Deutschland - Motorradtouren - In fremden Gefilden https://www.in-fremden-gefilden.de/category/reisen/deutschland/ Anja und Marvin brausen durch die Welt Wed, 24 Apr 2024 07:46:51 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.1.10 Hameln – und dann heim https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/hameln-und-dann-heim/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/hameln-und-dann-heim/#respond Sun, 02 Jul 2023 11:30:14 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=7031 Der Abschied vom Elbecamp fällt uns erstaunlich schwer. In kürzester Zeit ist uns dieses unglaublich sympathische und chillige Fleckchen Sand richtig ans Herz gewachsen. Wir genießen noch ein […]

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Der Abschied vom Elbecamp fällt uns erstaunlich schwer. In kürzester Zeit ist uns dieses unglaublich sympathische und chillige Fleckchen Sand richtig ans Herz gewachsen. Wir genießen noch ein letztes Frühstück, dann packen wir und starten bei herrlichstem Wetter zurück Richtung Heimat, nach Süden.

Und wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn…

Wie schon einen Großteil des bisherigen Urlaubes, wählen wir auch diesmal den direktesten und kürzesten Weg – und der führt nun einmal über die Autobahn. Ich schalte in den höchsten Gang, drehe den Gashebel, bis wir komfortable 110 km/h fahren (mehr schafft mein leichtes Möped nicht, ohne instabil zu werden) und kämpfe in den nächsten Stunden damit, nicht einzuschlafen.

Bis ich an einer der Ausfahrten von einem LKW fast beiseite gerammt werde, der anscheinend erst recht spät gemerkt hat, dass er hier raus muss. In letzter Sekunde merke ich, dass er vor/neben mir rüberzieht, und kann nur durch beherztes Bremsen verhindern, dass sein hinteres Fahrzeugteil mich noch erwischt. Marvin, der das ganze über seinen Rückspiegel beobachtet hat, flucht herzhaft, und auch mir schlägt das Herz bis zum Hals. Das war verdammt knapp! Bei nächster Gelegenheit fahren wir an eine Raststätte und beruhigen unsere Nerven mit etwas Fettig-Zuckrigem, ehe wir die letzten Kilometer bis zum Ziel angehen.

Ich weiß schon, warum ich Autobahnen so hasse. Insbesondere deutsche. Wann kommt endlich das schon lange überfällige Tempolimit? OK, bei dem Beinahe-Unfall eben hätte das wohl auch nichts geholfen – aber insgesamt empfinde ich die Autobahnfahrten in allen anderen Ländern Europas als wesentlich entspannter.

Hameln – von Ratten und Pfannkuchen

Hameln besitzt nur einen einzigen Campingplatz, der sich eher als großer, begrünter Wohnmobilparkplatz herausstellt. Wir tuckern in der Mittagspause auf den Platz und reservieren uns gleich mal einen der wenigen Plätze mit etwas Schatten, nur um kurz darauf, als die Rezeption wieder öffnet, auf die Zeltwiese verwiesen zu werden. Ein schmaler, leicht abschüssiger und nur grob gemähter Rasenstreifen am Ufer der nebenanliegenden Weser ist uns nicht als „Zeltwiese“ ins Auge gestochen (vermutlich auch wegen der nicht vorhandenen Zelte).

Leicht verstimmt darüber, dass wir als Zeltler mal wieder in die letzte Ecke verbannt werden, biete ich an, den höheren Preis für den Stellplatz oben zu bezahlen, doch der Campingplatzbetreiber bleibt eisern. Es werden noch einige Wohnmobile erwartet und der Platz reiche sonst nicht aus. Grmpf. Stromkästen gibt es auf der Wiese natürlich auch keine, aber dank unseres langen Kabels können wir uns an einem der Wohnmobilplätze mit einstecken.

Nicht gerade ein Highlight, dieser Platz, denke ich mir, bis ich zum Duschen in die Sanitären marschiere. DIE haben es wirklich in sich. Offensichtlich hat sich der Campingplatzbetreiber hier kreativ verwirklicht, sehr hübsch! Freundlich waren die Leute eigentlich auch. Und im Grunde haben wir es auf der Wiese besser als die Wohnmobile, die so dicht nebeneinanderstehen müssen, dass man dem Nachbarn problemlos ins Bier spucken könnte.

Frisch geduscht und besserer Laune sammle ich Marvin ein und wir machen uns auf den Weg in die nicht weit entfernte Altstadt.

Hameln ist den meisten wohl durch die Sage über den „in vielfarbig bunte Gewänder gekleideten“ Rattenfänger ein Begriff, der – um seinen verdienten Rattenfängerlohn geprellt – die Kinder der Stadt auf Nimmerwiedersehen weglockt.

In der auch so schon sehenswerten Altstadt des Ortes wird an allen Ecken und Enden auf diese Sage hingewiesen. Es finden sich Statuen des Rattenfängers, Rattenbildnisse und alle möglichen Tafeln mit Informationen. Der Hintergrund zur Entstehung dieser Sage ist nicht zweifelsfrei geklärt, aber wir erfahren, dass die Geschichte wohl in 30 Sprachen übersetzt wurde und auch in anderen Ländern (so z.B. der USA oder Japan) zum Schulunterricht gehört. Schätzungsweise mehr als eine Milliarde Menschen kennen sie. Das finden wir durchaus beeindruckend!

Ähnlich beeindruckend finden wir die nächste Attraktion Hamelns: Das Restaurant „Pfannekuchen„. Wie der Name vermuten lässt, gibt es dort ausschließlich Gerichte mit Pfannkuchen in unzähligen althergebrachten und kreativen neuen Zubereitungen.

Das Lokal liegt zwar recht versteckt in einer Seitengasse, die wir nur dank Google-Maps finden, ist aber überraschend voll. Wir bekommen dennoch einen hübschen Platz in einem kleinen Hinterhof und probieren je eine deftige und eine süße Variante. Die Pfannkuchen sind dicker, als ich sie selbst zubereiten, würde, schmecken aber hervorragend.

Danach sind wir so vollgefressen, dass wir keine große Lust mehr auf weitere Wanderungen durch das Städtchen haben. Wir schleppen uns zurück ins Zelt, verrammeln alle Türen und Fenster und machen es uns gemütlich, während wir grinsend den Mücken zusehen, die vergeblich versuchen, durch die Fliegengitter zu uns ins Innere zu gelangen.

Die letzte Etappe: Marvins Heimat

Am nächsten Morgen brechen wir unser Zelt ab und reinigen es vor dem Einpacken auch gleich etwas ausgiebiger, da wir die letzte Nacht unseres Urlaubes im Haus von Marvins Mum verbringen werden. Die heutige Strecke kommt ohne Autobahn aus und wir genießen die kurvig-hügeligen Schnellstraßen in den östlichen Teil von Hessen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich das Haus von Marvins Familie mütterlicherseits. Tja, und ab jetzt wird es privat :). Soviel sei verraten: Wir verbringen einen wunderschönen Abend bei guter Gesellschaft und ebenso gutem Essen.

Eigentlich könnten wir hier noch einen Tag länger bleiben, aber für Übermorgen sind schwere Gewitter angesagt. Also tuckern wir schon am nächsten Morgen bei großer Hitze, aber ansonsten unspektakulär die letzte Etappe zurück nach München.

Fazit, Corona und Gegenwart

Was ist unser Fazit? Die Idee zu diesem Urlaub quer durch Deutschland ist aus Geldmangel entstanden (alle anderen uns zu dem Zeitpunkt vorschwebenden Ziele waren mit teuren Fähren und/oder Autozügen verbunden und wir waren knapp bei Kasse) und wir haben nichts Besonderes erwartet. Eigentlich wollten wir nur rauskommen und dabei ein paar Wissenslücken bezüglich der deutschen Großstädte schließen (da bereist man ständig andere Länder, kannte aber – wie in meinem Fall – nicht einmal Berlin). Und herausgekommen ist ein wunderbar abwechslungsreicher Urlaub mit vielen tollen Begegnungen und Erlebnissen, wie man sich ihn schöner kaum hätte vorstellen können! Ich denke heute noch gerne daran zurück und frage mich (wie so oft): warum haben wir das nicht schon viel früher gemacht?

Gleichzeitig war es auch unsere bisher letzte größere Reise mit den Motorrädern. Im Jahr darauf hat Corona uns einen Strich durch die Urlaubsplanung gemacht. Wir wollten eigentlich durch die Westalpen bis in die Provence fahren, die Planung war bereits fertiggestellt – aber das Virus hat daraus einige kleine Fahrrad(!)touren in die Umgebung Münchens werden lassen.

Danach sind wir irgendwie nicht mehr richtig in die Pötte gekommen, haben bis heute (Juli 2023) nur noch kleinere Ausflüge mit den Motorrädern gemacht. Dafür gibt es viele Gründe, so zum Beispiel auch eine Fernreise: Mitte September diesen Jahres starten wir nämlich in unsere lange geplante (und wegen Corona ebenfalls mehrfach verschobene) Reise durch Japan. Drei Wochen Abenteuer und Sightseeing, mit Schnellzug und Rucksack, teilweise sogar mit dem Fahrrad, stehen uns bevor. Ich freue mich sehr darauf! Wer weiß, vielleicht berichte ich auf dieser Seite auch davon.

Und mal sehen, danach, im nächsten Jahr, hiefen wir unsere Hintern vielleicht endlich mal wieder auf die Motorräder.

Zeit wird’s! 

Routenüberblick

Datum: 4. – 6. Juli 2019
Schwierigkeitsgrad: einfach – sofern keine LKWs Amok fahren
Länge: ca. 850 km, aufgeteilt auf drei nicht allzu große Etappen
Eindrücke: fahrerisch auf den Landstraßen schön

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Hamburg – Die herzlich-kühle Metropole https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/hamburg-die-herzlich-kuehle-metropole/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/hamburg-die-herzlich-kuehle-metropole/#respond Sun, 09 Oct 2022 09:08:58 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6940 Bei Hamburg denke ich sofort an das „Hummel, Hummel!“ meiner Kindheit, auf das wir immer begeistert mit einem laut gegröhlten „Mors, Mors!“ geantwortet haben, gefolgt von einem Kicheranfall. […]

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Bei Hamburg denke ich sofort an das „Hummel, Hummel!“ meiner Kindheit, auf das wir immer begeistert mit einem laut gegröhlten „Mors, Mors!“ geantwortet haben, gefolgt von einem Kicheranfall. Mein Vater sprach noch Plattdeutsch und hat uns einige Worte beigebracht, so dass wir die Bedeutung von „Mors“ natürlich kannten. Besucht habe ich die Stadt damals sicherlich auch das eine oder andere Mal – mein Geburtsort Heiligenhafen liegt schließlich nur knapp 120 km entfernt – aber bewusste Erinnerungen habe ich keine. Als Erwachsene wiederum bin ich häufiger (zuletzt auf unserer Tour nach Skandinavien) durch Hamburg durchgefahren und neugierig auf diese schöne Stadt geworden. Es ist also mehr als überfällig, ihr endlich einmal etwas mehr Zeit zu widmen!

Unterschlupf am Elbeufer

Bei meiner Reiseplanung hatte ich zuerst einen eher nüchternen, gerade so eben seinen Zweck erfüllenden Campingplatz im Stadtinneren ausgesucht. Wie bei uns üblich, guckt Marvin aber immer noch über meine Planungen drüber und schaut nach möglichen Alternativen. Prompt hat er einen sehr viel schöner wirkenden Platz am westlichen Stadtrand entdeckt, direkt an der Elbe, den ich aufgrund des längeren Fahrtweges mit den Öffentlichen ins Stadtinnere zuerst nicht in Betracht gezogen hatte. Da wir jedoch zwei Nächte dort verbringen wollen, haben wir uns schließlich doch dafür entschieden, und hoffen, dass der Platz den Aufwand wert ist.

