Schottland - Motorradtouren - In fremden Gefilden https://www.in-fremden-gefilden.de/category/reisen/schottland/ Anja und Marvin brausen durch die Welt Thu, 19 Mar 2020 19:40:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.1.10 Nachwort – Ein (fast) gutes Ende https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/nachwort-ein-fast-gutes-ende/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/nachwort-ein-fast-gutes-ende/#comments Thu, 16 Feb 2017 15:43:14 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3962 Zwar ist unser Urlaub mit unserer Heimkehr abgeschlossen, nicht aber die Angelegenheit mit dem gestohlenen Motorrad. Und davon, dass unser Gepäck nicht vollständig ankommen wird, ahnen wir zu […]

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Zwar ist unser Urlaub mit unserer Heimkehr abgeschlossen, nicht aber die Angelegenheit mit dem gestohlenen Motorrad. Und davon, dass unser Gepäck nicht vollständig ankommen wird, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt auch noch nichts.

Zuerst einmal zu den weiteren Geschehnissen rund um mein Motorrad:

Unter Stock und Stein…

Nur wenige Tage nach unserer Rückkehr – wir haben uns gerade wieder halbwegs häuslich eingerichtet und das Erlebte angefangen zu verdauen –  klingelt plötzlich spät abends das Telefon: Die schottische Polizei ist dran und teilt uns mit, dass mein Motorrad soeben in einem Gebüsch unweit des Campingplatzes wiedergefunden wurde. Kurzgeschlossen und ramponiert, mit leergefahrenem Tank, aber eindeutig als meines identifizierbar.

Die Freude über diese Nachricht ist riesig, wie man sich wohl vorstellen kann. Doch damit verbunden gibt es natürlich auch gleich ein neues Problem: Wie – verflixt nochmal – bekommt man ein defektes Motorrad von Schottland nach München?

Mein Schutzbrief fällt mir ein. Schließlich haben mir die netten Leute von der Versicherung schon bei der Heimreise kräftig geholfen. Ich überfliege die Unterlagen und glaube sie so zu verstehen, dass das versicherte Fahrzeug im Falle des Wiederauffindens nach einem Diebstahl zurücktransportiert wird, wenn man sich – so wie ich – nicht mehr in der Nähe befindet.

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Die 3-Werktage-Klausel

Das darauffolgende Telefonat mit dem Schutzbriefversicherer belehrt mich jedoch eines Besseren: Der Rücktransport des Fahrzeuges wird nämlich nur dann organisiert und bezahlt, wenn das Fahrzeug fahruntauglich ist und auch nicht binnen drei Werktagen wieder fahrtauglich gemacht werden kann. Ansonsten bekommt man nur den Flug dorthin bezahlt – und kann dann selbst schauen, wie man wieder nach Hause kommt.

Eine unverständliche Regel

Ich falle aus allen Wolken. Bei einem Unfall oder einer Panne (also einer Situation, in der man sich noch im Besitz des Fahrzeuges befindet) kann ich diese Regel ja noch verstehen. Ein paar Tage warten, ob das Fahrzeug nicht doch wieder fahrbereit gemacht werden kann, finde ich zumutbar, keine Frage. Das ist völlig in Ordnung.

Aber bei einem Diebstahl? Wenn nicht vorhersehbar ist, ob das Fahrzeug jemals wieder auftaucht? Wenn – so wie bei mir – beim Wiederauffinden schon viele Tage seit dem Verschwinden vergangen sind? Und zudem noch einige Tage hinzukommen, bis die Reparatur überhaupt begonnen werden kann? Denn schließlich muss das Motorrad, das sich in Polizeigewahrsam befindet, von der Staatsanwaltschaft erst freigegeben, anschließend zu einer Werkstatt gebracht und begutachtet werden. Da können durchaus noch ein, zwei Wochen ins Land ziehen, auch wenn die Reparatur selbst dann nur drei Tage dauert (diese Frist beginnt nämlich auch erst mit der Auftragserteilung – also im Grunde zu einem fast schon beliebigen Zeitpunkt).

Entsprechend entsetzt reagiere ich, als meine Gesprächspartnerin bei der Versicherung mir das alles erklärt. Die Dame kann nichts dafür, schließlich hat sie diese Vorschriften nicht gemacht, und sie bemüht sich nach Kräften, mir zu helfen (im Nachheinein noch einmal vielen Dank für eure Hilfe, liebe Versicherungsleute – ihr wart super!). Aber trotz alledem kann sie von dieser Regel nicht abweichen. Mist!

Bange Tage

Erneut habe ich Bauchweh.

Ich schaue mir die Strecke Edinburgh – München an. 1.700 km auf meiner kleinen Maschine, mit leichtem Gepäck? Dafür würde ich mindestens vier bis fünf Tage brauchen und kosten würde das auch nicht wenig. Abgesehen davon, dass ich bis dahin eigentlich sowieso keinen Urlaub mehr habe. Doch dann entdecke ich uShip. Ein kurzer Check ergibt, dass ein Transport dort wohl für um die 600 Euro zu haben wäre, wenn man es nicht eilig hat. Irgendwie würde ich es also schaffen, die BMW wieder nach Hause zu holen. Das beruhigt mich etwas und meine Bauchschmerzen lassen nach.

Ich weiß nicht, in welchem Zustand sich die Maschine genau befindet, aber dass sie nicht fahrtauglich ist, hat uns die schottische Polizei bereits gesagt. Ein paar Tage später bekomme ich schließlich die Nachricht, dass sie nun freigegeben und zur BMW-Zentrale in Edinburgh gebracht wurde. Und dass deren Werkstattleiter mit uns telefonieren will.

Marvin muss wieder ran, mit seinen besseren Englischkenntnissen. Er ruft also dort an – und wenige Minuten später ist unsere Erleichterung riesig. Die Maschine kann eindeutig nicht binnen drei Tagen repariert werden, ist aber auch kein Totalschaden … und somit ist der Heimtransport über den Schutzbrief gebongt. Puh!

Bei der Gelegenheit erfahren wir auch, dass wir uns dort ein Motorrad hätten ausleihen können, sogar mitsamt Koffer. Schade, dass wir das nicht früher gewusst haben, sonst hätten wir unsere Tour vielleicht doch noch fortgesetzt. Aber wer weiß, wofür das alles gut war 🙂

Glückliche Heimkehr

Knappe zwei Wochen später wird meine GS schließlich direkt beim Münchner Motorradzentrum abgeladen. Ich fahre gleich hin, um die Schäden zu begutachten, und bin erleichtert, als das alles gar nicht so extrem aussieht wie befürchtet. Das Zündschloss ist kaputt, das Tankschloss ebenfalls, ein, zwei Teile sind abgebrochen, sie hat einige Kratzer und Beulen… aber das wird alles repariert (diesmal auf Kosten der Teilkasko) – und Ende September kann ich sie endlich abholen.

Bis auf ein paar Grashalmreste im Hinterrad und einem winzigen Loch in der Sitzbank ist alles wieder wie neu. Sogar das zerbeulte Nummernschild wurde ausgewechselt. Der Sommer ist inzwischen zwar vorüber, aber hey, was soll’s. Ich habe mein Motorrad wieder und es fährt sich super 🙂

Wenn da nicht noch die Sache mit dem Gepäck wäre …

Die Sache mit dem Gepäck

Nun, nachdem ich oben schon so ausführlich berichtet habe, möchte ich mich bei diesem eher unerfreulichen Kapitel kurz fassen:

Wir haben von Edinburgh aus insgesamt fünf Gepäckteile mit ParcelForce verschickt: drei große Ortlieb-Säcke und meine beiden Motorradkoffer, alle randvoll mit den Sachen, die wir nicht mehr selbst transportieren konnten.

Einer der Ortlieb-Säcke wird nur einen Tag nach unserer eigenen Rückkehr zugestellt. Das ist schnell, da kann man nicht meckern. Doch danach kommt lange, lange nichts mehr. Nachdem zwei Wochen ohne weitere Lieferung ins Land gezogen sind, nehmen wir mit ParcelForce Kontakt auf und starten einen Suchauftrag. Wochen später (inzwischen ist es Oktober) bekommen wir den zweiten Ortlieb-Sack geliefert: Aufgeschnitten und um den teuersten Gegenstand erleichtert, nämlich meinen neuen Daunenschlafsack.

Abgefertigt

Nun glauben wir endgültig nicht mehr daran, dass wir jemals noch etwas von dem restlichen Gepäck wiederbekommen, und erstellen einen Claim. Dabei werden wir von ParcelForce darüber aufgeklärt, dass wir – entgegen der Aussage des uns damals in Edinburgh beratenden Postbediensteten – völlig unterversichert sind. Nicht, wie wir die ganze Zeit geglaubt haben, in Höhe von 2.500 Pfund, sondern nur für einen Bruchteil davon. Ganze 240 Euro Schadensersatz erhalten wir schließlich. Wert des verschwundenen Gepäcks: knapp 2.400 Euro.

Ein hoffnungsvoller Schluss

Einige weitere Wochen später schließlich passiert etwas vollkommen Unerwartetes: Aus heiterem Himmel steht plötzlich der dritte Ortlieb-Sack vor der Tür. Der Sack selbst sieht mitgenommen aus und hat ein paar kleinere Löcher, aber der Inhalt ist vollständig und ohne Beschädigung. Wir können es kaum glauben!

