Bergen hautnah – Ein Tag in Norwegens Regenhauptstadt

Bergen bietet einen Fischmarkt, eine Wikingerhalle und eine Bergbahn, lässt sich das aber auch gut bezahlen. Hier die Erlebnisse aus unserer (erstaunlich trockenen) Stadtbesichtigung.

Nach einer geruhsamen Nacht im fantastischen Lone Camping bei Espeland, in der wir uns gut von den gestrigen Strapazen erholen konnten, läuft der heutige Tag unter einem ganz anderen Motto: kein weit entferntes Tagesziel, kein Dauerritt im Motorradsattel, sondern nur eines – Bergen. So haben wir den ganzen Tag für eine Stadtbesichtigung von Norwegens “zweiter Hauptstadt” eingeplant – eine Verschnaufpause auf unserer Skandinavien-Reise, auf die wir uns wirklich freuen.

Der Tag beginnt gleich mit einer positiven Überraschung: Schon am frühen Morgen begrüßt uns gleißende Sonne und blauer Himmel. Gibt’s doch gar nicht, schließlich gilt Bergen unter allen Städten Norwegens als absoluter Regenmagnet. Es scheint fast, als wollen uns die Wettergötter für den vorigen Tag eine Entschuldigung zukommen lassen. Na, die nehmen wir doch gerne an!

Zu unserem Glück ist die Fahrt in die Stadt selbst ein Kinderspiel. Einfach die Straße überqueren, an der Bushaltestelle (zusammen mit reichlich anderen Touristen aus unserem Campingplatz) in den nächsten Bus steigen, der ca. alle 30 Minuten abfährt, im südlich gelegenen Nesttun direkt in eine Straßenbahn umsteigen und sich direkt ins Herz von Bergen kutschieren lassen. Alles in allem eine Fahrt von ca 40-50 Minuten mit wenig Stress.

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Günstiger Ticketkauf

Dank eines Tipps des netten Campingplatzpersonals wussten wir, dass man die Bustickets im nahegelegenen Supermarkt deutlich billiger kaufen kann als im Bus selbst. Wer sich also ein paar Kronen sparen möchte, sollte sich vorher am besten nach ähnlichen Kaufmöglichkeiten am jeweiligen Campingplatz umhören!

Ankunft in Bergen

Gleich nach dem Aussteigen an der Station Byparken (letzte Haltestelle der Straßenbahn) finden wir uns direkt neben der Hauptfußgängerzone der Stadt wieder. Dorthin zieht es uns. Der erste Eindruck erinnert skurrilerweise fast eher an die Ramblas in Barcelona als an eine abgelegene Stadt weit im Norden: Eine lange, breite Einkaufsmeile, die sich von einer großen Kirche bis hin zum Hafen in fast gerader Linie zieht – McDonalds inklusive. Neben ein wenig Schaufenstergucken nutzen wir die Straße auch gleich als praktischen Wegweiser und folgen ihr bis zum Meer.

Nun erreichen wir das erste Tageshighlight: den berühmte Fischmarkt von Bergen. Touristenziel Nr. 1 und Fundort der wohl teuersten Krabben, Garnelen und Fischbrötchen, die ich je gesehen habe. Wer noch nie 39 Euro für ein paar Meeresfrüchte mit Salat ausgegeben hat, der hat doch nicht richtig gelebt! Unter leicht befremdlichen, aber auch durchaus interessanten Eindrücken – unter anderem von lebendigen Königskrabben, Marktschreiern und einem erstaunlich hohen Anteil asiatischer Verkäufer – verlassen wir den Markt schließlich mit weiterhin jungfräulichem Geldbeutel in Richtung Norden.

Bergen von oben

Jetzt haben wir die Wahl zwischen mehreren interessanten Stadtzielen. Da wir dem schönen Wetter aber nicht vollständig trauen – Bergen hat immerhin einen Ruf zu verlieren – entschließen wir uns als erstes für einen Trip hoch in die Wolken. Auf geht’s zur Fløibanen, einer Seilbahn, die uns für ca. 10 Euro pro Person hoch auf den anliegenden Berg Fløyen brint. Dank über 300 Meter Höhendifferenz zum Meer und klarer Sicht kann man hier problemlos die ganze Stadt samt umliegender Inseln, Schären und Schiffszufahrten bis zum Atlantik überblicken. Wow! Ein Panorama, wie man es wirklich nur selten im Leben zu sehen bekommt. Erst recht in Anbetracht des sonst so häufig bewölkten Himmels über Bergen.

Direkt hinter der Aussichtsplattform finden sich weitere Restaurants, ein Spielplatz und ein urwüchsiger Wald, der sich herrlich zum Wandern nutzen lässt. Laut einiger Tipps lohnt sich hier ein Ausflug bis zur bekannten Waffel- und Snackstation Brushytten, den wir uns aber lieber für unseren nächsten Bergen-Besuch aufheben.

Nachdem wir die Landschaft genug genossen haben, geht es auf gleichem Weg wieder bergab für eine kleine Mittagspause in die Kaffemisjonen, wo wir den meistprämierten Kaffee der Stadt zusammen mit etwas Kuchen genießen. Natürlich bestelle ich mir in meiner Überheblichkeit spontan einen Macchiato (ohne Latte), der mich als Kaffeelaien hoffnungslos überfordert und sämtliche Geschmacksnerven verbrennt. „Lecker!“ sage ich voller Scham, während Anja ihren Cappuccino ganz ausgezeichnet findet und voller Freude schlürft. Ich will’s ihr gerne glauben, wirklich nachprüfen kann ich es mit tauben Mund ohnehin nicht.

