Marvin, Autor auf In fremden Gefilden https://www.in-fremden-gefilden.de/author/mvin/ Anja und Marvin brausen durch die Welt Sun, 22 Mar 2020 07:24:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.1.10 Die Höhlen von Postojna – Eine Wanderung unter den Berg https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/die-hoehlen-von-postojna-eine-wanderung-unter-den-berg/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/die-hoehlen-von-postojna-eine-wanderung-unter-den-berg/#respond Sat, 06 Oct 2018 09:35:56 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=5463 Heute geht es tief unter die Erde – denn mit einem Besuch der weltberühmten Grotte in Postojna steht neben den Plitvicer Seen und Dubrovnik eines der drei Hauptziele […]

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Heute geht es tief unter die Erde – denn mit einem Besuch der weltberühmten Grotte in Postojna steht neben den Plitvicer Seen und Dubrovnik eines der drei Hauptziele unseres diesjährigen Urlaubs auf dem Tagesplan. Ganze 24 Kilometer ist das Höhlensystem groß und stellt damit die zweitgrößte für Touristen geöffnete Tropfsteinhöhle der Welt dar.

Allerdings sollte man anmerken, dass lediglich 5 Kilometer für Besucher zugänglich sind (und davon wiederum 3,5 km mit einem Zug zurückgelegt werden). Trotz der scheinbar „wenigen“ 1,5 Kilometer, die man letztendlich noch zu Fuß zurücklegt, dauert eine komplette Tour immer noch um die 90 Minuten. Es gibt also entweder viel zu sehen oder man kommt lediglich im Schneckentempo voran. Wir bereiten uns optimistisch auf die erstere Option vor.

In jedem Fall gönnen wir uns erst einmal ein ausgiebiges Frühstück, um uns auf die Anstrengungen das Tages vorzubereiten. Das gibt es hier spottbillig und inklusive Omelette recht üppig portioniert. Lecker!

Wanderung durch slowenische Wälder

Wie gestern beschrieben, liegt unser Campingplatz nicht gerade am Puls der Stadt. Ganz im Gegenteil: Einsam und von riesigen Bäumen umzingelt befinden wir ins kilometertief im Wald. Was einerseits für eine angenehme und ruhige Atmosphäre sorgt, wird uns jetzt zum Verhängnis – wollen wir doch in der Grotte nicht die ganze Zeit die Motorradhelme mit uns herumschleppen.

Nun gut, dann wird das heute einfach ein sportlicher Tag – ungefähr 5km müssen wir zu Fuß bis zum Eingang der Grotte zurücklegen. Glücklicherweise gibt es einen schönen Wanderweg, der abseits vom Stress der Hauptstraße zurück in die Stadt führt. Genau abpassen, wann wir loslaufen, müssen wir nicht – schließlich starten die Besichtigungen im Sommer zu jeder vollen Stunde.

Der Wanderweg erweist sich zunächst als waldig, dann als hügelig und schließlich sogar als ein wenig belebt, als wir kurz vor der Stadt einige Kleingärten und einen Hundeparcours passieren. An der Hauptstraße angekommen, konsultieren wir unsere Karte und biegen vor der eigentlichen Stadt rechts ab, um eine Abkürzung zu nehmen.

Gerade Anja behagt diese Entscheidung überhaupt nicht – hätten wir doch einfach der offensichtlicheren Hauptstraße folgen können. Jetzt laufen wir an scheinbar verlassenen Armeekasernen vorbei, und die Straße macht Biegungen, die wir so gar nicht erwartet hatten. Ein kurzer Plausch mit ein paar Anwohnern schafft aber Gewissheit: Ja, das hier ist noch der richtige Weg zur Grotte.

Ironischerweise hätten wir das 100 Meter weiter vorne auch selbst bemerkt. Die Straße führt steil abwärts an einem Hang zurück zur Hauptstraße, von dem man den wie ein Ferienpark anmutenden Eingang zur Höhle schon sehen kann.

Der Eingang – Über Tickets und Sourvenirs

Als wir endlich ankommen, sind wir plötzlich gar nicht mehr so alleine. Egal ob asiatische Busgruppen, Schulklassen oder einfache Besucher wie wir – schon von weitem sieht man die sich tummelnden Menschenmassen. Die befüllen eine bogenförmige Promenade, die bei den Ticketschaltern anfängt, in zahlreiche Restaurants und Souvenirshops übergeht und schließlich beim Eingang in die Höhle endet.

Aber eins nach dem anderen: Anja tänzelt geschickt am Tumult vorbei und findet tatsächlich einen Ticketschalter, den keine große Warteschlange blockiert. Wenig später können wir bereits die Tickets kaufen – für den heftigen Preis von je 28 Euro. Aber gut, das hatten wir im Vorfeld bereits recherchiert und entschieden, dass uns eines der größten Naturwunder Europas das Geld wert ist.

Wie wir jedoch jetzt erst herausfinden, sind die Tickets nicht etwa für eine beliebige Tour des Tages gültig, sondern auf eine bestimmte Uhrzeit festgelegt. Die Dame am Schalter fragt uns vor dem Kauf aber noch einmal, welche Tour wir denn gerne antreten würden. Da es etwa 10:30 Uhr ist, entscheiden wir uns für die 11:00 Uhr Tour.

Genug Zeit, um noch einmal in einem der vielen Restaurants/Hotels auf Klo zu gehen. Da wir aber tendenziell lieber zu früh als zu spät kommen, stehen wir gleich darauf auch schon am Eingang und drehen mit den Daumen. Immerhin sind wir hier nicht die einzigen. Die Warteschlangen sind in Nationalitäten unterteilt und wir kommen schnell ins Gespräch mit einigen der anderen Deutschen.

Kurz vor 11:00 Uhr öffnen sich dann die Pforten. Zumindest die ersten. Die Gruppen gehen ein paar Schritte voran in einen bisher abgesperrten Bereich, stehen dann aber auch erst einmal wieder dumm herum. Vor uns tut sich in der Felswand eine riesige Spalte auf, in der eine massive Tür verbaut ist. Das muss der Eingang sein!

Hinter uns rührt sich aber auch etwas und einige der Menschen verschwinden in einem Seitengang mit Blitzlichtgewitter. „Okay, sind vielleicht VIPs, die eine eigene Tour abseits der Touristen gebucht haben“, denke ich mir. Als dann immer mehr Menschen dort hin verschwinden, macht sich zunehmend Nervosität breit. Erst als wir als letztes noch übrig sind und uns ein Crewmitglied endlich anspricht, wird klar, dass der eigentlich Haupteingang nicht das große Tor vor uns, sondern eben dieser kleine Seitengang ist.

Das Blitzlichtgewitter entpuppt sich schließlich als eine Horde Fotografen, die jede einzelne Person knipst, die an ihnen vorbei will – um die entwickelten Bilder am Ende der Tour zu verkaufen.

Mit dem Zug durch die Unterwelt

Nachdem wir nun den „richtigen“ Eingang doch noch gefunden haben, befinden wir uns alsbald in einer Art kleinem Bahnhof, wo wir einen Zug besteigen, der von Aufbau her dem eines Jahrmarktes ähnelt. Als er losfährt, merken wir sofort, warum man uns geraten hat, hier eine Jacke mitzubringen. Der Fahrtwind macht die ohnehin schon kühle Höhle nicht gerade wärmer. Ehe wir uns versehen, herrschen um uns herum nur noch 10 Grad Celsius.

Dafür gibt es aber auch etwas für die Augen: Wir rauschen vorbei an orange beleuchteten Felsformationen, Stalagmiten und -titen, die sich mal in großen Kammern an der Seite, mal direkt vor unserer Nase befinden. Ich war schon in so mancher Höhle, aber Postojna hat einen ganz eigenen Flair: Der Stein hat eine weißlich-beige Färbung, die immer wieder ins rötliche abgleitet, die Strukturen sind in der ganzen Höhle durch Jahrtausende tropfenden Wassers organisch geformt und die hohe Luftfeuchtigkeit kann man trotz kühler Temperatur förmlich schmecken.

Das Symbol zur Infobox

Ein Fahrt wie im Minenwagen

Auch staunen wir über die scheinbar recht laschen Sicherheitsbestimmungen, da wir derart knapp an Wänden und Decken vorbeifahren, dass wir wohl einen Finger verlieren würden, wenn wir unsere Arme nicht eng am Körper behielten. Darauf macht auch der kurze, amüsant gestaltete Infofilm vor der Fahrt noch einmal aufmerksam.

Wer die Höhle also mit kleinen Kindern besucht, sollte allzu übermütiges Fingerzeigen besser vor vorneherein unterbinden.

Nach ca. 10 Minuten der Fahrt halten wir schließlich in einer der größten Kammern an: Endstation. Der Raum ist so groß, dass sich vor uns ein kleiner Tropfsteinberg auftut, den wir nun über spezielle Fußgängerwege besteigen. Anfangs sind wir ein wenig desorientiert, finden aber glücklicherweise schnell unseren (deutschen) Tourguide, der schon damit angefangen hat, mit Taschenlampe und Lautsprecher ein wenig über die Geschichte und Entstehung der Höhle zu erzählen.

Dabei verrät er uns auch etwas, über das ich mich schon vorher gewundert habe: Obwohl wir recht steile Wege erklimmen, rutschen unsere Schuhe auf dem nassen Betongrund nie ab. Das liegt daran, dass hier ein spezielles Quarzgemisch zum Einsatz kommt, das auch unter nassen Bedingungen wie trockenes Gummi an der Sohle klebt. Das Ganze wirkt ein wenig surreal, da mir meine Erfahrung sagt, dass wir auf derart steilem und nassem Beton eigentlich ausrutschen müssten – es aber nie tun. Von der Idee könnte sich manch eine Straße mal eine Scheibe abschneiden.

Unerwartet in der Finsternis

Die Führung ist ziemlich amüsant und führt uns im Laufe der nächsten Stunde durch die verworrenen Gänge der Grotte. Dabei gibt es aber eigentlich zu jeder Zeit nur einen Weg vorwärts, sodass man sich nicht verirren kann. An bestimmten Stellen hält unser Guide immer mal wieder inne und plaudert über das eine oder andere historische Detail – etwa, dass die einzige Eisenbrücke, die wir in der ganzen Grotte besteigen, noch ein Relikt aus  dem 1. Weltkrieg ist und einst von den Russen erbaut wurde.

Bei unserer Reise durch den Berg sind wir übrigens keineswegs allein: Soweit das Auge reicht (bzw. soweit es die Kammern und Gänge erlauben) tummeln sich Menschenmassen. Die befinden sich aber entweder weit vor unserer Gruppe oder weit dahinter. Von daher fühlen wir uns nie bedrängt und auch Anja bleibt trotz leichter Neigung zur Klaustrophobie völlig entspannt.

Diese Entspannung wird am tiefsten Punkt der Höhle allerdings auch hart auf die Probe gestellt: Urplötzlich fällt der Strom aus – und mit ihm alle Lichter. 5 km tief im Berg stehen wir komplett im Dunkeln. Man könnte meinen, es wäre ein schlechter Witz: Von all den Horrorklischees, die einem beim Besuch einer Höhle passieren können, ist das wohl das Abgedroschenste.

So abgedroschen sogar, dass mir das Szenario ironischerweise schon vorher durch den Kopf geschossen ist und ich mir Gedanken darüber gemacht habe, wie ich in so einer Situation reagieren würde. Dank der mentalen Vorbereitung reagiere ich instinktiv und zücke mein Smartphone, um uns mit der eingebauten Taschenlampe den Weg zu erleuchten. Wenig später kommen andere auf die gleiche Idee und die Menge beruhigt sich wieder. So weit, so gut. Ich will schon vorschlagen, dass wir erst einmal unseren Tourguide weiter vorne suchen sollten (der vermutlich am besten weiß, was nun zu tun ist und die Höhle auswendig kennt) als glücklicherweise das Licht von selbst wieder anspringt.

Eine wirklich skurrile Erfahrung. Wir sind uns bis heute nicht ganz sicher, ob sich weiter vorne einer der Tourguides einen Scherz erlaubt hat, jemand aus Versehen auf einen Schalter gekommen ist oder ob die Elektrik dringenden überholungsbedürftig ist.

Der Rest der Tour verläuft (gottseidank) ohne weitere Vorfälle und wir kommen nach ettlichen Minuten des Wanderns am Ende des Rundkurses an. Dort finden wir einen Souvenirshop (in Form eines modernen Glashauses) in einer großen Kammer samt einigen Toiletten.

Wenige Meter weiter voraus befinden wir uns dann wieder an einem Bahnhof, wo wir den Zug zurück zum Ausgang der Höhle nehmen. Die Gleise verlaufen zu großen Teilen parallel zu denen, die uns in die Höhle hinein getragen haben – mit einem kleinen Unterschied: Die Endstation der Zugfahrt befindet sich in der größten Kammer der ganzen besichtigten Höhle inklusive unterirdischem See mit rauschendem Wasser. Wahnsinn! Interessanterweise ist es auch diese Kammer, die sich direkt hinter der riesigen Felsöffnung verbirgt, die wir anfangs als Haupteingang interpretiert hatten. Wir möchten fast länger bleiben, aber wir müssen ja heute auch noch den gleichen Weg zurückwandern, daher reißen wir uns vom Naturspektakel los und stehen bald wieder im Tageslicht.

Ausspannung mit Eis

„Mein Gott ist das grell!“ – So oder ähnlich fluche ich über unsere unsere Rückkehr in die Welt der Lebenden. Hier herrscht gleißendes Licht und schwüle Hitze – zumindest im Vergleich zur Grotte. Plötzlich ist uns das kühle Klima von vorhin gar nicht mehr so unrecht.

Dafür gibt es nur eine Lösung: ein Eis! Schon bei unserer Ankunft haben wir eine nette Eisdiele erblickt, zu der wir jetzt schnurstracks pilgern, um uns wieder etwas abzukühlen und uns für die harte Wanderung zurück zum Campingplatz zu stählen. Wer am Tag 10+ Kilometer zu Fuß unterwegs ist, muss sich hier nicht zurückhalten.

Wir schnappen uns noch 1 – 2 Souvenirs für Familie und Freunde und begeben uns auf den Heimweg. Der gestaltet sich im Grunde identisch zum Hinweg und findet daher hier keine besondere Erwähnung. Sicherlich hatten wir aber Glück mit dem Wetter, da wir kurz nach der Ankunft am Campingplatz dunkle Wolken und den ein oder anderen Regentropfen auf der Backe spüren.

Zum Abend gönnen wir uns heute einen zweiten Besuch im Campingplatzrestaurant, bestellen aber heute nicht noch einmal die absurde Fleischokalypse von gestern, sondern begnügen uns mit je einem Schnitzel.

Aber: Dass ich heute den gleichen, fantastischen Nuss-Palatschinken nehme, den Anja gestern (und auch heute wieder) hatte, steht außer Frage. Hach ja, wen interessieren schon Kalorien im Angesicht derart harter Urlaubsarbeit.

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Die Heimfahrt: Von Korsika zurück nach München https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/die-heimfahrt-von-korsika-zurueck-nach-muenchen/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/die-heimfahrt-von-korsika-zurueck-nach-muenchen/#respond Sun, 18 Mar 2018 13:19:42 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=5121 In einem anderen Reiseblog wäre das hier vielleicht die Stelle, an der ich ankündigen würde, was für ein aufregender Fahrtbericht den Leser auch am heutigen Tag unserer Tour […]

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In einem anderen Reiseblog wäre das hier vielleicht die Stelle, an der ich ankündigen würde, was für ein aufregender Fahrtbericht den Leser auch am heutigen Tag unserer Tour erwartet –  gefüllt mit exotischen Details, Sinneseindrücken fremder Landschaften und dem Versprechen von Abenteuer.