Blöd nur, dass wir unser fehlendes Equipment inzwischen wieder nachgekauft haben. Jetzt haben wir also ein paar Teile doppelt. Macht aber nix, kann man immer gebrauchen. Und irgendwie hat uns das die Hoffnung und den Glauben an die Menschheit wieder ein klein bisschen zurückgegeben.

Wer weiß, vielleicht stehen eines fernen Tages auch noch meine beiden noch immer fehlenden Motorradkoffer vor der Tür? Hach, das wäre schön 🙂

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Synchron über große Distanz – Von Melrose nach München https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/synchron-ueber-grosse-distanz-von-melrose-nach-muenchen/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/synchron-ueber-grosse-distanz-von-melrose-nach-muenchen/#respond Sun, 22 Jan 2017 10:11:38 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3938 Einen Vorteil hat die ganze Umschmeißerei unserer Urlaubspläne: Durch die Hotelübernachtung in Melrose kommen wir heute morgen in den Genuss eines ausgiebigen, typisch englischen Frühstücks. Auch etwas wert! […]

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Einen Vorteil hat die ganze Umschmeißerei unserer Urlaubspläne: Durch die Hotelübernachtung in Melrose kommen wir heute morgen in den Genuss eines ausgiebigen, typisch englischen Frühstücks. Auch etwas wert!

Vollgestopft satteln wir anschließend Marvins BMW (mit dem bisschen Gepäck geht das ja sehr schnell) und machen uns auf den Weg nach Newcastle. Heute sitze ich etwas entspannter auf dem Rücksitz, toll ist es trotzdem nicht. Ich kann immer nur entweder über die rechte oder die linke Schulter von Marvin gucken, muss ständig darauf achten, dass mein Helm nicht gegen seinen dotzt, wenn er bremst, und habe – bedingt durch meine Körpergröße von fast 1,80 m – nur wenig Bewegungsspielraum auf dem Sattel. Zwar schlafen meine Pobacken heute immerhin nicht mehr ein (im Gegensatz zu gestern), aber ich schwöre mir trotzdem hoch und heilig, allen Beifahrerinnen und Beifahrern in Zukunft mit mehr Respekt zu begegnen. Ihr habt meine volle Hochachtung, Mädels und Jungs! Den Lenker eigenhändig zu steuern ist deutlich weniger anstrengend, das kann ich euch sagen!

Kurz hinter Melrose überqueren wir die Grenze zwischen Schottland und England – und diesmal merken wir es auch. Wir steigen ab und machen ein paar Fotos. Etwas wehmütig blicken wir nach Norden. Lange dauerte er ja nicht, unser Schottland-Urlaub. Wir lehnen uns aneinander und schwören uns feierlich, dass wir in naher Zukunft zurückkehren werden, ganz bestimmt!

Goodbye Scotland!

Der letzte Streckenabschnitt in England schließlich birgt keine Überraschungen mehr. Allzu lange ist es ja auch nicht her, dass wir diese Gegend erst in die andere Richtung durchquert haben. Die Fahrt durch Newcastle klappt diesmal ohne Verfahren, und unserer Tradition gemäß sind wir die allerersten am Hafen. Wir belegen gleich einmal eine Fahrspur für uns und marschieren dann zum Terminal. Diesmal wissen wir ja, dass es irgendwo einen Aufenthaltsraum geben muss – und siehe da, dieser entpuppt sich sogar als besonders gemütlich, mit Ledersitzen und Vollverpflegung. Hier lässt es sich gut warten!

Wir decken uns mit Essen ein (also echt … irgendwie sind wir dauernd am futtern^^) und geraten schnell in ein anregendes Gespräch mit weiteren, frühzeitig eintrudelnden Motorradfahrern. Ein Paar berichtet, dass sie die Hälfte ihrer ursprünglichen Truppe durch einen Auffahrunfall im Kreisverkehr (wo auch sonst …) verloren haben. Es gab dabei zwar glücklicherweise keine Verletzten, dafür aber Totalschaden an zwei Motorrädern. Auch nicht toll.

Die Zeit bis zur Auffahrt auf die Fähre vergeht heute vergleichsweise schnell – wohl weil wir nun wissen, wie das alles abläuft – und nachdem wir das Motorrad verzurrt, unsere geräumige Kabine bezogen und uns frisch gemacht haben, erkunden wir unsere Umgebung. Zwischen Newcastle und Ijmuiden verkehren zwei verschiedene Schiffe, und dieses hier ist das andere. Wir stellen jedoch recht schnell fest, dass beide Fähren – bis auf kleine farbliche Unterschiede in der Innenausstattung – nahezu identisch sind, einschließlich des Angebotes an Restaurants und sonstiger Unterhaltung. Wir leisten uns noch ein paar Snacks und verziehen uns frühzeitig in unsere Kabine. Die liegt auf dem zweithöchsten Deck, weshalb wir die unruhige See diesmal ziemlich deutlich merken. Ich habe tatsächlich mit leichter Übelkeit zu kämpfen. Die Nacht über kann ich zwar halbwegs gut schlafen, aber als wir am nächsten Morgen in den Hafen von Ijmuiden einlaufen, bin ich doch heilfroh, dass die Schaukelei endlich aufhört.

Der nächste Morgen

In England durften wir als eine der ersten auf das Schiff fahren, was sich nun rächt: Beim Entladen müssen wir dafür besonders lange warten. Normalerweise wäre das kein Problem (das Schiff schaukelt ja schließlich nicht mehr :-)), aber ich bin aus einem anderen Grund unruhig: Ich habe via Bahn-App herausgefunden, dass recht bald ein Zug von Amsterdam nach Frankfurt (wo wir erneut einen Zwischenstopp einlegen wollen) fährt. Um den Zubringerzug nicht zu verpassen, sollten wir doch bald mal auf die Piste kommen…

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Warnung vor Mobilfunkkosten

Bei der Gelegenheit: Auf dem Schiff wollte ich bereits vorab die Fahrpläne checken – und bin beinahe vom Hocker gefallen als ich erfahren habe, dass ein MB (!) Datentransfer satte 20,28 Euro (Tarif für Schiffe und Flugzeuge) gekostet hätte. Mein Handyvertrag warnt mich bei solchen Dingen glücklicherweise und bucht das nicht automatisch, aber ich kann allen nur dringend raten, die mobile Datenübertragung ggf. manuell zu deaktivieren! Auch wenn es mittlerweile eine Sicherheits-Höchstgrenze gibt, so muss man diese ja nicht unbedingt ausschöpfen.

Nun, wir schaffen es noch rechtzeitig nach Haarlem. Vor dem Bahnhof trennen Marvin und ich uns schließlich schweren Herzens (ich wäre ja gerne weiter mit ihm zusammen gereist, aber nicht auf dem Beifahrersitz – das halten mein Rücken und meine Nerven einfach nicht aus). Ab jetzt geht es getrennt weiter, somit berichten wir auch getrennt 😉

Heimfahrt per Bahn und Bike

Anja: In Haarlem steige ich also in den Zug nach Amsterdam. Bzw. will ihn besteigen, denn kurz vorher merke ich, dass die Dame am Ticketschalter mich falsch verstanden und mir statt einem Ticket nach Oberursel eines nach Oberdorf verkauft hat … Hektische 15 Minuten später ist das Missverständnis geklärt, das Ticket ausgetauscht und ich sitze im nächsten Zubringerzug. Ich liege aber trotzdem noch gut in der Zeit und erreiche den ICE nach Frankfurt locker. Da meine Versicherung mir ein 1. Klasse-Ticket erstattet, habe ich mir das auch gegönnt – und sitze so gemütlich im warmen Zug, mit Kaffee und Kindle, schaue aus dem Fenster und habe Mitleid mit Marvin, der sich allein auf den regnerischen Straßen nach Hause kämpfen muss.

Marvin: Und das fängt schon bei der Ausfahrt aus Haarlem an. Nicht lange nachdem ich Anja traurig Lebewohl gesagt habe, habe ich mich verirrt. Kein Wunder, denn mein Navi „Günni“ hat vor der absurd komplexen Infrastruktur der Innenstadt kapituliert und kann mir ganze 20 Minuten lang keine Route berechnen. Und die, die letztendlich dabei herauskommt, führt mich zwar gottseidank aus der holländischen Vorstadthölle, aber nur auf irrwitzigen Umwegen nach Frankfurt. Das Problem: Der Regen wird immer schlimmer – und wie falsch ich eigentlich fahre, merke ich erst später.

Anja: Irgendwo bei Düsseldorf hat mein Zug ein technisches Problem und ich muss umsteigen. Wann bin ich eigentlich das letzte Mal mit der Bahn gefahren, OHNE dass es irgendein „technisches Problem“ gegeben hätte? Das muss ziemlich lange her sein, denn ich erinnere mich nicht. Nun gut, ich gebe Marvin via WhatsApp durch, wo er den Schlüssel für das Haus meines Bruders abholen kann, da ich nun davon ausgehe, dass er deutlich vor mir in Oberursel sein wird.

