Eda bis Åmål – Von Wäldern, Seen und roten Häusern

Die erste Etappe in Schweden erweist sich als geradlinige Fahrt zwischen Wald und Wasser - und das scheinbar abseits jeder Zivilisation. Kuchen haben wir trotzdem gefunden!

Norwegen ade, hallo Schweden! Nach ganzen sechs Tagen atemberaubender Motorradfahrt überfuhren wir gestern endlich wieder die Grenze in ein neues, unbekanntes Land! Nun ja, zumindest in meinem Fall, da Anja schon einmal mit dem Wohnmobil in Schweden zu Gast war – wenn auch vor über 10 Jahren. Insofern sind wir heute beide gespannt, was das Land der Elche und tausend Seen für Motorradfahrer zu bieten hat.

Zu unserem „Glück“ belächelt uns dabei die Sonne weiterhin herzlich mit gleißendem Licht, das uns ohne jede Wolke als Filter auf den Kopf brennt. Aber gut, wo wir am Anfang der Reise noch über Regen, Nebel und Kälte geklagt haben, wollen wir jetzt nicht undankbar sein. Zudem ist heute tatsächlich der erste Tag seit langem, an dem es uns eher nach Süden als Osten zieht und wir somit nicht ununterbrochen in die blendende Morgensonne am Horizont schauen müssen.

Also auf aufs Motorrad und los geht’s: Von Eda schlagen wir uns zunächst südöstlich nach Arvika durch, woraufhin wir westlich in ein sehr seenreiches Gebiet abbiegen (wobei man hier wenig falsch machen kann, tatsächlich ist das Land mit Seen durchlöchert wie Schweizer Käse). Unsere Fahrt ist hier vor allem von einem geprägt: Wald. Unendlich viele Bäume, wohin das Auge auch schaut. Auf der einen oder anderen Lichtung blitzen auch die versprochenen Seen hervor, jedoch etwas seltener als wir es uns vielleicht gewünscht hatten.

Der Ritt durch einsame Wälder

Anja quittiert die ewige Naturszenerie dabei sehr treffend als „inflationäre Idylle“ – etwas, bei dem ich ihr nach einigen Stunden immer gleichbleibendem Ausblick wirklich beipflichten muss. Wo Norwegen noch aus 1/3 Fels, 1/3 Wald und 1/3 Wasser bestand, scheint Schweden eher aus 2/3 Wald und 1/3 Wasser zu bestehen – krasse Fjorde, Felsformationen oder überhaupt so etwas wie einen größeren Berg sucht man hier vergebens.

Trotzdem hat der Weg nach Süden seine ganz eigenen Reize: Regelmäßig treffen wir nun auf das berühmte Schwedenrot, das von großen Scheunen bis zu kleinen Bushaltestellenhäuschen überall Verwendung findet. Die Straßen sind breit gebaut und verleihen der Gegend ein unverkennbares Gefühl von Weite, das zudem durch die relative Einsamkeit nur noch gesteigert wird. Schnell denkt man, fernab jeglicher Zivilisation durch uralte Waldgebiete voller Wildleben zu fahren – ein Eindruck, der sicherlich auch nicht weit entfernt von der Realität liegt.

Kurzer Snack und Weiterfahrt im Nirgendwo

Etwas ermüdet und mit lauter Bäumen vor Augen treffen wir ungefähr in der Mitte der heutigen Strecke doch noch unerwartet auf Menschen: Die Hauptstraße in Årjäng zwingt ins direkt durch das Zentrum der Wildkolonie… äh Stadt, und macht uns dabei auf ein nettes kleines Café aufmerksam, in dem reger Betrieb herrscht. „Die Gelegenheit muss man beim Schopfe packen!“ denken wir uns in Ermangelung bisheriger Essgelegenheiten, sodass wir uns alsbald wohltemperierte Luft zu etwas Cola und Kuchen über die Nasen wehen lassen.

Nach der wohlverdienten Stärkung geht es weiter Richtung Süden. Hier macht die zweite Hälfte der Strecke der ersten alle Ehre: wieder Wald, wieder Seen, wieder viel Isolation. Selbst durch die etwas größere Siedlung Bengtsfors fährt man nur am Rande, sodass man die Natur in vollen Zügen genießen kann bzw. muss. Das mag für viele den Reiz einer gemütlichen Motorradfahrt ausmachen, nach dem bildgewaltigen Norwegen erscheint uns die immer gleiche Szenerie aber doch etwas abwechslungsarm.

Ankunft in Åmål

Dank der Kürze der heutigen Tour kommen wir schließlich relativ früh am Nachmittag in Åmål an und finden ohne Mühe den gut ausgeschilderten Campingplatz. Dieser liegt beschaulich am Vänern, hat einen Badestrand und bietet sogar ein paar Plätze auf Hügeln, die zu diesen Zeitpunkt praktischerweise auch noch alle frei sind. Puh, noch einmal Glück gehabt, denn wirklich recherchiert haben wir für die heutige Übernachtung eigentlich überhaupt nicht.

Am Abend lernen wir dann noch ein sehr nettes deutsches Paar kennen, das mit ihrem VW-Minibus direkt neben uns campt und sich gerade auf dem Rückweg vom Nordkap befindet – letzteres scheint nicht nur eine sehr kalte, sondern wohl auch sehr teure Angelegenheit zu seint, die selbst die Preise von Bergen in den Schatten stellt. Als wir nach Würfeln fragen (unsere haben wir, wie wir an dem Abend merken, daheim vergessen), stellt sich zudem heraus, dass die beiden riesige Kniffel-Fans sind! So verbringen wir den Abend entspannt mit Spielen, dem Blick auf den See (oder auf das Süßwasser-Meer, je nachdem, wie man die gewaltige Größe des Vänern auffasst) und – im Gegensatz zum Großteil des Tages – in guter Gesellschaft von Menschen.

Routenüberblick

Datum: 3. Juli 2015
Schwierigkeitsgrad: simpel
Dauer: 175 km, ca. 2-3 h – Viele gerade Straßen ermöglichen zügiges Vorankommen
Eindrücke: Waldig, deutlich flacher als Norwegen, ab und an Seen, kaum Häuser