Mit der Betonung auf „wäre“ – denn so könnte ich diesen Beitrag zwar beginnen, jedoch weiß jeder Motorradveteran, dass es sogar in den tollsten Urlauben Tage gibt, an denen etwas weniger passiert. Und wenn man bereits um 10.30 Uhr vom Campingplatz aufbricht, nach 90km ereignisloser Schnellstraße um 12.00 Uhr am Zielhafen ankommt und dann bis abends im Terminal auf die Abfahrt der Fähre wartet… dann ist das wohl genau so ein Tag. Zugegeben, so wirklich durchdacht haben wir das rückblickend wohl nicht.

Ein Leben im Terminal

Immerhin sind wir mit dieser Art von Situation bereits sehr vertraut. Wer uns kennt, der weiß, dass wir lieber viel zu früh ankommen, als kurz vor knapp. Und so fügen wir uns auch heute wieder unserem (selbstverursachten) Schicksal der relativen Langeweile. So ganz unrecht ist uns das nicht, denn je näher wir bei der Anfahrt an Bastia heranrücken, desto unerträglicher wird die Hitze.

Speziell auf dem letzten Stück Strecke Richtung Innenstadt taucht man für einige hundert Meter in einen Tunnel ab, wo wir im Stau mit sicherlich an die 35° Grad Außentemperatur fast zu ersticken drohen. Danach gestaltet sich das Warten im klimagekühlten Terminal geradezu als Erholungskur, bei der man kaum mehr vor die Tür gehen möchte, um nicht Gefahr zu laufen, draußen der Sonne zu begegnen.

Außerdem gibt er hier ausreichend Sitzplätze, Snackautomaten und dank Anjas heroischem Erkundungseinsatz sogar ein paar (trockene) Sandwiches zur Versorgung. Die Parksituation hinter dem Gebäude bleibt mit einem Preis von 1 €/Stunde auch erträglich.

Lediglich das Verladeprozedere verwirrt uns. Während wir anfangs noch seelenruhig die Zeit mit Lesen verbringen, werden wir gegen Abend immer unruhiger. Auf der Moby-Webseite steht, dass wir bereits drei Stunden vor Abfahrt der Fähre die CheckIn-Formalitäten erledigen können – die Frau am Ticketschalter teilt uns jedoch mit, dass das erst eine Stunde vorher möglich sein wird. So richtig sicher sind wir uns nicht, ob hier nicht etwas bei der Übersetzung verloren gegangen ist. Dementsprechend sitzen wir immer mehr auf heißen Kohlen und sind froh, als es dann endlich losgeht.

Am Checkpoint sehen wir zu unserem Erstaunen ein Motorrradfahrerpaar wieder, das uns schon auf der Hinfahrtsfähre begleitet hat. Ein lustiger Zufall, denn eigentlich wollten die beiden doch deutlich länger auf Korsika bleiben. Wie sich herausstellt, hat sich der Mann eine (leichte) Verletzung zugezogen, wodurch sie früher zurückmüssen – und jetzt auf genau der gleichen Fähre Richtung Festland gelandet sind wie wir.

Die Auffahrt auf das Schiff läuft hier deutlich unbürokratischer ab als in Genua. Anstatt fünf Checkpoints zu passieren, gibt es hier nur einen einzigen. An dem werden lediglich kurz unsere Tickets (aber nicht unsere Ausweise) überprüft, bevor es dann direkt auf die Fähre geht.

Kleiner Bonus: Zwischen Checkpoint und Fähre gibt es eine ca. 400 Meter lange, sehr breite Verladestrecke ohne offensichtliche Verkehrsregeln. Man kann sich denken, was passiert, wenn ca. zwei Dutzend Motorradfahrern das Tor geöffnet wird. Für eine kurze Zeit fühlt man sich inmitten einer Horde losgelassener Mongolen – und hat dabei eine Menge Spaß.

Bye bye Korsika – zurück nach Italien

Nachdem wir also erst so knapp vor Abfahrt auf die Fähre dürfen, müssen wir auch nicht lange warten, bis wir die Vibrationen der massiven Schiffsmotoren durch die Wände hindurch spüren.

Die Fähre ist die gleiche, mit der wir auch von Genua auf die Insel gekommen sind. Dementsprechend gestaltet sich auch die Rückfahrt recht ähnlich – außer, dass diesmal die Lautsprecherdurchsagen merklich leiser sind und uns nicht jedesmal aus dem Schlaf reißen. Wer sich für alle Details des Fährvorgangs interessiert, kann einen Blick in unseren Artikel zur Hinfahrt werfen, in dem wir ein wenig mehr auf unsere Erfahrungen mit Moby eingehen.

So wirklich genau nimmt es der Kapitän nicht mit der Uhrzeit, wir kommen am nächsten Morgen knapp eine Stunde zu spät am Hafen von Genua an. Ein wirklich Beinbruch ist das für uns aber nicht – schließlich wollen wir heute sowieso nur die Grenzen der Alpen erreichen und haben dafür den ganzen Tag Zeit.

Durch die Po-Ebene zum Lago Maggiore

Wo Genua auf der Hinfahrt noch wie ein verknoteter Verkehrsalptraum wirkte, scheint die Stadt beim Herausfahren deutlich weniger einschüchternd. Zumindest für uns – unser GPS hingegen rechnet uns mit 750 km eine leicht… unoptimierte Route aus, um zum Lago Maggiore zu kommen. Ein genauerer Blick enthüllt das Problem: Dem Navi hat unsere Fährfahrt wohl nicht gefallen, denn es befiehlt uns zurück nach Korsika, um von dort aus eine gänzlich andere Überfahrt zu nehmen. „Günni“ (unser Navi) hatte ja schon immer einen eigenen Willen, aber das setzt dem ganzen wirklich die Krone auf.

Ungeachtet der Meinung unseres elektronischen Helfers fahren wir daher lieber mit gesundem Menschenverstand und „altmodisch“ nach Straßenschildern. Wir verfolgen denselben Weg zurück, den wir gekommen sind, und fahren auf der gleichen Schnellstraße aus der Stadt. Die Fahrt durch die ligurischen Berge an der Küste läuft angenehm unkompliziert ab und schon bald finden wir uns auf der Po-Ebene wieder. Relativ früh morgens gibt es auf der Autobahn kaum Verkehr, wir haben die Straße größtenteils für uns allein.

Kurz darauf begegnet uns das Motorradfahrerpaar noch ein drittes Mal (das wird schon fast zu einem Running Gag) und winkt uns beim Überholen zu. Das sollte aber tatsächlich das letzte Mal sein, dass wir die beiden in unserem Urlaub sehen.

Die restliche Überquerung der Po-Ebene ist wie erwartet nicht die spannendste Strecke und lässt Hügel und andere markante Landschaftsmerkmale vermissen. Das ist leider (wie immer) der Preis, den man für einen Urlaub südlich der Alpen bezahlen muss. Wenn ich in meinem Leben noch einmal eine spannende Route durch die Po-Ebene finden sollte, würde ich der Signifikanz einer solchen Entdeckung halber vermutlich einen ganz eigenen Beitrag darüber schreiben.

Immerhin vergeht die Zeit heute schnell und auch das Wetter schlägt uns kein Schnippchen. Schon bald rücken die Berge nah und die Straßen werden kleiner, kurviger und auch steiler. Die Anfahrt zum Lago Maggiore windet sich durch reichlich grüne Hügel und Tunnel – was uns nur recht ist.

Eine Fahrt am See

Wenig später sehen wir auch schon blaues Schimmern. Wie es bei den Alpenseen Italiens üblich ist, fährt man auch hier größtenteils direkt am Ufer entlang auf einer kleinen Straße, die zum einen stark befahren ist, zum anderen aber auch viel Zeit dafür lässt, die schöne Landschaft zu bestaunen.

Und die ist wirklich traumhaft. Im Gegensatz zum Comer See oder dem Gardasee fühlt sich der Lago Maggiore „weiter“ an, offener und nicht ganz so sehr vom umliegenden Gebirge eingepfercht. Speziell im Vergleich zum noblen Comer See scheinen die Dörfer hier aber nicht ganz so protzig. Ob das ein Pluspunkt ist oder nicht, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Nach einer Weile kommen wir dann auch schon am Ziel unserer heutigen Etappe an: Cannobio. Der Ort liegt direkt am Wasser und wartet mit gleich mehreren Campingplätzen auf. Wir fahren auf gut Glück zu Camping ‚Riviera‘ am Ende des Ortes, da uns die Schilder zuerst dort hinführen. Kaum in der (verschlossenen) Einfahrt angekommen, wird uns von einem dort platzierten Angestellten mitgeteilt, dass die Rezeption erst in ca. zwei Stunden aufmacht. Die Sinnlosigkeit dessen, dass er jetzt zwei Stunden vor der Schranke steht und Leute anweist, statt die Zeit zu nutzen, um sich einfach selbst in die Rezeption zu setzen, scheint ihn dabei nicht zu stören. Jetzt könnten wir zwar genauso gut zu einem anderen Campingplatz weiterfahren, aber da wir das Warten gewöhnt sind (höhö) und es hier schön finden, bleiben wir.

Abendspaziergang in Cannobio

Nach einem kleinen Zwischensnack in Eisform im Campingplatzrestaurant (wohl aber eher Tiefkühlware als selbstgemacht) können wir schließlich unser vorher ausgesuchtes Plätzchen beziehen – ein gemütlicher Eckplatz umringt von Hecken mit Baumschatten. Letzterer ist wichtig, da es nach wie vor verflucht heiß ist. Nach dem Aufbauen des Zelts gönnen wir uns daher erst einmal einen Sprung ins kühle Nass direkt am Ufer des Campingplatzes. Leider gibt es hier nicht unbedingt einen „Sandstrand“ und als wir ins Wasser steigen, merken wir, wie uns die zahlreichen ca. 10 – 20 cm großen Steine ordentlich in die Füße drücken. Als wir dann ins tiefere Gewässer kommen, wollen wir deshalb erst auch gar nicht mehr heraus.

Trotzdem liegt hier die Wahl zwischen Tod und Elend und wir ziehen das Bad der Hitze vor. Erfrischt kehren wir zu unserem Lager zurück und machen uns schon bald auf, die Stadt zu erkunden.

Cannobio ist von der Größe her glücklicherweise recht überschaubar und wir brauchen nicht lange, um zur Altstadt zu gelangen. Die ist zu unserem Erstaunen wirklich hübsch mit einer schönen Hafenpromenade. Hier wimmelt es regelrecht von Geschäften, Restaurants und anderen Shops, die sich alle gegenseitig in Punkto Attraktivität übertrumpfen. Wir haben uns schnell für eine Pizzeria entschieden, bei der das Essen von weitem am leckersten aussieht, und setzen uns in das Lokal. So lässt es sich leben!

Als wir später am Abend zum Zelt zurückkehren, machen wir noch schnell einen Schlachtplan für den morgigen Tag: Sollen wir das komplette Reststück einfach in einem Rutsch durchfahren oder übernachten wir doch noch ein Mal in der Schweiz, wie eigentlich geplant? Die Route sieht herausfordernd, aber machbar aus – zumindest für den letzten Tag des Urlaubs. Anja ist sich allerdings nicht ganz sicher, ob wir uns damit nicht doch übernehmen, und wir beschließen, dass wir im Notfall auch noch am Bodensee pausieren könnten – natürlich sollte es dann aber doch anders kommen.

Über den Lukmanierpass in der Schweiz

So schön es auch war, heute sagen wir Italien und dem Süden „auf Wiedersehen“. Und das schon bald nach dem Aufstehen, liegt Cannobio doch direkt an der Grenze zur Schweiz. Insofern wandelt sich auch die Architektur quasi schlagartig von mediterran-bunten Häusern zu typisch alpenländisch-moderner Bauart.

Der kürzeste Weg Richtung Norden nachhause führt über die Autobahn. Wer in der Schweiz jedoch Autobahn fahren will, muss sich gleich eine Vignette für das ganze Jahr kaufen. Und die schlägt mit 35 Euro (pro Motorrad) happig zu Buche.

Also haben wir bei der Reiseplanung einen spannenden Alternativweg ausgesucht: Die Fahrt über den Lukmanierpass – eine alte römische Passstraße, die seit dem Bau des Gotthardtunnels etwas in Vergessenheit geraten ist. Diese Route ist zwar länger, dafür können wir den Urlaub mit einer letzten Passüberquerung gewissermaßen noch einmal feiern. Und die hat es in sich!

Die anfängliche Fahrt durch die noch eher flachen Täler ist geprägt von Schnellstraßen und steilen Bergen, die uns beidseitig durch die schweizerische Alpenlandschaft eskortieren. Als wir bei Biasca unwiderruflich in Richtung Pass abbiegen, wird die Strecke noch einmal dörflicher und ruhiger. Kein Wunder – schließlich gibt es für Vielfahrer und LKWs wohl nicht viele Gründe hier entlang zu kommen. Die Auffahrt auf den Pass lässt sich dabei als vergleichsweise gemächlich beschreiben, allerdings mit tollen Aussichten. Ein Berg in der Distanz, auf den wir lange direkt zufahren, sticht uns besonders ins Auge, da er eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Matterhorn hat. Das „Matterhörnchen“ begleitet uns noch eine ganze Weile, während wir im Bleniotal die Serpentinen erklimmen.

Überhaupt fällt uns auf, wie sehr sich die Alpenberge von denen auf Korsika unterscheiden. Obwohl die Passhöhen auf Korsika durchaus mit so manchem Alpenpass mithalten können, schießen die Berge auf der Insel nicht annähernd so steil und unverschämt hoch aus dem Boden wie hier.  Ein nettes Detail ist auch die Farbgebung: Während hier alles entweder grün, grau oder blau ist, findet man auf Korsika deutlich mehr rote und gelbe Anteile. Die Landschaft wirkt dadurch wärmer als die vergleichsweise „kühlen“ alpinen Gebirgszüge.

In derart philosophische Gedankengänge versunken erklimmen wir derweil die Passstraße und kommen schon bald auf der Passhöhe an. Hier gibt es nicht nur einen großen See, sondern auch eine Gaststätte, in der wir uns erst einmal ein deftiges Wurstbrot bzw. einen Fleischsalat gönnen. Das ist nach dem ganzen mediterranen Essen ein regelrechter Schock für unsere Zungen – wenn auch kein unangenehmer.

Gestärkt schwingen wir uns danach aufs Motorrad und fahren auf der anderen Seite des Passes wieder herunter. Auch hier genießen wir wieder tolle Aussichten und gut ausgebaute Straßen.