Marvin: Nicht wirklich, denn dank meines Chaos-Navis befinde ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr auf der Autobahn, sondern mitten in der Düsseldorfer Innenstadt. Jetzt dämmert es mir, dass irgendetwas mit der Route nicht stimmen kann. Ich fahre also auf einen OBI-Parkplatz und lasse sie neu berechnen. Und, oh Wunder, die neue Route ist in nur 10 Sekunden ermittelt und spart mir im Vergleich zur alten ganze 2 Stunden Fahrzeit. „Na super“ denke ich mir und ärgere mich über die vertrödelte Zeit. Da ich unser kleines Wettrennen durch Holland und Deutschland nicht verlieren will, schwinge ich mich sofort wieder auf die Straße und fahre bald wieder auf der Autobahn Richtung Süden.

Anja: Vom Hauptbahnhof in Frankfurt nach Oberursel nehme ich die S-Bahn. Am Ziel angekommen, knurrt mein Magen bereits vernehmlich, also bestelle ich am S-Bahnhof kurzerhand bei der tollen Pizzeria, in der wir schon bei der Hinreise gegessen haben, zwei Pizzen zum Mitnehmen. Hm, die riechen vielleicht gut! Beim Haus meines Bruders stelle ich fest, dass Marvin noch gar nicht da ist. Nicht so schlimm, Pizza schmeckt auch kalt, denke ich mir … doch noch in derselben Minute kommt Marvin um die Ecke gedüst. Unglaublich – fast gleichzeitig angekommen! Und über die noch immer warme Pizza freut er sich sehr 🙂

Marvin: Denn zumindest habe ich so einen Trostpreis für das verlorene Rennen :-] Fast surreal, denke ich mir: Da steht meine Freundin, die ich vor 500km allein in einer fremden Stadt in Holland ausgesetzt habe, und nun ist sie trotz sechs Stunden Tempo auf der Autobahn vor mir da (wenn auch knapp) – die Wunder der modernen Bahntechnik. Völlig erschöpft und immer noch durchnässt quartieren wir uns erst einmal ein und gönnen uns eine heiße Dusche. Wir tauschen uns mit Anjas Bruder über unsere Erlebnisse aus und sind froh, dass bisher alles reibungslos geklappt hat.

Anja: Wir verbringen einen schönen Abend mit meinem Bruder und fallen anschließend in einen erholsamen Schlaf. Bald ist die Heimreise geschafft! Am nächsten Tag geht es erneut getrennt weiter. Ich stapfe zur S-Bahn, fahre nach Frankfurt und steige dann um in den nächsten ICE nach München. Diesmal buche ich nur zweite Klasse, man muss ja nicht übertreiben. Aber eine Sitzreservierung gönne ich mir trotzdem – zum Glück, denn der Zug ist rappelvoll.

Marvin: Frisch erholt und guten Mutes gehe auch ich den zweiten Teil der Strecke nach Hause an. Das fällt mir heute nicht nur dank der vertrauten Umgebung Frankfurts leichter als gestern, sondern auch wegen des angenehmen Sonnenscheins. Den ganzen Tag bekomme ich keinen einzigen Regentropfen ab, was eine willkommene Abwechslung ist. Natürlich ist die Strecke nach München dadurch auch entsprechend ereignislos. Was soll ich sagen, lange Autobahnfahrten kennt jeder, da passiert nicht viel. Immerhin habe ich heute eine zweite Chance, Anja mit ihrem Zug zu schlagen. Und da mein Navi diesmal nicht spinnt, rechne ich mir auch ganz gute Chancen aus. Erster Platz, ich komme!

Anja: Am frühen Nachmittag (diesmal tatsächlich ohne technische Probleme, juchhu) erreiche ich München. Und nehme mir ein Taxi, weil ich zu erschöpft bin, um noch in die U-Bahn steigen zu wollen. Zuhause angekommen werde ich von unseren Grundstücks-Mitbewohnern begrüßt und bin gerade dabei, ihnen ein wenig von unseren Abenteuern zu berichten, als Marvin in unsere Einfahrt tuckert. Erneut sind wir – trotz vollkommen unterschiedlicher Strecken und Transportfahrzeuge – nahezu zeitgleich angekommen. Kaum zu glauben, oder?

Marvin: Das gibt’s doch nicht! Aber schön, zuhause zu sein :-]

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Schottische Lowlands im Huckepack: Edinburgh bis Melrose https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/schottische-lowlands-im-huckepack-edinburgh-bis-melrose/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/schottische-lowlands-im-huckepack-edinburgh-bis-melrose/#comments Sun, 27 Nov 2016 15:12:49 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3795 Einen Socken zu verlieren ist eine Sache. Die Schlüssel zu verlegen, ja, das kann schon mal vorkommen. Aber dass ein ganzes Motorrad von einem Tag auf den anderen […]

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Einen Socken zu verlieren ist eine Sache. Die Schlüssel zu verlegen, ja, das kann schon mal vorkommen. Aber dass ein ganzes Motorrad von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet – das passiert einem wohl eher selten. Und doch ist genau das der Alptraum, den wir seit gestern durchleben. Gestrandet in Edinburgh, zu zweit, mit 70kg Gepäck und nur einem Motorrad.

Glücklicherweise konnten wir seit dem Schock gestern schon viele der organisatorischen Angelegenheiten für die Rückreise abhaken. Nachdem die Fähre umgebucht wurde und wir nun wissen, dass unser Schutzbrief einen Teil der Heimreise-Kosten übernimmt, geht es heute erst einmal darum, auch das Gepäck irgendwie nach Hause zu bekommen und die verbleibende BMW für die Rückreise mit zwei Personen umzurüsten.

Die Royal Mail – Ein schicksalhafter Besuch

Hilfe bekommen wir dabei von Paul, dem Verwalter des Campingplatzes, der sich seit gestern voller Mitleid um uns kümmert und uns nach einiger Recherche den Versand per Royal Mail empfiehlt. Nachdem wir das „unnötige“ Campinpequipment aus- und umsortiert haben, fährt er uns gegen Mittag schließlich zur Poststelle. Dafür sind wir sehr dankbar, denn allein hätten wir den Weg wohl kaum gefunden.

Mit unseren drei Packsäcken und zwei Motorradkoffern jagen wir dem Postbeamten zunächst wohl einen gehörigen Schreck ein, nachdem wir ihm aber unsere Situation erklärt haben, unterstützt er uns freundlich dabei, ganze 55kg an Equipment spontan und ohne Probleme aufzugeben. Puh, das ist immerhin schon einmal eine Last von unseren Schultern!

(…Oder zumindest dachten wir das in dem Moment. Kein Scherz: Dass drei der fünf Pakete bis heute nicht angekommen sind, und von den anderen beiden ein Packsack aufgeschnitten und zur Hälfte geplündert zurückkommen wird, konnten wir hier noch nicht ahnen. So viel Pech sollte man doch eigentlich nicht haben!)

Und wohin jetzt?

Ein Motorrad, zwei Koffer, einen Packsack und uns beide – das gilt es jetzt nach Hause zu bringen. Und obwohl wir den schwereren Teil des Gepäcks bereits versandt haben, kratzen wir auch mit dem Rest noch hart an der Maximalbeladung meiner BMW F800 GS. Hinzu kommt, dass Anja als Beifahrerin überhaupt nicht wohl ist.

Nun, da müssen wir jetzt durch, also schauen wir auf die Karte und gucken nach einem Ziel für unsere letzte Übernachtung in Großbritannien – denn zur Fähre müssen wir ja erst morgen. Nach ein wenig Suchen sticht mir ein Ort ganz besonders ins Auge: Melrose. Dunkle Erinnerungen rütteln sich wach – davon hab ich schon einmal gehört! Eine tolle Ruine soll es dort geben. Außerdem liegt es genau in der Mitte zwischen Edinburgh und dem Fährhafen in Newcastle.

Somit ist die Entscheidung überraschend schnell gefällt. Wir verabschieden uns von Paul und dem mitleidig-guckenden Campingplatz-Team und schwingen uns auf in Richtung Süden. Trotz allem positiven Denkens ist uns dabei etwas mulmig. Es fühlt sich an, als ob wir mit Anja’s Motorrad bewusst einen Teil der Familie zurücklassen.

Mittagstour in den schottischen Lowlands

Und erneut dieser Linksverkehr. Den hatte ich im Trubel der letzten zwei Tage fast vergessen. Doch ich gewöhne mich glücklicherweise schnell wieder daran. Das Fahrradfahren verlernt man nie – wohl auch nicht, wenn man es erst einmal auf der linken Seite gelernt hat. Da der Campingplatz am südlichen Rand von Edinburgh liegt, sind wir auch schnell aus der Stadt und befinden uns im Handumdrehen auf der A7 Richtung Süden – eine Straße, die uns nahezu direkt bis nach Melrose führt.

Obwohl wir nie abbiegen müssen, gibt sich die A7 große Mühe, uns bei Laune zu halten: Manchmal gibt es vier Spuren, dann wieder nur eine, oft führt uns der Weg durch kleine Dörfer und sogar einem geschlängelten Flusstal folgen wir eine Weile lang. Alles in allem ein recht idyllischer Trip, wobei man keine atemberaubenden Vistas erwarten sollte, sondern eher eine leicht hügelige britische Landschaft, in der sich Fuchs und Has zum Teetrinken treffen. So kommt es uns jedenfalls vor.

