Frankreich - Motorradtouren - In fremden Gefilden https://www.in-fremden-gefilden.de/category/reisen/frankreich/ Anja und Marvin brausen durch die Welt Fri, 18 May 2018 08:28:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.1.9 Die Heimfahrt: Von Korsika zurück nach München https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/die-heimfahrt-von-korsika-zurueck-nach-muenchen/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/die-heimfahrt-von-korsika-zurueck-nach-muenchen/#respond Sun, 18 Mar 2018 13:19:42 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=5121 In einem anderen Reiseblog wäre das hier vielleicht die Stelle, an der ich ankündigen würde, was für ein aufregender Fahrtbericht den Leser auch am heutigen Tag unserer Tour […]

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In einem anderen Reiseblog wäre das hier vielleicht die Stelle, an der ich ankündigen würde, was für ein aufregender Fahrtbericht den Leser auch am heutigen Tag unserer Tour erwartet –  gefüllt mit exotischen Details, Sinneseindrücken fremder Landschaften und dem Versprechen von Abenteuer.

Mit der Betonung auf „wäre“ – denn so könnte ich diesen Beitrag zwar beginnen, jedoch weiß jeder Motorradveteran, dass es sogar in den tollsten Urlauben Tage gibt, an denen etwas weniger passiert. Und wenn man bereits um 10.30 Uhr vom Campingplatz aufbricht, nach 90km ereignisloser Schnellstraße um 12.00 Uhr am Zielhafen ankommt und dann bis abends im Terminal auf die Abfahrt der Fähre wartet… dann ist das wohl genau so ein Tag. Zugegeben, so wirklich durchdacht haben wir das rückblickend wohl nicht.

Ein Leben im Terminal

Immerhin sind wir mit dieser Art von Situation bereits sehr vertraut. Wer uns kennt, der weiß, dass wir lieber viel zu früh ankommen, als kurz vor knapp. Und so fügen wir uns auch heute wieder unserem (selbstverursachten) Schicksal der relativen Langeweile. So ganz unrecht ist uns das nicht, denn je näher wir bei der Anfahrt an Bastia heranrücken, desto unerträglicher wird die Hitze.

Speziell auf dem letzten Stück Strecke Richtung Innenstadt taucht man für einige hundert Meter in einen Tunnel ab, wo wir im Stau mit sicherlich an die 35° Grad Außentemperatur fast zu ersticken drohen. Danach gestaltet sich das Warten im klimagekühlten Terminal geradezu als Erholungskur, bei der man kaum mehr vor die Tür gehen möchte, um nicht Gefahr zu laufen, draußen der Sonne zu begegnen.

Außerdem gibt er hier ausreichend Sitzplätze, Snackautomaten und dank Anjas heroischem Erkundungseinsatz sogar ein paar (trockene) Sandwiches zur Versorgung. Die Parksituation hinter dem Gebäude bleibt mit einem Preis von 1 €/Stunde auch erträglich.

Lediglich das Verladeprozedere verwirrt uns. Während wir anfangs noch seelenruhig die Zeit mit Lesen verbringen, werden wir gegen Abend immer unruhiger. Auf der Moby-Webseite steht, dass wir bereits drei Stunden vor Abfahrt der Fähre die CheckIn-Formalitäten erledigen können – die Frau am Ticketschalter teilt uns jedoch mit, dass das erst eine Stunde vorher möglich sein wird. So richtig sicher sind wir uns nicht, ob hier nicht etwas bei der Übersetzung verloren gegangen ist. Dementsprechend sitzen wir immer mehr auf heißen Kohlen und sind froh, als es dann endlich losgeht.

Am Checkpoint sehen wir zu unserem Erstaunen ein Motorrradfahrerpaar wieder, das uns schon auf der Hinfahrtsfähre begleitet hat. Ein lustiger Zufall, denn eigentlich wollten die beiden doch deutlich länger auf Korsika bleiben. Wie sich herausstellt, hat sich der Mann eine (leichte) Verletzung zugezogen, wodurch sie früher zurückmüssen – und jetzt auf genau der gleichen Fähre Richtung Festland gelandet sind wie wir.

Die Auffahrt auf das Schiff läuft hier deutlich unbürokratischer ab als in Genua. Anstatt fünf Checkpoints zu passieren, gibt es hier nur einen einzigen. An dem werden lediglich kurz unsere Tickets (aber nicht unsere Ausweise) überprüft, bevor es dann direkt auf die Fähre geht.