11 Stunden auf dem Motorrad

Der Rest des Weges durch die Schweiz bietet leider keine derartigen Highlights mehr, sondern ist eher geprägt durch langsames Vorankommen. Wir machen in Chur kurz Snackpause und erholen uns von der erdrückenden Hitze. Spätestens ab hier wird die Gegend immer industrieller, die Orte städtischer und die Täler breiter. Langsam aber sicher arbeiten wir uns zum Alpenrand vor. Auch der Verkehr hat zugenommen und wird nun zu einem echten Ärgernis. Bei 35+ Grad im Stau vergeht einem ganz schnell die Laune – vor allem, wenn man noch fast 300km vor sich hat. Wir fluchen über jedes Dorf mit nur einer Straße zum Durchfahren, über jede unnötige Ampel und vor allem über die ganzen Traktorfahrer, die mit 35 km/h immer wieder ganze Verkehrskolonnen ausbremsen. Argh!

Immerhin bietet die Grenzüberquerung zu Liechtenstein ein wenig Abwechslung. Hier weichen wir kurz von der Hauptstraße ab, fahren mitten durch den Wald – und landen direkt vor einer Mauer. Zuerst denke ich, es handelt sich dabei um eine Art Gefängnis, aber wie sich herausstellt, führt die Straße direkt durch die Festung beim St. Luzisteig hindurch. Anscheinend war das hier einmal eine Kaserne, mittlerweile findet sich inmitten des Komplexes aber ein sehr modern anmutendes Restaurant. Belustigt von der kuriosen Straßenführung kommen wir schon bald auf der anderen Seite das Waldes wieder heraus und befinden uns plötzlich im Märchenland. Vor uns ragt die Burg Gutenberg auf einem einsamen Felsen im Tal vor einer gewaltigen Bergkulisse in die Höhe. Ganz ehrlich, wenn uns als nächstes noch ein Einhorn unter einem Regenbogen begegnet wäre, hätte es mich auch nicht mehr groß verwundert.

Nicht viel später holt uns die Realität jedoch wieder ein. Die üblichen engen Straßen, der übliche Stau – auch in Liechtenstein sieht die Verkehrslage leider nicht anders aus. Wir passieren Vaduz und finden uns schließlich in Österreich wieder. Wirkliche Freude kommt dabei aber nicht auf. Ohne Witz – wir stehen bis zur Autobahnauffahrt in Lindau kontinuierlich im Stau.

Ironischerweise bestärken diese Qualen aber nur unseren Willen, heute doch nicht mehr am Bodensee zu übernachten. Auf Zelt aufbauen und noch einmal in einer fremden Gegend schlafen haben wir jetzt erst recht keine Lust. Also ab nach Hause, nun ist es auch schon egal. Hauptsache, wir landen heute Abend in unserem bequemen Doppelbett.

Und tatsächlich: Auf der Autobahn ist die Lage plötzlich völlig anders, Gottseidank! Ab jetzt heißt es endlich „Freie Fahrt nach Hause!“. Obwohl das immer noch 175 km sind, genießen wir das schnelle Fahren auf deutschen Autobahnen so sehr, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Dass wir einmal von Bergstraßen dermaßen genervt und die Autobahn so genießen würden, hätte ich vor dieser Heimfahrt auch nie gedacht.

Auf halbem Weg haben die Wettergötter dann noch Erbarmen und schenken uns ein wenig Regen. Dadurch kühlt sich die Außentemperatur um fast 10 Grad auf ca. 22 Grad ab – in diesem Fall also ein Segen. Absurderweise werden wir also auf diesen letzten Metern noch einmal deutlich wacher und lebhafter als wir es die letzten fünf Stunden waren. Kurz vor München brauchen wir bei einer Rast fröhlich die letzten Kekse auf und genießen den kurzen Rest der Strecke, bis wir schließlich und endlich zuhause ankommen. Wir sinnieren noch einmal darüber, wie wir heute ganze 11 Stunden auf der Motorrad unterwegs waren – weit mehr, als wir üblicherweise fahren. Es ist irgendwie gut zu wissen, dass das im Notfall also auch geht.

Sofort wiederholen müssen wir das aber nicht. Denn: So schön der Urlaub auf Korsika auch war – jetzt sind wir erst einmal froh, wieder zuhause zu sein und die Füße wohlverdient hochlegen zu können.

Routenüberblick

Datum: 5. – 7 Juli 2017
Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel – je nachdem, ob man gerade in den Alpen einen Pass fährt
Länge: 794km
Eindrücke: Flotte Fahrt auf den Autobahnen, aber furchtbar langsames Vorankommen in der Schweiz ohne Vignette

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Von Corte nach Olmeto: Fahrt durch das Herz von Korsika https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/von-corte-nach-ras-lbol-fahrt-durch-das-herz-von-korsika/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/von-corte-nach-ras-lbol-fahrt-durch-das-herz-von-korsika/#respond Mon, 27 Nov 2017 16:03:35 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4904 Morgenstund hat Gold im Mund – besonders, wenn man im eigentlich abenteuerlichen Motorradurlaub bequem im Hotelbett aufwacht und das sprichwörtliche „Gold“ dabei lecker gebackene Croissants sind, die uns […]

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Morgenstund hat Gold im Mund – besonders, wenn man im eigentlich abenteuerlichen Motorradurlaub bequem im Hotelbett aufwacht und das sprichwörtliche „Gold“ dabei lecker gebackene Croissants sind, die uns am Frühstücksbuffet begrüßen. Wir befinden uns immer noch in dem netten Familienhotel in Corte und hatten auf dem tollen Bett (im Vergleich zur Isomatte im Zelt) eine sehr erholsame Nacht. Das besagte Buffet finden wir in einem Raum, der sich als gemütliche Mischung aus einem Wohnzimmer und einem Restaurant beschreiben lässt. Bei einem leckeren Vollkornbaguette (selten in Frankreich) mit Fruchtsaft und Cafe au Lait planen wir schon einmal die heutige Route.

Denn diesmal wollen wir etwas mehr Strecke zurücklegen als sonst – zumindest in Punkto Luftlinie – um bis zur Bucht von Propriano hinter Ajaccio zu kommen. Der Weg verläuft dabei fast direkt nach Süden und macht etwa die halbe Höhe von Korsika aus. Wir wissen nicht so recht, was wir dabei erwarten sollen – kamen wir doch auf Korsika bislang nie so schnell voran und haben uns durch kurvige und eher mittelprächtig ausgebaute Straßen geschlagen. Trotzdem scheint die Strecke auf der Karte auch weiterhin sehr gebirgig zu sein. Wir lassen uns einfach überraschen.

Heraus aus Corte, hinauf auf die Berge

Nach dem Frühstück holen wir erst einmal unsere Motorräder aus der Garage. Beziehungsweise: Wir versuchen es. Denn zu unserem Schock kann Anja den ihr anvertrauten Schlüssel nicht mehr finden. Na super, hoffentlich ist der gestern nicht ausgerechnet bei der Stadtbesichtigung verlorenen gegangen. Die Hotelbesitzerin lächelt nervös, als wir ihr davon erzählen, doch Anjas panische Suche zahlt sich schon bald aus und sie findet das ersehnte Stück doch noch im hintersten Fach ihres Rucksacks.

Mittlerweile brennt die Sonne schon ganz ordentlich auf uns herunter – und das in voller Motorradkluft. Wir tippen noch schnell die GPS-Daten in Günni (unser Navi) ein und machen uns geschwind auf dem Weg hinaus aus Corte, auf dass der Fahrtwind uns rette. Dafür fahren wir noch einmal durch das schöne Stadtzentrum von Corte, kommen aber schon bald über eine Brücke in einen ganz anderen, moderneren und viel größeren Stadtteil. Anscheinend haben wir bisher nur die Altstadt gesehen. Aber gut, viel verpasst haben wir sonst wohl nicht, immerhin sieht der Rest nicht annähernd so rustikal aus. Kurz darauf befinden wir uns schließlich auf der Hauptstraße hinaus aus der Stadt.

Zu unserem Erstaunen geht es dabei sofort nach dem Ortsschild wieder bergauf. Wer glaubt, dass eine Hauptverbindungsstraße in Korsika nicht trotzdem eine Bergstraße ist, der täuscht sich. Obwohl die Straße oft drei Spuren hat und super ausgebaut ist, schlängelt sie sich genauso durch die Gebirgskämme, wie die 1,5-spurigen Straßen auf dem Rest der Insel. Aus Sicht eines Motorradfahrers macht das richtig Spaß. Hier oben gibt es reichlich Kurven und tolle Aussichten über weite, bewaldete Berge, ohne die übliche Klaustrophobie von engen Straßen.

Wie auf Korsika typisch durchfahren wir hier oben auch einige Bergdörfer, in denen die Straße dann kurzzeitig doch noch einmal deutlich schmaler wird – um nicht zu sagen einspurig mit teils ordentlichen Steigungen, die wohl dem organischen Bau der Stadt geschuldet sind. Uns gefällt die Strecke dadurch aber nur noch umso mehr. Einige der Dörfer sind so schön gelegen, dass man sie mit Umgebung in einen Bilderrahmen packen könnte.

Nettes Schmanckerl für Filmfans: Obwohl Der Herr der Ringe bekanntlich in Neuseeland gedreht wurde, kam ich nicht umhin zu bemerken, dass man hier eine tolle Alternativlocation gefunden hätte. Auf einem der Hügel hier oben wurde anscheinend sogar schon einmal mit dem Bau von Edoras angefangen.

Bloß weg von Ajaccio!

Überhaupt lässt sich die Strecke heute als ungewohnt „europäisch“ beschreiben. In der folgenden Stunde führt uns die Straße immer durch dichten Wald, der willkommenen Schatten spendet. Alles auf einer modernen, gut-ausgebauten Hauptstraße, die sich immer weiter abwärts gen Ajaccio windet.

Doch wirklich ankommen wollen wir heute dort nicht. Laut Reiseführer ist Ajaccio nämlich der wohl stressigste Ort auf ganz Korsika – groß, dicht bevölkert und verstopft. Ob das wirklich stimmt, können wir hier zwar nicht sagen, aber wir machen trotzdem lieber einen mittelgroßen Bogen um die Stadt. Stattdessen fahren wir über eine Schnellstraße zwar sehr nah heran, biegen aber beim Flughafen südlich ab und schrauben uns schon bald wieder auf einen Hügel herauf – und zwar auf deutlich weniger befahrenen Straßen. Genau unser Ding!

Zumindest dachten wir uns das bei der Routenplanung noch so. Was wir damals noch nicht wissen konnten, war, dass wir uns damit den schlechtesten Straßenbelag des ganzen Urlaubs eingebrockt haben. Denn am Col de Bellavalle führt uns unser Navi auf eine Straße, die sich merkwürdig rechts von der Hauptstraße abspaltet (dem stehengebliebenen PKW vor uns nach zu urteilen sind wir hier nicht als einzigen, die über die Straßenführung verwirrt sind) und kommen auf eine Strecke, auf der wir all die Schlaglöcher finden, die wir bislang auf Korsika vermisst haben. Ach da sind sie geblieben!

Die Fahrt gleicht nicht nur von der Kulisse, sondern auch vom Schneckentempo her einem einsamen Spaziergang im Wald. Das ganze fordert viel Aufmerksamkeit und Geduld, aber nach einer Weile kommen wir Gottseidank wieder auf ordentlichen Asphalt und verlassen den Hindernisparkours ohne bleibende Schäden.

Kurze Pause bei A Baracca

Etwas erschöpft von alledem erreichen wir nun aber einen Ort, auf den wir uns schon gefreut haben: A Baracca – ein etwas unscheinbares Restaurant, das oben am Hügel mit Sicht auf die Bucht von Ajaccio liegt und uns von allerlei Internetrezensionen empfohlen wurde. Denn obwohl das Gebäude von außen ein wenig wie eine Bruchbude aussieht, soll das Essen und die Stimmung fantastisch sein. Und ein kleiner Happen mit einer Pause scheint uns jetzt genau das Richtige.

Abgestiegen vom Motorrad wuseln wir uns durch das Hauptgebäude und gelangen auf eine von Wein umrankte, schattige Terasse. Ich gönne mir hier ein paar Canneloni, während Anja das Omelett mit Ziegenkäse wählt. Anja ist mit ihrem Gericht sehr zufrieden, während ich allerdings zugeben muss, dass ich schon bessere Nudeln gegessen habe. Gerade in der lieblosen Form wirkt das Ganze doch sehr wie Mikrowellenkost. Ich schätze, hier habe ich wohl einfach das Montagsgericht erwischt – gerade auch, da viele der sonstigen Mahlzeiten, etwa auf Tripadvisor, deutlich leckerer aussehen.

Nett: Belustigt werden wir beim Essen von einem Hund, der offensichtlich zum Restaurant gehört und auf der anderen Seite des Terassenzauns großes Interesse am Geschehen zeigt. Als er dabei auch noch die Schnauze (mehr passt nicht) durch das karoförmige Muster des Zauns steckt, verschlucke ich mich bei dem absurden Bild fast an meinem Essen.

Abstecher nach Filitosa oder lieber doch nicht?

Gut gestärkt und etwas ausgeruht schwingen wir uns wieder aufs Bike und fahren die letzte Etappe bis zu unserem Ziel – der Campingplatz Ras l’Bol. Weit ist es wirklich nicht mehr und eigentlich geht es dabei nur noch bergab.

Dabei erhaschen wir noch ein paar tolle Aussichten auf die vor uns liegende Küste, bevor wir langsam über Serpentinen durch Dörfer wieder auf Höhe des Meeresspiegels ankommen und noch eine letzte Entscheidung treffen müssen: Filitosa oder nicht Filitosa? Eigentlich wollten wir heute noch einen kurzen Abstecher zur uralten Ausgrabungsstätte machen, die quasi auf dem Weg liegt. Nachdem es aber im Laufe der Strecke immer heißer wird, entschließen wir spontan, dass wir die restliche Zeit heute lieber im kühlen Nass des Meeres statt auf einem trockenen Hügel mit Motorradklamotten verbringen wollen.

Ankunft in Ras l’Bol

Zu unserem Erstaunen werden wir in Ras l’Bol nicht nur nett begrüßt, sondern sogar auf Deutsch. Die Rezeptionistin (und Besitzerin?) wechselt beim Gespräch mit uns und anderen Gästen derart fließend zwischen Französisch, Englisch und Deutsch, dass wir uns wundern, ob sie nicht mit allem gleichzeitig aufgewachsen ist. Wie immer sind wir recht früh dran und können uns auch hier den Stellplatz wieder frei aussuchen.

Der Campingplatz ist absolut riesig, quasi zu 100% von Bäumen bedeckt und hat durch den roten Boden, die offen-gestalteten Gebäude und die vielen Palmen fast schon ein afrikanisches Flair. Wirklich toll! Wir fühlen uns jedenfalls sofort wohl.

Nach dem Zeltaufbau kommen wir aber noch nicht zur Ruhe – wir wollen ja schließlich noch den Sprung ins kühle Nass wagen! Dafür müssen wir auch gar nicht weit gehen, denn das Meer befindet sich praktischerweise direkt auf der anderen Straßenseite. Merkwürdigerweise werden wir hier noch von der oben erwähnte Rezeptionistin gewarnt: Das Meer sei heute besonders stürmisch. „Umso besser!“ sagen wir voller Trotz, schließlich war unsere letzte Badeaktion im Meer von Calvi arg wellenarm.

Auf der Düne angekommen, verstehen wir dann aber, was sie meinte: Der Wind trifft uns ins Gesicht wie ein warmer Fön und die Wellen brechen nur so über den Sand herein. Obwohl der Strand gut gepflegt ist und sich hunderte Meter weit erstreckt, können wir nur ein einziges Paar erspähen, das sich ins Meer traut. Egal, jetzt sind wir schon hier, also werden wir halt das zweite Paar!