Irgendwie schaffen wir es schließlich in Melrose anzukommen, ohne dass Anja vom Motorrad gefallen wäre. Das Städtchen begrüßt uns sympathisch, da es sich tatsächlich um ein eher eingeschlafenes Dörfchen mit einem geschäftlich/touristischen Kern handelt, der im Dreieck von ein paar wenigen Straßen umringt ist. Wir parken, subtil wie immer, genau in der Mitte und atmen erst einmal durch. Hier ist es schön und wir haben einander. Viel mehr braucht es für einen tollen Urlaubstag nicht – Motorradklau hin oder her!

Die Melrose Abbey – Über Mönche und das Geld

Wir finden schnell ein Zimmer in einem eher bescheidenen, aber sehr netten Hotel mit Parkplatz, in dem wir von der etwas älteren Besitzerin herzlich begrüßt werden. Die macht sich nicht viel aus unserem Altersunterschied und spricht und ohne zu fragen als Paar an. Vielleicht sehe ich mit Bart älter aus? So oder so freuen wir uns über das Wegfallen der sonst üblichen Erklärung. Leider sind wir aber etwas früh dran – Einchecken kann man erst in 3 Stunden (Gepäck dürfen wir aber schon einmal da lassen). Kein Problem, sagen wir uns, schließlich wissen wir schon genau, womit wir die Zeit füllen können.

Die Melrose Abbey befindet sich keine 300 Meter von unserem Hotel entfernt und ist eine fast 1000 Jahre alte Klosterruine, die vor allem durch ihre vielen Wasserspeier und die beeindruckende Architektur weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Der Eintritt kostet knapp £5, danach darf man die Ruine so lange besichtigen, wie man möchte. Man bekommt außerdem ein Audiogerät in die Hand gedrückt, das einen in quasi jeder beliebigen Sprache durch die Geschichte des Gebäudes führt.

Nun gut, wir haben ohnehin Zeit, daher freuen wir uns über die Chance zur Weiterbildung. Beim Schlendern durch die Klostergärten und Erklimmen der Ruinentürme bekommen wir so einige nette Anekdoten erzählt – unter anderem, wie das Kloster vor allem durch die asketische Lebensweise der Zisterziensermönche bei Adeligen beliebt wurde, die sich mit Geld von ihren Sünden loskaufen wollten. Denn je bescheidener die Priester, desto wirksamer mussten schließlich die Gebete sein, oder? So zumindest die damalige Annahme. Dass die Mönche durch ihre Beliebtheit letztendlich selbst reich wurden und dabei ihre Grundsätze mit den Jahrhunderten völlig aus den Augen verloren, grenzt dann wohl eher an Ironie.

Ein Abend in Melrose

Nach der lehrreichen Klosterbesichtigung schnappen wir uns noch ein paar Souvenirs – wie die Touristen, die wir sind – (unter anderem ein Schal mit Tartan-Muster), und stoßen bei der Rückkehr in die Stadt auf ein verlockendes Schild. Darauf steht, dass es schlicht keine Jahres- oder Uhrzeit gibt, in der ein leckeres Eis nicht schmeckt. Nach gründlichem Überlegen stimme ich dem zu, und so machen wir auch noch schnell mit einer Eisdiele vor den Klostermauern Bekanntschaft.

In der Stadtbesichtung danach finden wir ein Café zum Entspannen, in dem wir uns unser zweites Haggis gönnen – quasi als Bestätigung des ersten, erstaunlich positiven Eindrucks. Und es schmeckt auch hier nach Leberwurst und ziemlich gut! Ich schätze, da muss man gerade als Deutscher wirklich keine Berührungsängste haben.

Nach dem Einchecken in unser kleines, aber feines Hotelzimmer fallen wir spontan komatös ins Bett und bleiben dort gefühlt auch den ganzen Nachmittag liegen. Der Stress am Vormittag mit der Herfahrt und anschließenden Besichtigung von Melrose und dem Kloster hat wohl doch seinen Tribut gefordert. Wir sind erschöpft, aber insgesamt glücklich.

Als wir uns abends doch noch einmal aufraffen, finden wir ein nettes Pub im Seemanns-Stil, und schlagen uns mit Lasagne, Curry und leckerem Nachtisch noch einmal richtig den Bauch voll. Jaja, wir essen im Urlaub viel, ich gebe es ja zu! Wir freuen uns schon auf morgen, denn dann geht es wieder zurück zur Fähre in Newcastle. Ab da ist es quasi nur noch ein Katzensprung nach Hause – zumindest in Punkto Schwierigkeit. Festland, sicheres Deutschland wir kommen! Da hatten wir gestern früh viel Schlimmeres erwartet.

Routenüberblick

Datum: 1. August 2016
Schwierigkeitsgrad: leicht – ruhige Landschaften ohne nennenwerte Herausforderungen
Länge: 56 km, ca. 1 h
Eindrücke: Eine gemütliche Fahrt durch grüne Täler und kleine Dörfer

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Edinburgh – von seiner schönen Seite https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/edinburgh-von-seiner-schoenen-seite/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/edinburgh-von-seiner-schoenen-seite/#respond Tue, 18 Oct 2016 14:21:41 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3362 Vor dem Zelt – wieder unter uns – überlegen Marvin und ich, wie wir nun weiter vorgehen sollen. Ziemlich schnell wird klar, dass keiner von uns beiden die […]

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Vor dem Zelt – wieder unter uns – überlegen Marvin und ich, wie wir nun weiter vorgehen sollen. Ziemlich schnell wird klar, dass keiner von uns beiden die Reise jetzt noch fortsetzen möchte. Jedenfalls nicht mit einem Mietauto. Ich würde bei dem Anblick anderer Motorradfahrer bloss in Traurigkeit und Wut versinken, zudem traue ich mir den Umgang mit einem rechtsgelenkten Auto nicht zu – und dass es auch Miet-Motorräder gegeben hätte, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht .

Also beschließen wir, die Tour hier abzubrechen. Ich führe ein paar Telefonate mit meinem Schutzbrief-Versicherer sowie der Fährgesellschaft. Kurz darauf steht fest, dass wir übermorgen wieder mit der Fähre zurück „auf den Kontinent“ reisen werden – mit nur noch einem Motorrad, dafür aber in einer größeren Kabine. Die Leute von der Versicherung haben uns zugesagt, dass sie für einen Teil der Kosten meiner Rückreise und den Versand des nun überschüssigen Gepäcks aufkommen werden. Und Paul, der kurz darauf noch einmal zu uns kommt, verspricht uns, eine Versandmöglichkeit in Erfahrung zu bringen. Somit ist erst einmal das Wichtigste geregelt.

Alles erledigt – und jetzt ab in die Stadt

Wir frühstücken eine Kleinigkeit (viel bekommen wir beide nicht herunter) und machen anschließend das, was wir laut Plan heute sowieso gemacht hätten: Wir besichtigen Edinburgh.

An der Rezeption bekommen wir für günstiges Geld zwei Tageskarten für den öffentlichen Verkehr. Das Prinzip, nach dem diese funktionieren, ist simpel: Man rubbelt einfach das entsprechende Datum frei und zeigt die Karte dann beim Einsteigen dem Fahrer. In der Nähe des Campingplatzes befindet sich auch gleich die Haltestelle für eine Buslinie, die uns direkt bis in die Innenstadt bringt.

Die Fahrt ist angenehm entspannend, und als wir an der Princes Street aussteigen, freuen wir uns richtig auf die Erkundung der Innenstadt. Wir marschieren ein Stück durch den Park unterhalb der Altstadt und genießen die angenehme Luft und die Bewegung. Gut für den Stressabbau!

Hoch hinauf – zur High Street

Viele Treppen und kleine, steile Wege führen hinauf zur High Street. Unter den Häusern der Altstadt findet man auch immer wieder mittelalterlich-düstere Tunnel. Sehenswert!

Da heute – wie gesagt – Sonntag ist, noch dazu gutes Wetter und Hauptsaison, brodelt es in der Innenstadt vor Leben. Das ist schön und lenkt uns für eine ganze Weile von unseren Problemen ab.

In der Altstadt angekommen begrüßt uns ein digitales Schild fröhlich mit „Welcome World“ und in der großen Kirche dahinter finden wir – kaum zu glauben – statt Kerzen und Altar ein sehr weltliches Cafè. Aber mit göttlichem Schokoladenkuchen 😉

Ausgeruht und satt lenken wir unsere Schritte zuerst auf der High Street nach Westen, Richtung Edinburgh Castle.

Vor dem Schloss sind die Tribünen für das diesjährige Military Tattoo aufgebaut. Wir haben vor ein paar Wochen zwei Karten dafür ergattern können, doch die können wir jetzt wohl nur noch verschenken. So lange bleiben wir nämlich nicht mehr in Schottland…

Der Eintritt für die Besichtigung des Schlosses selbst ist uns zu teuer (16,50 Pfund pro Person) und reizt uns auch nicht allzu sehr. Mittelalter sieht man hier auch so mehr als genug ;-).

Daher drehen wir um und entdecken sogleich die Scotch Whisky Experience. Eigentlich hatten wir ja vor, auf unserer Tour eine Destillery zu besuchen – aber nachdem das ja nun nicht stattfindet, spielen wir kurz mit dem Gedanken, ob wir nicht stattdessen in diese Ausstellung gehen sollen. 24 Pfund Eintritt pro Person helfen uns jedoch, schnell zu einer Entscheidung zu kommen. Wir verzichten!

