hüpfen und freue mich auf die als so toll angepriesene Altstadt von Trogir, die wir heute Abend erkunden wollen. Also schauen wir, dass wir weiterkommen. Die nächsten Kilometer führen uns auf nur mäßig kurviger Straße durch etwas heruntergekommene und ein bisschen ausgestorben wirkende kleine Ansiedlungen. Der Straßenbelag ist in Ordnung, aber fahr- und aussichtstechnisch gibt die Gegend nicht allzu viel her. Es ist heiß und staubig und je näher wir unserem Ziel kommen, umso ungeduldiger werde ich. Wo ist es denn nun, das Meer?

Die Landschaft macht es spannend. Nach jeder Kurve erwarte ich, dass es nun endlich soweit ist und ich die Wasserfläche vor mir glitzern sehe – und dann ist es doch wieder nur ein weiteres Stück langweiliger Straße. Ich bin kurz davor, Marvin zu fragen, ob wir uns nicht verfahren haben – laut meinem Tacho müssten wir nämlich eigentlich jeden Augenblick da sein und noch immer sieht man nichts – als wir über einen letzten Hügelkamm fahren und sich vor uns das Mittelmeer ausbreitet. Viele kleine Inseln sind malerisch darin verstreut, direkt unter uns befindet sich ein etwas größeres Exemplar und an das Ufer geschmiegt liegt Trogir. Was für ein schöner Anblick!

Vor lauter Freude fahren wir beinahe auf einen LKW auf, der vor uns im Schneckentempo den Berg hinunterschleicht. Gleich darauf wissen wir auch, warum der so langsam ist: Der Fahrbahnbelag ist durch die Hitze extrem weich – und glitschig wie Schmierseife. Überall am Straßenrand stehen Warnschilder, es gibt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h und diesmal halten sich auch alle daran.

Egal, die letzten paar Kilometer schaffen wir auch noch. Gemächlich rollen wir den Hang (der hier sogar einige Kehren vorzuweisen hat) herunter und stehen wenige Minuten später im trogirschen Verkehrskollaps. Der Campingplatz, den wir ausgesucht haben, befindet sich auf einer Insel hinter der Altstadt. Eigentlich nicht weit entfernt, aber da wir nur im Schritttempo vorankommen, brauchen wir eine ganze Weile dorthin. Wenigstens führt der Weg uns direkt an der Altstadt vorbei und wir können bereits einen ersten Blick auf die vielgerühmten Mauern werfen. Sieht tatsächlich schön aus – ich freue mich auf unseren Ausflug nachher!

Aber zuerst gilt es, das Lager zu errichten. Als wir am Camping Rožac ankommen, wird uns recht schnell klar, dass hier ein anderer Wind weht als auf den bisherigen Plätzen. Selbst aussuchen ist nicht, man bekommt einen Platz zugewiesen. Leider ist die Platzzuweiserin gerade in der Mittagspause. Ersatz gibt es nicht, also nochmal warten. Eilig darf man es hier nicht haben. So um 14 Uhr herum erbarmt man sich schließlich unser und wir können uns einen von mehreren vorgeschlagenen Plätzen auswählen. Danach noch ein paar Anmeldeformalitäten (das geht nämlich auch nicht vorher, die Rezeptionistin braucht eine Standplatznummer, ehe sie uns aufnehmen kann), aber dann ist es endlich soweit und wir können uns breitmachen. Inzwischen geht der Zeltaufbau ziemlich flott, wir brauchen kaum noch länger als mit unserem alten, deutlich kleineren Zelt. Und hier, in der Mittelmeerhitze, bringt das Baumwollzelt seine Vorzüge so richtig zur Geltung: Es bleibt angenehm kühl in seinem Inneren.

Trotzdem kommen wir beim Aufbau ganz schön ins Schwitzen, aber wozu gibt es denn hier einen Strand. Wir schmeißen uns in die Badeklamotten und marschieren zum Meer. Das Wasser ist erfrischend kühl und herrlich klar. So klar, dass ich nach wenigen Sekunden zahlreiche Seeigel am Grund entdecke – und sofort wieder draußen bin! Wenn ich etwas gar nicht leiden kann, dann einen Seeigelstachel in meiner Fußsohle – und Badeschuhe haben wir natürlich nicht dabei (Reisevorbereitung? Wozu?). Jetzt weiß ich auch, warum hier am campingplatz-eigenen Strand immer wieder streckenweise Sand aufgebracht worden ist. Auf Sand können sich Seeigel nämlich nicht festsetzen. Auf den kiesigen Stellen dazwischen sind es dafür aber besonders viele und irgendwie habe ich keine Lust, beim Schwimmen ständig nach unten schauen zu müssen.