Mit Anja neben mir wage ich mich Schritt für Schritt ins kühle Nass. Der Druck der Wellen ist dabei so groß, dass ich mich wenig später wundern muss, wo Anja abgeblieben ist: Ihr hat es die Füße weggezogen und sie verschwindet mit ganzem Körper unter Wasser. Als sie kurz darauf (ein paar Meter abseits) wieder auftaucht, ist sie von oben bis unten mit Sand und Steinchen bedeckt und wirkt völlig durch den Wind. „Ich denke, ich gehe lieber raus!“ ruft sie mir entgegen, bevor sie ein paar Schritte gen Strand geht und ihr die rückläufigen Wellen erneut die Beine wegreißen und sie wieder am Sand angespült wird. Jetzt können wir uns beide ein Lachen nicht mehr verkneifen.

Ich spiele derweil noch eine Weile in den Wellen, die mich dank meiner Stämmigkeit (*hust*) nicht so sehr von den Socken hauen wie Anja. Eigentlich ganz lustig, aber irgendwann wird mir die Sache auch zu wild und wir entschließen uns, zum Campingplatz zurückzukehren, damit sich „jemand“ endlich all den Sand und die Steine abduschen kann.

Später am Abend kehren wir noch in das Campingplatz-eigene Restaurant ein und genießen zwei tolle Pizzen, dazu gönne ich mir einen Milkshake und wir beide noch einen Nachtisch. Die Auswahl an Leckereien hier ist recht groß und exotisch, ganz dem Flair des Campingplatzes entsprechend. Zufrieden fallen wir nicht viel später beide auf die Isomatte und freuen uns auf morgen: Denn dann geht es ab nach Bonifacio – die wohl schönste und berühmteste Stadt Korsikas.

Routenüberblick

Datum: 1. Juli 2017
Schwierigkeitsgrad: einfach, viele gut ausgebaute, breite Straßen
Länge: 114 km, ca. 2,5 Stunden Fahrzeit
Eindrücke: Tolle Bergaussichten von ungewöhnlich gut-ausgebauten Straßen. Später teilweise aber auch furchtbarer Straßenbelag.

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Korsische Klippenfahrt: Atemlos von Calvi nach Porto https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/korsische-klippenfahrt-atemlos-von-calvi-nach-porto/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/korsische-klippenfahrt-atemlos-von-calvi-nach-porto/#respond Sun, 24 Sep 2017 08:49:02 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4690 Heute wird ein guter Tag. Irgendwie ist uns das schon sofort nach dem Aufstehen klar. Aus der etwas trübsinnigen Laune und den Hitzeanstrengungen von gestern erhebt sich heute […]

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Heute wird ein guter Tag. Irgendwie ist uns das schon sofort nach dem Aufstehen klar. Aus der etwas trübsinnigen Laune und den Hitzeanstrengungen von gestern erhebt sich heute wieder Abenteuerlust und Urlaubsfeeling, ganz wie der Phönix aus der Asche – oder zumindest einer aus dem Bett. Die neu gefundene Motivation kann nämlich auch einfach daher rühren, dass wir ganze 12 Stunden durchgeschlafen haben und heute erst um 8 Uhr von der Isomatte gerollt sind. Gestern standen wir zu dieser Zeit schon mit einem Fuß auf dem Bike. Aber auch die Temperatur ist merklich erträglicher und das Wetter scheint uns keine Probleme zu machen.

Nach unserem ersten, typisch französischen „Petit-Déjeuner“, das es hier in Camping Paduella besonders billig gibt (5,50 € für zwei halbe Baguettes, zwei Croissants, Aufstrich und Café au Lait), packen wir alles zusammen, schwingen uns gestärkt auf die Motorräder und fahren wieder auf die Piste.

Windige Fahrt durch korsische Täler

Heute freue ich mich besonders auf die vor uns liegende Strecke, da es zum ersten Mal auf Korsika so richtig in Richtung Süden geht und wir dabei die berühmte Westküste miterleben werden, die im Laufe der Jahrmillionen durch die Wellen des Mittelmeeres zu einer schroffen Landschaft aus Klippen geformt wurde – ganz im Gegenteil zur Ostküste, an der man eher flache Strände findet. Als absoluter Berg- und Kurvenenthusiast erhoffe ich mir daher eine atemberaubende Fahrt.

Doch auch schon die erste Etappe der heutigen Strecke macht – so ganz ohne Klippen – bereits unerwartet viel Spaß. Nachdem wir ohne große Umwege aus Calvi herauskommen, biegen wir in Richtung südliches Inland ab und fahren über breite Straßen durch eine Landschaft, die mich regelrecht an den Wilden Westen erinnert: Nicht so sehr die unendlichen Wüsten voller Staub und Sand, sondern eher die etwas grasigen, weiten Täler, besiedelt von Ranches mit Holzzäunen und umringt von Bergen. Nur wirkt hier alles etwas gelblicher und wärmer – ein Merkmal von Korsika im Allgemeinen. Das ganze fährt sich sehr entspannt und wir haben Glück, dass uns die Straße fast komplett allein gehört.

Nicht viel später streifen wir den Rand eines solchen Berges und es geht allmählich bergauf. Ein nettes Highlight der Strecke erwartet uns ganz oben. Denn auf Passhöhe wurde die Straße schlicht quer durch den Fels gehauen. Der dadurch entstandene Windkanal fegt Anja beinahe von der Straße als sie mit dem Herumfummeln an der Helmkamera beschäftigt ist. Ich bekomme davon aufgrund des abbrechenden Funkkontaktes herzlich wenig mit und freue mich über die Erfrischung. Außer einem Adrenalinschub und viel Gefluche bleibt der Vorfall aber glücklicherweise ohne schlimmere Folgen.

Ab Galéria: Jetzt geht es richtig los

Nach etwa der Hälfte der heutigen Strecke kommen wir bei Galéria beinahe wieder bis auf den Meeresspiegel herunter, biegen nach links über eine Brücke ab und beginnen den zweiten Teil der Tour – und der hat es in sich. Wie man etwa auch der Übersichtskarte ganz unten entnehmen kann, geht es jetzt mit den Serpentinen erst richtig los. Die sehr kurvige Strecke führt uns an Hängen durch Täler und Hügel, die sich wie Wellen in Richtung Horizont ergießen und dabei bläulich verblassen. Hier fällt uns sofort ein weiteres Merkmal Korsikas auf: Der dichte, sattgrüne Bewuchs auf den Bergen wirkt teilweise fast wie ein kolumbianischer Regenwald. Hier mögen die Bäume zwar nicht allzu hoch sein, aber wenn ganze Gebirge fast bis zur Spitze komplett grün ummantelt sind – ein wenig wie ein nicht enden wollender Brokkoli – ist das doch ein markanter Anblick.

Eine Begegnung der dritten Art

Direkt auf der Grenze zwischen dem Départements Haute-Corse und Corse-du-Sud halten wir auf einem Aussichtspunkt an. Hier wurde wohl nicht umsonst eine politische Linie gezogen, denn auch geographisch ist sofort ein deutlicher Unterschied zu erkennen: Während die Strecke bislang durch das Inland und durch Täler verlief, sehen wir nun plötzlich das Meer in all seiner Pracht vor uns. Statt über Hügel geht es jetzt offenbar an Klippen entlang.

Der Ausblick ist atemberaubend – und ohrenbetäubend, denn gerade als wir das Panorama auf uns wirken lassen, scheppert es plötzlich von überall her: Ein lautes Geräusch ist zu hören, das bis in den Brustkorb dröhnt. Keine 50 Meter über uns hat uns gerade ein Düsenjet überflogen. Und nicht nur das: Kurz darauf schlägt er eine Fassrolle und stürzt in eines der Täler vor uns hinab. Zuerst denken wir, dass er sich dabei übernommen hat, aber er schafft es tatsächlich, die Maschine im letzten Moment noch nach oben zu reißen – dem Anschein nach noch knapper über den Baumkronen als zuvor über unseren Köpfen. All das zur großen Belustigung der vielen anderen Reisenden, die genauso wie wir einen kleinen Zwischenstopp auf dem Hang eingelegt haben.

Ganz unabsichtlich war das Kunststück wohl nicht. Nach ein wenig Recherche finden wir heraus, dass es auf der anderen Seite der Insel einen Militärflugplatz gibt und die Truppen im Sommer die Insel gerne als Spiel… ähm Trainingsplatz nutzen. Obwohl wir in Foren sogar von Touristen lesen, denen der Lärm einen Strich durch ihren ruhigen Strandurlaub gemacht hat, sollte das unsere einzige Begegnung mit einem Düsenjet auf Korsika bleiben.

Klippenfahrt nach Porto

Zurück auf dem Bike schlängeln wir uns anschließend durch dutzende Kurven am Berghang weiter in Richtung Süden – immer mit dem Meer als stetem Begleiter auf der rechten Seite. Dieser Teil der heutigen Strecke gefällt mir am besten: Als Motorradfahrer freue ich mich ja bereits, wenn ich entweder gut ausgebaute Straßen, Bergfahrten oder Meeresblick genießen kann. Aber alles zusammen hatte ich so noch nie.

Auf dem Weg nach Porto passieren wir auch ein paar Bergdörfer, die aber alle eher unspektakulär sind und uns vor allem durch ihre lustigen Bäume am Straßenrand in Erinnerung bleiben. Viel spannender wird es wenig später, als wir die letzten paar Kurven kurz vor Porto erreichen. Die befinden sich nämlich 150 Meter über dem Meer, mit einem fast vertikalen Hang. Es sagt wohl viel über kulturelle Unterschiede aus, dass der einzige Fahrbahnschutz, den die Korsen hier für nötig gehalten haben, eine 50cm hohe Steinmauer ist.

Abgesehen von der Angst um unser Leben ist die Aussicht dafür natürlich unschlagbar. Das denken sich offenbar auch viele andere Touristen, denn die Straße ist ordentlich befahren. Darunter finden sich zu unserem Erstaunen auch massive Wohnmobile, die aufgrund des Überhangs an der einen Seite und der Klippe auf der anderen kaum um die Kurven kommen. Eine wirklich rasante Fahrt sollte man hier also nicht erwarten. Die Gesundheit dankt es.

Nach einem letzten Schlenker sehen wir Porto endlich vor uns und es geht langsam bergab. Wir nähern uns rasch dem Meeresspiegel und kommen kurze Zeit später im ersehnten Ort an und quartieren uns im angepeilten Camping Les Oliviérs ein.

Das Symbol zur Infobox

Ausflug in die Calanche

Wer sich etwas mit Korsika auskennt, weiß, dass Porto direkt neben der berühmten Calanche liegt – UNESCO-Weltkulturerbe und eine der schönsten Felsformationen der ganzen Insel. Leider liegt sie nicht direkt auf unserem Weg, weshalb wir noch schnell einen außertourlichen Schlenker machen. Nach ungefähr 15 Minuten Fahrt von Porto durch einen Wald erreichen wir dann auch schon die Sehenswürdigkeit und staunen über die schroffen, roten Felsen, die sich auf bröckeligen Kämmen und Säulen gen Himmel erheben.

Ebenso staunen wir allerdings auch über die vielen Fußtouristen, die die schmale Straße verstopfen und ungeachtet der Fahrzeuge fröhlich Fotos machen, wo es ihnen passt. Nichtsdestotrotz lohnt sich der kleine Umweg, wenn man nicht ohnehin schon über diese Straße nach Süden fährt.

Kurze Zeit später kommen wir in Piana an, das offiziell als eines der schönsten Dörfer Frankreichs gekennzeichnet ist. Wir bekommen davon aber leider nicht all zu viel mit, da wir schon am Dorfeingang ein Restaurant und einen Parkplatz erspähen und uns sofort ködern lassen. Manchmal geht der Hunger eben vor. Nach einer ordentlichen Portion Spaghetti Carbonara für mich und einem Salat für Anja drehen wir wieder um, erleben die Calanche ein zweites Mal und fahren zurück nach Porto, um den restlichen Teil des Tages „zu Fuß“ zu genießen.

Feierabendprogramm in Porto

Camping Les Oliviérs liegt etwas versteckt im hinteren Teil der Bucht von Porto, hat dafür aber eine außergewöhnliche Lage. So liegt der Campingplatz steil am Hang und bietet seine Stell- und Zeltplätze auf dutzenden Terrassen an, die ein wenig wie chinesische Reisfelder wirken. Nachdem wir unser Zelt irgendwo auf mittlerer Höhe aufgebaut haben, genießen wir gleich einmal die frei zugängliche Poolanlage und entspannen ein paar Runden im kühlen Nass.

Ehe wir uns versehen, ist es dann aber auch schon Abend und wir machen uns auf zum Hafen von Porto. Als wir nach 25 Minuten Laufweg endlich ankommen, finden wir uns in einer gepflasterten Buchtpromenade wieder, in der wilde Wellen peitschen. Erst nachdem wir auf die andere Seite einer Häuserfront schauen, entdecken wir den eigentlichen Strand (voller Steine und ähnlich wilden Wellen) und einen kleinen Bereich, in dem man mit seinen Booten anlegen kann. Viel größer ist Porto eigentlich auch nicht – dafür hat es hier unten mächtig Charme: Die wenigen Häuser, die in der Bucht stehen, sind romantisch wie eine kleine Altstadt zusammengebaut und bieten Touristen mit zahlreichen Restaurants, Hotels und Souvenir-Shops ein erstaunliches Programm.

Leider sind wir wieder einmal zu früh dran, denn wie überall auf Korsika (und in Frankreich?) üblich, machen die Restaurants hier erst um 19.00 Uhr auf. Es scheint wohl eine deutsche Angewohnheit zu sein, dass uns der Magen aber schon ab 17.00 Uhr knurrt. Egal, dann besichtigen wir eben noch ein wenig die kleinen Gassen und genießen die Aussicht. Irgendwie bekommen wir die Zeit dann schließlich doch noch rum und setzen uns in ein gemütliches Restaurant mit Blick auf die Wellen. Heute fühlen wir uns so richtig wie eine Made im Urlaubsspeck. Mir fällt auf, dass ich anscheinend noch nie klischeehaft auf einer Insel im Mittelmeer in einer Bucht mit Meerblick gesessen bin und mir dabei ein üppiges 3-Gänge-Menü im Sonnenuntergang gegönnt habe. Was soll ich sagen? Manchmal hat Kitsch eben auch seine Vorzüge.

Routenüberblick

Datum: 29. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, gerade die Klippen können einem Angst machen
Länge: 73 km, ca. 2 Stunden Fahrzeit
Eindrücke: Zuerst durch Täler, dann an Klippen entlang, mit fantastischen Aussichten

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Bastia bis St. Florent – Unser erster Tag auf Korsika https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/frankreich/korsika-2017/bastia-bis-st-florent-der-erste-tag-auf-korsika/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/frankreich/korsika-2017/bastia-bis-st-florent-der-erste-tag-auf-korsika/#respond Tue, 08 Aug 2017 08:39:20 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4532 Sanfte Wellengeräusche und leichtes Schaukeln. Viel mehr Sinneseindrücke liefert mir meine Umgebung nicht, als uns der Wecker im Dunkeln aus dem Bett reißt. Langsam lichtet sich die Schlaftrunkenheit […]

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Sanfte Wellengeräusche und leichtes Schaukeln. Viel mehr Sinneseindrücke liefert mir meine Umgebung nicht, als uns der Wecker im Dunkeln aus dem Bett reißt. Langsam lichtet sich die Schlaftrunkenheit und ich erinnere mich, dass wir immer noch auf der Nachtfähre nach Korsika sind (ersparen wir uns durch die Überfahrt bei Nacht doch einige Tage Reisezeit). Innerlich hoffe ich, dass Anja den Radau vielleicht überhört hat und ich noch 10-15 harmlose Minütchen weiterschlafen kann, aber das Rascheln im oberen Bett verrät mir, dass daraus wohl nichts wird. Leider müssen wir heute so früh aufstehen, weil wir laut Fähren-Webseite die Kajüte spätestens eine Stunde vor der Ankunft verlassen sollen – weshalb wir den Wecker zum Anziehen, Zähneputzen und Packen auf 5 Uhr gestellt haben. So wirklich meine Zeit ist das nicht, aber nun gut – wer abenteuerlich sein will, muss leiden.

