Tipps zum Überleben im teuren Norwegen

Norwegen ist berüchtigt dafür, besonders teuer zu sein. Hier ein paar Tipps, wie man dort auch ohne zusätzlichen Bankkredit einen Urlaub verbringen kann.

Das Einkaufen in Skandinavien wird umso teurer, je weiter man nach Norden kommt. Unterscheidet sich Dänemark preislich nur wenig von Deutschland, so muss man in Schweden schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Wer jedoch z.B. die Lebenshaltungskosten einer Stadt wie München gewöhnt ist, den kann auch das noch nicht sonderlich beeindrucken. So richtig heftig wird es aber in Norwegen. Da haben selbst wir, als chronische Bioladen-Einkäufer, häufiger mal geschluckt.

In einem der Reiseführer, die ich gelesen habe, hieß es, man solle die Norweger nicht auf diese Preisproblematik ansprechen, schließlich wären sie selbst genauso davon betroffen. Nun, das hatte ich auch gar nicht vor (das Ansprechen meine ich), aber unabhängig davon glaube ich, dass die Bewohner Norwegens sich trotzdem nicht so schwer dabei tun, ihre hohen Lebenshaltungskosten zu bezahlen – ist doch ihr Einkommen ungleich höher als unseres.

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A Song of Oil and Money

Der Wohlstand des Landes Norwegen resultiert vorrangig aus den reichen Öl- und Gasvorkommen – und das schlägt sich auch im allgemeinen Einkommensniveau nieder. Laut dem Internationalen Währungsfonds hatten die Norweger 2013 ein durchschnittliches Einkommen von mehr als 4.800 Euro monatlich (zum Vergleich: in Deutschland waren das im selben Jahr rund 2.600 Euro im Monat).

Ich neide den Norwegern ihr ansehnliches Einkommen nicht. Aber konkret bedeutet das für uns nicht ganz so betuchte Reisende, doch ein wenig genauer hinzusehen, wenn der Urlaub nicht übermäßig teuer werden soll. Hier ein paar Tipps, wie das Überleben in finanzieller Hinsicht leichter wird.

Campingplätze sind günstig

Bis auf eine Ausnahme waren die Campingplätze, die wir besucht haben, allesamt billiger als z.B. in Italien oder Frankreich. Im Durchschnitt kostete uns eine Übernachtung 25,00 Euro (2 Personen, 2 Motorräder, ein kleines Zelt, kein Strom) bei durchwegs guter Ausstattung und schönen Plätzen. Da kann man nicht meckern, in Italien sind wir dafür meist um die 35,00 Euro losgeworden.

Eine Besonderheit auf norwegischen Campingplätzen ist jedoch, dass man so gut wie immer für das Duschen extra bezahlen muss. Meist kauft man sich beim Check-in einen speziellen Token dafür. Mit so einem Duschchip für um die 10 – 20 NOK kann man dann zwischen 3 und 10 Minuten (je nach Campingplatz) duschen. Am besten erkundigt man sich, wie lange der Token das Duschen erlaubt, und kauft ggf. ein paar mehr. Nicht benötigte Token können beim Verlassen des Platzes wieder zurückgegeben werden (und man erhält sein Geld wieder), was allemal besser ist, als voll eingeseift plötzlich ohne warmes Wasser dazustehen :-). Ganz Hartgesottene können natürlich auch  von vorneherein auf warmes Wasser beim Duschen verzichten – Kaltwasser gibt es nämlich immer kostenlos.

Ein Tipp für Paare: Viele Plätze haben auch eine oder mehrere Familienduschen, die man gemeinsam benutzen kann. Neben den dadurch gesparten Duschmarken hat das auch einen nicht zu vernachlässigenden sozialen Faktor. Darüber hinaus sind diese Familienduschen angenehm geräumig. Man sollte jedoch darauf achten, einer „echten“ Familie mit Kleinkindern nicht unbedingt die einzig vorhandene Familiendusche vor der Nase wegzuschnappen.

Auch der Strom kostet extra – doch das ist in Italien, Frankreich, etc. ja auch nicht anders. Wir haben unsere ladebedürftigen Elektrogeräte (insbesondere Handys und Helm-Funk) daher grundsätzlich an unseren Motorradsteckdosen geladen (passende Adapter gibt es in Elektro- und Outdoor-Läden), die Helm-Interkoms über Nacht, die Handys während des Fahrens in der Jackentasche, mit entsprechend langem USB-Kabel. Hat wunderbar funktioniert. Nur einmal hatte ich Startprobleme, weil ich nicht nur die Interkoms, sondern auch zwei Fotoapparate in derselben Nacht geladen habe. Das hat mir meine Motorrad-Batterie dann doch ein wenig übel genommen und die BMW ist nur sehr unwillig angesprungen.

In ca. der Hälfte der von uns besuchten Campingplätze musste man auch für das Benutzen der Kochplatten extra bezahlen – doch darauf komme ich im nächsten Abschnitt zu sprechen.

