Ölwechsel bei der BMW F 800 GS – so klappt’s

Wer sich selbst an einem Ölwechsel heranwagen möchte, muss davor keine Angst haben. Etwas Vorbereitung braucht es jedoch.

Ups, es sind schon wieder ein, zwei Jahre seit dem letzten Ölwechsel vergangen – oder man war wieder viel unterwegs? Aber die Wartung in der BMW-Werkstatt ist einfach zu teuer? Kein Problem! Mit etwas Geschick, dem richtigen Werkzeug und ein paar wenigen Einkäufen kann man den Ölwechsel am BMW-Motorrad auch daheim erledigen.

Hinweis: Diese Anleitung ist unter Hinzunahme von Fachliteratur und nach besten Wissen und Gewissen erstellt worden, für eventuelle Schäden am Motorrad muss aber jeder selbst haften.

Vorbereitung und Anschaffungen

Zunächst natürlich das Grundlegendste: Welches Öl braucht das Motorrad? Die von BMW empfohlenen Viskositäten für mitteleuropäische Gefilde befinden sich im Bereich 10W-40 und seltener 15W-40. Castrol unterhält dabei eine Partnerschaft mit BMW, sodass man Castrol-Öle, wie etwa das Castrol Power 1 4T, das ich für meinen Ölwechsel verwendet habe, sogar direkt beim BMW-Händler kaufen kann. Doch Vorsicht: Von vollsynthetischen Ölen wird in der Regel durchwegs abgeraten, ebenso von Ölzusätzen, da diese die Verlässlichkeit der Kupplung beeinträchtigen können.

Wichtig: Unbedingt die Quittung aufheben, damit man das Altöl später beim gleichen Händler (in den Behältern des neuen Öls) wieder abgeben kann.

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Checkliste: Das braucht man für den Ölwechsel

  • 2,7 – 3,2 Liter 10W-40 Motoröl für Motorräder
  • ggf. einen neuen Ölfilter mit Ölfilterschlüssel
  • neuen Dichtungsring für die Ölablassschraube
  • 10er Inbus für die Ablassschraube, idealerweise Drehmomentschlüssel
  • Auffangbehälter für Altöl
  • Lappen und Unterlagefläche
  • ggf. einen Trichter

Wieviel Öl man benötigt, hängt dabei von der Art des Ölwechsels ab. Im einfachsten Fall braucht man ca. 2,7 Liter – nämlich dann, wenn man nur das Öl ablässt und neu befüllt. Wer den Ölfilter noch mit wechseln möchte, kommt auf 2,9 Liter. Und wer tatsächlich den ganzen Motor auseinander genommen und gereinigt hat, sollte 3,2 Liter parat halten (Restmenge im Schwingenschachtdeckel, die sonst nicht abgelassen wird). Das sollte aber wohl eher selten vorkommen.

Apropos Ölfilter: Dieser wird bei jedem regelmäßigen Ölwechsel in der Werkstatt ebenfalls ausgetauscht – und das mit gutem Grund. Verunreinigungen und Schleifpartikel, die sich im Laufe der Zeit im Öl sammeln, werden hier abgefangen, damit kein Haar in die Suppe… äh in das Öl gerät. Ein neuer Filter kann daher nie schaden – vor allem, da dieser in der Regel für um die 10 Euro billig zu haben ist. Hier sollte man nur sicherstellen, dass der Filter auch garantiert mit dem Motorradmodell und dem Baujahr kompatibel ist. Hinweis: Wenn der Filter keine anderweitigen Ansetzpunkte hat, braucht man zum Entfernen einen speziellen Ölfilterschlüssel. Die gibt es in vielen Formen und Farben. Wichtig ist, dass er auf Ölfilter mit 74mm Durchmesser passt – die Standardgröße für die F 800 GS.

Zum Schluss wäre es noch gut, einen neuen Dichtungsring für die Ölablassschraube parat zu halten. Der ist aus Kupfer und damit recht wiederstandsfähig, kann aber durch eine zu stark angezogene Schraube verformt werden. Ein Austausch ist hier oft nicht nötig, andererseits kostet ein neuer Ring nicht einmal einen Euro.

Ansonsten braucht es natürlich eine Aufwangwanne für das alte Öl, einen Trichter sowie einige Lappen und eine Unterlegfläche, um den unausweichlichen Seitenspritzern vorzubeugen.

Los geht’s: Ölwechsel in 6 Schritten

1.  Papier unterlegen & Motor warmlaufen lassen

Nachdem man sich ein passendes Plätzchen gesucht hat, sollte man ausreichend Papier bzw. eine alte Decke direkt unter und in Fahrtrichtung links vom Motor auslegen, da auf dieser Seite das Öl herausgeschossen kommt. Dann sollte der Viskosität und eines letzten Durchmischens halber der Motor für ein paar Minuten bzw. Kilometer warmlaufen. Vorsicht: Natürlich kann man sich danach leicht am heißen Öl verbrennen! Während der Motor warmläuft, kann man die restlichen Werkzeuge und Ersatzteile schon einmal bereit legen.

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Seitenständer oder Hauptständer?

Wenn möglich, sollte das Motorrad zum Ölwechsel auf dem Seitenständer stehen, da so der Motor zur Ablassschraube hin gekippt ist und das Öl gründlicher abfließen kann. In meinem Fall hatte ich damit allerdings Probleme, da der Seitenständer so weit vor reicht, dass kaum noch Platz für meinen Auffangbehälter ist. Daher habe ich das Motorrad zunächst auf den Hauptständer gestellt, die Hauptmenge des Öls so abgelassen und das Restöl kurz darauf über den Seitenständer geleert.