Mit mäßigem Elan machen wir uns fertig, verlassen in voller Motorradkluft kurz vor 6 Uhr das Zimmer und sehen… nichts. Auf dem Gang draußen herrscht gähnende Leere. Anscheinend nehmen es unsere Mitpassagiere mit den Auscheckzeiten nicht ganz so genau. „Na toll“, denke ich mir, „da hätte ich auch noch weiterschlafen können!“ Immerhin sind wir so die ersten im Frühstücksrestaurant. Dort gönnen wir uns erst einmal ein Croissant und einen Kaffee und werfen anschließend einen Blick gen Westen. Und da ist es endlich: Korsika!

Schon von weitem erkennt man, woher die Insel ihren Beinamen „Gebirge im Meer“ hat: Von hier aus scheint sie nur aus einem endlosen Bergkamm zu bestehen. Die Hafenstadt Bastia taucht erst viel später aus dem dunklen Schatten der Hintergrundkulisse auf. Spätestens jetzt sind wir hellwach und voller Vorfreude auf unser Ziel.

Korsika, wir kommen!

Wir beobachten vom Deck aus, wie die Fähre immer näher an Bastia heranrückt und schließlich vor dem Hafen hält, wo der Kapitän sie geschickt rückwärts in eine Bucht einparkt. Wirklich schnell geht das alles nicht, und als es mit dem Entladen der Fahrzeuge losgeht, ist es bereits 7:30 Uhr – bzw. fast 8 Uhr, als wir als Motorradfahrer endlich an der Reihe sind. Dafür ist das alles sehr gut koordiniert: Es wird über den Schiffslautsprecher durchgegeben, wann es Zeit ist, sich zu seinem Parkdeck zu begeben. Die Verspätung beunruhigt uns auch nicht, denn wir haben die heutige Reiseplanung spontan etwas entspannt: Ursprünglich wollten wir noch einen Schlenker um das Nordkap von Korsika machen, aber wegen der Strapazen bei der Wüstendurchquerung gestern fahren wir doch lieber direkt über den Berg – was kilometertechnisch absolut keinen Marathon darstellt – und gönnen uns einen Pausetag.

Nach dem Entladen fahren wir daher statt nach Norden eher in Richtung Süden, um zum Col de Teghime zu gelangen. Der Weg führt uns anfangs an der Hafenpromenade von Bastia über eine Schnellstraße (bzw. Staustraße) entlang, bis wir rechtwinklig nach Westen abbiegen. Ab jetzt geht es bergauf – und zwar ordentlich. Die Straßen werden immer kleiner und keine zwei Kilometer später fahren wir bereits die ersten Serpentinen. Wir können kaum glauben, wie schnell wir auf die Passhöhe von 500 Metern kommen, und haben dabei richtig Spaß.

Oben halten wir kurz an und genießen die Aussicht. Von hier hat man einen fantastischen Blick zurück auf Bastia und die weiterlaufende Küste. Auch ein merkwürdiges Monument findet sich hier, das einem mit Steinen umringten Scheiterhaufen ähnelt – wer oder was hier wohl verbrannt wurde?

Erfrischt schwingen wir uns auf die Bikes und fahren auf der anderen Seite wieder herunter. Die damit einhergehende Hitzewelle ist ernüchternd, aber immerhin sind wir schon fast am Ziel. Nach ein paar Kilometern Fahrt durch ein recht trockenes Tal entdecken wir unseren Campingplatz Camping D’Olzo am Wegesrand vor St. Florent – und sind bei 30+ C° (am frühen Morgen!) heilfroh, uns gegen den Abstecher zum Cap Corse entschieden zu haben (auch wenn wir gehört haben, dass sich die Fahrt an der Küste entlang lohnen soll). So haben wir von der Fähre bis zum Ziel nur ca. 20 km zurückgelegt – was sich durch die Überquerung des Gebirgskammes aber nach mindestens doppelt so viel angefühlt hat. Ab jetzt heißt es Entspannen!

Eine kleine Oase bei St. Florent

Das fällt uns hier glücklicherweise leicht: Der Campingplatz ist gemütlich in einem schattigen Wald versteckt, der uns vor den schlimmsten Sonneneinwirkungen schützt und reichlich Stellplätze bietet. Neben großen Sanitäranlagen und Waschräumen stehen auch eine Pizzeria, ein Pool und ein Minimarkt auf dem Gelände zur Verfügung. So lässt es sich leben! Wir nutzen die viele Freizeit heute zum Mittagessen, Wäsche waschen und Baden gehen – denn der Campingplatz liegt nur unweit von einem Badestrand entfernt. Gerade für mich ist das ein spannendes Erlebnis, da ich wohl das letzte Mal mit 13 im Meer baden war.

Der Weg zum Strand zieht sich leider ein wenig und wir werden noch einmal ziemlich durchgebraten. Unser einziger Wegbegleiter ist dabei ein lauter Zikadenchor – die Anwohner selbst sind wohl längst vor der Hitze in ihre Häuser geflüchtet. Als die blaue Rettung endlich in Sicht kommt, sind wir zwar erleichtert, müssen aber feststellen, dass der Strand hier nur aus toten Algen besteht. „Wurscht“, sage ich mir – „den Weg bin ich jetzt sicherlich nicht umsonst gekommen“, klettere über die Algenklippen und arbeite mich ins kühle Nass vor. Anja folgt mir dabei etwas zaghaft. Als wir dann aber zusammen entdecken, dass sich der gemütliche Sand wohl eher im Meer als am Ufer versteckt, haben wir richtig Spaß und lassen uns eine ganze Weile von den Wellen treiben. Daran, dass man Salzwasser besser nicht ins Gesicht bekommen sollte, muss ich mich aber erst wieder gewöhnen.

Zurück am Campingplatz lassen wir unseren ersten Tag auf Korsika gemütlich bei zwei (oder drei) Pizzen und einem Glas Wein ausklingen. Mittlerweile bläst ein erfrischender Wind durch die Bäume und wir fallen glücklich und wohltemperiert ins Bett, in gespannter Erwartung auf den nächsten Tag  – denn dann heißt es: Auf nach Calvi!

Routenüberblick

Datum: 27. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: mittel
Länge: 21 km, ca. 40 min Fahrzeit
Eindrücke: Die Strecke ist sehr kurz, führt aber direkt über den Bergkamm. Es geht also hoch hinauf und man hat eine tolle Aussicht.

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Anleitung: Kette wechseln bei der BMW F 800 GS – so klappt’s https://www.in-fremden-gefilden.de/tipps-und-tricks/rund-ums-motorrad/anleitung-kette-wechseln-bei-der-bmw-f-800-gs-so-klappts/ https://www.in-fremden-gefilden.de/tipps-und-tricks/rund-ums-motorrad/anleitung-kette-wechseln-bei-der-bmw-f-800-gs-so-klappts/#comments Sun, 07 May 2017 15:02:25 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4110 Je nach Pflege und Verschleiß kann eine Motorradkette bis zu 40.000 km lang halten. Aber irgendwann wirft das Bindeglied zwischen Motor und Hinterrad das Handtuch. Typische Zeichen für […]

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Je nach Pflege und Verschleiß kann eine Motorradkette bis zu 40.000 km lang halten. Aber irgendwann wirft das Bindeglied zwischen Motor und Hinterrad das Handtuch. Typische Zeichen für einen anstehenden Kettenwechsel sind abgeriebene Kettenritzel (Haifischzähne), unruhiger Kettenlauf (Ausschlagen) oder eine starke Längung (die Kette lässt sich über eine halbe Zahnhöhe vom Hinterradritzel ziehen). Ein neuer Kettensatz schafft all diese Probleme aus der Welt.

Leider ist die Standardkette bei der BMW F 800 GS endlos vernietet und kann laut Handbuch nicht ohne den Ausbau der ganzen Hinterradschwinge entfernt werden. Sollte man sich also lieber die Kopfschmerzen ersparen und gleich zur Werkstatt gehen? Keine Sorge – denn mit ein paar Werkzeugen und etwas Geschick klappt der Kettenwechsel auch ohne große Umbauten am Motorrad problemlos.

Hinweis: Diese Anleitung ist unter Hinzunahme von Fachliteratur und nach besten Wissen und Gewissen erstellt worden, für eventuelle Schäden am Motorrad muss aber jeder selbst haften.

Das Symbol zur Infobox

Die sah doch noch gut aus!

Obwohl meine sechs Jahre alte Kette bereits einige Abenteuer mitgemacht hat, war sie trotz Rost mechanisch gesehen noch in einem relativ guten Zustand. Aber im Zuge einer generellen Frühjahrsrestaurierung meiner BMW, bei der ich die Kette ohnehin hätte abnehmen müssen, habe ich mir hier vorzeitig einen neuen Kettensatz gegönnt und mir die Schrubberei gespart. Die Arbeitsschritte bleiben natürlich auch bei einer völlig verschlissenen Kette gleich.

Kettenwechsel – das brauchen Sie

Das Wichtigste beim Kettenwechsel ist natürlich eine neue Kette – und zwar samt neuem Vorderritzel und Kettenrad. Man tauscht grundsätzlich immer alles zusammen aus, da sich sonst Beschädigungen/Verformungen auf die neuen Teile übertragen und die Haltbarkeit negativ beeinflussen. Glücklicherweise verkaufen viele Händler Komplett-Kettensätze, sodass man nicht alles einzeln kaufen muss.

Im Falle der BMW F 800 GS benötigt man eine 525er Kette mit 116 Rollen. Das vordere Ritzel muss 16 Zähne haben, das Kettenrad hinten dagegen 42 Zähne. Wichtig: Man sollte unbedingt darauf achten, keine Billigkette mit Federclipschloss zu kaufen. Die punktet zwar mit einfacher Montage, hat aber aufgrund mangelnder Sicherheit am Motorrad nichts zu suchen. Wer sich über all das nicht den Kopf zerbrechen will, kann etwa bei Louis das Motorradmodell auswählen und einfach den dazu passenden Kettensatz bestellen.

Bei einer standardmäßigen Nietschlosskette kommt man außerdem um ein Kettennietwerkzeug nicht herum. Das braucht man sowohl zum Trennen der Kette als auch zum erneuten Vernieten. Günstige Varianten fangen bei etwa 50 Euro an, hochwertigere Modelle findet man ab 100 Euro. Wofür man sich hier entscheidet, sei jedem selbst überlassen. Persönlich hatte ich mit dem Craft-Meyer Kettentrenn- und Vernietwerkzeug aber keine Probleme.

Zu guter Letzt empfiehlt BMW noch, dass die M10 bzw. M8-Schrauben und Muttern zur Halterung des Kettenrads und Vorderritzels erneuert werden sollten. Mit etwas Loctite kann man hier für zusätzliche Sicherheit sorgen.

Schritt 1: Die alte Kette abnehmen

Wie oben bereits erwähnt, heißt es seitens BMW, dass man die ganze Hinterradschwinge ausbauen muss, wenn man die Kette (intakt) abnehmen will. Diese Mühe machen wir uns hier nicht. Da wir die Kette nicht mehr brauchen, kann man sie genauso gut auftrennen. Alle folgenden Schritte macht man idealerweise auf dem Hauptständer.

Das Symbol zur Infobox

Tipp: Niete vorher abflexen

Wer dem Nietwerkzeug die Arbeit erleichtern will und eine Flex bzw. einen Dremel zur Hand hat, kann den Kopf der Niete vorher abschleifen. Das verringert die Kraft, die man zum Durchdrücken braucht, erheblich und schont den Nietdorn.

Als Erstes entfernt man die vordere Ritzelabdeckung sowie den Kettenschutz (bzw. löst zwei der drei Schrauben und biegt ihn etwas aus dem Weg). Anschließend dreht man die Kette so, dass sich die Niete der Wahl locker in der Mitte zwischen Kettenrad und Ritzel befindet. Nun setzt man das Nietwerkzeug entsprechend der Gebrauchsanweisung zum Entfernen einer Niete an.

In meinem Fall platziert man das hufeisenartige Stück hinter dem Kettenglied und hängt das Dornstück auf der anderen Seite ein, sodass sich die Kette nun „im“ Nietwerkzeug befindet. Danach dreht man den Dorn mit der Hand auf die Position der Niete und stellt unbedingt sicher, dass er sich mittig befindet (!) und das Kettenglied auf der anderen Seite sicher vom Nietwerkzeug gehalten wird. Ist alles bereit, nimmt man zwei Schraubschlüssel zur Hand und dreht die Niete mit Kraft aus. Hier lieber zu oft als zu selten kontrollieren, dass dabei nichts verrutscht.

Geht alles gut, sollte man schon bald merken, wie man die Niete durch das Kettenglied drückt, bis sie auf der anderen Seite herausfällt. Entfernt man das Nietwerkzeug nun wieder, sollte die Kette von ganz alleine auseinander fallen und sich ohne Probleme abziehen lassen.

Schritt 2: Hinterrad ausbauen

Ist die Kette erst einmal entfernt, lässt sich das Hinterrad ohne große Schwierigkeiten abnehmen. Zunächst muss man hierfür die ABS-Sensor-Halterung auf der linken Seite des Hinterrads lösen und den Sensor zur Seite in Sicherheit biegen.

Anschließend kann man die Achsmutter auf der rechten Seite lösen und abnehmen. Wer will, kann hier auch gleich die Abstandshalterung des Hinterrads lockern und die Schraube etwas in die Schwinge drehen. Das sollte man später ohnehin machen, um die neue Kette ohne Spannung anbringen zu können.

Wenn nicht schon geschehen, platziert man nun am besten eine Art Stütze unter dem Hinterrad, um das Austreiben der Achse zu vereinfachen. Dazu nimmt man einen Gummihammer und schlägt die Stange mit Gefühl nach links aus. Auf der anderen Seite kann man die Achse nun packen und per Hand herausziehen. Hier kann es sein, dass das Rad immer mal wieder hakt, aber mit etwas Wackeln sollte das kein Problem sein. Hat man die Achse schließlich in der Hand, lässt sich das Rad frei aus der Scheibenbremse herausziehen.

Tipp: Die gefettete Achse am besten geschützt abstellen, damit die Schmierung zum Wiedereinbau erhalten bleibt. Wer will, kann natürlich auch gleich neu fetten.

Schritt 3: Ritzel und Kettenrad wechseln

Kettenrad

Legt man das Hinterrad nun mit der Seite der Scheibenbremse auf einen Tisch, kommt man von oben gut an das Kettenrad heran. Hier gilt es, sechs Muttern zu entfernen, die jeweils auf der anderen Seite gekontert werden müssen. Sind alle abgenommen, lässt sich das Kettenrad (mit etwas Wackeln) nach oben abheben.