Selbst kochen spart enorm viel Geld

In unseren Italien-Urlauben haben wir nie Kochgeschirr dabei, sondern gehen jeden Tag in eine Pizzeria. Das Essen ist dort so günstig, da lohnt sich das Kochen kaum. Anders in Norwegen, hier gehören Restaurantbesuche mit zum Teuersten, was man sich antun kann. In der Pizza-Kette Peppes Pizza in Bergen z.B. kostet eine einzelne Pizza im Schnitt 30,00 Euro.

Uns war schon von vorneherein bewusst, dass die Skandinavien-Tour keine Schlemmerfahrt wird. Daher haben wir Kochtöpfe, Teller und Besteck eingepackt und uns während unseres Aufenthaltes in Norwegen nahezu ausschließlich von aufgewärmten Dosen ernährt. Die kann man in ausreichender Vielfalt (wobei Fleischklöpse in irgendwelchen Soßen auf alle Fälle vorherrschend sind) in den Supermärkten vor Ort kaufen (Öffnungszeiten beachten – an Sonntagen haben sie mancherorts geschlossen). Auch Brot für das Frühstück und halbwegs haltbaren Brotbelag gibt es dort, ganz toll für uns Motorradfahrer ist z.B. die Erdbeermarmelade in der Quetschflasche :-). Die Preise sind ähnlich denen in Deutschland – wenn auch keine Discounterpreise.

Jeder Campingplatz, den wir besucht haben, hatte eine ausreichend ausgestattete Küche für die Campinggäste, in der man sich das Essen aufwärmen konnte. Bei ungefähr der Hälfte der Plätze mussten wir für das Benutzen der Kochplatten jedoch auch einen Token erwerben. Meist war das billig (so um die 2 Euro für eine halbe Stunde oder länger), aber wer sich das ebenfalls sparen möchte, sollte einen eigenen Kocher mitbringen. Oder sich die Kochplatte mit anderen Gästen teilen, denn oft reicht die Zeit, um mehrere Mahlzeiten nacheinander zuzubereiten.

Zum Frühstück haben wir uns immer je eine Tüte Instant-Cappuccino mit heißem Wasser aufgegossen. Hierfür benötigt man keine Kochplatte, das warme Wasser aus dem normalen Wasserhahn war eigentlich immer heiß genug. Und die Trinkwasserqualität ist sehr gut – mit dem kalten Wasser kann man sich auch die Wasserflaschen füllen und spart teure Limonaden.

Ein paar Schokoriegel für unterwegs sind gut gegen den schnellen Hunger. Hat man Lust auf etwas Warmes, so kann man in den größeren Tankstellen oder in den an manche Tankstellen angeschlossenen Supermärkten Hotdogs und Sandwiches für umgerechnet um die 6,00 Euro kaufen. Das ist nicht gerade ein Schnäppchen, aber die Dinger schmecken gar nicht mal so schlecht und halten eine Weile satt. Auch die an vielen Stellen erhältlichen Waffeln sind günstig und schmecken gut. Alternativ kann man sich beim Frühstück natürlich auch ein paar Brote schmieren und diese unterwegs verspeisen.

Auf Alkohol verzichten

Alkohol und ein fahrbarer Untersatz vertragen sich grundsätzlich nicht. Doch am Abend – nach getaner Fahrt – ein Glas Wein oder ein Bierchen zu trinken, dagegen spricht ja eigentlich nichts. Außer in Norwegen. Hier ist Alkohol so richtig teuer!

In den Supermärkten bekommt man sowieso nur leichtes Bier. Starkbier-Sorten, Wein oder gar Schnaps sucht man hier vergebens. Diese Art von Alkoholika bekommt man nur in speziellen Läden (Systembolaget), die wir nie aufgesucht haben – weshalb ich auch nichts über die Preise z.B. für eine Flasche Wein erzählen kann.

Die Preise für ein Bier im Supermarkt sind aber schon deftig genug. Für eine kleine, 0,3-l-Flasche haben wir knapp 6,00 Euro hingeblättert … wow. Da vergeht einem die Lust auf das regelmäßige Feierabendbier. Wobei dieses Bier nicht schlecht geschmeckt hat – trotzdem blieb es bei dem einen und für den Rest des Urlaubs haben wir lieber Tee oder Limo getrunken 😉

Im Juni reisen und Batterien für Taschenlampen sparen

OK, das ist jetzt nicht ganz ernst gemeint. Tatsache ist aber, dass unserer Reisezeit Ende Juni sehr gut gewählt war. Es wurde nachts nie richtig dunkel. Für das Lesen vor dem Schlafengehen brauchten wir zu keiner Zeit eine extra Lampe, es war auch immer so hell genug (im Zelt!).

Übernachtet man also auf Campingplätzen und verzichtet auf Alkohol und Restaurantbesuche, so ist so ein Norwegen-Urlaub durchaus auch mit wenig Geld machbar. Die Spritpreise gleichen denen in Deutschland und auch sonst sind uns keine weiteren „Preisfallen“ aufgefallen. Ach doch, eine noch:

Fährpreise vor Reisebeginn überprüfen

Gerade die Preise für die längeren Fährverbindungen (insbesondere Hirtshals – Kristiansand) unterscheiden sich häufig sehr stark, je nachdem, welchen Tag und welche Uhrzeit man für die Überfahrt wählt. Mehr Details hierzu findet Ihr hier.