Nach einem kurzen Frühstück packen wir also zusammen und brechen auf. Die Strecke ist erneut recht kurz, aber hübsch, aufgelockert durch eine kurze (kostenlose) Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals mit der Fähre Ostermoor.

Als wir auf den Parkplatz des ElbeCamps tuckern, ist es gerade Mittag, und wir erwarten eine geschlossene Rezeption. Nicht jedoch hier. Das Elbe-Camp ist nämlich ganz und gar kein „üblicher“ Campingplatz, sondern unterscheidet sich auf vielfältige, aber sehr liebenswerte Art von anderen Plätzen. Zuerst einmal werden wir sofort gedutzt (was wir mögen), das Einchecken erfolgt mit unglaublich cooler Lässigkeit. Wie gestresst man bei der Ankunft auch sein mag, allein die Gelassenheit des Personals holt einen sofort wieder runter. Entspannung pur. An unseren Helmen erkennt der Mann an der Rezeption, dass wir mit den Motorrädern hier sind, und weist uns gleich einen separaten Stellplatz um die Ecke zu – geschützt und vor allem mit einem festen Boden, denn der eigentliche Campingbereich befindet sich auf Sand. Also wieder kein Strom am Zelt, macht aber nichts.

Ein ungewöhnlicher Platz

Das ElbeCamp ist nicht nur ein Campingplatz, sondern gleichzeitig eine Ferieneinrichtung für Jugendliche, ein Projekt des Vereins Kinderschutz und Jugendwohlfahrt. Es finden sich also – neben den normalen Campern – auch ein Zirkuszelt, ein großer Spielplatz und ein separater Bereich für die Zelte der Jugend- bzw. Kindergruppen. Das mag vielleicht zuerst abschreckend wirken (Kinder machen doch ständig Radau!), ist aber nicht nur kein Problem und stört überhaupt nicht (der Platz ist weitläufig, die Jugendlichen fröhlich, aber keine lärmenden Rabauken), sondern gibt dem Platz eine Lebendigkeit und Buntheit, die uns augenblicklich begeistert.

Wir fühlen uns sofort wohl, suchen uns für unser Zelt einen schönen Platz neben einem Gebüsch, schleppen alles hin (eines der wenigen Nachteile von nicht-befahrbaren Sandplätzen) und richten uns gemütlich ein. Dann haben wir Hunger und wir stapfen zum Eingangsbereich. Es gibt hier eine kleines Cafe, das nicht nur sehr guten Kaffee und spektakulären Kuchen, sondern auch warme Mahlzeiten anbietet. Als wir sehen, dass es vegane Currywurst gibt, und man bei der Bestellung noch dazu einen netten Namen zugeordnet bekommt (wir sind die Schmunzelmonster 🙂 ), mit dem man aufgerufen wird, wenn das Gericht abgeholt werden kann, ist es endgültig mit uns geschehen und wir haben uns in diesen schönen Platz verliebt. Was für ein Glück, dass Marvin ihn noch entdeckt hat!

Zufrieden verbringen wir hier den Rest des Tages, erkunden ein wenig die nähere Umgebung (es gibt eine eigene Bushaltestelle für das Camp, sehr gut), testen ausgiebig das kulinarische Angebot und planen unseren morgigen Ausflug in die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Da alle unsere Ziele im Stadtzentrum nahe genug zueinander liegen, um sie zu Fuß abklappern zu können, benötigen wir keinen detaillierten Ablaufplan (wortwörtlich^^). Lediglich den Besuch im Miniatur Wunderland legen wir auf Platz 1, weil wir befürchten, dass es dort später am Tag zu voll werden könnte.

Anfahrt mit Hindernissen

Die Nacht ist erholsam und ruhig und wir freuen uns auf die Besichtigungstour. Doch zuerst wird gefrühstückt. Das Campingplatzcafe bietet hierfür ein prima Buffet-Konzept an: Man legt einfach all das, worauf man Lust hat, auf seinen Teller, geht damit zur Kasse und zahlt genau das, was man ausgesucht hat. Für jemanden wie mich, die in der Früh nicht viel runterbringt und daher immer das Gefühl hat, einen pauschalen Frühstückspreis nicht richtig auszunützen, einfach das perfekte System.

Anschließend geht es los Richtung Hamburg Hauptbahnhof. Einmal pro Stunde (die genauen Zeiten haben wir am Vorabend ausgekundschaftet) fährt eine Buslinie vom Camp bis zur nächsten S-Bahn-Station, wo wir in die Bahn direkt zum Ziel gebracht werden sollten. Google Maps faselt zwar was von irgendeiner Unterbrechnung, aber das irrt sich sicher! Leider nein, wie wir am S-Bahnhof dann erfahren, es gibt eine Streckenunterbrechung mit Schienenersatzverkehr. Doch entgegen unseren höchst pessimistischen Erwartungen funktioniert alles reibungslos. Der Weg zu den Bussen ist perfekt ausgeschildert, es sind ausreichend Plätze vorhanden und letztendlich gestaltet sich die Fahrt in die Innenstadt dadurch zwar etwas umständlicher, aber nur geringfügig länger und deutlich abwechslungsreicher.

Modelleisenbahnen und -landschaften satt

Vom Hauptbahnhof aus geht es zu Fuß weiter, vorbei am Rathaus, dem St. Nikolai Mahnmal und quer durch die Speicherstadt.

Schließlich stehen wir vor dem Miniatur Wunderland. Nach einer kurzen Wartezeit in einem eigens (und sehr nett) eingerichteten Wartebereich (mit kostenlosen Getränken und kostenpflichtigen Snacks) dürfen wir auch schon rein und staunen uns durch die liebevoll und höchst beeindruckenden Eisenbahnlandschaften hindurch. Auch wenn man kein expliziter Fan von Modell-Eisenbahnen ist (so wie ich), lohnt sich ein Besuch trotzdem auf alle Fälle! Ich denke, unsere Fotos sprechen für sich:

Grandioser Ausblick von der Elbphilharmonie

Nachdem wir wieder ins Freie gestolpert sind, geht es deutlich planloser weiter. Als nächstes schlendern wir zur neuen Elbphilharmonie. Ich muss schon sagen, das Gebäude ist tatsächlich extrem beeindruckend. Verblüffend finden wir aber auch die Leistung der Fensterputzerkolonne, die sich gerade zu unserer Ankuft an der Außenfassade herabhangelt. Höhenangst darf man da keine haben. Wir gucken ein paar Minuten lang bei dem Spektakel zu, dann holen wir uns Tickets für die Besichtigung des Gebäudeinneren. Die Tickets kosten nichts, sondern dienen lediglich der Steuerung der Besucherströme. Bei uns ist noch nicht viel los und wir dürfen gleich hinein. Rolltreppen bzw. -bänder führen uns zur Aussichtsplattform zwischen dem Backsteinsockel und dem gläsernen Neubau. Hier kann man  rund um das Gebäude laufen, mit einem fantastischen Blick auf Hamburg.

Ich husche natürlich durch die reichlich vorhandenen Souvenirläden, kann aber nichts entdecken, was sich lohnen würde. Entweder zu teuer oder nicht mein Geschmack. Oder beides. Wir verweilen noch ein wenig und genießen die Aussicht, dann geht es wieder nach unten.

Nun haben wir kein konkretes Ziel mehr. Wir streifen gemütlich durch die Straßen, gelangen letztendlich Alsterpromenade samt -fontäne, essen etwas und beschließen dann, wieder zurück zum Campingplatz zu fahren und den Tag dort ausklingen zu lassen.

Seit fast zwei Wochen sind wir nun von Stadt zu Stadt unterwegs und bemerken langsam eine gewisse Besichtigungs-Müdigkeit bei uns. So schön diese Städte auch sind.

Ich denke, es wird Zeit, die Heimfahrt anzutreten :).

Routenüberblick

Datum: 2. und 3. Juli 2019
Schwierigkeitsgrad Fahrstrecke: einfach
Länge: 120 km, knapp 1,5 h
Eindrücke: nett – kleine Fährfahrt inklusive

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Büsum – Stürmische Zeiten https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/buesum-stuermische-zeiten/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/buesum-stuermische-zeiten/#respond Wed, 17 Nov 2021 15:13:00 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6849 Unsere ursprüngliche Routenplanung sollte uns heute nach Sylt führen. Die Insel ist mit dem Motorrad allerdings nicht gerade einfach zu erreichen: Der normale „blaue Autozug“ ist nicht für […]

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Unsere ursprüngliche Routenplanung sollte uns heute nach Sylt führen. Die Insel ist mit dem Motorrad allerdings nicht gerade einfach zu erreichen: Der normale „blaue Autozug“ ist nicht für Motorräder ausgelegt, also bleibt entweder der Shuttlezug der DB, auf dem auch Motorräder mitgenommen werden (was ohne Vorbuchung möglich sein soll), oder aber der Umweg nach Dänemark, über die Dammstraße zur Insel Rømø und von dort mit einer Fähre zum Ziel. Da wir hierbei gleichzeitig Sylt von Nord nach Süd befahren, also auch viel von der Insellandschaft mitbekommen würden, hatten wir diese zweite Variante angepeilt.

Leider ist für die nächsten Tage jedoch schlechtes Wetter angesagt – Sturm, Regen und eine deutliche Abkühlung. Der Campingplatz, den wir uns auf Sylt ausgesucht haben, liegt an der Südspitze der Insel, bei Hornum, im relativen Nirgendwo. Auch dort stellt man das Zelt auf Dünen bzw. Sand auf, was uns in der Planungsphase sehr gut gefallen hat. Bei stürmischem und gleichzeitig nassem Wetter stellen wir uns das allerdings alles andere als wildromantisch vor. Eher matschig.

Sylt fliegt raus

Zusammen mit der umständlichen Anreise fliegt Sylt somit kurzerhand aus unserer Tourenplanung und wir fahren heute direkt zu unserem übernächsten Ziel, nämlich Büsum. Durch diese Tourenänderung verkürzt sich unsere Fahrstrecke auf unspektakuläre 80 km. Entsprechend früh kommen wir am Ziel an und dürfen unser Zelt an einem hübschen, durch Hecken zumindest teilweise windgeschützten Platz auf dem Campingplatz Nordsee aufstellen.

Laut Website liegt dieser Platz direkt hinter dem Deich an der Familienlagune. Den Deich können wir sehen, was wir uns aber unter einer „Familienlagune“ vorstellen sollen, ist uns noch nicht so ganz klar. Das Rätsel löst sich, sobald wir nach einem kleinen Mittagssnack ebenjenen Deich erklimmen. Zusammen mit einem weiteren Deich umschließt er nämlich eine Art künstlichen Binnensee. Hier verschwindet das Wasser auch bei Ebbe nie völlig, wodurch vielfältige Wassersportarten (Kiten, Windsurfen, Stand-up Paddeling oder Tretboot fahren) den ganzen Tag möglich sind. Trotz des starken Windes, der uns fast vom Deich weht, ist diese „Lagune“ rege besucht, sogar im graublauen Wasser tummeln sich einige Unerschrockene. Mir wird schon beim Zuschauen kalt und ich weigere mich, auch nur einen Fuß ins Meer zu stecken.

Nachdem wir nun das Lagunenrätsel gelöst haben, geht es zu einer ersten Begutachtung weiter nach Büsum. Das eigentliche Sightseeing haben wir uns für morgen vorgenommen, aber einen groben Überblick wollen wir heute schon gewinnen. Zudem müssen wir ein paar Lebensmittel einkaufen und natürlich nach einer Möglichkeit fürs Abendessen suchen.