Kleiner Bonus: Zwischen Checkpoint und Fähre gibt es eine ca. 400 Meter lange, sehr breite Verladestrecke ohne offensichtliche Verkehrsregeln. Man kann sich denken, was passiert, wenn ca. zwei Dutzend Motorradfahrern das Tor geöffnet wird. Für eine kurze Zeit fühlt man sich inmitten einer Horde losgelassener Mongolen – und hat dabei eine Menge Spaß.

Bye bye Korsika – zurück nach Italien

Nachdem wir also erst so knapp vor Abfahrt auf die Fähre dürfen, müssen wir auch nicht lange warten, bis wir die Vibrationen der massiven Schiffsmotoren durch die Wände hindurch spüren.

Die Fähre ist die gleiche, mit der wir auch von Genua auf die Insel gekommen sind. Dementsprechend gestaltet sich auch die Rückfahrt recht ähnlich – außer, dass diesmal die Lautsprecherdurchsagen merklich leiser sind und uns nicht jedesmal aus dem Schlaf reißen. Wer sich für alle Details des Fährvorgangs interessiert, kann einen Blick in unseren Artikel zur Hinfahrt werfen, in dem wir ein wenig mehr auf unsere Erfahrungen mit Moby eingehen.

So wirklich genau nimmt es der Kapitän nicht mit der Uhrzeit, wir kommen am nächsten Morgen knapp eine Stunde zu spät am Hafen von Genua an. Ein wirklich Beinbruch ist das für uns aber nicht – schließlich wollen wir heute sowieso nur die Grenzen der Alpen erreichen und haben dafür den ganzen Tag Zeit.

Durch die Po-Ebene zum Lago Maggiore

Wo Genua auf der Hinfahrt noch wie ein verknoteter Verkehrsalptraum wirkte, scheint die Stadt beim Herausfahren deutlich weniger einschüchternd. Zumindest für uns – unser GPS hingegen rechnet uns mit 750 km eine leicht… unoptimierte Route aus, um zum Lago Maggiore zu kommen. Ein genauerer Blick enthüllt das Problem: Dem Navi hat unsere Fährfahrt wohl nicht gefallen, denn es befiehlt uns zurück nach Korsika, um von dort aus eine gänzlich andere Überfahrt zu nehmen. „Günni“ (unser Navi) hatte ja schon immer einen eigenen Willen, aber das setzt dem ganzen wirklich die Krone auf.

Ungeachtet der Meinung unseres elektronischen Helfers fahren wir daher lieber mit gesundem Menschenverstand und „altmodisch“ nach Straßenschildern. Wir verfolgen denselben Weg zurück, den wir gekommen sind, und fahren auf der gleichen Schnellstraße aus der Stadt. Die Fahrt durch die ligurischen Berge an der Küste läuft angenehm unkompliziert ab und schon bald finden wir uns auf der Po-Ebene wieder. Relativ früh morgens gibt es auf der Autobahn kaum Verkehr, wir haben die Straße größtenteils für uns allein.

Kurz darauf begegnet uns das Motorradfahrerpaar noch ein drittes Mal (das wird schon fast zu einem Running Gag) und winkt uns beim Überholen zu. Das sollte aber tatsächlich das letzte Mal sein, dass wir die beiden in unserem Urlaub sehen.

Die restliche Überquerung der Po-Ebene ist wie erwartet nicht die spannendste Strecke und lässt Hügel und andere markante Landschaftsmerkmale vermissen. Das ist leider (wie immer) der Preis, den man für einen Urlaub südlich der Alpen bezahlen muss. Wenn ich in meinem Leben noch einmal eine spannende Route durch die Po-Ebene finden sollte, würde ich der Signifikanz einer solchen Entdeckung halber vermutlich einen ganz eigenen Beitrag darüber schreiben.

Immerhin vergeht die Zeit heute schnell und auch das Wetter schlägt uns kein Schnippchen. Schon bald rücken die Berge nah und die Straßen werden kleiner, kurviger und auch steiler. Die Anfahrt zum Lago Maggiore windet sich durch reichlich grüne Hügel und Tunnel – was uns nur recht ist.

Eine Fahrt am See

Wenig später sehen wir auch schon blaues Schimmern. Wie es bei den Alpenseen Italiens üblich ist, fährt man auch hier größtenteils direkt am Ufer entlang auf einer kleinen Straße, die zum einen stark befahren ist, zum anderen aber auch viel Zeit dafür lässt, die schöne Landschaft zu bestaunen.