In den dazugehörigen Shop kann man aber auch ohne Eintritt gelangen, also stürmen wir hinein. Vielleicht finden wir ja ein paar kleine Mitbringsel? Schnell jedoch merken wir, dass die (uns bekannten) Whiskysorten in den Regalen allesamt deutlich teurer sind als bei uns daheim im Supermarkt. Irgendwie ist diese ganze Ecke hier nicht unbedingt etwas für unseren Geldbeutel!

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass der Verlust meines Motorrades noch zu frisch ist, als dass wir allzu freigiebig sein wollen. Wir verlassen jedenfalls auch diesen Laden, ohne Geld ausgegeben zu haben, und marschieren nun nach Osten – dorthin, wo die High Street in die Royal Mile übergeht.

Hinab zur Royal Mile

Schausteller, Musikanten, Einheimische und Touristen bilden hier eine bunte und außerordentlich interessante Mischung. Immer wieder hört man das typische Pfeifen der Dudelsäcke, aber auch irische und andere Musikrichtungen kommen nicht zu kurz. Allein schon diese vielfältige Soundkulisse sorgt für ein grandioses Flair!

Hinzu kommen die unterschiedlichsten weiteren Angebote: Ein „typisch schottischer“ Laden reiht sich an den nächsten – sonntags geöffnet, klar – und verschiedene Kleinst-Attraktionen buhlen um die Aufmerksamkeit (und das Geld) der Vorbeigehenden. Wir können uns kaum sattsehen, so viel ist geboten.

Hier findet man auch den Eingang zu The Real Mary King’s Close. Wir versuchen unser Glück, doch leider ist die Tour bis zum Abend ausgebucht. Nun, so lange wollen wir nicht warten, also genießen wir lieber noch ein wenig den Trubel um uns herum und wandern einfach weiter.

Sogar eine Weltrekordhalterin (Elaine Davidson, meistgepiercte Frau der Welt) präsentiert sich hier, doch ehe wir ihr nicht zwei Pfund in die Hand gedrückt haben (die Höhe der Gabe ist einem selbst überlassen, ich denke, mit einem Pfund wäre sie auch zufrieden gewesen), verhindert sie mit ihrem regebogenfarbenen Schirm geschickt, fotografiert zu werden.

Danach jedoch ist sie sehr freundlich und lustig – und mit Marvin möchte sie gleich zweimal fotografiert werden, weil er ihr – wie sie sagt – so gut gefällt. Kann ich verstehen 😉

Eine gute Nachricht

Am Nachmittag werden wir langsam müde – und ein wenig traurig, weil uns bewusst wird, wie schön diese Reise noch hätte werden können. Also beschließen wir, zum Campingplatz zurückzukehren. Dort erwartet uns ein aufgeregter Paul, der uns zum Kofferraum seines Autos winkt. Strahlend vor Freude drückt er uns meine beiden Motorradkoffer in die Arme, die er im Garten eines angrenzenden Grundstückes ausfindig gemacht hat. Was für eine schöne Überraschung!

Vor diesen Schlössern haben die Diebe offensichtlich kapituliert, denn die Koffer sind nach wie vor verschlossen und der Inhalt vollständig vorhanden. Wunderbar! Allerdings sind die Kofferhalterungen teilweise verbogen, die Koffer wurden offensichtlich mit roher Gewalt von den Kofferträgern gerissen und dann über den Zaun geworfen. Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken, was sie mit meinem Motorrad sonst noch alles angestellt haben.

Den Rest des Tages verbringen wir mit Telefonaten mit der Familie sowie mit genauen Planungen für die Heimreise. Paul hat inzwischen in Erfahrung gebracht, dass der Versand des Gepäcks via ParcelForce wohl die beste Variante wäre. UPS wäre viel zu teuer, zumal ja nun auch noch das nicht unerhebliche Gewicht meiner beiden Koffer hinzukommt. (Jetzt, als ich diesen Bericht schreibe, denke ich mir: Hätte ich doch lieber mehr bezahlt … denn derzeit ist der Großteil unseres versendeten Gepäcks noch immer verschollen und wir streiten gerade mit der Versicherung von ParcelForce wegen einer Entschädigung – aber das ist eine andere Geschichte).

Doppelt gesichert in die Nacht

Wir verabreden uns mit Paul für den nächsten Morgen, er will uns mit seinem Auto und dem zu verschickenden Gepäck zur Post fahren. Wie nett die Leute hier alle sind! Das ist eine der trotz alledem sehr zahlreichen positiven Erinnerungen, die wir aus diesem Urlaub mitnehmen werden.

Inzwischen ist es Abend geworden und die Erschöpfung nach diesem langen und ereignisreichen Tag macht sich bemerkbar. Wir schaffen es zum Abendessen gerade noch in das Campingplatz-Pub, danach schlafen wir beide ziemlich schnell ein – aber nicht ohne Marvins BMW noch nahe ans Zelt gestellt und mit der riesigen Stahlkette, die Paul uns organisiert hat, gesichert zu haben. Dieses Motorrad wird man uns nicht auch noch wegnehmen!

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Bisher klappt alles reibungslos, selbst der Linksverkehr ist nicht so schlimm wie befürchtet. Angenehm gesättigt, zufrieden und erschöpft von der langen Anreise verziehen wir uns an diesem Abend früh in das Zelt, lesen noch etwas und fallen recht bald in einen tiefen Schlaf.

Wie üblich werde ich in der Nacht von meiner Blase geweckt. Das erste Mal muss noch vor Mitternacht sein, denn als ich schlaftrunken zu den Sanitäranlagen schlurfe, ist es noch recht lebendig auf dem Platz.

Schock im Morgengrauen

Als ich jedoch das zweite Mal wach werde, ist um uns herum alles mucksmäuschenstill. Ein Blick auf mein Handy sagt mir, dass es kurz nach vier ist. Ich kuschel mich noch eine Weile in den gemütlichen Schlafsack und hoffe, wieder einschlafen zu können, doch das klappt nicht. Seufzend gebe ich auf, ziehe mich so leise wie möglich an – schließlich will ich Marvin nicht wecken – und krieche aus dem Zelt.

Halb gebückt will ich mich gerade unter dem Tarp hervorschleichen, als ich wie erstarrt stehenbleibe. Das, was ich dort sehe (bzw. was ich eben nicht sehen kann), hinterlässt in meinem Gehirn zuerst einmal ein Gefühl von Leere. Wo ist mein Motorrad? Dort, wo es gestern noch stand, liegt nur noch die plattgedrückte Getränkedose, mit der ich den Seitenständer stabilisiert habe…

Mein erster Impuls ist es umzudrehen, mich wieder hinzulegen und WIRKLICH aufzuwachen. Doch dann füllt sich das Schockvakuum in meinem Kopf langsam und mir wird klar, dass ich nicht träume. Mein Motorrad ist verschwunden!

Das ist sicherlich nur ein Scherz!

Fassungslos rufe ich zum Zelt: „Marvin, mein Motorrad ist weg!“ Das reißt ihn schlagartig aus dem Schlaf, nur Sekunden später steht er schon neben mir und gemeinsam beginnen wir, den Campingplatz zu durchsuchen. Zuerst denke ich ja noch an einen bösen Schabernack. Es ist die Nacht von Samstag auf Sonntag, betrunkene Jugendliche und so … doch dann entdecke ich am Rande eines Wäldchens meinen Tankrucksack, geöffnet und die Befestigungsriemen einfach durchgeschnitten. Jetzt wird mir endgültig klar, dass es sich hier um etwas Ernstes handelt.

Ich laufe zu Marvin, der auf der anderen Seite des Platzes gesucht hat, und ihm fällt ein, dass an der Tür der Rezeption eine Telefonnummer für den Notfall steht. Nun, um einen Notfall handelt es sich hier eindeutig, also schnappen wir mein Handy und rufen an.

Nicht lange danach erscheinen zwei Polizisten, etwas später gesellt sich auch noch Paul zu uns, das „Mädchen für alles“ des Campingplatzes und gleichzeitig der Mensch, den wir offensichtlich mit unserem Notfallanruf kurz zuvor aus dem Schlaf gerissen haben.

Gemeinsam wird der Platz noch einmal durchsucht, doch bis auf einige Reifenspuren im Gras und ein paar weitere, ebenfalls abgerissene Teile, die darauf schließen lassen, dass wohl auch noch ein Fahrrad gestohlen wurde, finden wir nichts mehr.

Einer der Polizisten nimmt unsere Aussage auf, während der andere die Aufnahmen der Sicherheitskameras des Platzes durchsieht. Unglücklicherweise (ist ja irgendwie klar …) ist ein Teil der Kameras ausgefallen, so dass nichts Hilfreiches auf den Videoaufnahmen zu sehen ist. Doch selbst wenn, sagt uns die Polizei, so hätte das auch nichts gebracht. Wie es scheint ist nämlich Motorraddiebstahl ein riesengroßes Problem in den größeren Städten Schottlands, und die Täter kommen entweder zu Fuß (und sind vermummt), oder aber mit einem Transporter, bei dem das Kennzeichen unkenntlich gemacht ist.