2. Altöl ablassen

Vor dem Ablassen des Öls ist es empfehlenswert zunächst den Ölmessstab abzunehmen, damit das Öl ohne Unterdruck gleichmäßig abfließen kann. Ist das erledigt, findet man die „richtige“ Ölablasschraube bei der F 800 GS ganz unten am Motor auf der linken Seite. Der Auffangbehälter sollte so platziert sein, dass ein gewisser Schwall mit einkalkuliert ist (siehe Bild).

Die Schraube kann dabei recht fest angezogen sein, doch keine Sorge beim Loslösen: Das Öl drängt sich erst bei den letzten 1-2 Umdrehungen aus dem Motor, vorher hat man also nichts zu befürchten. Trotzdem Vorsicht: Ist es dann soweit, kommt es mit ordentlichem Druck herausgeschossen.

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Filter im Auffangbehälter?

In meinem Fall hatte der Altölbehälter noch einen gelben „Filter“ bzw. ein grobes Sieb über dem Abfluss, das für den heftigen Schwall an Öl zu enge Maschen hatte. So stieg das Öl schneller als dass es abfloss und ich musste die Ölablassschraube kurzzeitig wieder einsetzen, um Schlimmeres zu verhindern. Da man das Altöl eh nicht mehr braucht, empfehle ich solche Filter einfach zu entfernen, um das Problem zu vermeiden.

3. Ölfilter abschrauben

Nachdem der Großteil des Öls abgeflossen ist, geht es nun an den Ölfilter. Hier brauchen wir jetzt den oben erwähnten Ölfilterschlüssel. Tipp: Vorher den dreckigen Ölfilter möglichst sauber putzen, sonst bleibt er im Schlüssel gerne stecken!

Beim Abschrauben auch hier auf hervorquellendes Öl achten, wobei jetzt nicht mehr viel übrig sein dürfte. Gegebenenfalls sollte man dafür den Ölauffangbehälter neu positionieren, falls dieser an der Hauptschraube nicht mehr gebraucht wird. Den alten Ölfilter sollte man dann noch eine Weile austropfen lassen.

4. Reinigung der Teile

Nun gilt es, die Ölablasschraube am Gewinde und rund um den kleinen Magneten auf der Innenseite gut zu reinigen (hier sammeln sich gerne kleine Metallreste). Der alte Dichtungsring wird mit dem neuen ausgetauscht und auch das Gewinde im Motor sollte von Verschmutzungen befreit werden.

Wie in den Bildern zu sehen ist, ist allein der äußere Unterschied zwischen altem und neuen Ölfilter wie Tag und Nacht. Beim Dichtungsring hingegen habe ich auch bei genauer Inspektion keine Schäden festgestellt. In meinem Fall hätte man ihn also problemlos wiederverwenden können.

5. Ölablassschraube und Ölfilter wieder anbringen

Ist alles sauber, geht es jetzt wieder ans Zusammenbauen. Die Ölablassschraube mit frischem Öl benetzen und mit dem neuen Dichtungsring wieder einsetzen. Anschließend mit 40Nm Drehmoment festschrauben.

Den neuen Ölfilter zum Schutz ebenfalls mit etwas Öl auf der Gummiseite und im Gewinde bestreichen und einschrauben. Hier wird ein Drehmoment von lediglich 14Nm empfohlen, was wirklich sehr wenig ist. Aber Vorsicht: Wer zu fest schraubt, kann den Filter beschädigen.

7. Öl wieder auffüllen

Sitzt alles wieder sicher, kann man den Motor nun (endlich!) mit dem neuen Öl befüllen. Dafür am besten einen ausreichend großen Trichter an die Öffnung für den Motorölmesstab ansetzen und gute 2,5 Liter einfüllen. Danach lieber etwas zaghafter vorgehen, um ein Überschwappen zu vermeiden. Wie oben erwähnt, sollte sich die gesamte Füllmenge hier zwischen 2,7 und 2,9 Litern (mit neuem Ölfilter) bewegen.

Ist die vorgesehene Menge eingefüllt, den Messstab wieder einschrauben. Jetzt sollte das Motorrad wieder voll einsatzbereit sein. Nun noch alle Ölreste vom Motorrad (und der Umgebung) gut abputzen, und schon ist man für den nächsten Ausflug optimal geschmiert!

Sicherheitshinweis: Wenn der Motor beim Anmachen ungewöhnliche Geräusche macht, die für längere Zeit anhalten (1-2 Sekunden sind noch nicht unbedingt ungewöhnlich), das Motorrad sofort ausschalten und alles noch einmal überprüfen, um Motorschäden zu vermeiden!

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Der Ölstand lügt

Wenn sich jetzt laut Messstab deutlich zu viel Öl im Motor befindet, keine Panik! Denn das Öl muss sich erst noch gleichmäßig im Kreislauf verteilen. Dazu lassen Sie die BMW wieder ein paar Minuten laufen oder machen eine Probefahrt. Danach einfach noch einmal den Ölstand messen. Wer auf Nummer sicher gehen will, belässt es zunächst bei 2,5 Litern und füllt den Rest erst nach dem Probelauf nach.