Und die ist wirklich traumhaft. Im Gegensatz zum Comer See oder dem Gardasee fühlt sich der Lago Maggiore „weiter“ an, offener und nicht ganz so sehr vom umliegenden Gebirge eingepfercht. Speziell im Vergleich zum noblen Comer See scheinen die Dörfer hier aber nicht ganz so protzig. Ob das ein Pluspunkt ist oder nicht, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Nach einer Weile kommen wir dann auch schon am Ziel unserer heutigen Etappe an: Cannobio. Der Ort liegt direkt am Wasser und wartet mit gleich mehreren Campingplätzen auf. Wir fahren auf gut Glück zu Camping ‚Riviera‘ am Ende des Ortes, da uns die Schilder zuerst dort hinführen. Kaum in der (verschlossenen) Einfahrt angekommen, wird uns von einem dort platzierten Angestellten mitgeteilt, dass die Rezeption erst in ca. zwei Stunden aufmacht. Die Sinnlosigkeit dessen, dass er jetzt zwei Stunden vor der Schranke steht und Leute anweist, statt die Zeit zu nutzen, um sich einfach selbst in die Rezeption zu setzen, scheint ihn dabei nicht zu stören. Jetzt könnten wir zwar genauso gut zu einem anderen Campingplatz weiterfahren, aber da wir das Warten gewöhnt sind (höhö) und es hier schön finden, bleiben wir.

Abendspaziergang in Cannobio

Nach einem kleinen Zwischensnack in Eisform im Campingplatzrestaurant (wohl aber eher Tiefkühlware als selbstgemacht) können wir schließlich unser vorher ausgesuchtes Plätzchen beziehen – ein gemütlicher Eckplatz umringt von Hecken mit Baumschatten. Letzterer ist wichtig, da es nach wie vor verflucht heiß ist. Nach dem Aufbauen des Zelts gönnen wir uns daher erst einmal einen Sprung ins kühle Nass direkt am Ufer des Campingplatzes. Leider gibt es hier nicht unbedingt einen „Sandstrand“ und als wir ins Wasser steigen, merken wir, wie uns die zahlreichen ca. 10 – 20 cm großen Steine ordentlich in die Füße drücken. Als wir dann ins tiefere Gewässer kommen, wollen wir deshalb erst auch gar nicht mehr heraus.

Trotzdem liegt hier die Wahl zwischen Tod und Elend und wir ziehen das Bad der Hitze vor. Erfrischt kehren wir zu unserem Lager zurück und machen uns schon bald auf, die Stadt zu erkunden.

Cannobio ist von der Größe her glücklicherweise recht überschaubar und wir brauchen nicht lange, um zur Altstadt zu gelangen. Die ist zu unserem Erstaunen wirklich hübsch mit einer schönen Hafenpromenade. Hier wimmelt es regelrecht von Geschäften, Restaurants und anderen Shops, die sich alle gegenseitig in Punkto Attraktivität übertrumpfen. Wir haben uns schnell für eine Pizzeria entschieden, bei der das Essen von weitem am leckersten aussieht, und setzen uns in das Lokal. So lässt es sich leben!

Als wir später am Abend zum Zelt zurückkehren, machen wir noch schnell einen Schlachtplan für den morgigen Tag: Sollen wir das komplette Reststück einfach in einem Rutsch durchfahren oder übernachten wir doch noch ein Mal in der Schweiz, wie eigentlich geplant? Die Route sieht herausfordernd, aber machbar aus – zumindest für den letzten Tag des Urlaubs. Anja ist sich allerdings nicht ganz sicher, ob wir uns damit nicht doch übernehmen, und wir beschließen, dass wir im Notfall auch noch am Bodensee pausieren könnten – natürlich sollte es dann aber doch anders kommen.

Über den Lukmanierpass in der Schweiz

So schön es auch war, heute sagen wir Italien und dem Süden „auf Wiedersehen“. Und das schon bald nach dem Aufstehen, liegt Cannobio doch direkt an der Grenze zur Schweiz. Insofern wandelt sich auch die Architektur quasi schlagartig von mediterran-bunten Häusern zu typisch alpenländisch-moderner Bauart.

Der kürzeste Weg Richtung Norden nachhause führt über die Autobahn. Wer in der Schweiz jedoch Autobahn fahren will, muss sich gleich eine Vignette für das ganze Jahr kaufen. Und die schlägt mit 35 Euro (pro Motorrad) happig zu Buche.

Also haben wir bei der Reiseplanung einen spannenden Alternativweg ausgesucht: Die Fahrt über den Lukmanierpass – eine alte römische Passstraße, die seit dem Bau des Gotthardtunnels etwas in Vergessenheit geraten ist. Diese Route ist zwar länger, dafür können wir den Urlaub mit einer letzten Passüberquerung gewissermaßen noch einmal feiern. Und die hat es in sich!