Doch wir sind nicht allein …

Im Umkreis von zwei Meilen seien noch zwei weitere Motorräder gestohlen worden in dieser Nacht, erklärt uns dann einer der Polizisten. Wir wären die letzten, die angerufen haben (zu diesem Zeitpunkt – wer weiß, wie viele sich danach noch gemeldet haben mögen).

Absurderweise tröstet mich das ein bisschen. Ich komme mir plötzlich nicht mehr ganz so allein vor in meinem Elend. Trotzdem geht es mir sehr schlecht und ich bin dankbar, dass Marvin den Rest mit der Polizei regelt. Ich kämpfe ständig mit den Tränen und bemühe mich, das alles nicht persönlich zu nehmen. Doch offensichtlich will das Schicksal nicht, dass wir dieses Jahr in den Norden Schottlands kommen. Erst die Sache mit dem Brustkrebs, und nun das…

Als alle Formalitäten erledigt sind, schlurfen wir zurück zum Zelt. Die Polizei rät uns zum Abschied noch, Marvins Motorrad für die nächste Nacht zusätzlich zu sichern – schließlich haben die Täter es in dieser Nacht gesehen, es ist ein schönes Bike und womöglich kommen sie wieder. Das Lenkradschloss alleine reicht offensichtlich nicht, wie man bei meinem Motorrad gesehen hat. Paul verspricht, dass er für uns nachher eine Sicherheitskette organisieren wird.

Als wir schließlich wieder vor unserem Zelt sitzen, kriecht schon langsam die Sonne über den Rand des Horizonts. An Schlaf ist sowieso nicht mehr zu denken, dafür sind wir beide noch viel zu geschockt, und ein Blick gen Himmel zeigt, dass es ein schöner Tag zu werden verspricht – zumindest wettertechnisch. Was also sollen wir nun tun, wie soll es weitergehen?

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Von Newcastle nach Edinburgh – Hilfe, Linksverkehr! https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/von-newcastle-nach-edinburgh-hilfe-linksverkehr/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/von-newcastle-nach-edinburgh-hilfe-linksverkehr/#respond Sun, 09 Oct 2016 10:12:49 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3584 Der Norden Englands begrüßt uns mit fabelhaftem Wetter. Die Sonne scheint, der Himmel ist klar und nahezu wolkenlos. Trotzdem haben wir kaum einen Blick dafür, denn ab heute […]

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Der Norden Englands begrüßt uns mit fabelhaftem Wetter. Die Sonne scheint, der Himmel ist klar und nahezu wolkenlos. Trotzdem haben wir kaum einen Blick dafür, denn ab heute gilt: Linksverkehr. Ich habe Angst!

Vorbereitungen

Genau diese Angst hat uns in den letzten Jahren davon abgehalten, schon eher einmal nach Großbritannien zu fahren. Doch dieses Jahr haben wir uns überwunden und trauen uns – was die Nervosität jedoch nicht schmälert. Während der Planungsphase zu unserer Tour hatte ich mir extra den „UK Truck Simulator“ besorgt und das Linksfahren ein wenig am PC geübt. Obwohl sich virtuelle Trucks so ganz anders anfühlen als reale Motorräder, etwas hat die eine Stunde in diesem Spiel doch gebracht – nämlich die Erkenntnis, dass man sich gar nicht so komisch vorkommt, wenn man auf der anderen Seite fährt. Insbesondere dann nicht, wenn alle das tun.

Genau das sagten auch sämtliche von mir befragten, linksverkehr-erfahrenen Freunde: Auf belebten Straßen sei es recht einfach, auf der richtigen Fahrbahnseite zu fahren. Man fährt einfach den anderen nach. Schwieriger hingegen wird es, wenn nur noch wenige Fahrzeuge unterwegs sind und man vielleicht noch dazu müde ist. Dann fällt man schon gerne einmal in alte Gewohnheiten zurück und benutzt die falsche Spur. Oder weicht – auf Single Track Roads – zur falschen Seite hin aus.

Zur Sicherheit habe habe ich mir daher vor der Abfahrt einen grellorangenen Pfeil aus Papier gebastelt, ihn heute in das Kartenfach meines Tankrucksacks gesteckt und nach links ausgerichtet. Damit sollte ich auch in hektischen Situationen oder bei Müdigkeit die richtige Seite finden können. Linksverkehr, wir kommen!

Wirre Kreise und irritierende Beschriftungen

Wenn man auf Google-Maps den Fährhafen von Newcastle betrachtet, so findet man nordwestlich davon viele kleine Kreise. Das sind alles Kreisverkehre!

Zuerst kommt ein kleiner, einspuriger, eher harmlos wirkender, doch sofort danach werden die Dinger riesig: Zig Spuren führen in den Kreis hinein und wieder hinaus, auf dem Boden befinden sich unzählige Beschriftungen. Sicher ein gutes System, wenn man sich auskennt. Doch für uns der reinste Horror. Genauer gesagt eigentlich nur für Marvin, denn ich brauche nur hinterherzufahren, und das bekomme ich easy hin 🙂

Doch kann ich seine Verwirrung sehr gut nachvollziehen, der Schock, gleich am Anfang damit konfrontiert zu sein, ist groß. Zumal es keine Spur gibt, auf der man einfach nur im Kreis fahren und sich orientieren kann. Die Spuren sind in Spiralform angeordnet und leiten einen unvermeidlich auf eine der Ausfahrten – zumindest wenn man nicht ständig bei starkem Verkehr die Spur wechseln möchte. Was wir ganz und gar nicht nicht möchten!

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Die Logik der Kreisverkehre

Prompt geraten wir beim dritten oder vierten Kreis der Hölle auf eine falsche Spur und fahren erst einmal eine Zeitlang in die verkehrte Richtung. Glücklicherweise bleibt es bei dem einen Verfahrer und mit der Zeit entschlüsseln wir auch den Code:

Die einzelnen Spuren funktionieren genau wie überall, je länger man im Kreisverkehr verweilen möchte, umso weiter innen (zum Kreismittelpunkt hin) reiht man sich ein. Und die Beschriftungen auf dem Boden geben an, bis zu welcher Kreisabfahrt die jeweilige Spur führt bzw. wohin man dann gelangt. Angegeben sind die Straßennummern sowie teilweise die Himmelsrichtungen.

Es ist also anzuraten, sich vorab einzuprägen, welche Nummer die angepeilte Straße hat. Die Himmelsrichtung kann man ja im Allgemeinen auch so erraten. Und wenn alles unklar zu sein scheint: Ruhe bewahren und lieber mal in die falsche Richtung fahren. Umkehren kann man immer, aber ein Unfall versaut einem evt. den ganzen Urlaub.

Erholung zwischen Wiesen und Wäldern

Einige Kilometer (und Schweißtropfen) später erreichen wir den Stadtrand von Newcastle – und ab jetzt wird es idyllisch. Die Landstraße ist nur wenig befahren, Kreisverkehre gibt es keine mehr und die Umgebung bietet angenehme Abwechslung. Wiesen, Wäldchen und kleine Hügelchen machen Spaß. Wir bekommen auch sogleich einen Eindruck vom launischen britischen Wetter, denn innerhalb einer Stunde wechselt es einige Male zwischen starkem Regen, Sonnenschein und diesig. Nun, wenn man nach einem Regenguss gleich wieder trocknen kann, so stört uns der nicht. Wie heißt es hier so schön: Wenn dir das Wetter nicht gefällt, dann warte fünf Minuten.

Kurz vor der Grenze nach Schottland tanken wir auf und entdecken einen kleinen Tearoom direkt neben der Tankstelle. Da wir eine Pause gebrauchen können, nutzen wir die günstige Gelegenheit und setzen uns hinein. Was für ein niedlicher Laden! Inmitten von zum Verkauf stehendem Trödelkram kann man Tee, selbstgebackene Scones und Rolls ordern – super!

Wir mampfen fröhlich in uns hinein, freuen uns, das hektische Newcastle hinter uns gelassen zu haben und nun bald in Schottland zu sein. Auch der Linksverkehr hat seinen größen Schrecken verloren. Nur mein blöder orangener Pfeil ist völlig sinnlos, weil er im Kartenfach ständig hin- und herrutscht und in alle möglichen Richtungen zeigt – nur nicht nach links. Ich entsorge ihn bei der nächsten Gelegenheit.

Über die letzten Hügel zum Firth of Forth

Es gibt von Newcasle nach Edinburgh – grob gesagt – drei Strecken. Eine führt direkt an der Küste entlang, eine andere weit im Landesinneren über Melrose und die letzte verläuft zwischen den beiden, via Coldstream. Letztere hat unser Navi uns vorgeschlagen, landschaftlich scheint das aber die schlechteste Wahl gewesen zu sein. Egal, heute wollen wir nur auf schnellstem Weg nach Edinburgh 🙂

Die Überquerung der Grenze bei Coldstream bekommen wir kaum mit. Als wir realisieren, dass wir nun in Schottland sind, ist es auch schon zu spät um umzukehren und ein Grenzfoto zu machen. Auch egal, weiter geht’s, durch Wiesen und Wälder, Regengüsse und Sonnenschein. Der Baumbewuchs wird spärlicher und größere Wiesen (mit den obligatorischen Schafen) bestimmen zunehmend das Bild. Wir erklimmen einen letzten, etwas höheren Hügel – und da breitet er sich vor uns aus, der Firth of Forth, samt Edinburgh an seiner Südseite. Ein toller Anblick! Diese Stadt liegt wirklich schön, keine Frage!