Über den Deichweg in die Stadt

Der Deichweg am Nordseeufer entlang ist zwar exponiert angelegt, bietet jedoch nur wenig schöne Aussicht. Auf der einen Seite das heute eher schmutzig-graue Meer, auf der anderen eine der „Attraktionen“ Büsums, das (vermutlich) höchste Gebäude der Nordseeküste, das Büsumer Hochhaus. Ich bin wenig begeistert. Aber wer weiß, was noch kommt.

Kurz darauf erreichen wir das Freizeitzentrum Watt’n Hus, ein moderner, recht hübscher Gebäudekomplex, der diverse Restaurants, eine Touristeninfo, ein Kino usw. beherbergt. Der Stil ist zwar weit von dem kuschlig-maritimen Charme der mir bekannten Orte an der benachbarten Ostsee entfernt, aber trotzdem nett. Wir gucken uns hier ein wenig um und biegen dann nach links ab, landeinwärts. Nach nur wenigen Metern stoßen wir auf eine Einkaufsstraße, in der ganz offensichtlich der Bär tobt (bzw. eine buntgemischte Touristenhorde). Es gibt unzählige Restaurants, Süßigkeitenläden, Softeisdielen, Souvenirläden, Klamottengeschäfte und so weiter. Wir schließen uns dem kaufwütigen Mob an, plündern den Lakritzladen, erstehen einige Souvenirs, ich kaufe mir eine schrill-grün-bunte Sweatjacke (die nach dem Urlaub in meinem Schrank verschwindet und bis heute nicht mehr rausgeholt wird) und zum Abschluss gönnen wir uns noch zwei fette Softeis-Portionen.

Nachdem der Kaufrausch verflogen ist, grummel ich erneut vor mich hin. Schon arg touristisch hier. Allerdings darf man vom drittgrößten Fremdenverkehrsort an der Nordseeküste auch nichts anderes erwarten. Trotzdem frage ich mich, WARUM dieser Ort so beliebt ist. Marvin wundert sich über mein wiederkehrendes Genörgel, ihm gefällt es. Aber ich hatte irgendwie mehr erwartet, ohne genau benennen zu können, was eigentlich. Nun, vielleicht bringen wir ja morgen in Erfahrung, worin der geheime Zauber Büsums besteht. Heute marschieren wir nur noch zurück zum Campingplatz, kaufen auf dem Weg ein bisschen was ein, vergammeln den Rest des Nachmittages gemütlich im Zelt und werden anschließend im (vorher ausgespähten) nahegelegenen Restaurant „Zur Perle“ mit mittelmäßigem, lieblos zubereitetem, aber immerhin billigem Essen massenabgefertigt (sogar selbst abholen muss man sich seine Teller). Trotzdem ist der Laden rappelvoll. Na, das passt ja zu meinem bisherigen Gesamtbild…

Der zweite Versuch

Am nächsten Morgen versöhnen uns die extrem leckeren Croissants, die ich am (nur morgens geöffneten) Bäckerstand auf dem benachbarten Campingplatz kaufen kann. Erwartungsvoll marschieren wir erneut über den Deichweg in die Innenstadt, auf der Suche nach den Büsumer Attraktionen. Wir besuchen den Leuchtturm (enttäuschend klein), den Ankerplatz samt Anker (nun ja … ein Anker halt), den Hafen (ganz nett), die Fischerkirche (ganz hübsch) und landen schließlich wieder am Rande der Einkaufsstraße. Scheinbar war es das.

Desillusioniert erreichen wir eine halbe Stunde später das Watt’n Hus, wo wir in einem vorher entdeckten italienischen Restaurant zu Abend essen wollen. Dabei fällt unser Blick auf’s Meer und wir entdecken etwas vom Ufer entfernt – es herrscht gerade Ebbe – eine ominöse Menschenansammlung. Weil wir noch etwas Zeit haben ehe der Italiener öffnet, gehen wir neugierig in diese Richtung. Um die Menschengruppe jedoch genauer in Augenschein nehmen zu können, müssen auch wir hinauf auf’s Watt.

Der Zauber der Nordsee

Wir ziehen also unsere Sandalen aus und machen ein paar vorsichtige Schritte, in der Erwartung, dass unsere Füße gleich im matschig-kalten Untergrund einsinken werden. Die Wahrheit überrumpelt mich völlig: Statt eklig matschig ist das Watt fest und weich zugleich, es fühlt sich unglaublich angenehm an den Füßen an. Die dünne Wasserschicht darüber umschmeichelt die Füße mit wohliger Wärme. Ich stelle fest, dass es einen Heidenspaß macht, hier barfuß zu laufen, und wusel wie eine Wilde völlig verzaubert umher. Verblüfft bleibe ich nach einer Weile stehen und sehe mich um. DAS ist es also, der Reiz der Nordsee, das Geheimnis, nachdem ich gesucht hatte. Ich stehe mitten auf dem Watt, inzwischen schon recht weit weg vom Ufer, die Füße angenehm gewärmt vom weichen Sand, der Blick geht auf die scheinbar endlose See, die Möwen kreischen, die Sonne scheint, der Wind weht mir die Haare um die Nase und ich fühle mich so voller Kraft und Leben – es ist einfach nur schön. Warum nur habe ich das nicht schon viel früher gesehen?

Ich atme tief durch und brauche ein wenig, um mich aus meiner Verwunderung zu lösen und mich wieder unserem ursprünglichen Ziel, der eigenartigen Menschengruppe, zuzuwenden. Schnell finden wir heraus, dass es sich um die gerade startende Wattwanderung mit Musik handelt, bei der die Wandernden von der örtlichen Kurkapelle begleitet werden. Gerne würden wir mitmachen, sind jedoch überhaupt nicht vorbereitet. Wir haben keine Ahnung, wie lange man läuft, ob und wo wir am Ziel etwas zu essen bekommen würden und wie wir wieder zurück nach Büsum kommen. Schweren Herzens verzichten wir also auf die Wanderung und gehen stattdessen, wie geplant, essen.

Doch jetzt nehme ich mir fest vor, sollte es mich erneut an die Nordsee verschlagen, so werde ich mich besser vorbereiten und alles mitmachen, was hier so geboten ist – mindestens eine Wattwanderung, eine Krabbenkutterfahrt und ein Ausflug zu den Halligen. Und nach Sylt möchte ich auch unbedingt, egal, wie umständlich die Anreise sein mag! Er hat mich also doch noch eingefangen, der Zauber der Nordsee.

Routenüberblick

Datum: 30. Juni bis 1. Juli 2019
Schwierigkeitsgrad: simpel
Länge: ca. 1,5 h
Eindrücke: flach … und windig

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Haithabu – Wikingersiedlung an der Schlei https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/haithabu-wikingersiedlung-an-der-schlei/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/haithabu-wikingersiedlung-an-der-schlei/#respond Fri, 12 Feb 2021 09:14:41 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6770 Die Wikinger-Siedlung Haithabu wurde um 770 gegründet und 1066 schon wieder zerstört. Es gäbe dort also nicht allzu viel zu sehen, wenn nicht an gleicher Stelle ein Wikinger-Museum […]

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Die Wikinger-Siedlung Haithabu wurde um 770 gegründet und 1066 schon wieder zerstört. Es gäbe dort also nicht allzu viel zu sehen, wenn nicht an gleicher Stelle ein Wikinger-Museum errichtet worden wäre, bestehend aus einem Museumsgebäude mit archäologischer Sammlung sowie einem Freilichtmuseum, für das sieben Gebäude originalgetreu rekonstruiert worden sind.

Einen Campingplatz gleichen Namens, von dem aus man das Museumsgelände bequem zu Fuß erreichen kann, gibt es auch, allerdings sind die Bewertungen gemischt. Anscheinend ist der Besitzer sehr grummelig. Nun, damit haben können wir leben, neigen wir doch selbst zu Grummeligkeit, also planen wir dort trotzdem die Übernachtung ein. Ein direkt danebenliegendes, sehr interessant klingendes „Wikinger-Restaurant“ spielt bei dieser Entscheidung auch eine nicht geringe Rolle.

Cruisen durch Schleswig-Holstein…

Die heute zu fahrende Strecke ist nur kurz (knapp 120 km) und das Wetter perfekt (sonnig und trocken, aber nicht zu heiß), so dass es eine entspannte Fahrt zu werden verspricht. Wir haben keine besondere Eile und frühstücken erst einmal ausgiebig vor dem Zelt. Die Brötchen hierfür haben wir am Vortag beim Einchecken bestellt, etwas Butter, Käse und süßen Aufstrich können wir in dem kleinen Campingplatz-Laden zusätzlich kaufen.

Gleich danach geht es auf die Piste und unspektakuläre, aber angenehme 120 Minuten Fahrt später erreichen wir noch vor 12 Uhr den Campingplatz Haithabu. Dieser entpuppt sich als erfreulich schön. Eine gepflegte, sehr hübsche Anlage direkt an der Schlei, mit Blick auf das malerisch am anderen Ufer gelegene Schleswig. Von der angeblichen Unfreundlichkeit des Besitzers bekommen wir nichts mit, im Gegenteil, wir werden herzlich (von seiner Frau) empfangen und dürfen uns einen Platz nach eigenem Gusto aussuchen. Also machen wir das auch, schlagen das Zelt auf, markieren unsere Revieraußengrenzen mit unseren Motorrädern und waschen uns anschließend in den topmodernen und blitzsauberen Duschen den Straßenstaub vom Leib.

… zum äußersten Ende des Weltmeeres

Eine ausgedehntere Ruhepause ist nicht nötig, also brechen wir auch gleich auf zum Wikingermuseum – sind wir doch gespannt, was uns dort erwartet.

Ein gut beschilderter Fußweg führt uns über Felder und Wiesen, durch kleine Wäldchen und vorbei an am Wegesrand aufgestellten Tafeln, die nette Zusatzinformationen über die Vergangenheit des jeweiligen Ortes liefern. Es macht Spaß, hier zu wandern, und es ist auch nicht besonders überlaufen. Nur eine Handvoll weiterer Besucher begegnet uns. Nach ca. 20 Minuten gemütlichen Laufens erreichen wir das Museum. Der Eintritt kostet pro Person 8,00 Euro, die Karten gelten nicht nur für das Museumsgebäude, sondern auch für noch etwas weiter hinten liegende Freilichtmuseum.

Da unsere Mägen inzwischen wieder etwas knurren, ignorieren wir zunächst den Eingang zur Austellung und marschieren schnurstracks in das danebenliegende Cafe. Die dort angebotenen Kuchen sind alle ganz offensichtlich selbstgebacken – und sowohl der Käsekuchen als auch die Schokoladentorte gehören mit zum Besten, was wir in dieser Art jemals gegessen haben. Nach den gestrigen Kleinst-Portiönchen Lübecker Nusstorte erfreuen uns die hier eher großzügig bemessenen Stücke zusätzlich – genauso wie die überströmende Herzlichkeit der beiden Cafe-Betreiberinnen (eine davon ist gleichzeitig die Bäckerin der servierten Kuchenleckerbissen). Wenn es euch also mal nach Haithabu verschlägt, so können wir das Museumscafe uneingeschränkt empfehlen!

Auch das Museum selbst ist einen Besuch wert. Es bietet viele wirklich interessante Schaustücke, die mithilfe von verschiedensten Multimedia-Techniken spannend und gleichzeitig lehrreich in Szene gesetzt werden. Kein Vergleich mit den verstaubten „Vitrinen-mit-langweiligen-Dingen-drin„-Museen meiner Kindheit. Hier macht es richtig Spaß, sich alles anzusehen, die kleinen Filmchen, Tonaufnahmen oder Mini-Lichtershows zu genießen und dabei quasi nebenbei einiges über die Wikinger-Vergangenheit dieses Landstrichs zu lernen.