Hinweis: Zieht man das Kettenrad ab, kann es passieren, dass man dabei den ganzen Kettenblattträger mit abzieht. Doch keine Sorge: Der ist ohne Schrauben auf sogenannte Ruckdämpfer aus Gummi gedrückt. Hier kann man gleich überprüfen, ob die Ruckdämpfer beschädigt sind (abgeriebenes/gebrochenes Gummi im Lager).

Wer will, kann jetzt – wie ich – die Gelegenheit nutzen und mögliche Teerverschmutzungen vom Hinterrad und der Schwinge entfernen. So gut wird man so schnell wohl nicht mehr an alle Fugen und Schrauben herankommen.

Anschließend fettet man die Anlageflächen des Kettenblattträgers ein wenig und bringt das neue Kettenrad mit der Aufschrift nach außen an. Es wird empfohlen, die M10 bzw. M8-Schrauben zusätzlich mit Loctite zu sichern.

Kettenritzel

Die Schraube am vorderen Kettenritzel kann etwas fest sitzen, sodass man sie eventuell mit etwas Nachdruck dazu überreden muss, herauszukommen (sie war bei mir auch ab Werk mit Loctite gesichert). Wenn man die Schraube samt zwei Scheiben (Federscheibe & Unterlegscheibe) abgenommen hat, kann man das Ritzel einfach abziehen und alles reinigen. Wie auch beim Kettenrad, fettet man nun die Scheiben der Schraube ein wenig und bringt das neue Kettenritzel mit der Aufschrift nach außen an. Auch hier wird zum Sichern wieder Loctite empfohlen.

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Das Hinterrad wieder anbringen

Zum Einbau des Hinterrads stellt man den Sockel wieder unter die Schwinge und rollt das Rad in den Bremsblock ein. Das kann ein ganz schönes Gefummel werden, da sich das Rad auf einmal zu breit anfühlt, um wirklich in die Schwinge zu passen.

Hier kann es helfen, den Kettenblattträger beherzt in die Ruckdämpfer zu schieben, die Radachse also quasi zusammenzudrücken, bevor man das Rad einschiebt. Zweifellos ist man hier mit vier Händen besser dran als mit zwei. Anschließend einfach die Schritte aus Punkt 2 in umgekehrter Reihenfolge wiederholen. Dabei auch nicht vergessen, den ABS-Sensor wieder anzubringen.

Schritt 4: Neue Kette aufspannen und vernieten

Kettenritzel und Kettenrad sind ausgetauscht und das Hinterrad ist wieder eingebaut. So weit, so gut. Jetzt fehlt nur noch die neue Kette. Wer, wie ich, eine offene Kette mit Nietschloss gekauft hat, geht folgendermaßen vor:

Als Erstes stellt man sicher, dass das Hinterrad so weit wie möglich nach vorne geschoben ist. Danach zieht man die Kette vom Kettenrad auf das Kettenritzel auf und dreht dabei ein wenig am Reifen, um sich vorzuarbeiten. Schließlich sollte die Kette mit beiden Enden lose nach unten hängen. Nun nimmt man das Extra-Nietglied aus dem Kettensatz und fettet es großzügig ein. Man setzt zwei O- oder X-Ringe in die Nieten ein, verbindet die lose Kette mit dem Nietglied und positioniert auch auf der anderen Seite zwei O- oder X-Ringe. Das ganze sollte dann wie im Bild aussehen.

Dann geht es mit dem Nietwerkezug wieder ans Eingemachte. Zunächst muss man die „Kettenlasche“ mit dem Nietwerkzeug auf das angebrachte Kettenglied pressen. Dazu liegt beim Nietwerkzeug für gewöhnlich eine spezielle Platte bei. Die Vorgehensweise ist größtenteils identisch zum Trennen der alten Kette: Hufeisen hinter die Kette halten, Dorn vorne einhängen und mit zwei Schraubenschlüsseln eindrehen. Im Falle meines Nietwerkzeugs musste ich hierfür den Dorn vorher noch umdrehen, da eine andere Spitze verwendet wird. Am Ende sollte sich die Kettenlasche in Punkto Abstand möglichst perfekt in die anderen Kettenglieder einfügen.

Nun geht es ans Vernieten. Hierzu befolgt man am besten genau die Anweisungen des jeweiligen Nietwerkzeugs. Bei mir musste ich dazu lediglich die Andrückplatte aus dem Werkzeug entfernen und den Dorn von Markierung A auf Markierung B versetzen, und dann den üblichen Vorgang zum Andrücken wiederholen. Hier gilt es, darauf zu achten, dass man die (Hohl-)Niete mit dem Dorn auch wirklich in der Mitte trifft und dass das Kettenglied sicher vom Werkzeug gehalten wird. Erst dann sollte man mit dem Ausweiten der Niete beginnen.

Wichtig: Im oberen Bild ist zu Anschauungszwecken nur die linke Niete geweitet. Die Rechte muss natürlich ebenfalls noch geweitet werden!

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Die ideale Vernietung

Im Falle von DID-Ketten gilt es, den Durchmesser der Niete mit dem Dorn vorsichtig um ca. 0,2 Millimeter auszuweiten. Auf Nummer sicher geht man am besten mit einem Messschieber und häufigen Kontrollen. Auf keinen Fall sollte die Niete nach einem zu starkem Ausweiten am Rand Risse aufweisen oder die Kettenlasche zu eng an das Glied drücken, sodass die Beweglichkeit eingeschränkt wird!

Hat alles geklappt, kann man sich endlich über eine neue Kette freuen, die dem Motorrad hoffentlich auch auf den nächsten 40.000 km gute Dienste leistet. Zum Abschluss nur noch das Hinterrad neu spannen, sodass die Kettenspannung wieder stimmt (bei der F 800 GS 3,5 bis 4,5 cm), den Ketten- und Ritzelschutz wieder anbringen und die Kette etwas nachfetten. Nun sollte dem nächsten Abenteuer nichts mehr im Weg stehen!

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Schottische Lowlands im Huckepack: Edinburgh bis Melrose https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/schottische-lowlands-im-huckepack-edinburgh-bis-melrose/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/schottische-lowlands-im-huckepack-edinburgh-bis-melrose/#comments Sun, 27 Nov 2016 15:12:49 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3795 Einen Socken zu verlieren ist eine Sache. Die Schlüssel zu verlegen, ja, das kann schon mal vorkommen. Aber dass ein ganzes Motorrad von einem Tag auf den anderen […]

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Einen Socken zu verlieren ist eine Sache. Die Schlüssel zu verlegen, ja, das kann schon mal vorkommen. Aber dass ein ganzes Motorrad von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet – das passiert einem wohl eher selten. Und doch ist genau das der Alptraum, den wir seit gestern durchleben. Gestrandet in Edinburgh, zu zweit, mit 70kg Gepäck und nur einem Motorrad.

Glücklicherweise konnten wir seit dem Schock gestern schon viele der organisatorischen Angelegenheiten für die Rückreise abhaken. Nachdem die Fähre umgebucht wurde und wir nun wissen, dass unser Schutzbrief einen Teil der Heimreise-Kosten übernimmt, geht es heute erst einmal darum, auch das Gepäck irgendwie nach Hause zu bekommen und die verbleibende BMW für die Rückreise mit zwei Personen umzurüsten.

Die Royal Mail – Ein schicksalhafter Besuch

Hilfe bekommen wir dabei von Paul, dem Verwalter des Campingplatzes, der sich seit gestern voller Mitleid um uns kümmert und uns nach einiger Recherche den Versand per Royal Mail empfiehlt. Nachdem wir das „unnötige“ Campinpequipment aus- und umsortiert haben, fährt er uns gegen Mittag schließlich zur Poststelle. Dafür sind wir sehr dankbar, denn allein hätten wir den Weg wohl kaum gefunden.

Mit unseren drei Packsäcken und zwei Motorradkoffern jagen wir dem Postbeamten zunächst wohl einen gehörigen Schreck ein, nachdem wir ihm aber unsere Situation erklärt haben, unterstützt er uns freundlich dabei, ganze 55kg an Equipment spontan und ohne Probleme aufzugeben. Puh, das ist immerhin schon einmal eine Last von unseren Schultern!

(…Oder zumindest dachten wir das in dem Moment. Kein Scherz: Dass drei der fünf Pakete bis heute nicht angekommen sind, und von den anderen beiden ein Packsack aufgeschnitten und zur Hälfte geplündert zurückkommen wird, konnten wir hier noch nicht ahnen. So viel Pech sollte man doch eigentlich nicht haben!)

Und wohin jetzt?

Ein Motorrad, zwei Koffer, einen Packsack und uns beide – das gilt es jetzt nach Hause zu bringen. Und obwohl wir den schwereren Teil des Gepäcks bereits versandt haben, kratzen wir auch mit dem Rest noch hart an der Maximalbeladung meiner BMW F800 GS. Hinzu kommt, dass Anja als Beifahrerin überhaupt nicht wohl ist.

Nun, da müssen wir jetzt durch, also schauen wir auf die Karte und gucken nach einem Ziel für unsere letzte Übernachtung in Großbritannien – denn zur Fähre müssen wir ja erst morgen. Nach ein wenig Suchen sticht mir ein Ort ganz besonders ins Auge: Melrose. Dunkle Erinnerungen rütteln sich wach – davon hab ich schon einmal gehört! Eine tolle Ruine soll es dort geben. Außerdem liegt es genau in der Mitte zwischen Edinburgh und dem Fährhafen in Newcastle.

Somit ist die Entscheidung überraschend schnell gefällt. Wir verabschieden uns von Paul und dem mitleidig-guckenden Campingplatz-Team und schwingen uns auf in Richtung Süden. Trotz allem positiven Denkens ist uns dabei etwas mulmig. Es fühlt sich an, als ob wir mit Anja’s Motorrad bewusst einen Teil der Familie zurücklassen.

Mittagstour in den schottischen Lowlands

Und erneut dieser Linksverkehr. Den hatte ich im Trubel der letzten zwei Tage fast vergessen. Doch ich gewöhne mich glücklicherweise schnell wieder daran. Das Fahrradfahren verlernt man nie – wohl auch nicht, wenn man es erst einmal auf der linken Seite gelernt hat. Da der Campingplatz am südlichen Rand von Edinburgh liegt, sind wir auch schnell aus der Stadt und befinden uns im Handumdrehen auf der A7 Richtung Süden – eine Straße, die uns nahezu direkt bis nach Melrose führt.

Obwohl wir nie abbiegen müssen, gibt sich die A7 große Mühe, uns bei Laune zu halten: Manchmal gibt es vier Spuren, dann wieder nur eine, oft führt uns der Weg durch kleine Dörfer und sogar einem geschlängelten Flusstal folgen wir eine Weile lang. Alles in allem ein recht idyllischer Trip, wobei man keine atemberaubenden Vistas erwarten sollte, sondern eher eine leicht hügelige britische Landschaft, in der sich Fuchs und Has zum Teetrinken treffen. So kommt es uns jedenfalls vor.

Irgendwie schaffen wir es schließlich in Melrose anzukommen, ohne dass Anja vom Motorrad gefallen wäre. Das Städtchen begrüßt uns sympathisch, da es sich tatsächlich um ein eher eingeschlafenes Dörfchen mit einem geschäftlich/touristischen Kern handelt, der im Dreieck von ein paar wenigen Straßen umringt ist. Wir parken, subtil wie immer, genau in der Mitte und atmen erst einmal durch. Hier ist es schön und wir haben einander. Viel mehr braucht es für einen tollen Urlaubstag nicht – Motorradklau hin oder her!

Die Melrose Abbey – Über Mönche und das Geld

Wir finden schnell ein Zimmer in einem eher bescheidenen, aber sehr netten Hotel mit Parkplatz, in dem wir von der etwas älteren Besitzerin herzlich begrüßt werden. Die macht sich nicht viel aus unserem Altersunterschied und spricht und ohne zu fragen als Paar an. Vielleicht sehe ich mit Bart älter aus? So oder so freuen wir uns über das Wegfallen der sonst üblichen Erklärung. Leider sind wir aber etwas früh dran – Einchecken kann man erst in 3 Stunden (Gepäck dürfen wir aber schon einmal da lassen). Kein Problem, sagen wir uns, schließlich wissen wir schon genau, womit wir die Zeit füllen können.

Die Melrose Abbey befindet sich keine 300 Meter von unserem Hotel entfernt und ist eine fast 1000 Jahre alte Klosterruine, die vor allem durch ihre vielen Wasserspeier und die beeindruckende Architektur weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Der Eintritt kostet knapp £5, danach darf man die Ruine so lange besichtigen, wie man möchte. Man bekommt außerdem ein Audiogerät in die Hand gedrückt, das einen in quasi jeder beliebigen Sprache durch die Geschichte des Gebäudes führt.

Nun gut, wir haben ohnehin Zeit, daher freuen wir uns über die Chance zur Weiterbildung. Beim Schlendern durch die Klostergärten und Erklimmen der Ruinentürme bekommen wir so einige nette Anekdoten erzählt – unter anderem, wie das Kloster vor allem durch die asketische Lebensweise der Zisterziensermönche bei Adeligen beliebt wurde, die sich mit Geld von ihren Sünden loskaufen wollten. Denn je bescheidener die Priester, desto wirksamer mussten schließlich die Gebete sein, oder? So zumindest die damalige Annahme. Dass die Mönche durch ihre Beliebtheit letztendlich selbst reich wurden und dabei ihre Grundsätze mit den Jahrhunderten völlig aus den Augen verloren, grenzt dann wohl eher an Ironie.

Ein Abend in Melrose

Nach der lehrreichen Klosterbesichtigung schnappen wir uns noch ein paar Souvenirs – wie die Touristen, die wir sind – (unter anderem ein Schal mit Tartan-Muster), und stoßen bei der Rückkehr in die Stadt auf ein verlockendes Schild. Darauf steht, dass es schlicht keine Jahres- oder Uhrzeit gibt, in der ein leckeres Eis nicht schmeckt. Nach gründlichem Überlegen stimme ich dem zu, und so machen wir auch noch schnell mit einer Eisdiele vor den Klostermauern Bekanntschaft.

In der Stadtbesichtung danach finden wir ein Café zum Entspannen, in dem wir uns unser zweites Haggis gönnen – quasi als Bestätigung des ersten, erstaunlich positiven Eindrucks. Und es schmeckt auch hier nach Leberwurst und ziemlich gut! Ich schätze, da muss man gerade als Deutscher wirklich keine Berührungsängste haben.

Nach dem Einchecken in unser kleines, aber feines Hotelzimmer fallen wir spontan komatös ins Bett und bleiben dort gefühlt auch den ganzen Nachmittag liegen. Der Stress am Vormittag mit der Herfahrt und anschließenden Besichtigung von Melrose und dem Kloster hat wohl doch seinen Tribut gefordert. Wir sind erschöpft, aber insgesamt glücklich.

Als wir uns abends doch noch einmal aufraffen, finden wir ein nettes Pub im Seemanns-Stil, und schlagen uns mit Lasagne, Curry und leckerem Nachtisch noch einmal richtig den Bauch voll. Jaja, wir essen im Urlaub viel, ich gebe es ja zu! Wir freuen uns schon auf morgen, denn dann geht es wieder zurück zur Fähre in Newcastle. Ab da ist es quasi nur noch ein Katzensprung nach Hause – zumindest in Punkto Schwierigkeit. Festland, sicheres Deutschland wir kommen! Da hatten wir gestern früh viel Schlimmeres erwartet.