Zwischenstopp in Bryggen

Frisch gestärkt verlassen wir das kleine Café östlich vom Fischmarkt, schlendern ein wenig durch die Stadt und machen uns auf zu Bryggen, der großen Speicherstadt direkt am Hafen, die mittlerweile sogar als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt ist. Was von außen wie eine lustige Reihe von direkt miteinander verbundenen Häusern wirkt, verbirgt in den Hinterhöfen und -häusern ein regelrechtes Labyrinth aus Lagerräumen, Fell- und Ledershops und einigen interessanten Statuen. Das Besondere: Man läuft fast immer auf einer Art Holzboden, umzingelt von Holzwänden und dem ein oder anderen Holzdach- bzw. Balken. Dass die ganze Speicherstadt im Laufe ihrer Existenz wohl zwei Mal fast völlig abgebrannt ist, wundert uns da wenig. Wer sich allerdings Zeit nimmt, kann dafür die sehr urige und rustikale Atmosphäre der alten Handelshäuser voll in sich aufsaugen.

Direkt neben Bryggen am Ende des langen Hafenzipfels statten wir schließlich unserem letzten großen Tagesziel einem Besuch ab: der Festung Bergenhus. Für ungefähr 8 Euro pro Person erhält man auf dem (kostenlos zu besichtigenden) Burggelände Eintritt in die fast 800 Jahre alte Håkonshalle (alternativ zu einigen weiteren Festungsabschnitten, die wir aber nicht so spannend finden). Die riesige Halle wurde im Laufe der Jahrhunderte als Austragungsort für zahlreiche Festen und Hochzeiten, aber auch zeitweilig als Kornspeicher genutzt und bietet entsprechend Platz. So viel, dass sich der Vergleich zur großen Halle in Hogwarts förmlich aufdrängt. Einen sprechenden Hut finden wir aber nirgends 😉

Zu unserer Überraschung entdecken wir dafür unter dem eigentlichen Hauptraum noch ein Untergeschoss mit hunderten weiteren Tischen und Stühlen, das im orangenen Schummerlicht eine sehr einladende Stimmung verbreitet. Bei später Stunde sorgt das ganze bestimmt für eine fantastische Feierstimmung – vorausgesetzt man bringt ungefähr 400 Freunde mit.

Sehenswürdigkeiten für den Spätnachmittag

Bald verlassen wir die Festung wieder und taumeln bei langsam eintretender Erschöpfung noch etwas durch die Stadt. So gibt es direkt an der anderen Seite der Hafenbucht ein großes Aquarium, das mit einer der größten Meeresartenvielfalt der Welt aufwartet (uns aber etwas zu teuer ist) und die bereits erwähnte große Kirche am Ende der Einkaufsmeile, bei der man sich einen Besuch mit gefühlten 1000 Treppenstufen erst einmal verdienen muss. Dafür ist der Eintritt dann aber frei und man kann sich beim Bestaunen der beeindruckenden Holzdecke wieder etwas ausruhen.

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Geheimtipp fürs Abendessen

Bei unserer Bergen-Recherche haben wir uns natürlich auch nach Restaurants umgeschaut. Dabei ist vor allem eines herausgestochen: das Naboen. Zentral gelegen soll man hier vom Fisch bis zum Steak, von Deftigem zu Süßem alles bekommen, was das Herz begehrt, sogar gutes Bier. Und das alles zu bezahlbaren Preisen, was für Bergen absolut ungewöhnlich ist.

Der einzige Trick: Man darf sich nicht direkt an den nächstbesten Tisch setzen, sondern muss eine eher unauffällige Treppe suchen, die in den Keller des Restaurants in eine Art Pub führt. Hier ist es nicht nur gemütlicher, sondern Erfahrungsberichten nach auch günstiger als oben.

Wir selbst haben es leider zeitlich nicht in das Naboen geschafft (es öffnet erst gegen Abend), daher am Besten selbst noch einmal recherchieren und schauen, ob sich in dieser Hinsicht etwas geändert hat!

Vor dem Verlassen der Stadt kehren wir schließlich noch in ein Pizzarestaurant (Peppes Pizza) nahe der Straßenbahnhaltestelle ein und gönnen uns unser erstes Abendessen in Norwegen, das nicht aus der Konserve stammt. Endlich! Immerhin befinden wir uns gerade am nördlichsten Punkt unserer Reise – das muss belohnt werden! Leider hält die Feierlaune nicht allzu lange an: Eine einzige Pizza kostet hier gut über 30 Euro. Wir hatten zwar einiges in Punkto Preisen erwartet, das schlägt dem Fass dann aber wirklich die Krone ins Gesicht. Glücklicherweise ist die (jetzt gemeinschaftliche) Pizza verhältnismäßig groß und schmeckt überraschend gut, sodass wir das Restaurant doch noch satt und etwas besänftigt verlassen.

Nach der Rückfahrt mit Straßenbahn und Bus – analog zur Hinfahrt – erreichen wir gegen Abend wieder unseren Campingplatz und verkriechen uns mit müden Füßen und vielen Eindrücken im Gedächtnis recht schnell ins Zelt. Bergen ist wirklich eine absolut sehenswerte Stadt, die sich nicht nur organisch in die norwegische Landschaft einfügt, sondern auch reich an Geschichte und Kultur ist. Wenn es uns noch einmal in diese Gegend verschlagen sollte, besuchen wir sie auf jeden Fall wieder! Morgen geht es nun aber erst einmal weiter über die berüchtigte Hardangervidda, für die eine gesunde Mütze Schlaf wirklich nicht schaden kann.