Nach etwa einer (unterhaltsamen) Stunde sind wir auch schon wieder durch und blinzeln in die grelle Nachmittagssonne. Im Souvenirshop in der Eingangshalle kaufen wir noch nichts, haben wir doch gelesen, dass es im Freilichtmuseum einige originalgetreue Handwerksstände geben soll. Vielleicht finden wir ja dort ein paar spannende Mitbringsel.

Das Freilichtmuseum

Nun, die gibt es tatsächlich, wie wir knapp zehn Minuten später feststellen. Allerdings sind die Sachen für unseren Geschmack zu teuer. Es mag bestimmt viel Arbeit in so einem handgeschnitzen Löffel stecken – aber über 20 Euro mag ich dafür nun doch nicht ausgeben. Zumal ich zwei davon bräuchte, weil mir als einzige Nutzungsmöglichkeit hierfür ein Salatbesteck einfällt. Auch die angebotene, handgesponnene und -gefärbte Schafwolle ist zwar wunderschön – aber um hieraus einen Pulli stricken zu können, müssten weit über 100 Euro investiert werden. Auch das ist mir zu viel, auch wenn die Wolle es wert sein mag.

Wir spazieren also ohne Zusatzkäufe durch die ansonsten sehr sehenswürdige Anlage. Das Personal und sogar einige der Besucher sind stilecht in historische Kleidung gehüllt, überall sitzen handwerkelnde Komparsen herum. An einem der Stände kann man das Bogenschießen erklärt bekommen und üben, wir wissen allerdings nicht, ob man dafür einen Extra-Obolus entrichten muss. Es macht Spaß, hier zu sein und das alles zu betrachten, auch wenn die sieben Häuser recht schnell besichtigt sind. Trotzdem empfinden wir den Besuch als sehr lohnenswert.

Zu Gast bei Odin

Auf dem Rückweg machen wir dann doch noch einen Abstecher in den Souvenirshop des Museumsgebäudes und erstehen ein paar nette Kleinigkeiten (so z.B. ein Bernsteinketten-Bastelset, ein Nähbuch für mittelalterliche Kleidung sowie leckere „Wikingerbonbons“). So gegen 17 Uhr sind wir schließlich wieder zurück am Campingplatz. Wir hatten ursprünglich überlegt, uns noch Schloss Gottorf anzusehen, aber heute kriegen wir das nicht mehr hin. Und allein wegen der Moorleichensammlung (der Rest des Schlosses interessiert uns nicht so sehr) noch einen weiteren Tag zu bleiben, erscheint uns nicht sinnvoll.

Also geht es morgen weiter an die Nordsee. Für heute steht allerdings noch der Besuch in dem riesigen Restaurant neben dem Campingplatz auf dem Plan. Es heißt Odins Haddeby und hat sehr gute Bewertungen im Netz bekommen. Nun, das heißt ja nicht unbedingt etwas, wir bleiben also erst einmal skeptisch. Doch bereits das Innere des Gasthauses begeistert uns, es ist wunderschön eingerichtet… und überraschend voll. Mit Müh und Not ergattern wir noch einen Platz im Freien (drinnen wären zwar noch ein, zwei weitere Tische frei gewesen, aber dort ist es uns bei der noch herrschenden Hitze zu stickig).

Kurz nachdem wir uns hingesetzt haben, fragt ein Pärchen, ob es sich zu uns setzen kann. Wir erkennen in ihnen die beiden Besucher, die uns erst kurz zuvor im Freilichtmuseum aufgefallen sind – wegen ihrer historischen Kleidung und dem beeindruckenden Schwert auf dem Rücken des Mannes. Nun, das Schwert hat er hier im Gasthaus nicht mehr dabei, aber die Kleidung haben sie nicht gewechselt. Wir kommen also schnell ins Gespräch und verbringen den Abend so angenehm und unterhaltsam beim Fachsimpeln über (Wikinger-)Cosplay und Motorrad-Treffen (die zwei haben von Hamburg aus einen Tagesausflug hierher unternommen, und dort fand vor Kurzem erst eine Harley-Zusammenkunft statt).

Und das Essen ist wirklich prima! Mein Matjes ist unglaublich mürbe und lecker – und Marvins „Wikingerpizza“ schmeckt ebenfalls richtig gut (auch wenn wir bezweifeln, dass die Wikinger damals schon so etwas zubereitet haben).

Routenüberblick

Datum: 29. Juni 2019
Schwierigkeitsgrad: leicht – wenig befahrene, gut ausgebaute Straßen
Länge: 120 km, ca. 2 Stunden
Eindrücke: kurzweilig – die Landschaft ist hübsch

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Lübeck – Durch’s Holstentor zum Marzipan https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/luebeck-durchs-holstentor-zum-marzipan/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/luebeck-durchs-holstentor-zum-marzipan/#respond Sun, 20 Dec 2020 08:17:40 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6677 Mein Großvater mütterlicherseits hat jahrzehntelang in Lübeck als Chefkoch für eine große Konservenfirma gearbeitet. Ich habe ihn als Kind hin und wieder besucht, kann mich aber nur wenig […]

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Mein Großvater mütterlicherseits hat jahrzehntelang in Lübeck als Chefkoch für eine große Konservenfirma gearbeitet. Ich habe ihn als Kind hin und wieder besucht, kann mich aber nur wenig an die Stadt erinnern. Nicht vergessen jedoch habe ich die brotlaib-großen Klumpen aus Nougat und Marzipan, die er uns immer während unserer Sommeraufenthalte in Heiligenhafen „von der Arbeit“ mitgebracht hat. Wir haben sie in dünne Scheiben geschnitten, abwechselnd aufeinandergeschichtet, das Ergebnis in kleine Quadrate zerlegt und diese „Pralinen“ natürlich ausgiebig getestet. Erst im späten Erwachsenenalter konnte ich wieder Nougat essen, ohne dass mir schlecht wurde. Die Lust auf Marzipan jedoch ist mir nie vergangen, das liebe ich durchgehend bis heute.

Eine gute Zeitplanung ist Gold wert

Lübeck ist zwar eine schöne Stadt, aber nicht so groß, dass man hier gleich einen vollen Aufenthaltstag einplanen müsste. Also haben wir das auch nicht gemacht, der heutige Nachmittag muss für die Besichtigung reichen.

Noch ein letztes, wunderschönes Frühstück auf den Dünen, danach schütteln wir den Sand aus unseren Sachen und packen alles zusammen. Um zehn Uhr vormittags sind wir aufbruchbereit – und schweißgebadet vom Schleppen unserer Ausrüstung durch den Sand. Immerhin ist es nicht mehr so heiß wie noch bei der Ankunft, das ist gut. Für die knapp 200 km nach Lübeck hat Google uns etwas über zwei Stunden Fahrzeit berechnet, vom Campingplatz bis in die Innenstadt sind es ungefähr drei Kilometer Fußweg, also etwas über eine halbe Stunde. Zusammen mit dem Lageraufschlagen und Duschen sollten wir es eigentlich problemlos noch rechtzeitig in das Cafe Niederegger und zu der berühmten Lübecker Nusstorte schaffen. Alles easy.

Die ersten 50 Kilometer düsen wir ungestört über gerade, gut ausgebaute Straßen. Doch dann, kurz vor Rostock, wird der Verkehr zunehmend dichter. Und langsamer. Als wenn diese Verzögerung nicht schon nervig genug wäre, treibt uns ein Franzose vor uns noch fast in den Wahnsinn – lässt er doch immer riesengroße Lücken zwischen sich und dem Wagen vor sich entstehen, bis wir kurz davor sind, trotz des starken Gegenverkehrs vielleicht doch zu überholen, nur um genau in diesem Augenblick dann abrupt Gas zu geben und aufzuschließen. Warum kann der nicht einfach im Schritttempo weiterfahren? Für uns ist es deutlich anstrengender, dauernd aus- und wieder einzukuppeln. Wir stellen uns nach ein paar dieser Aktionen extra so hinter ihn, dass unsere Scheinwerfer ihn eigentlich über den Rückspiegel blenden müssten, doch auch das hinterlässt keinen Eindruck. Oder vielleicht einen schlechten und verstärkt nur die Vorurteile uns Motorradfahrern gegenüber. Vorantreiben lässt er sich dadurch jedenfalls nicht. Grmpf.

Rage in Rostock

Nach über 40 Minuten im Stau, Ärger über den Franzosen und noch immer keinem sichtbaren Ende der Autoschlange reißt uns der Geduldsfaden. Wir biegen spontan rechts ab, stellen uns an den Straßenrand und lassen Günni eine neue Route berechnen. Das stellt sich als gute Idee heraus, denn trotz der kurzen Fährfahrt, die uns auf dieser Strecke erwartet (weshalb sie wohl von vielen gemieden wird), kommen wir wieder schneller voran und schaffen den Rest bis zur Stadtgrenze von Lübeck in halbwegs gutem Tempo.

Doch dann landen wir erneut in dichtem Verkehr und werden langsam etwas nervös.  Wie lange hat das Cafe geöffnet, bis 18 Uhr? Wir rechnen kurz im Kopf… Zeltplatz erreichen, einchecken, Zelt aufbauen, duschen und dann noch eine halbe Stunde Fußmarsch in die Innenstadt. Sollte klappen, wenn auch knapper, als uns recht ist. Wir überlegen kurz, ob wir das Duschen vielleicht auf den Abend verlegen sollten, aber wegen der Schlepperei durch den Sand heute morgen riechen wir schon recht – nun ja – würzig. Ungeduscht in das Cafe ist also keine zumutbare Option.

Erst um 15 Uhr tuckern wir schließlich auf den Campingplatz Lübeck. Hier erleben wir eine kurze Schrecksekunde, als die Betreiberin uns erklärt, dass die Plätze für Zelte knapp wären, weil dieses Wochenende hier wohl irgendeine Jugend-Handball-Veranstaltung stattfindet. Gleich darauf sagt sie uns aber, wo wir uns breitmachen können, warnt uns gleichzeitig vor, dass es abends eventuell etwas unruhiger werden könnte. „Junge Leute und so….“.

Das ist uns in diesem Augenblick völlig wurscht, wir unterbieten unsere bisherige Bestzeit im Lager-Errichten und brechen schließlich frischgeduscht kurz nach vier auf in Richtung Innenstadt. Das dürfte reichen … denken wir jedenfalls, bis wir die Fußstrecke durch Google-Maps errechnen lassen. Wie, verflixt nochmal, sind aus den ursprünglich geplanten 3 km plötzlich 6 km geworden? Kurz drauf entdecke ich den (meinen) Fehler: Ich hatte nur bis zum Rand der Innenstadt gerechnet, unser Ziel liegt aber mitten darin. Wir marschieren also los, quer durch den Hauptbahnhof, erreichen den Rand der Altstadt, ignorieren das Holstentor, hetzen über den Stadtgraben und die Trave, joggen halb durch die Fußgängerzone – und erreichen endlich, nur eine Stunde vor Ladenschluss, das Cafe Niederegger. Puh!

Im Marzipanparadies

Das Cafe selbst befindet sich im ersten Stock. Um es zu erreichen, muss man durch den weiträumigen Laden im Ergeschoss gehen, der alles nur Erdenkliche aus Marzipan anbietet. Hier werden wir uns später vielleicht noch eindecken, jetzt wollen wir endlich diese berühmte Torte probieren. Nun, was soll ich sagen: Sie schmeckt tatsächlich fantastisch. Die Hetzerei hat sich eindeutig gelohnt! Allerdings sind die Stücke, die wir bekommen, schon arg klein. Noch etwas schmaler, und sie würden umkippen. Allerdings ist dadurch noch Platz für je ein weiteres Tortenstück :).