Mini-Odyssee in Edinburgh

Jetzt heißt es nur noch, den Stadtverkehr zu überstehen … Endspurt! In Edinburgh bewahrheiten sich die Aussagen unserer Freunde. Es ist tatsächlich nicht allzu kompliziert, auf der richtigen Spur zu bleiben und abzubiegen, der Verkehrsfluss lässt das meist gar nicht anders zu. Der letzte Rest Nervosität fällt von uns ab – was gut ist, denn kurz darauf werden unsere Nerven auf andere Art strapaziert: Als unser Navi uns nämlich zu der Adresse führt, unter der wir den Mortonhall Caravan & Campingpark vermuten, finden wir uns in einer netten, ruhigen Wohngegend wieder. Keine Spur von anderen Campern.

Wir suchen hektisch nach einer Alternativ-Adresse, finden sie, folgen ihr – und landen am nicht passierbaren Hintereingang des Platzes. Grummel … wir hätten wohl schon misstrauisch werden sollen, weil der Weg auf den letzten Metern nur noch aus Sand und Schotter besteht. Aber immerhin ist es schön hier :). Der dritte Versuch bringt uns schließlich an die richtige Pforte.

Für den optional geplanten Besuch der Rosslyn-Chapel sind wir jetzt aber zu müde. Wir sind einfach nur froh, angekommen zu sein, errichten unser Lager, faulenzen ein wenig und marschieren anschließend in den Pub direkt am Platz. Der ist überraschend gemütlich – und wir können gleich den ersten Punkt auf unserer ToDo-in-Scotland-Liste abhaken: Haggis! Schmeckt großartig, ziemlich genau wie Koch-Leberwurst, und überhaupt nicht so eklig, wie es aus der Ferne klingt. Alles sicherlich nur ein Trick, um Touristen dazu zu bringen, das auch ganz bestimmt zu probieren 😉

Routenüberblick

Datum: 30. Juli 2016
Schwierigkeitsgrad: mittel – der Linksverkehr braucht Eingewöhnungszeit
Länge: 192 km, ca. 3,5 h
Eindrücke: abwechslungsreich – sowohl landschaftlich als auch wettertechnisch

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Mit der Fähre durch die Nacht – Amsterdam bis Newcastle https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/mit-der-faehre-durch-die-nacht-amsterdam-bis-newcastle/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/mit-der-faehre-durch-die-nacht-amsterdam-bis-newcastle/#comments Wed, 21 Sep 2016 10:46:51 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3466 Heute ist der große Tag: Nach einer anstrengenden Autobahnfahrt quer durch Deutschland geht es nun mit den Motorrädern endlich in Richtung Großbritannien – und zwar quer über die […]

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Heute ist der große Tag: Nach einer anstrengenden Autobahnfahrt quer durch Deutschland geht es nun mit den Motorrädern endlich in Richtung Großbritannien – und zwar quer über die Nordsee. Denn anstatt den müßigen Weg durch den Eurotunnel und ganz England nach Schottland zu nehmen, setzen wir uns lieber die Kapitänsmützen auf und lassen uns zeitsparend per Fähre von Ijmuiden bis hoch nach Newcastle schippern. Das Problem: Über den genauen Ablauf ist sich keiner von uns wirklich sicher und wir sind schon gehörig nervös.

Eben diese Nervosität wirft uns auch schon früh morgens aus dem Zelt. Obwohl wir laut Fährticket erst um 15.00 Uhr zum Check-In antreten müssen, und unser Campingplatz schier unüberwindbare 3 km vom Fährhafen entfernt ist, verlassen wir diesen schon um 10.00 Uhr. Gegen 10.15 Uhr sitzen wir dann am ungemütlichen Fährhafen und ärgern uns über unsere eigene Dummheit.

Aber gut, der frühe Vogel fängt die Fähre, und so nutzen wir die Zeit, um uns etwas mit dem Kai vertraut zu machen. Direkt vor dem Terminal durchziehen lange gelbe Parklinien die (sehr breite) Zufahrtsstraße, die aber leider nur grob markiert sind. Aus Unsicherheit stellen wir unsere Maschinen zunächst auf einem anliegenden Parkplatz ab und gehen ein wenig Sightseeing.

Ein Tag am Hafen

Wer wie wir früh am Terminal ankommt – keine Sorge! Hier gibt es wirklich alles: Egal ob Warenhäuser, LKW-Betrieb oder Fischgestank – der leidenschaftliche Hafenconnaisseur wird in Ijmuiden nichts missen. Tatsächlich finden sich inmitten der Hafenpromenade aber auch echte Kleinode, wie etwa ein sehr künstlerischer Brotbackladen oder ein Geschäft für Luxus-Grillgeräte.

Begeistert finden wir schließlich auch ein schönes Café, in dem wir uns den Bauch vollschlagen und die Zeit vertreiben – zumindest eine halbe Stunde lang. Dann gibt es im Café auch nichts mehr zu sehen und es zieht uns wieder hinaus.

Als wir anschließend zum Terminal zurückkommen, sind wir nicht mehr allein. Ganz vorne in der Warteschlange erspähen wir zwei weitere Motorradfahrer, die sich ebenfalls gegenseitig angähnen. Nach einer netten Unterhaltung stellt sich heraus, dass die beiden aus Schottland (bei Loch Ness!) kommen, gerade eine Tour nach Freiburg unternommen haben und heute ihren Rückweg per Fähre antreten. Wir nutzen die Gelegenheit natürlich, um uns mit Tipps zu Kultur, Land und Fähre einzudecken, und finden dabei unter anderem zwei weitere wichtige Details heraus:

  1. Es ist im Grunde wurscht, auf welcher Wartespur man sich einreiht, und
  2. Nessie haben die beiden in über 30 Jahren nie gesehen.

Der Rest des Nachmittags vergeht schließlich wie im Zeitraffer. Die Parkspuren füllen sich immer mehr und wir bekommen auch zunehmend Gesellschaft von Motorradfahrern, die sich ebenfalls auf ein Abenteuer in Schottland freuen.

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Ein Dach über dem Kopf

Erst als der Regen gegen 14.00 Uhr über uns hereinbricht, fällt uns auf, dass es auch ein überdachtes Fußgängerterminal in der Nähe gibt. Mit bequemen Sitzplätzen, einem Snackautomaten und einer Toilette. Man muss nur rechts vom Autoterminal um die Ecke schauen. Hätten wir das mal früher gewusst!

Verladung auf die Fähre

Als die Tore endlich aufgehen, geht es los. Voller Adrenalin schwingen wir uns aufs Motorrad, das Geräusch hunderter startender Motoren im Hintergrund. Wir fahren zum Tickethäuschen, bekommen ohne direkte Ticketüberprüfung unsere Zimmerkarten (Personalausweis reicht scheinbar) und werden zu einem militärisch-wirkenden Zollbeamten durchgewunken, der unsere Pässe kontrolliert.

Direkt vor uns ragt die beeindruckende Fähre auf, die mit offenem Maul hungrig auf uns wartet. England, wir kommen! Doch kurz vorher werden wir noch einmal auf eine zweite Parkspur verwiesen. Und müssen warten. Warten. Und länger warten. Leider haben wir uns wohl zu früh gefreut, denn erst nach 1,5 Stunden geht es als Motorradfahrer schließlich weiter auf die Fähre. Mittlerweile ist es nach 16 Uhr. Wären wir doch nur auf dem Campingplatz geblieben …

Dafür läuft der eigentliche Verladeprozess recht unkompliziert ab. Man fährt nach den Anweisungen des Personals zu einem Stellplatz für Motorräder neben einer Wand. Zwar wird auf der Webseite darum gebeten, extra eigene Gurte für das Anziehen des Bremshebels mitzunehmen, jedoch werden mehr als genug davon auch so zur Verfügung gestellt. Also zurren wir das Motorrad an Ankerpunkten am Boden fest, legen den ersten Gang ein und freuen uns endlich auf unsere kleine Kreuzfahrt.

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Keine Panik beim Festzurren

Wer keine Übung mit dem Sichern von Motorrädern auf Fähren hat, braucht sich hier keine Sorgen zu machen. Verwendet werden zweiteilige Zurrgurte, die verwirrender aussehen als sie sind. Auch zeitlich braucht man sich nicht zu stressen. Man kann sehr lange auf dem Parkdeck bleiben. Erst 10 Minuten vor Abfahrt wird man nach oben gebeten – in unserem Fall also ca. eine Dreiviertelstunde nach der Auffahrt auf die Fähre.

Casinos, Cafés und Cocktails

Nach einigen Treppenstufen hinauf (das Schiff ist in ca. 10 Stockwerke unterteilt), erreichen wir schließlich unser Kabinendeck und beziehen unser trautes Heim für eine Nacht. Viel ist zwar nicht geboten – ein Etagenbett, eine kleine Couch ein Tisch mit Stuhl und ein Bad auf engstem Raum – aber nach sechs Stunden des Wartens im trüben Hafenwetter gleicht das hier regelrecht einem Palast der Entspannung.