Routenüberblick

Datum: 1. August 2016
Schwierigkeitsgrad: leicht – ruhige Landschaften ohne nennenwerte Herausforderungen
Länge: 56 km, ca. 1 h
Eindrücke: Eine gemütliche Fahrt durch grüne Täler und kleine Dörfer

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Mit der Fähre durch die Nacht – Amsterdam bis Newcastle https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/mit-der-faehre-durch-die-nacht-amsterdam-bis-newcastle/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/mit-der-faehre-durch-die-nacht-amsterdam-bis-newcastle/#comments Wed, 21 Sep 2016 10:46:51 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3466 Heute ist der große Tag: Nach einer anstrengenden Autobahnfahrt quer durch Deutschland geht es nun mit den Motorrädern endlich in Richtung Großbritannien – und zwar quer über die […]

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Heute ist der große Tag: Nach einer anstrengenden Autobahnfahrt quer durch Deutschland geht es nun mit den Motorrädern endlich in Richtung Großbritannien – und zwar quer über die Nordsee. Denn anstatt den müßigen Weg durch den Eurotunnel und ganz England nach Schottland zu nehmen, setzen wir uns lieber die Kapitänsmützen auf und lassen uns zeitsparend per Fähre von Ijmuiden bis hoch nach Newcastle schippern. Das Problem: Über den genauen Ablauf ist sich keiner von uns wirklich sicher und wir sind schon gehörig nervös.

Eben diese Nervosität wirft uns auch schon früh morgens aus dem Zelt. Obwohl wir laut Fährticket erst um 15.00 Uhr zum Check-In antreten müssen, und unser Campingplatz schier unüberwindbare 3 km vom Fährhafen entfernt ist, verlassen wir diesen schon um 10.00 Uhr. Gegen 10.15 Uhr sitzen wir dann am ungemütlichen Fährhafen und ärgern uns über unsere eigene Dummheit.

Aber gut, der frühe Vogel fängt die Fähre, und so nutzen wir die Zeit, um uns etwas mit dem Kai vertraut zu machen. Direkt vor dem Terminal durchziehen lange gelbe Parklinien die (sehr breite) Zufahrtsstraße, die aber leider nur grob markiert sind. Aus Unsicherheit stellen wir unsere Maschinen zunächst auf einem anliegenden Parkplatz ab und gehen ein wenig Sightseeing.

Ein Tag am Hafen

Wer wie wir früh am Terminal ankommt – keine Sorge! Hier gibt es wirklich alles: Egal ob Warenhäuser, LKW-Betrieb oder Fischgestank – der leidenschaftliche Hafenconnaisseur wird in Ijmuiden nichts missen. Tatsächlich finden sich inmitten der Hafenpromenade aber auch echte Kleinode, wie etwa ein sehr künstlerischer Brotbackladen oder ein Geschäft für Luxus-Grillgeräte.

Begeistert finden wir schließlich auch ein schönes Café, in dem wir uns den Bauch vollschlagen und die Zeit vertreiben – zumindest eine halbe Stunde lang. Dann gibt es im Café auch nichts mehr zu sehen und es zieht uns wieder hinaus.

Als wir anschließend zum Terminal zurückkommen, sind wir nicht mehr allein. Ganz vorne in der Warteschlange erspähen wir zwei weitere Motorradfahrer, die sich ebenfalls gegenseitig angähnen. Nach einer netten Unterhaltung stellt sich heraus, dass die beiden aus Schottland (bei Loch Ness!) kommen, gerade eine Tour nach Freiburg unternommen haben und heute ihren Rückweg per Fähre antreten. Wir nutzen die Gelegenheit natürlich, um uns mit Tipps zu Kultur, Land und Fähre einzudecken, und finden dabei unter anderem zwei weitere wichtige Details heraus:

  1. Es ist im Grunde wurscht, auf welcher Wartespur man sich einreiht, und
  2. Nessie haben die beiden in über 30 Jahren nie gesehen.

Der Rest des Nachmittags vergeht schließlich wie im Zeitraffer. Die Parkspuren füllen sich immer mehr und wir bekommen auch zunehmend Gesellschaft von Motorradfahrern, die sich ebenfalls auf ein Abenteuer in Schottland freuen.

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Ein Dach über dem Kopf

Erst als der Regen gegen 14.00 Uhr über uns hereinbricht, fällt uns auf, dass es auch ein überdachtes Fußgängerterminal in der Nähe gibt. Mit bequemen Sitzplätzen, einem Snackautomaten und einer Toilette. Man muss nur rechts vom Autoterminal um die Ecke schauen. Hätten wir das mal früher gewusst!

Verladung auf die Fähre

Als die Tore endlich aufgehen, geht es los. Voller Adrenalin schwingen wir uns aufs Motorrad, das Geräusch hunderter startender Motoren im Hintergrund. Wir fahren zum Tickethäuschen, bekommen ohne direkte Ticketüberprüfung unsere Zimmerkarten (Personalausweis reicht scheinbar) und werden zu einem militärisch-wirkenden Zollbeamten durchgewunken, der unsere Pässe kontrolliert.

Direkt vor uns ragt die beeindruckende Fähre auf, die mit offenem Maul hungrig auf uns wartet. England, wir kommen! Doch kurz vorher werden wir noch einmal auf eine zweite Parkspur verwiesen. Und müssen warten. Warten. Und länger warten. Leider haben wir uns wohl zu früh gefreut, denn erst nach 1,5 Stunden geht es als Motorradfahrer schließlich weiter auf die Fähre. Mittlerweile ist es nach 16 Uhr. Wären wir doch nur auf dem Campingplatz geblieben …

Dafür läuft der eigentliche Verladeprozess recht unkompliziert ab. Man fährt nach den Anweisungen des Personals zu einem Stellplatz für Motorräder neben einer Wand. Zwar wird auf der Webseite darum gebeten, extra eigene Gurte für das Anziehen des Bremshebels mitzunehmen, jedoch werden mehr als genug davon auch so zur Verfügung gestellt. Also zurren wir das Motorrad an Ankerpunkten am Boden fest, legen den ersten Gang ein und freuen uns endlich auf unsere kleine Kreuzfahrt.

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Keine Panik beim Festzurren

Wer keine Übung mit dem Sichern von Motorrädern auf Fähren hat, braucht sich hier keine Sorgen zu machen. Verwendet werden zweiteilige Zurrgurte, die verwirrender aussehen als sie sind. Auch zeitlich braucht man sich nicht zu stressen. Man kann sehr lange auf dem Parkdeck bleiben. Erst 10 Minuten vor Abfahrt wird man nach oben gebeten – in unserem Fall also ca. eine Dreiviertelstunde nach der Auffahrt auf die Fähre.

Casinos, Cafés und Cocktails

Nach einigen Treppenstufen hinauf (das Schiff ist in ca. 10 Stockwerke unterteilt), erreichen wir schließlich unser Kabinendeck und beziehen unser trautes Heim für eine Nacht. Viel ist zwar nicht geboten – ein Etagenbett, eine kleine Couch ein Tisch mit Stuhl und ein Bad auf engstem Raum – aber nach sechs Stunden des Wartens im trüben Hafenwetter gleicht das hier regelrecht einem Palast der Entspannung.

Nach einer schnellen Dusche gehen wir die Mermaid Bar (ganz oben unter freiem Himmel) besuchen und sehen dem mächtigen Schiff beim Auslaufen aus dem Hafen zu. Das dauert eine ganze Weile und die Möwen nutzen die Gelegenheit, um noch ein letztes Mal Brotkrumen von den Reisenden zu klauen.

Später werden wir selbst hungrig und gehen den Rest des Schiffs erkunden. Dabei sind wir überrascht, was hier alles geboten wird: Ein Café, eine Blues Bar, eine normale Bar, eine Bar am Oberdeck,ein Casino, eine Cocktaillounge mit Live Stage für Musiker am Abend, ein halber Supermarkt, vier verschiedene Restaurants (Italienisch, Steakhouse, Fisch, Nobel), Spielhallen und sogar ein Kino mit aktuellen Filmen. Langweilig wird es uns also nicht.

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Vorsicht vor den Preisen

Wer Schifffahrten gewöhnt ist, weiß, dass ein derart üppiges Angebot nicht von ungefähr kommt. Hier wird man sogar für ein Crossaint kräftig zur Kasse gebeten. Insgesamt sind die Essenspreise sogar noch einmal 30% teurer als in München – und wir sind einiges gewöhnt . Idealerweise nimmt man sich also ein paar Vorräte mit.

Besondere Vorsicht gilt bei den „Duty-free“ Shop-Preisen: Hier werden bspw. Parfums gut doppelt so teuer wie woanders verkauft. Das ist insofern besonders dreist, als dass der Shop-Katalog einem dabei auch noch weismachen will, der Straßenpreis wäre eigentlich noch teurer – mit einer Zahl, die völlig aus der Luft gegriffen zu sein scheint.

Da wir mit unserer Urlaubskasse aber lieber etwas haushalten wollen, besuchen wir lediglich das Café für einen langweiligen Ceasar’s Salad (für 13 Euro) und einen Hühnchenwrap, gönnen uns später am Abend in der Musiklounge noch zwei nichtalkoholische Fruchtcocktails (relativ preiswert, erstaunlicherweise, beide unter 5 Euro) und fallen schließlich in unser schaukelndes Bett.

Ankunft in Newcastle  – der große Tag

Da ist sie, die englische Küste. Als wir am nächsten Morgen aus unserem Bullauge schauen, sehen wir die Klippen und Städte bereits an uns vorbeisausen. Nach einem letzten Frühstück, für das wir gerade noch Zeit (und Geld) finden, ertönt bereits die Lautsprecherdurchsage des Kapitäns und wir machen uns für den Aufbruch bereit.

Mit gepacktem Hab und Gut geht es runter aufs Parkdeck, wo wir unsere Motorräder gottseidank genauso vorfinden, wie wir sie gestern zurückgelassen haben. Aber gut, wirklich starker Wellengang war eigentlich nie zu spüren gewesen und alles war mehr als ausreichend gesichert.

Das Ausfahren aus der Fähre läuft im Wesentlichen analog zum Auffahren ab: Man schwingt sich voller Adrenalin aufs Motorrad und wartet hoffnungsvoll, dass es endlich los geht. Das tut es trotz geschäftiger Geräuschskulisse natürlich wieder nicht. Erst eine halbe Stunde nach dem Anlegen sind wir dran und werden hinaus auf eine weitere Reihe Parklinien geleitet. Nachdem unsere Pässe erneut kontrolliert wurden (für den Fall, dass sie über Nacht abgelaufen sind?), geht es schließlich los.

Jetzt pocht das Herz fast schon hörbar. Keiner von uns ist je Linksverkehr gefahren, und nun müssen wir unsere ersten Erfahrungen mitten im Stadtverkehr von Newcastle sammeln – eine Feuerprobe. Alles zu unseren Anfängerschwierigkeiten – und wie wir trotzdem überlebt haben – lest ihr aber erst im nächsten Teil :-]

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Ölwechsel bei der BMW F 800 GS – so klappt’s https://www.in-fremden-gefilden.de/tipps-und-tricks/oelwechsel-bei-der-bmw-f-800-gs-so-klappts/ https://www.in-fremden-gefilden.de/tipps-und-tricks/oelwechsel-bei-der-bmw-f-800-gs-so-klappts/#comments Mon, 30 May 2016 12:24:38 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3158 Ups, es sind schon wieder ein, zwei Jahre seit dem letzten Ölwechsel vergangen – oder man war wieder viel unterwegs? Aber die Wartung in der BMW-Werkstatt ist einfach […]

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Ups, es sind schon wieder ein, zwei Jahre seit dem letzten Ölwechsel vergangen – oder man war wieder viel unterwegs? Aber die Wartung in der BMW-Werkstatt ist einfach zu teuer? Kein Problem! Mit etwas Geschick, dem richtigen Werkzeug und ein paar wenigen Einkäufen kann man den Ölwechsel am BMW-Motorrad auch daheim erledigen.

Hinweis: Diese Anleitung ist unter Hinzunahme von Fachliteratur und nach besten Wissen und Gewissen erstellt worden, für eventuelle Schäden am Motorrad muss aber jeder selbst haften.

Vorbereitung und Anschaffungen

Zunächst natürlich das Grundlegendste: Welches Öl braucht das Motorrad? Die von BMW empfohlenen Viskositäten für mitteleuropäische Gefilde befinden sich im Bereich 10W-40 und seltener 15W-40. Castrol unterhält dabei eine Partnerschaft mit BMW, sodass man Castrol-Öle, wie etwa das Castrol Power 1 4T, das ich für meinen Ölwechsel verwendet habe, sogar direkt beim BMW-Händler kaufen kann. Doch Vorsicht: Von vollsynthetischen Ölen wird in der Regel durchwegs abgeraten, ebenso von Ölzusätzen, da diese die Verlässlichkeit der Kupplung beeinträchtigen können.

Wichtig: Unbedingt die Quittung aufheben, damit man das Altöl später beim gleichen Händler (in den Behältern des neuen Öls) wieder abgeben kann.

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Checkliste: Das braucht man für den Ölwechsel

  • 2,7 – 3,2 Liter 10W-40 Motoröl für Motorräder
  • ggf. einen neuen Ölfilter mit Ölfilterschlüssel
  • neuen Dichtungsring für die Ölablassschraube
  • 10er Inbus für die Ablassschraube, idealerweise Drehmomentschlüssel
  • Auffangbehälter für Altöl
  • Lappen und Unterlagefläche
  • ggf. einen Trichter

Wieviel Öl man benötigt, hängt dabei von der Art des Ölwechsels ab. Im einfachsten Fall braucht man ca. 2,7 Liter – nämlich dann, wenn man nur das Öl ablässt und neu befüllt. Wer den Ölfilter noch mit wechseln möchte, kommt auf 2,9 Liter. Und wer tatsächlich den ganzen Motor auseinander genommen und gereinigt hat, sollte 3,2 Liter parat halten (Restmenge im Schwingenschachtdeckel, die sonst nicht abgelassen wird). Das sollte aber wohl eher selten vorkommen.

Apropos Ölfilter: Dieser wird bei jedem regelmäßigen Ölwechsel in der Werkstatt ebenfalls ausgetauscht – und das mit gutem Grund. Verunreinigungen und Schleifpartikel, die sich im Laufe der Zeit im Öl sammeln, werden hier abgefangen, damit kein Haar in die Suppe… äh in das Öl gerät. Ein neuer Filter kann daher nie schaden – vor allem, da dieser in der Regel für um die 10 Euro billig zu haben ist. Hier sollte man nur sicherstellen, dass der Filter auch garantiert mit dem Motorradmodell und dem Baujahr kompatibel ist. Hinweis: Wenn der Filter keine anderweitigen Ansetzpunkte hat, braucht man zum Entfernen einen speziellen Ölfilterschlüssel. Die gibt es in vielen Formen und Farben. Wichtig ist, dass er auf Ölfilter mit 74mm Durchmesser passt – die Standardgröße für die F 800 GS.