Der Rest dieses Tages verläuft ruhiger. Wir kaufen ein paar Marzipan-Mitbringsel, schlendern gemütlich durch die Altstadt und schauen uns alles in Ruhe an. Wir entdecken sogar die Handball-Veranstaltung, die – zumindest in Teilen – mitten auf dem Rathausplatz stattfindet. Für das Abendessen suchen wir uns eine Filiale des „Peter Pane“ aus, scheinbar die norddeutsche Variante des bei uns bekannten „Hans im Glück“- ein Burgerladen, der eine sehr gute Auswahl auch an vegetarischen Burgern hat. Der Kellner erzählt uns gleich, dass er heute seinen ersten Tag hätte, aber bis auf ein paar kleinere Fehler (z.B. dem Verwechseln der Tischnummer bei der Rechnungsstellung) schafft er es, uns mit ausreichend Essen zu versorgen.

Auf dem Campingplatz gibt es abends dann tatsächlich etwas Lärm – allerdings nicht von den jungen Handballspielern (DIE sind ziemlich diszipliniert, offensichtlich haben sie am anderen Tag ein wichtiges Spiel und können nicht die halbe Nacht durchfeiern), sondern von einer besoffenen Zelter-Gruppe aus Holland. Diese hält laute Musik auf einem Campingplatz für ultra-cool, muss sich dabei natürlich noch lauter unterhalten und hat sich während unseres Stadtausfluges unmittelbar neben uns gestellt hat. Klar. Wohin auch sonst.

Wir sind jedoch viel zu müde, um uns aufzuregen, und irgendwann übernimmt das auch jemand anderes (ich glaub sogar, einer aus der Handball-Truppe), so dass wir schließlich doch noch friedlich einschlafen und von Marzipankartoffeln in Handball-Größe träumen können…

Routenüberblick

Datum: 28. Juni 2019
Schwierigkeitsgrad: leicht; streckenweise viel Verkehr
Länge: ca. 200 km, kürzester Weg knapp 2 Stunden, Kleckerstrecke über drei Stunden (plus Stau)
Eindrücke: unspektakulär; die Fährfahrt in Rostock macht Spaß

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Prerow – Dünenromantik an der Ostseeküste https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/prerow-duenenromantik-an-der-ostseekueste/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/prerow-duenenromantik-an-der-ostseekueste/#comments Sun, 08 Nov 2020 07:47:17 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6580 Obwohl meine Familie bereits vor einem halben Jahrhundert nach Bayern ausgewandert ist, habe ich noch immer das Gefühl, als würde hier im Süden die Sonne im Sommer ein […]

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Obwohl meine Familie bereits vor einem halben Jahrhundert nach Bayern ausgewandert ist, habe ich noch immer das Gefühl, als würde hier im Süden die Sonne im Sommer ein kleines bisschen zu früh untergehen. Und jedes Mal, wenn ich in den Norden Deutschlands zurückkehre, fühlt es sich irgendwie richtig(er) an.

Ich bin eben doch ein Küstenkind, aufgewachsen mit dem Geruch des Meeres, dem Geschrei der Möwen, ständigem Wind um die Ohren und dem allgegenwärtigen weichen, saubergeschliffenen Sand – in der Kleidung, den Haaren und manchmal auch zwischen den Zähnen. Auf genau diesen Sand freue ich mich heute am meisten, denn wir haben uns einen Campingplatz ausgesucht, bei dem man sein Zelt direkt auf dem Strand, inmitten der Dünen, aufstellen darf.

Das Frühstück ist zweier Kapitäne würdig

Doch erst einmal müssen wir überhaupt aufbrechen. Völlig gerädert von der lauten, viel zu heißen und mückenverseuchten Nacht, packen wir mit verknautschten Gesichtern unser Zeug zusammen und tapsen in den Speisesaal des Schiffes. Dort erwartet uns eine angenehme Überraschung: Nicht nur ist der Raum selbst sehr schön, auch das Frühstück, das uns von einer total netten Hotelboot-Angestellten serviert wird, ist üppig und liebevoll zusammengestellt. Wir bekommen sogar noch zwei viel zu große Portionen Rührei ganz frisch zubereitet. Das versöhnt uns ein bisschen mit den überstandenen Widrigkeiten und wir hauen kräftig rein.

Danach hätten wir uns am liebsten wieder hingelegt und ein bisschen verdaut, aber es hilft nichts, wir müssen weiter. Die Motorräder sind schnell gesattelt, ebenso schnell haben wir Polen wieder verlassen und befinden uns auf dem Weg nach Norden. Auch heute lassen wir unser Navi den kürzesten Weg zu unserem Ziel berechnen, wenn wir auch diesmal auf Autobahnen verzichten. Es ist noch immer brütend heiß, so dass wir schlicht keine Lust auf Umwege durch die sicherlich sehr schöne Mecklenburgische Seenplatte haben. Das holen wir nach, zu einer anderen Zeit, auf einer anderen Reise. Jetzt wollen wir einfach nur auf direktestem Weg ans Meer. Die Handy-Wettervorhersage hat uns beim Frühstück nämlich ein deutlich kühleres Klima für die Küste versprochen. Also nix wie hin!

Camping auf der Düne

Um die Mittagszeit erreichen wir das Ostseebad Prerow. Bereits beim langsamen Durchtuckern entdecke ich viele Ähnlichkeiten mit meinem Geburtsort Heiligenhafen und fühle mich gleich zuhause. Ich freue mich schon auf eine Erkundungstour!

Der Camping Regenbogen wiederum liegt westlich vom Ort, eine riesige Anlage, die sich über mehrere Kilometer unmittelbar am Strand entlang erstreckt. Das Einchecken verläuft sehr professionell, das Empfangsgebäude ist sehr viel größer als erwartet und wir sind zuerst ein wenig erschrocken, weil wir angesichts der vielen, gemeinsam mit uns anstehenden Campern befürchten, dass der Platz völlig überlaufen ist. Doch diese Sorge ist unbegründet, das Areal ist groß genug. Es gibt mehrere moderne Sanitärgebäude, einen großen, abgetrennten FKK-Bereich und in der Mitte der Anlage eine Ansammlung von Restaurants, Läden, Eisdielen und einem Fahrradverleih – fast schon ein eigenes kleines Dorf. Die von uns präferierten Dünenplätze sind nur für kleine bis mittelgroße Zelte geeignet, so dass dort noch genügend Plätze frei sind. Große Zelte, Wohnmobile oder -wagen dürfen nur auf einem festeren Bereich hinter den Dünen oder einer breiten, aber eher unromantischen Schneise dazwischen stehen. Sehr schön. Endlich steht uns Genügsam-Zeltern mehr als nur die ansonsten unbrauchbare Wiese im hintersten Eck zur Verfügung :).

Einen konkreten Platz bekommt man zugewiesen, aber die Dame am Empfang verspricht uns, dass wir eine besonders hübschen bekommen – und hält Wort. Nach einer Stunde Plackerei (man darf die Dünen nur zu Fuß betreten, kann aber mit Hilfe einer 2-Euro-Pfandmünze neben den Parkplätzen, an denen man sein Fahrzeug stehenlassen muss, Karren für das Gepäck ausleihen) thront unser Zelt endlich mitten auf einer wunderschönen Düne.

Ich finde es toll hier und verbringe gleich mehrere Minuten damit, meine nackten Zehen in den Sand zu bohren und in Kindheitserinnerungen zu schwelgen. In kürzester Zeit bilden sich durch den ständigen (und herrlich erfrischenden) Wind auch schon die ersten Sandhäufchen im Vorzelt, doch das macht nichts, das muss so sein. Das schütteln wir hinterher einfach alles wieder raus.

Stromkästen gibt es hier keine – die Dünen verändern ständig ihre Form, Elektroinstallationen lassen sich hier einfach nicht sicher realisieren -, aber dadurch kommt unsere Super-Powerbank auch einmal zum Einsatz. Für Handys und EBook-Reader reicht das allemal, mehr brauchen wir nicht. Und nachts ist es – wegen der fehlenden Beleuchtung – richtig schön dunkel auf den Dünen. Besser kann man kaum (legal) zelten!

Tja, und was nun folgt, ist eineinhalb Tage reinste Erholung. Schlendern am Strand, ein Fahrradausflug in den Ort (Leihfahrräder gibt es auf dem Campingplatz, Tagesgebühr 7,50 Euro pro Fahrrad), wiederholte Besuche an der Campingplatz-Eisdiele, der Genuss von super-frischem Matjes mit Bratkartoffeln – und einfach nur die Seele baumeln lassen und den Möwen bei ihrem Gezanke zusehen und -hören. Sommerfeeling pur und für mich eine Reise zurück in meine Kindheit. Auch Marvin muss zugeben, dass die Dünen ihren ganz eigenen Reiz besitzen, und ist ebenfalls begeistert von diesem schönen Fleckchen Erde.

Routenüberblick

Datum: 26. und 27. Juni 2018
Schwierigkeitsgrad: sehr leicht – gerade, gut ausgebaute Straßen
Länge: 220 km, ca. 4 h
Eindrücke: Die Strecke ist eher unspektakulär – Perow und die Dünenlandschaft sind dafür wirklich wunderschön

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Weiter nach Stettin – Kapitäne für eine Nacht https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/weiter-nach-stettin-kapitaene-fuer-eine-nacht/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/weiter-nach-stettin-kapitaene-fuer-eine-nacht/#respond Sun, 23 Aug 2020 07:26:17 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6514 Vor 14 Jahren war ich schon einmal in Stettin (2005, auf meiner Russland-Baltenstaaten-Motorrad-Tour). Damals wurde im Reiseführer als besonders exotischer Übernachtungsplatz ein ehemaliges russisches Ausflugsboot angepriesen, zu einem […]

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Vor 14 Jahren war ich schon einmal in Stettin (2005, auf meiner Russland-Baltenstaaten-Motorrad-Tour). Damals wurde im Reiseführer als besonders exotischer Übernachtungsplatz ein ehemaliges russisches Ausflugsboot angepriesen, zu einem Hotel umgewandelt und mitten in der Stadt am Flussufer der Oder ankernd. Die Übernachtung auf diesem Schiff ist mir als besonderes Erlebnis bis heute im Gedächtnis geblieben. Im Gegensatz zum Rest von Stettin – daran habe ich irgendwie so gar keine Erinnerungen mehr.

Bei den Recherchen zu unserer diesjährigen Tour habe ich voller Freude entdeckt, dass es dieses Hotel-Boot noch immer gibt. Zwar ist sein Ankerplatz vom West- ans Ostufer verlegt worden, doch Kajüten mieten kann man nach wie vor. Zudem recht günstig, wie ich kurz darauf festgestellt habe – und so habe ich vor unserer Reise gleich das größte verfügbare Zimmer für den heutigen Abend gebucht: die Kapitänskajüte, knapp 60 Euro inklusive Frühstück (für uns beide). Für Polen mag das vielleicht nicht besonders billig sein, aber für uns, die wir Campingplatzpreise bis zu 40 Euro (ohne Frühstück) gewöhnt sind, ist das echt OK. Neben einem geräumigen Doppelbett, einer Bar, Bad mit Dusche und diversen anderen Annehmlichkeiten verfügt die Kajüte lt. Homepage auch über eine Klimaanlage – und das freut uns angesichts der für heute angesagten 33 Grad ganz besonders.

Ganz so sehr wie noch vor zwei Jahren in Korsika macht mir die Hitze allerdings nicht mehr zu schaffen. Ich vermute, das hängt mit meinem niedrigeren Körpergewicht zusammen. Damals war ich eben noch 25 kg schwerer – das isoliert zwar gut im Winter, macht heiße Sommer aber deutlich beschwerlicher.