Ich weigere mich daher, wieder ins Wasser zu kommen, und alleine macht es Marvin auch nicht lange Spaß. Recht bald duschen wir uns also das Salz von der Haut und machen uns fertig für unseren Ausflug. Die Campingplatzausstattung ist übrigens sehr schön, alles modern und extrem sauber. Wenn ich das richtig beobachte, so wohnt der Putztrupp (der aus mehreren Frauen besteht) in einem Wohnwagen direkt neben dem Sanitärgebäude.

Vom Campingplatz aus ist es zu Fuß nicht allzu weit zur Altstadt. Kleine Hinweisschilder führen einen als Fußgänger über einen ziemlich steilen Hügel quer durch ein Wohngebiet, die Hauptstraße wiederum führt unten um diesen Hügel herum. Zuerst wundern wir uns darüber, aber am Abend wählen wir zurück den Weg entlang dieser Hauptstraße und verstehen: Es gibt nämlich so gut wie keine Bürgersteige an den Straßen, weshalb das Wandern in den ruhigen Nebenstraßen um einiges sicherer ist.

Bei der momentan herrschenden Hitze ist der steile Weg aber auch recht anstrengend, weshalb wir froh sind, als nach ca. 20 Minuten der Hafen vor uns auftaucht und die frische Meerluft uns abkühlt.

Tja, die Altstadt. Was soll ich sagen. Sie ist tatsächlich wunderschön! Sehr gut erhalten, mit einem fantastischen mittelalterlichen Flair. Aber … dieser Flair wird bereits vor dem Durchschreiten der Stadtmauer zunichte gemacht durch die zahlreichen TouristenfängerInnen, die einen in das Restaurant, den Laden, die Eisdiele etc. locken wollen. Mehr oder weniger (meist mehr) aufdringlich wird man von allen Seiten angequatscht. Und wenn man dann tatsächlich einen Laden betritt, geht es drinnen mit doppelter Intensität weiter.

Ich hatte eigentlich vorgehabt, mir ein Sommerkleid zu kaufen, verliere aber schnell die Lust dazu. Ebenso macht es uns schon nach kurzer Zeit keinen Spaß mehr, durch die Gassen zu wandern, wenn einen alle paar Sekunden jemand versucht, von seinem ach so tollen Angebot zu überzeugen. Wir suchen uns ein Restaurant (nämlich das mit den am wenigsten aufdringlichen Kellnern) und setzen uns in den dazugehörigen Hof. Der wiederum ist wirklich schön und hier hat man auch seine Ruhe.

Etwas versöhnt freue ich mich auf die Fischplatte, die ich bestellt habe – nur um gleich die nächste Enttäuschung zu erleben. Selten habe ich einen dermaßen fad und lieblos zubereiteten Fisch gegessen. Das einzig Schmackhafte auf dem Teller ist das Gemüse.

Wir verzichten daher hier auf einen Nachtisch und wählen dafür lieber die riesige Eisdiele direkt im Altstadtkern. Die Portionen, die wir bekommen, sind ebenso riesig – schmecken tun sie allerdings eher durchschnittlich. Ernüchtert, aber immerhin satt, machen wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz.

Unser Trogir-Fazit: Hübsch anzuschauen, aber für einen Besuch braucht man deutlich mehr Nerven, als wir sie vorzuweisen haben. Wenn einen die aufdringlichen Verkäufer nicht stören, ist eine Besichtigung aber durchaus lohnenswert.

Routenüberblick

Datum: 20. Juni 2018
Schwierigkeitsgrad: mittel – teilweise böiger Wind, Straßen aber gut in Schuss
Länge:  222 km,  ca. 3,5 h reine Fahrzeit
Eindrücke: schöne Landschaft, fahrtechnisch aber streckenweise recht öde