Zum Schluss wäre es noch gut, einen neuen Dichtungsring für die Ölablassschraube parat zu halten. Der ist aus Kupfer und damit recht wiederstandsfähig, kann aber durch eine zu stark angezogene Schraube verformt werden. Ein Austausch ist hier oft nicht nötig, andererseits kostet ein neuer Ring nicht einmal einen Euro.

Ansonsten braucht es natürlich eine Aufwangwanne für das alte Öl, einen Trichter sowie einige Lappen und eine Unterlegfläche, um den unausweichlichen Seitenspritzern vorzubeugen.

Los geht’s: Ölwechsel in 6 Schritten

1.  Papier unterlegen & Motor warmlaufen lassen

Nachdem man sich ein passendes Plätzchen gesucht hat, sollte man ausreichend Papier bzw. eine alte Decke direkt unter und in Fahrtrichtung links vom Motor auslegen, da auf dieser Seite das Öl herausgeschossen kommt. Dann sollte der Viskosität und eines letzten Durchmischens halber der Motor für ein paar Minuten bzw. Kilometer warmlaufen. Vorsicht: Natürlich kann man sich danach leicht am heißen Öl verbrennen! Während der Motor warmläuft, kann man die restlichen Werkzeuge und Ersatzteile schon einmal bereit legen.

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Seitenständer oder Hauptständer?

Wenn möglich, sollte das Motorrad zum Ölwechsel auf dem Seitenständer stehen, da so der Motor zur Ablassschraube hin gekippt ist und das Öl gründlicher abfließen kann. In meinem Fall hatte ich damit allerdings Probleme, da der Seitenständer so weit vor reicht, dass kaum noch Platz für meinen Auffangbehälter ist. Daher habe ich das Motorrad zunächst auf den Hauptständer gestellt, die Hauptmenge des Öls so abgelassen und das Restöl kurz darauf über den Seitenständer geleert.

2. Altöl ablassen

Vor dem Ablassen des Öls ist es empfehlenswert zunächst den Ölmessstab abzunehmen, damit das Öl ohne Unterdruck gleichmäßig abfließen kann. Ist das erledigt, findet man die „richtige“ Ölablasschraube bei der F 800 GS ganz unten am Motor auf der linken Seite. Der Auffangbehälter sollte so platziert sein, dass ein gewisser Schwall mit einkalkuliert ist (siehe Bild).

Die Schraube kann dabei recht fest angezogen sein, doch keine Sorge beim Loslösen: Das Öl drängt sich erst bei den letzten 1-2 Umdrehungen aus dem Motor, vorher hat man also nichts zu befürchten. Trotzdem Vorsicht: Ist es dann soweit, kommt es mit ordentlichem Druck herausgeschossen.

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Filter im Auffangbehälter?

In meinem Fall hatte der Altölbehälter noch einen gelben „Filter“ bzw. ein grobes Sieb über dem Abfluss, das für den heftigen Schwall an Öl zu enge Maschen hatte. So stieg das Öl schneller als dass es abfloss und ich musste die Ölablassschraube kurzzeitig wieder einsetzen, um Schlimmeres zu verhindern. Da man das Altöl eh nicht mehr braucht, empfehle ich solche Filter einfach zu entfernen, um das Problem zu vermeiden.

3. Ölfilter abschrauben

Nachdem der Großteil des Öls abgeflossen ist, geht es nun an den Ölfilter. Hier brauchen wir jetzt den oben erwähnten Ölfilterschlüssel. Tipp: Vorher den dreckigen Ölfilter möglichst sauber putzen, sonst bleibt er im Schlüssel gerne stecken!

Beim Abschrauben auch hier auf hervorquellendes Öl achten, wobei jetzt nicht mehr viel übrig sein dürfte. Gegebenenfalls sollte man dafür den Ölauffangbehälter neu positionieren, falls dieser an der Hauptschraube nicht mehr gebraucht wird. Den alten Ölfilter sollte man dann noch eine Weile austropfen lassen.

4. Reinigung der Teile

Nun gilt es, die Ölablasschraube am Gewinde und rund um den kleinen Magneten auf der Innenseite gut zu reinigen (hier sammeln sich gerne kleine Metallreste). Der alte Dichtungsring wird mit dem neuen ausgetauscht und auch das Gewinde im Motor sollte von Verschmutzungen befreit werden.

Wie in den Bildern zu sehen ist, ist allein der äußere Unterschied zwischen altem und neuen Ölfilter wie Tag und Nacht. Beim Dichtungsring hingegen habe ich auch bei genauer Inspektion keine Schäden festgestellt. In meinem Fall hätte man ihn also problemlos wiederverwenden können.

5. Ölablassschraube und Ölfilter wieder anbringen

Ist alles sauber, geht es jetzt wieder ans Zusammenbauen. Die Ölablassschraube mit frischem Öl benetzen und mit dem neuen Dichtungsring wieder einsetzen. Anschließend mit 40Nm Drehmoment festschrauben.

Den neuen Ölfilter zum Schutz ebenfalls mit etwas Öl auf der Gummiseite und im Gewinde bestreichen und einschrauben. Hier wird ein Drehmoment von lediglich 14Nm empfohlen, was wirklich sehr wenig ist. Aber Vorsicht: Wer zu fest schraubt, kann den Filter beschädigen.

7. Öl wieder auffüllen

Sitzt alles wieder sicher, kann man den Motor nun (endlich!) mit dem neuen Öl befüllen. Dafür am besten einen ausreichend großen Trichter an die Öffnung für den Motorölmesstab ansetzen und gute 2,5 Liter einfüllen. Danach lieber etwas zaghafter vorgehen, um ein Überschwappen zu vermeiden. Wie oben erwähnt, sollte sich die gesamte Füllmenge hier zwischen 2,7 und 2,9 Litern (mit neuem Ölfilter) bewegen.

Ist die vorgesehene Menge eingefüllt, den Messstab wieder einschrauben. Jetzt sollte das Motorrad wieder voll einsatzbereit sein. Nun noch alle Ölreste vom Motorrad (und der Umgebung) gut abputzen, und schon ist man für den nächsten Ausflug optimal geschmiert!

Sicherheitshinweis: Wenn der Motor beim Anmachen ungewöhnliche Geräusche macht, die für längere Zeit anhalten (1-2 Sekunden sind noch nicht unbedingt ungewöhnlich), das Motorrad sofort ausschalten und alles noch einmal überprüfen, um Motorschäden zu vermeiden!

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Der Ölstand lügt

Wenn sich jetzt laut Messstab deutlich zu viel Öl im Motor befindet, keine Panik! Denn das Öl muss sich erst noch gleichmäßig im Kreislauf verteilen. Dazu lassen Sie die BMW wieder ein paar Minuten laufen oder machen eine Probefahrt. Danach einfach noch einmal den Ölstand messen. Wer auf Nummer sicher gehen will, belässt es zunächst bei 2,5 Litern und füllt den Rest erst nach dem Probelauf nach.

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Elchsafari in Markaryd – Jurassic Park lässt grüßen https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/skandinavien/elchsafari-in-markaryd-jurassic-park-laesst-gruessen/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/skandinavien/elchsafari-in-markaryd-jurassic-park-laesst-gruessen/#comments Sun, 29 Nov 2015 16:17:15 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=1958 Wir befinden uns schon wieder recht weit im Süden Schwedens, es naht nun immer mehr das Ende unserer Skandinavien-Tour. Und was haben wir nicht alles erlebt: Von abenteuerlichen […]

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Wir befinden uns schon wieder recht weit im Süden Schwedens, es naht nun immer mehr das Ende unserer Skandinavien-Tour. Und was haben wir nicht alles erlebt: Von abenteuerlichen Mondlandschaften im Süden Norwegens über die arktische Hardangervidda bis hin zum waldigen Niemandsland in Schweden. Eines ist uns dabei aber trotz aller Hoffnungen nicht begegnet: der Elch. „Irgendwo müssen sich die nordischen Kühe doch verstecken!“, denken wir uns – und wissen auch, wo: in einem Elchpark!

Vor uns liegt die Elchsafari Smålandet in Markaryd – ein Park, der gleich durch zwei Besonderheiten hervorsticht: Erstens durch den direkten Kontakt mit den Elchen – ganz ohne störenden Zaun – und zweitens durch die Möglichkeit, die Safari mit dem eigenen PKW anzutreten. Dass dabei schon einmal ein riesiger Elchkopf ins Seitenfenster hereinlugt und sich füttern lässt, soll keine Seltenheit sein. Da uns die Begegnung mit einem vierbeinigen Riesen per Motorrad aber etwas arg einschüchternd erscheint (und, wie wir später herausfinden, auch gar nicht erlaubt gewesen wäre), entscheiden wir uns schon vorab lieber für eine bequeme Kutschierfahrt im Safarizug.

Elchpark Markaryd: Ab in die Wildnis

Der Elchpark selbst befindet sich ein wenig außerhalb von Markaryd und ist leider nicht immer offensichtlich ausgeschildert. Glücklicherweise liegen in unserem Campingplatz reichlich Prospekte aus, die praktischerweise auch eine nett skizzierte Karte beinhalten. Da wir nicht den ganzen Tag mit Helmen herumlaufen wollen, lassen wir diese im Zelt zurück und gehen zu Fuß. Nach guten 45 Minuten Laufweg durch Dorf (eine Stadt ist Markaryd nun wirklich nicht) und Land taucht der Elchpark Smålandet dann ohne viel Tamtam an der Straßenseite auf. Tatsächlich wirkt das ganze auf den ersten Blick fast eher wie ein Bauernhof – allerdings ein sehr hübscher, mit Café, Souvenirshop und in klassischem schwedenrot.

Weil die Züge nur zu festgelegten Tageszeiten fahren, huschen wir schnell in den Ticketshop und holen uns unsere Fahrkarten, um den nächsten Abfahrtstermin zu nicht zu verpassen. Direkt um die Ecke steht sie dann auch schon: Die Safarilokomotive in all ihrer Pracht. Naja, eigentlich eher eine Art Lokomativenauto mit drei Anhängern, in denen jeweils um die 20 Leute gemütlich Platz nehmen können. Vor der Abfahrt wird jedem noch ein Birkenstrauch in die Hand gedrückt (eine für Elche wohl besonders leckere Baumart, die sonst im ganzen Park nicht vorkommt) und los geht’s.

Wir passieren ein eindrucksvolles Tor, das sofort Erinnerungen an Jurassic Park weckt, und fahren in das urwaldartige Gehege ein – passend kommentiert von unserem Fahrer, der sowohl in Schwedisch als auch Englisch scherzhaft das Verlassen der bekannten Zivilisation verkündet.

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Planung zahlt sich aus

Idealerweise sollte man sich vorher auf der Webseite informieren, wie die Abfahrtszeiten des Safarizuges in der aktuellen Saison sind, um möglichst direkt einsteigen zu können. In unserem Fall waren das 11.00, 12.00, 13.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr. Das ist aber beileibe nicht immer so, je weiter außerhalb der Hauptsaison, umso seltener fahren die Züge.

Unabhängig von der Saison gilt jedoch folgendes: Wer das meiste aus seinem Besuch herausholen möchte, nimmt am besten einen der früheren Termine – denn da haben sich die Elche von den rund 60 Birkensträuchern pro Tour noch nicht so sattgegessen und nähern sich bereitwilliger an. Hunger ist eben ein toller Motivator.

Die Könige des Waldes

Nach zahlreichen nervösen Blicken ins Gebüsch dauert es dann auch gar nicht lange bis zum großen Moment. Ein Elch! Auf der Lichtung! Ganz entspannt rührt sich ein Elchkalb rechts von uns und macht sich vor dem Waldhintergrund bemerkbar. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir dann auch die Mutter, die durch ihre dunklere Farbe besser getarnt ist. Etwas angespornt vom Lokführer stehen beide müßig auf und torkeln geruhsam in Richtung des vorderen Teils der Lokomotive.

Während ebendieser in tiefste Bewunderung und „Ohhh“-Rufen versinkt, bekommen wir weiter hinten ein ganz anderes Spektakel geboten: Auf der gegenüberliegenden Seite des Waldes fällt uns in ca. 100 Metern Entfernung ein schwarzer Fleck auf, der merkwürdigerweise immer größer wird – und dabei direkt auf uns zukommt. Ehe wir uns versehen, steht ein wahrer Hüne von einem Elch direkt neben uns, lässt sich über sein nach Moschus duftendes und überraschend fettiges Fell streicheln und knabbert dabei genüsslich an unseren Birkenzweigen. Ein toller Moment! Später in unserer Tour begegnen wir noch zahlreichen weiteren, ebenso prächtigen Tieren, während die Lokomotive sehr langsam durch das weitläufige Gebiet zockelt und immer wieder anhält. Der Kürze halber wollen wir einfach mal unsere Bilder sprechen lassen:

Die Könige der Prärie

Nach einer Weile erreichen wir dann das zweite Highlight der Tour: Bisons! In einem separaten Gehege dreht die Lokomotive eine kleine Extrarunde zwischen den sanften Riesen – „Riese“ im wörtlichen Sinn, denn ein spezieller Bison hatte schätzungsweise die Größe von einem VW Golf. Sehr imponierend, aber aussteigen würden wir hier beim besten Willen nicht, sanft hin oder her. Nach dem Verlassen des Bisongeheges geht es schließlich noch einmal zurück in den Elchwald, woraufhin wir uns auch bald am Eingangstor wiederfinden.

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Tipp für Autofahrer

Wer mit dem PKW kommt, sollte seine Tour möglichst asynchron zur Lokomotive planen. Es gibt eben nur einen Weg durch den Park, und der wird oft vom häufig anhaltenden Lokführer belegt – sehr zur Leidwesen der drei Autos, die sich mittlerweile hinter uns gestaut haben.

Über Waffeln und Kniffel

Um den Tagestrip abzurunden, statten wir vor dem Heimweg noch schnell dem Café einen Besuch ab und lassen und ein paar Waffeln mit Sahne, Vanilleeis und Marmelade munden. Interessanterweise finden sich auch einige Elchspezialitäten im Angebot wieder. Da kann man ja fast ein schlechtes Gewissen bekommen.

Mit tollen Erinnerungen frisch im Gedächtnis machen wir uns schließlich auf den Heimweg. Die Elchsafari Smålandet in Markaryd ist unserer Meinung nach ein absolut empfehlenswertes Erlebnis. Hier sieht man die Elche nicht nur, man kommt ihnen nahe, füttert und streichelt sie in (relativ) freier Wildbahn so genau lange, wie die Elche eben Lust haben. Wenn man dabei noch einen sonnigen Tag erwischt, kann man hier wirklich nichts falsch machen.

Zurück am Campingplatz erleben wir noch eine große Überraschung: Ingrid und Werner (bekannt von unserer Übernachtung in Åmål) tauchen plötzlich völlig unerwartet auf. Dabei hatten wir die beiden zuletzt vor 400km gesehen! Wie sich herausstellt, klang unsere Idee mit dem Elchpark in ihren Ohren so verlockend, dass sie sich spontan entschlossen haben, einfach auch einen Abstecher nach Markaryd zu machen. Umso besser, somit ist gleich für ausreichend Abendunterhaltung gesorgt. Kniffel, Kniffel und nochmal Kniffel! Gemäß der heutigen Tierthematik leistet uns dabei auch noch die ein oder andere Ente Gesellschaft und trägt so zu dem gemütlichen Abschluss unseres letzten Tages in Skandinavien bei.

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