Im Motorradzentrum Berlin

Momentan geht es mir jedoch noch ganz gut, obwohl die Sonne schon recht früh am Morgen kräftig heizt. Gestresst bin ich eher deswegen, weil wir ja noch zum Berliner Motorradzentrum fahren müssen – und ich hasse Fahrten innerhalb von mir unbekannten Großstädten. Die Möglichkeit der Kommunikation über unseren Helmfunk nimmt dem Ganzen zwar etwas den Schrecken (kein Vergleich zu hektischen Fahrmanövern und Beinahe-Unfällen durch missverstandene Handzeichen während unserer Prä-Technik-Epoche), das Innere von großen Städten gehört aber nach wie vor nicht zu meinen bevorzugten Fahrumgebungen.

Uns erwarten erneut ein paar sehr spannende Augenblicke, als Marvins Motorrad beim Aufbruch vom Campingplatz und wenige Minuten später nach dem Tanken besonders theatralisch vor sich hin röchelt. Beide Male denke ich: „Das wird jetzt endgültig nichts mehr!“ – dann springt sie doch noch an. Aber immer erst ’ne Szene machen, die Dramaqueen. Jetzt wird es aber wirklich Zeit für eine neue Batterie!

Eine knappe Viertelstunde später parken wir auch schon unsere Motorräder auf dem Bürgersteig neben einer mehrspurigen Durchfahrtstraße. Das BMW-Zentrum ist leicht zu finden, aber die Anzug-und-Krawatte-Typen im Inneren sehen so gar nicht nach Motorrad aus… und tatsächlich, das hier ist die Auto-Abteilung, der Bike-Bereich liegt ein gutes Stück hinterhalb des Hauptgebäudes und die Angestellten sind auch gleich deutlich lockerer gekleidet. Sie erklären uns, wie wir über versteckte Wege halb-legal hinter ihren Teil des Gebäudes fahren können. Wir holen also unsere Motorräder und währenddessen versuchen die BMW-Leute, den für uns zuständigen Menschen ausfindig zu machen.

Scheinbar ist dieser jedoch nicht aufzufinden – jedenfalls schließen wir das aus dem hektischen Getuschel, den gelegentlichen Seitenblicken auf uns sowie diversen Anrufversuchen, bei denen offensichtlich keiner rangeht. Wir sind zunehmend verunsichert, haben wir doch bei Google gelesen, dass es hier im Motorradzentrum mitunter etwas chaotisch zugeht, was zu längeren Wartezeiten führen kann. Doch eine Lösung wird schnell gefunden, denn einer der Anwesenden nimmt sich kurzerhand unserer Sache an, holt die Batterie aus dem Lager und baut sie uns wie selbstverständlich auch gleich ein. Das hätten wir jetzt nicht erwartet, freut uns aber sehr! Bezahlen müssen wir dafür nichts und die alte Batterie wird auch gleich fachgerecht entsorgt. Einen besseren Service kann man sich kaum wünschen!

Während wir vor der Werkstatt auf den Umbau warten, kommen wir mit zwei anderen Kunden ins Gespräch, die uns deswegen auffallen, weil sie dieselbe Motorrad-Typen-Kombi fahren wie Marvin und ich. Die beiden gehören zu den Los Piyus, einer Gruppe von Motorrad-Weltenbummlern, die schon eine Weile in besonders spannenden Ettappen rund um den Globus unterwegs sind. Der eine erzählt uns, dass er zwar unfallfrei die berüchtigte Road of Bones gefahren sei, aber hier – kurz vor Berlin – auf der Autobahn einen (glücklicherweise glimpflich verlaufenen) Crash gehabt hätte. Ich sag doch, Autobahnen sind gefährlich!

Über die Autobahn nach Polen

Trotzdem wagen wir uns nicht lange danach auf eine drauf. Durch eine grandiose Verfahraktion von Günni (um zwei Meter Fahrstrecke zu sparen, hat er uns von der Stadtautobahn auf eine Abfahrt gelotst und will uns auf der anderen Seite wieder auf dieselbe Stadtautobahn zurückschicken – doch leider ist das wegen einer Baustelle nicht möglich und wir sind gezwungen, einen riesigen Umweg zu fahren; so einen Unfug treibt der öfter und nicht immer merken wir das rechtzeitig) erreichen wir die Stadtgrenze von Berlin nämlich erst um die hitzeflimmerige Mittagszeit und wollen eigentlich nur noch so schnell wie möglich vorankommen. Nach einem kurzen Imbiss an einer Raststätte düsen wir also ereignislos und auf nahezu leerer Autobahn durch bis zur polnischen Grenze.

Stettin liegt nicht weit dahinter und am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich das Hotelboot. Außer uns scheint es momentan nur sehr wenige Gäste zu beherbergen, aber der Empfang ist sehr freundlich und das Zimmer sieht tatsächlich genauso aus wie auf den Fotos. Nur etwas heiß und recht stickig ist es hier drin, aber wozu haben wir denn eine Klimanlage? Nach einigem Suchen finden wir sie auch und schalten sie ein. Unter blechernem Gerumpel nimmt sie ihre Arbeit auf – und uns kommen die ersten Zweifel…

Nun gut, jetzt nicht ablenken lassen, wir haben heute noch viel vor! Die Motorräder können wir direkt vor dem Schiff – in Sichtweite unserer Kajüte – parken, das Hochschleppen vom Gepäck ist trotz der engen Schiffsgänge bald erledigt und nicht lange danach haben wir uns häuslich eingerichtet. Nur noch schnell unter die Dusche und dann los in die Stadt, ich habe Hunger!

Während dieser ganzen Zeit arbeitet die Klimaanlage redlich (wie man an den Geräuschen, die sie so von sich gibt, leicht erkennt), schafft aber kein Fitzelchen kühle Luft. Irgendwie ist uns das Ding nicht ganz geheuer. Wir wollen es auch nicht gerne unbeaufsichtigt laufen lassen, also schalten wir es erst einmal wieder ab und machen uns dann auf den Weg in die Innenstadt.

Die ist nicht weit – direkt auf der anderen Seite des Ufers – und auf dem Weg zur Brücke kommen wir an mehreren sich zu Gruppen zusammenrottenden Jugendlichen vorbei. Die zahlreichen Uferkneipen, die wir jetzt erst so richtig wahrnehmen, bereiten sich anscheinend auch gerade auf den abendlichen Ansturm vor. Offensichtlich ist das hier die Feier-und-Party-Ecke der Stadt. Hm. Unser Misstrauen nimmt zu.

Die Stettiner Innenstadt ist schnell besichtigt. Jetzt weiß ich auch wieder, warum ich an den damaligen Besuch keine Erinnerungen mehr habe: Es gibt schlicht nichts, an das man sich erinnern könnte. OK, ein paar historische Gebäude hie und da, aber nichts davon reizt uns zu einer näheren Erkundung. Den zentralen Stadtkern hat man in den letzten Jahren offensichtlich kräftig renoviert, jedenfalls sieht er ziemlich hübsch aus. Es reiht sich ein Lokal an das nächste, aber erst in einer der Seitenstraßen entdecken wir ein indisches Restaurant (namens Bollywood), dessen Angebot uns schließlich nach innen lockt. Zum einen, weil es klimatisiert ist, zum anderen, weil es hier eine gute Auswahl an vegetarischen Gerichten gibt. Die Entscheidung war eindeutig die richtige, die Veggie-Platte für zwei gehört mit zu dem Besten, was ich jemals beim Inder gegessen habe!

Angenehm vollgefressen machen wir uns schließlich auf den Weg retour zum Schiff. Inzwischen dämmert es bereits und die Uferpromenade ist voll von lautstark feiernden Menschen. Na super! Doch zurück in unserer Kajüte stellen wir erleichtert fest, dass die Fenster einen großen Teil des Lärms schlucken – so ein Glück!

Wir schalten die Klimaanlage wieder ein und machen es uns voller Zuversicht mit unseren Büchern auf dem Bett gemütlich. Ungefähr eine Stunde später geben wir schweißgebadet auf. Die Anlage schafft es einfach nicht, die heiße Kajüte auch nur minimalst abzukühlen. Sie aromatisiert die Luft, die sie lautstark durchwalkt, lediglich mit einem Duft nach Staub und alter Elektrik – kälter wird sie dadurch jedoch nicht. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als sämtliche Fenster runterzukurbeln, wodurch immerhin ein bisschen frische Abendluft in unser Zimmer gelangt – zusammen mit ungefähr einer Million Mücken sowie einer Geräuschkulisse wie von einer Straßendisco auf dem Ballermann… aaargh!

Kurz zusammengefasst: Die Nacht wird scheußlich. Die Musikbeschallung samt Gejohle von den Uferkneipen und den direkt an unserem Schiff vorbeifahrenden Partybooten (keine Ahnung, wo die sich am Nachmittag versteckt gehalten haben; 2005 gab es sowas noch nicht) dauert bis vier Uhr morgens, die Mücken fressen sich an uns satt und wir machen so gut wie kein Auge zu. Soviel zu unserer Luxusunterkunft.

Ein denkwürdiges Erlebnis ist es immerhin schon – nur keines, das man unbedingt wiederholen möchte 😉

Routenüberblick

Datum: 25. Juni 2019
Schwierigkeitsgrad: Sehr hoch! Schließlich ist ja jetzt bewiesen, dass Autobahnen sogar gefährlicher sind als das Befahren der „Road of Bones“ 😉
Länge: ca. 3,5 h (durch Günnis Verfahrer)
Eindrücke: öde – Autobahn eben

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Berlin – Ein Tag voller Kontraste https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/berlin-ein-tag-voller-kontraste/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/berlin-ein-tag-voller-kontraste/#respond Fri, 17 Jul 2020 07:44:59 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6428 Während wir wie üblich gemütlich vor dem Zelt frühstücken, telefoniere ich zuerst einmal mit dem hiesigen BMW-Motorradzentrum. Leider ist der zuständige Ansprechpartner gerade nicht im Hause, aber ich […]

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Während wir wie üblich gemütlich vor dem Zelt frühstücken, telefoniere ich zuerst einmal mit dem hiesigen BMW-Motorradzentrum. Leider ist der zuständige Ansprechpartner gerade nicht im Hause, aber ich schildere kurz unser Problem (Batterie kaputt) und gebe die Daten von Marvins Moped sowie meine Handynummer durch.  Man verspricht uns, so bald wie möglich zurückzurufen.

Trivia am Rande: Obwohl BMW ja eine bayerische Firma ist – wie unschwer am Namen erkennbar – werden die Motorräder in Berlin zusammengebaut. Wir befinden uns also gerade am Geburtsort unserer beiden Maschinen. Na, wenn das kein gutes Omen ist 🙂

Ziel No 1: Das Reichstagsgebäude

Nachdem das soweit erledigt ist, beeilen wir uns, mit dem Frühstück fertigzuwerden. Unser erstes Ziel heute ist das Reichstagsgebäude, hier haben wir schon vor der Reise einen Besichtigungstermin (um 11:30 Uhr) für die Kuppel reserviert. Die Besichtigungen kosten zwar keinen Eintritt, müssen aber vorher angemeldet werden. Da wir mit mindestens einer Stunde Fahrzeit in die Innenstadt rechnen, sollten wir jetzt langsam in die Puschen kommen. Wir räumen also noch schnell auf und machen uns dann auf den Weg zur nahegelegenen Bushaltestelle. Auch hier in Berlin ist die Tageskarte die günstigste Variante für eine Stadtbesichtigung mit den Öffentlichen, wir kaufen also zwei beim Busfahrer und los geht es.

Ich mache den Fehler, mir einen Sitzplatz zu suchen, von dem aus ich nicht so richtig nach draußen sehen kann. Der Busfahrer hat einen recht – nun ja – sportlichen Fahrstil, was zusammen mit den vielen Ampeln, der leicht kurvigen Strecke und der bereits jetzt schon stickigen Hitze meine Tendenz zu Reiseübelkeit kräftig befeuert. Erleichtert stürme ich aus dem Bus, als wir endlich Berlin-Spandau erreichen, und atme erst einmal tief durch. Der Verkehrsmief ist mir dabei egal, Hauptsache, ich behalte meinen Mageninhalt dort, wo er hingehört. Beim Rückweg muss ich mir unbedingt einen besseren Platz suchen. Oder gleich stehenbleiben.