Nach einer schnellen Dusche gehen wir die Mermaid Bar (ganz oben unter freiem Himmel) besuchen und sehen dem mächtigen Schiff beim Auslaufen aus dem Hafen zu. Das dauert eine ganze Weile und die Möwen nutzen die Gelegenheit, um noch ein letztes Mal Brotkrumen von den Reisenden zu klauen.

Später werden wir selbst hungrig und gehen den Rest des Schiffs erkunden. Dabei sind wir überrascht, was hier alles geboten wird: Ein Café, eine Blues Bar, eine normale Bar, eine Bar am Oberdeck,ein Casino, eine Cocktaillounge mit Live Stage für Musiker am Abend, ein halber Supermarkt, vier verschiedene Restaurants (Italienisch, Steakhouse, Fisch, Nobel), Spielhallen und sogar ein Kino mit aktuellen Filmen. Langweilig wird es uns also nicht.

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Vorsicht vor den Preisen

Wer Schifffahrten gewöhnt ist, weiß, dass ein derart üppiges Angebot nicht von ungefähr kommt. Hier wird man sogar für ein Crossaint kräftig zur Kasse gebeten. Insgesamt sind die Essenspreise sogar noch einmal 30% teurer als in München – und wir sind einiges gewöhnt . Idealerweise nimmt man sich also ein paar Vorräte mit.

Besondere Vorsicht gilt bei den „Duty-free“ Shop-Preisen: Hier werden bspw. Parfums gut doppelt so teuer wie woanders verkauft. Das ist insofern besonders dreist, als dass der Shop-Katalog einem dabei auch noch weismachen will, der Straßenpreis wäre eigentlich noch teurer – mit einer Zahl, die völlig aus der Luft gegriffen zu sein scheint.

Da wir mit unserer Urlaubskasse aber lieber etwas haushalten wollen, besuchen wir lediglich das Café für einen langweiligen Ceasar’s Salad (für 13 Euro) und einen Hühnchenwrap, gönnen uns später am Abend in der Musiklounge noch zwei nichtalkoholische Fruchtcocktails (relativ preiswert, erstaunlicherweise, beide unter 5 Euro) und fallen schließlich in unser schaukelndes Bett.

Ankunft in Newcastle  – der große Tag

Da ist sie, die englische Küste. Als wir am nächsten Morgen aus unserem Bullauge schauen, sehen wir die Klippen und Städte bereits an uns vorbeisausen. Nach einem letzten Frühstück, für das wir gerade noch Zeit (und Geld) finden, ertönt bereits die Lautsprecherdurchsage des Kapitäns und wir machen uns für den Aufbruch bereit.

Mit gepacktem Hab und Gut geht es runter aufs Parkdeck, wo wir unsere Motorräder gottseidank genauso vorfinden, wie wir sie gestern zurückgelassen haben. Aber gut, wirklich starker Wellengang war eigentlich nie zu spüren gewesen und alles war mehr als ausreichend gesichert.

Das Ausfahren aus der Fähre läuft im Wesentlichen analog zum Auffahren ab: Man schwingt sich voller Adrenalin aufs Motorrad und wartet hoffnungsvoll, dass es endlich los geht. Das tut es trotz geschäftiger Geräuschskulisse natürlich wieder nicht. Erst eine halbe Stunde nach dem Anlegen sind wir dran und werden hinaus auf eine weitere Reihe Parklinien geleitet. Nachdem unsere Pässe erneut kontrolliert wurden (für den Fall, dass sie über Nacht abgelaufen sind?), geht es schließlich los.

Jetzt pocht das Herz fast schon hörbar. Keiner von uns ist je Linksverkehr gefahren, und nun müssen wir unsere ersten Erfahrungen mitten im Stadtverkehr von Newcastle sammeln – eine Feuerprobe. Alles zu unseren Anfängerschwierigkeiten – und wie wir trotzdem überlebt haben – lest ihr aber erst im nächsten Teil :-]

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München bis Amsterdam – Asphalt, Stau und immer wieder Regen https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/muenchen-bis-amsterdam-asphalt-stau-regen/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/muenchen-bis-amsterdam-asphalt-stau-regen/#respond Sat, 03 Sep 2016 21:51:40 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=3383 Von München über den Ärmelkanal durch ganz England nach Schottland zu fahren ist uns zu weit – aber es gibt ja eine gute Alternative: die Fährverbindung von Ijmuiden […]

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Von München über den Ärmelkanal durch ganz England nach Schottland zu fahren ist uns zu weit – aber es gibt ja eine gute Alternative: die Fährverbindung von Ijmuiden nach Newcastle!

Die Strecke bis Ijmuiden (das spricht man übrigens „Eimauden“ aus – jedenfalls so ungefähr) ist in zwei Tagen zu schaffen, einer meiner Brüder wohnt nahezu exakt auf halber Strecke (nämlich in Oberursel) und zu guter Letzt landet die Fähre sehr nahe der schottischen Grenze, so dass man sich den langen Weg durch England spart. Perfekt, das nehmen wir!

Zu unserem ersten Buchungstermin, Anfang Juni, kostet uns eine Luxuskabine inklusive Frühstück  verhältnismäßig günstige 650,00 Euro (zwei Personen, zwei Bikes, Hin- und Rückfahrt). Leider müssen wir unseren Urlaub zwei Mal verschieben (warum, das könnt ihr hier lesen), letztendlich wird es Ende Juli – Hauptsaison -, statt der Luxuskabine begnügen wir uns mit einer Mini-Etagenbett-Kabine (immerhin mit Außenfenster) und der Preis steigt auf happige 1.000,00 Euro an. Aber nun gut … wir sind froh, dass die Tour dieses Jahr überhaupt noch klappt, und nehmen die Kabine.

Es geht los, endlich!

Heute ist der Tag der Abfahrt gekommen, endlich geht es los in Richtung Norden. Juchhu! Auch wenn nun zwei Tage dröges Autobahnfahren vor uns liegt, bin ich glänzender Laune. Wie sehr habe ich mich doch auf diese Reise gefreut! Ein wenig Sorge macht mir das Wetter – bereits seit Wochen regnet es nahezu täglich – aber wenigstens ist es warm, also was soll’s.

Auf der ersten Etappe – München bis Oberursel – bleibt es trocken, teilweise wird es sogar richtig warm. Wie bei allen langen Autobahnfahrten einigen Marvin und ich uns darauf, dass wir alle 100 Kilometer eine kleine Rast einlegen. Das hat sich bewährt. Dann kann Anja auf’s Klo marschieren und danach mit viel Kaffee und/oder Limo dafür sorgen, dass auch die nächste 100-Kilometer-Pause auf keinen Fall ausgelassen werden kann 🙂

Nein, im Ernst, gerade auf langweiligen Autobahnstrecken wirken diese regelmäßigen Stopps Wunder. Hinterher bin ich jedesmal deutlich frischer und kann mich wieder voll auf das Fahren konzentrieren.  Außerdem tut das meinen Knien gut, die dabei immer etwas leiden. Ich sollte mir vielleicht doch einmal den etwas höheren Sattel kaufen, den es für meine BMW gibt..

Schöne Ankunft in Oberursel

Nach drei solchen Pausen sowie einem etwas längeren (aber immerhin einzigen) Stau um Karlsruhe herum erreichen wir am Spätnachmittag Oberursel. Mein Bruder ist heute selbst in den Urlaub gefahren, ist also nicht da, hat uns aber einen Schlüssel für sein Haus hinterlegt und – was für eine schöne Überraschung – einen Tisch (mitsamt Essensgutschein) beim nahegelegenen Italiener reserviert. So muss Urlaub anfangen!

Ab Holland wird es flach – und wieder sonnig!

Am nächsten Tag wiederholt sich das Spiel – Autobahn, Pause alle 100 Kilometer -, doch heute ist kein Stau dabei. Dafür kommt Regen hinzu, und zwar nicht wenig. Von Oberursel bis zur holländischen Grenze (die wir in der Gegend von Venlo überschreiten) schüttet es. Doch dann bricht die Wolkendecke auf und es bleibt für den Rest des Tages sonnig und trocken.

Gleich auf dem ersten Rastplatz in Holland kommen wir mit einem älteren Motorradfahrerpaar ins Reden (einer der vielen Vorteile von Motorradurlauben – man schließt sofort Freundschaft mit allen anderen Motorradfahrern), die gerade auf der Rückreise von einem mehrwöchigen Aufenthalt in Portugal sind. Auch nicht schlecht! Von den beiden lernen wir übrigens, wie man Ijmuiden ausspricht 🙂

Am Spätnachmittag schließlich erreichen wir unser Ziel. Erschöpft, aber überglücklich machen wir es uns auf dem Campingplatz ganz in der Nähe des Fährhafens gemütlich. Der langweilige Teil liegt nun endlich hinter uns, morgen geht es auf die Fähre und mitten hinein ins Abenteuer.

Schottland, wir kommen!

Routenüberblick

Datum: 27. und 28. Juli 2016
Schwierigkeitsgrad: niedrig, aber extrem langweilig
Länge: insgesamt 910 km, aufgeteilt auf zwei Tage; pro Tag mit Pause alle 100 Kilometer ca. 7 Stunden
Eindrücke: Also, diese Serways-Raststätten haben echt prima Verpflegung … und saubere Toiletten 😉

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