Nach wenigen Minuten geht es mir wieder besser und wir marschieren in den Spandauer Bahnhof. Von hier zum Hauptbahnhof fahren gleich mehrere S-Bahnen und dank den Segnungen der modernen Technik (Google ist hier echt praktisch!) finden wir schnell den richtigen Bahnsteig. Wir liegen gut in der Zeit. Als wir vor dem Reichstagsgebäude ankommen, haben wir noch eine halbe Stunde – und genau jetzt klingelt auch mein Handy und das BMW-Motorradzentrum ruft an. Sie haben eine passende Batterie vorrätig und reservieren sie uns gerne. Na, das klappt ja wie am Schnürchen hier!

Ziel No 2: Der Rest der Stadt

Unser Plan ist es, morgen bei der Weiterfahrt einen Abstecher zum Motorradzentrum zu machen, die Batterie zu kaufen, noch vor Ort zu wechseln und die alte Batterie gleich dort zu lassen. Das scheint uns die beste Lösung zu sein. Wir haben gestern deswegen auch schon unser Werkzeug kontrolliert und natürlich fehlt ein Inbus. Weil mir aber sowieso auch die Häkelwolle knapp wird (ich habe Häkeln als sehr entspannende Tätigkeit abends vor dem Zelt für mich entdeckt), verbinden wir unsere heutige Stadtbesichtigung einfach gleich mit einem kleinen Einkaufsbummel.

Wie schon bei Dresden möchte ich bezüglich der unglaublich vielen Sehenswürdigkeiten in Berlin nicht ins Detail gehen, sondern auch hier nur einen kleinen Ausschnitt unsere Bilder sprechen lassen:

Diese Fotos zeigen nur einen kleinen Teil der von uns besuchten Plätze, aber auch so kann man wohl erahnen, wie viel Berlin für Besucher zu bieten hat. Eine unglaublich vielseitige und beeindruckende Stadt!

Am „Kudamm“ durchsuchen wir gefühlt ein Dutzend Kaufhäuser, die passende Wolle für mich finden wir allerdings nicht. Einen Inbus-Schlüsselsatz hingegen schon, allerdings erst bei einem Baumarkt irgendwo hinten in einer Seitengasse. Der Kurfürstendamm selbst ist wohl zu nobel für solch poplige Ware :).

So langsam kommt bei uns dann allerdings auch die Erschöpfung durch. Es gäbe noch so viel mehr zu sehen und zu entdecken in Berlin – so hätten wir zum Beispiel gerne eine syrische Bäckerei in der Sonnenallee besucht, die für ihre herausragenden Backwaren auch bereits überregional bekannt geworden ist – aber so recht können wir uns dazu nicht mehr aufraffen. Wir beschließen, dass wir für heute genug besichtigt haben, und machen uns auf den Rückweg.

Zurück zum Zeltplatz

In Spandau verpassen wir knapp unseren Bus zum Campingplatz. Das ist DIE Gelegenheit für mich, um noch schnell die berühmte Berliner Currywurst zu probieren. Marvin entscheidet sich lieber für den ebenfalls angebotenen vegetarischen Döner. Das Ergebnis ist ziemlich enttäuschend. Meine Currywurst ist wabbelig und die Sauce fad, Marvins „Veggiedöner“ wiederum ein normaler Döner, bei dem einfach das Fleisch weggelassen wurde – also ein aufgeschnittenes Pitabrot mit etwas Tsatsiki und lieblos reingestopfter Rohkost. Beides keine Highlights. Vermutlich hätte ich keine Currywurst bei einer Dönerbude bestellen sollen – und beim Döner wiederum absichtlich auf das Fleisch zu verzichten, ist scheinbar ein ähnlich unverzeihliches Sakrileg. Nun gut.

Wenigstens gelingt es mir diesmal, im Bus einen Sitz mit guter Sicht zu ergattern, so dass die Currywurst die Fahrt auch am ihr zugedachten Platz überlebt. Wir fahren absichtlich zwei Stationen am Campingplatz vorbei, kaufen in einem angenehm klimatisierten Supermarkt ein paar Knabbereien für den Abend und nehmen dann den nächsten Bus wieder zwei Stationen zurück. Hierbei spielen die Tageskarten ihre Stärke so richtig aus – die Fahrtrichtung und – dauer ist völlig egal.

Am Campingplatz sind inzwischen ein paar weiter Zelte hinzugekommen, die aber zum Glück mit ausreichend Entfernung zu unserem aufgestellt worden sind. Hm. Wann sind wir eigentlich so ungesellig geworden? Egal – Hauptsache, wir haben unsere Ruhe am Abend.

Wir machen es uns mit dem Knabberkram, Häkelzeug und Büchern vor dem Zelt gemütlich und sind gespannt auf morgen. Da geht es nämlich über die Grenze nach Polen, wo uns eine ganz besondere Unterkunft erwartet.

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Von Dresden nach Berlin – Viel Sonne und wenig Abwechslung https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/von-dresden-nach-berlin-viel-sonne-und-wenig-abwechslung/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/von-dresden-nach-berlin-viel-sonne-und-wenig-abwechslung/#respond Mon, 08 Jun 2020 12:25:41 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6400 Schon seit einigen Jahren feiert Marvin seinen Geburtstag fern der Heimat – was schlicht daran liegt, dass der 23. Juni nun mal genau zwischen den Pfingst- und Sommerferien […]

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Schon seit einigen Jahren feiert Marvin seinen Geburtstag fern der Heimat – was schlicht daran liegt, dass der 23. Juni nun mal genau zwischen den Pfingst- und Sommerferien liegt und somit in unsere bevorzugte Reisezeit fällt. Im Grunde macht es ihm auch nicht wirklich etwas aus, sind wir doch beide keine Partybären und gehen auf diese Weise dem Trubel elegant aus dem Weg. Meist suchen wir uns für diesen besonderen Tag ein extra schönes Restaurant aus, so auch dieses Jahr – doch dazu später mehr.

Die Hitzewelle, die uns gestern überrollt hat, schmurgelt heute schon frühmorgens kräftig weiter und treibt uns zeitig aus den Schlafsäcken. Die Sonne scheint sehr grell und es braucht keine besondere Überzeugungskraft, um Marvin zum Tragen einer Sonnenbrille zu bewegen. Die heutige Route überlassen wir komplett unserem Navi. Bei der Tourenrecherche vorab habe ich keine besonders schönen Straßen finden können, somit ist es uns relativ egal, wie wir geführt werden, solange keine Autobahnen dabei sind.

Batterieprobleme

Bis wir gefrühstückt und gepackt haben, sind wir schon wieder schweißgebadet und sehnen uns nach etwas Fahrtwind. Doch dann wird es spannend. Die Batterie von Marvins BMW schwächelt schon seit Beginn unserer Reise und heute morgen schafft sie es nur noch mit Ach und Krach, das Motorrad zu starten. Ganz offensichtlich ist sie hinüber. Wir kabbeln uns kurz ein wenig deswegen – ICH hätte mir natürlich in so einem Fall noch vor der Abfahrt eine neue Batterie besorgt, wohingegen Marvin sagt, er sei davon ausgegangen, dass die Batterie nur nicht voll geladen gewesen sei und sich auf der Fahrt schon wieder erholen würde – aber solche Vorwürfe bringen uns jetzt auch nicht weiter. Wir beschließen daher, uns in Berlin nach einer neuen Batterie umzusehen, und hoffen, dass wir heute nicht irgendwo liegenbleiben.

Heimat der Tristesse

Die Fahrt von Dresden nach Berlin erweist sich als gleichermaßen anspruchs- wie trostlos. Deprimierend oft passieren wir kleine Ansiedlungen, die einen so ausgeprägten Trübsinn ausstrahlen, dass er uns bereits in den kurzen Momenten des Durchfahrens auf die Laune schlägt.

Ärmliche Häuser, gefühlt jedes dritte komplett leerstehend und dem Verfall preisgegeben, vereinzelt schmuddelig gekleidete, uns mit misstrauisch-mürrischem  Gesichtsausdruck hinterherblickende Menschen, freudlos und ausgestorben wirkende Dorfstraßen, die wie mit dem Lineal konstruiert und nicht natürlich gewachsen wirken. Obwohl heute Sonntag ist, ist an diesen Orten kein Fitzelchen Lebenslust zu entdecken. Wenn das hier die Gegenden sind, aus denen der „deutsche Wutbürger“ stammt, so kann ich die Verbitterung sogar ein klein wenig nachvollziehen. Auch wenn deren „alternative Lösungen“ natürlich vollkommen inakzeptabel sind, so sollte hier doch dringend Hilfe geleistet werden. Ich jedenfalls möchte in so einem Kaff nicht mal begraben sein, sorry.

Meine Beschreibung von dieser Gegend ist wahrscheinlich recht einseitig, denn zwischen diesen tristen Orten finden sich auch sehr häufig ausgesprochen hübsche Ecken, denen man die Bemühungen und Liebe der Bewohner zu ihrer Heimat deutlich ansieht. Aber es ist wie mit den Ampellichtern: Die wenigen roten, die einen zum Halten zwingen, bleiben sehr viel nachhaltiger im Gedächtnis als die vielen grünen, an denen man einfach achtlos vorbeigefahren ist. Deshalb ist unser heutiger Gesamteindruck ziemlich trübe und wir haben wenig Lust auf Pausen. Einmal bleiben wir stehen, weil das Rückenschild meiner Motorradjacke mir Probleme bereitet (es drückt, sobald ich nicht mehr als ein T-Shirt darunter trage, was hauptsächlich am Gewicht meines Rucksacks liegt, der es zusätzlich gegen meine knochigen Schultern quetscht – hier muss ich mir unbedingt ein besseres System überlegen), ein weiteres Mal gönnen wir uns etwas Erfrischendes zu Trinken und einen kleinen Snack während unserer Tankpause, ansonsten fahren wir durch. Auch weil das Starten von Marvins BMW zusehens kläglicher und zweifelhafter klingt, sind wir erleichtert, als wir endlich die Gegend um Berlin erreichen.

Kulinarischer Ausklang an der Havel

Der von uns ausgesuchte Campingplatz liegt im Stadtteil Gatow, am westlichen Rand der Stadt. Die Sanitäranlagen sind einfach, aber ausreichend und sauber, eine sonstige Infrastruktur jedoch quasi nicht vorhanden (es gibt nicht einmal einen Minimarkt am Platz, lediglich eine Art Imbiss-Grill-Bude, bei der man aber immerhin Brötchen für das Frühstück bestellen kann). Weil wir für morgen aber sowieso eine Stadtbesichtigung und für heute abend Marvins Geburtstagsessen geplant haben, macht uns das nichts aus. Wir finden einen hübschen Platz für unser Zelt, machen uns breit, duschen und ruhen uns ein bisschen aus, ehe wir uns wieder auf den Weg zu eben diesem Essen machen.

Wir haben uns dafür das in Fußgänger-Reichweite liegende Restaurant „Salt’n‘ Sugar“ ausgesucht, also packen wir unsere Rucksäcke und marschieren los. Das Lokal hat erst wenige Monate zuvor eröffnet und wird bereits jetzt als „Geheimtipp“ auf Google (ich weiß, ein Widerspruch in sich) gefeiert. Direkt am Ufer der Havel gelegen, ist es ein besonders schönes Ausflugsziel – und das ist auch vielen anderen bewusst, wie wir ca. 20  Minuten später feststellen. Etwas ängstlich blicken wir auf die zahlreichen besetzten Tische, ergattern aber glücklicherweise doch noch einen passablen Platz. Da es hier so gut wie keine anderen Einkaufsmöglichkeiten gibt (erst recht nicht sonntags), hätte der Abend auch recht hungrig enden können.

So aber ist alles gut! Das Essen ist superlecker, das Personal sehr nett (wenn auch tendenziell etwas überfordert angesichts der Gästefülle) und wir mampfen uns glücklich durch drei Gänge. In Augenblicken wie diesen (beeinflusst von den noch immer nachhallenden Eindrücken der trostlosen Dörfern, die wir heute durchfahren haben) wird mir besonders bewusst, wie gut wir es haben. Es schadet nicht, sich das immer wieder mal ins Gedächtnis zu rufen.

Routenüberblick

Datum: Sonntag, 23.06.2019
Schwierigkeitsgrad: einfach – viel zu einfach
Länge: 220 km, ca. 4 h Fahrzeit
Eindrücke: Flach, reizlos, langweilig, stellenweise deprimierend … nicht schön

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Über das Erzgebirge nach Dresden – Gar nicht so wild hier im Osten https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/ueber-das-erzgebirge-nach-dresden-gar-nicht-so-wild-hier-der-osten/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/deutschland/deutschland-2019/ueber-das-erzgebirge-nach-dresden-gar-nicht-so-wild-hier-der-osten/#comments Tue, 31 Mar 2020 16:43:49 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=6364 Meine verstorbene Großmutter stammte aus Dresden. In den Kriegswirren hat es sie nach Norddeutschland verschlagen (wofür ich sehr dankbar bin), ein Teil ihrer Familie ist aber in Dresden […]

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Meine verstorbene Großmutter stammte aus Dresden. In den Kriegswirren hat es sie nach Norddeutschland verschlagen (wofür ich sehr dankbar bin), ein Teil ihrer Familie ist aber in Dresden geblieben. Als Kind, weit vor der Wende, bin ich mit meinen Eltern daher einige Male dort zu Besuch gewesen. Aus dieser Zeit lebhaft in Erinnerung geblieben sind mir die völlig übertriebenen Grenzkontrollen. Einmal zum Beispiel wurden die auf Wunsch unserer Verwandschaft mitgebrachten Super-8-Urlaubsfilme stichprobenartig von den Grenzern angesehen – nur um sicherzustellen, dass wir auch ja kein „Propagandamaterial“ einschmuggelten. Nach mehreren Stunden (!) Aufenthalt an der Grenze wurden die Filme endlich als harmlos eingestuft und wir durften weiterfahren. Dabei bin ich mir sicher, dass unsere Bilder aus Frankreich und Griechenland weit mehr Sehnsüchte in unseren Verwandten geweckt haben, als politische Propaganda es jemals geschafft hätte.

Der zweite Eindruck, der in diesem Zusammenhang in meinem Gedächtnis haften blieb, war die Farbe Grau. Als Kind habe ich die Ostzone, wie wir sie damals nannten, nur in dieser Tönung wahrgenommen. Alles war grau, die Häuser, die Landschaft, die Kleidung der Menschen, die Stimmung … nichts Buntes, nichts Auffälliges, keine Lebensfreude oder Ausgelassenheit. Ich musste immer an die grauen Herren aus dem Buch „Momo“ denken und war jedesmal heilfroh, wenn es wieder nach Hause ging.

Umso erfreuter war ich, als ich ein paar Jahre nach der Wende eine bunte, lebhafte und freundliche Stadt vorgefunden habe. Auch wenn die Frauenkirche damals noch in Trümmern lag, war doch deutlich zu merken, wie die Stadt und ihre Bewohner auflebten und durchatmeten.

Tschechiens höchstgelegene Stadt

Als wir heute vor dem Zelt frühstücken, erzähle ich Marvin von meinen Erinnerungen und meiner Neugierde, wie sich die Stadt inzwischen wohl weiterentwickelt haben mag. Und von meiner Sorge hinsichtlich der politischen Entwicklung im Osten. Würde man davon etwas merken? Vor meinem inneren Auge tauchen grimmige, hasserfüllte Gesichter auf. Hatte sich die Gegend womöglich wieder zurückentwickelt in die graue, deprimierte Welt vor der Wende – nur diesmal rechts, statt links? Ich hoffe nicht!

Nach dem Frühstücken und Packen geben wir bei Günni die Adresse des Campingplatzes in Dresden ein, stellen auf „Autobahnen vermeiden“ und fahren los. Die Route durch Tschechien ist erfreulich hübsch. Kurvige, gut ausgebaute Straßen, nicht allzu viel Verkehr, eine schöne, meist waldige Landschaft – was will das MotorradfahrerInnen-Herz mehr? Die letzten Kilometer vor der Grenze schraubt die Straße sich sogar recht weit in die Höhe und die Umgebung sieht nach Skigebiet aus. Erst im Nachhinein entdecke ich, dass wir gerade an Gottesgab vorbeifahren, einem bedeutenden Wintersportzentrum im Erzgebirge und gleichzeitig Tschechiens höchstgelegene Stadt. Als wir gleich danach die Grenze nach Deutschland erreichen, machen wir kurz Halt. Wir haben noch tschechische Kronen in der Tasche, die wir zurücktauschen wollen. Zudem entdecken wir, dass das Grenzrestaurant Oblaten anbietet – und kaufen so viele Packungen, wie in meinen Tankrucksack passen 🙂

Angenehmes Erzgebirge

Der weitere Weg durch den deutschen Teil des Erzgebirges überrascht uns angenehm. Die Orte sind durchgehend hübsch und sehr gepflegt, keine Spur von grauer Tristesse oder deprimierten Menschen – alles wirkt völlig „normal“. Es fühlt sich gut an, wenn die eigenen Vorurteile auf so angenehme Art widerlegt werden. In einem kleinen Ort mit dem etwas umständlichen Namen Ehrenfriedersdorf machen wir eine kurze Pause und kaufen etwas Gebäck. Von hier aus sind es noch ca. 100 km bis zum Ziel, es sollte also schnell gehen.

Und tatsächlich – punktgenau in der Mittagspause der Rezeption erreichen wir den Campingplatz in Dresden-Mockritz. Der Platz ist überraschend voll und wir finden mit Müh und Not ein angenehmes Plätzchen auf der Zeltwiese. Ein Platznachbar erzählt uns, dass wir noch Glück gehabt hätten. Heute erst wären wohl Heerscharen niederländischer Camper abgereist, die bisher den Platz fest in feierlauniger Hand gehabt haben, lautstark bis in die Nacht. Dankbar blicken wir auf die Nachzügler, die soeben noch dabei sind, den Platz zu verlassen, sowie auf den Haufen leerer Flaschen, der sich unter einem Pavillon stapelt, und sind in der Tat froh, erst heute hier angekommen zu sein.

Die für Deutschland schon seit ein paar Tagen angekündigte Hitzewelle macht sich inzwischen bemerkbar, die Sonne scheint grell vom Himmel und ich schäle mich verschwitzt aus meinen Motorradklamotten. Als ich duschen gehen will, stelle ich fest, dass das nur mit einer Duschmarke möglich ist – die man wiederum in der (gerade geschlossenen) Rezeption erwerben kann. Grmpf. Ich marschiere zurück zum Zelt und will meinem Unmut Luft machen, als Marvin sagt, er hätte einen Automaten für die Marken gesehen und mir auch gleich eine besorgt, der Liebe :). Einen kleinen Rest Gegrummel behalte ich jedoch bei, weil ich mich ärgere, dass die Duschen hier nicht im Preis inbegriffen sind. Sowas kenne ich von deutschen Campingplätzen eigentlich nicht. Doch auch das stellt sich kurz darauf als unbegründet heraus. Als die Rezeption wieder geöffnet hat und ich uns anmelde, drückt mir die furchtbar herzliche Angestellte des Campingplatzes eine Handvoll Marken für die Dusche in die Hand – die ich jetzt nicht mehr brauche, weil ich das ja schon erledigt habe. Na gut. Vielleicht doch ganz in Ordnung, dieser Platz hier 🙂

Dresdner Innenstadt – geballte Geschichte

Nachdem die Anmeldeformalitäten erledigt sind, brechen wir auf in die Stadtmitte. Die Rezeptionistin hat uns noch mit umfangreichem Zettelmaterial zu den Bus- und Straßenbahnlinien und Tipps für den Fahrkartenkauf versehen (Tageskarte ist günstiger als Einzelkarte). Dermaßen ausgerüstet finden wir die Straßenbahnhaltestelle recht schnell (es gibt auch eine Bushaltestelle nahe des Campingplatzes, aber die Busse fahren nicht allzu häufig). Die Fahrt in die Innenstadt ist kurzweilig, es erinnert nichts mehr an die graue Stadt von einst. Am Postplatz steigen wir aus und machen uns auch gleich auf Besichtigungstour. Der Zwinger, die Semperoper, der Fürstenzug – mit Details zur Geschichte dieser Sehenswürdigkeiten verschone ich euch (das bekommt jeder Reiseführer besser hin), aber soviel sei gesagt: Dresden kleckert keinesfalls mit imposanten Gebäuden und es macht viel Spaß, das alles zu besichtigen. Nur die neu errichtete Frauenkirche enttäuscht mich etwas. Die innen vorherrschende pastellige Farbgebung ist so überhaupt nicht mein Geschmack… da gefiel mir der verkohlte Trümmerhaufen, den ich nach der Wende besichtigt habe, fast besser – war er doch ein tief beeindruckendes Mahnmal für die Zerstörungskraft des Krieges.

Ein denkwürdiger Nachtisch

Am späten Nachmittag haben wir schließlich genug von Historie und suchen uns einen Ort zum Einkehren. Wir entscheiden uns für das Enchilada in der Wilsdruffer Straße, weil uns irgendwie nach Mexikanisch ist. Zudem sitzt man hier angenehm im Schatten, die Bedienung ist freundlich und das Essen gut. Nach der Hauptspeise wollen wir noch einen Nachtisch – und entscheiden uns leichtsinnigerweise für das „Dulce grande“. Dass „Dulce“ süß bedeutet und „grande“ groß, ist uns durchaus bewusst. Das plötzliche Grinsen des Kellners bei der Bestellung hätte uns jedoch misstrauisch machen sollen – und als er schließlich den Teller serviert, sind nicht nur wir überrascht, sondern auch sämtliche Gäste um uns herum. Die Nachtischplatte ist nicht nur groß, sie ist geradezu riesenhaft! „Dulce gigante“ wäre die passendere Bezeichnung gewesen. Nach zweimaligem Nachladen meines Desserttellers gebe ich auf. Es schmeckt großartig, aber ich kann nicht mehr. Nicht jedoch Marvin. Wenn er etwas nicht leiden kann, dann Speisen, die nicht aufgegessen werden. Also kämpft er sich wacker weiter durch das Spritzgebäck, die süßen Tortillas, das Eis, die Sahne und die Brownies … und gewinnt schließlich die Schlacht, wenn auch nur knapp.

Danach sind wir zu nicht mehr viel fähig. Wir schleppen uns in ein Einkaufszentrum, kaufen noch ein paar Dinge für das morgige Frühstück, plumpsen in die Straßenbahn und lassen uns zurück Richtung Campingplatz karren. Nachdem wir es schließlich geschafft haben, vor unser Zelt zu kriechen, verbringen wir den Rest des Abends mit Faulenzen und Verdauen. Also, Dresden hat unseren „Na, isses hübsch hier?“-Test schon mal bestanden 🙂

Routenüberblick

Datum: 22. Juni 2019
Schwierigkeitsgrad: leicht
Länge: 230 km , ca. 3,5 h
Eindrücke: erste Hälfte sehr schön, zweite Hälfte eher langweilig

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