Die anfängliche Fahrt durch die noch eher flachen Täler ist geprägt von Schnellstraßen und steilen Bergen, die uns beidseitig durch die schweizerische Alpenlandschaft eskortieren. Als wir bei Biasca unwiderruflich in Richtung Pass abbiegen, wird die Strecke noch einmal dörflicher und ruhiger. Kein Wunder – schließlich gibt es für Vielfahrer und LKWs wohl nicht viele Gründe hier entlang zu kommen. Die Auffahrt auf den Pass lässt sich dabei als vergleichsweise gemächlich beschreiben, allerdings mit tollen Aussichten. Ein Berg in der Distanz, auf den wir lange direkt zufahren, sticht uns besonders ins Auge, da er eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Matterhorn hat. Das „Matterhörnchen“ begleitet uns noch eine ganze Weile, während wir im Bleniotal die Serpentinen erklimmen.

Überhaupt fällt uns auf, wie sehr sich die Alpenberge von denen auf Korsika unterscheiden. Obwohl die Passhöhen auf Korsika durchaus mit so manchem Alpenpass mithalten können, schießen die Berge auf der Insel nicht annähernd so steil und unverschämt hoch aus dem Boden wie hier.  Ein nettes Detail ist auch die Farbgebung: Während hier alles entweder grün, grau oder blau ist, findet man auf Korsika deutlich mehr rote und gelbe Anteile. Die Landschaft wirkt dadurch wärmer als die vergleichsweise „kühlen“ alpinen Gebirgszüge.

In derart philosophische Gedankengänge versunken erklimmen wir derweil die Passstraße und kommen schon bald auf der Passhöhe an. Hier gibt es nicht nur einen großen See, sondern auch eine Gaststätte, in der wir uns erst einmal ein deftiges Wurstbrot bzw. einen Fleischsalat gönnen. Das ist nach dem ganzen mediterranen Essen ein regelrechter Schock für unsere Zungen – wenn auch kein unangenehmer.

Gestärkt schwingen wir uns danach aufs Motorrad und fahren auf der anderen Seite des Passes wieder herunter. Auch hier genießen wir wieder tolle Aussichten und gut ausgebaute Straßen.

11 Stunden auf dem Motorrad

Der Rest des Weges durch die Schweiz bietet leider keine derartigen Highlights mehr, sondern ist eher geprägt durch langsames Vorankommen. Wir machen in Chur kurz Snackpause und erholen uns von der erdrückenden Hitze. Spätestens ab hier wird die Gegend immer industrieller, die Orte städtischer und die Täler breiter. Langsam aber sicher arbeiten wir uns zum Alpenrand vor. Auch der Verkehr hat zugenommen und wird nun zu einem echten Ärgernis. Bei 35+ Grad im Stau vergeht einem ganz schnell die Laune – vor allem, wenn man noch fast 300km vor sich hat. Wir fluchen über jedes Dorf mit nur einer Straße zum Durchfahren, über jede unnötige Ampel und vor allem über die ganzen Traktorfahrer, die mit 35 km/h immer wieder ganze Verkehrskolonnen ausbremsen. Argh!

Immerhin bietet die Grenzüberquerung zu Liechtenstein ein wenig Abwechslung. Hier weichen wir kurz von der Hauptstraße ab, fahren mitten durch den Wald – und landen direkt vor einer Mauer. Zuerst denke ich, es handelt sich dabei um eine Art Gefängnis, aber wie sich herausstellt, führt die Straße direkt durch die Festung beim St. Luzisteig hindurch. Anscheinend war das hier einmal eine Kaserne, mittlerweile findet sich inmitten des Komplexes aber ein sehr modern anmutendes Restaurant. Belustigt von der kuriosen Straßenführung kommen wir schon bald auf der anderen Seite das Waldes wieder heraus und befinden uns plötzlich im Märchenland. Vor uns ragt die Burg Gutenberg auf einem einsamen Felsen im Tal vor einer gewaltigen Bergkulisse in die Höhe. Ganz ehrlich, wenn uns als nächstes noch ein Einhorn unter einem Regenbogen begegnet wäre, hätte es mich auch nicht mehr groß verwundert.

Nicht viel später holt uns die Realität jedoch wieder ein. Die üblichen engen Straßen, der übliche Stau – auch in Liechtenstein sieht die Verkehrslage leider nicht anders aus. Wir passieren Vaduz und finden uns schließlich in Österreich wieder. Wirkliche Freude kommt dabei aber nicht auf. Ohne Witz – wir stehen bis zur Autobahnauffahrt in Lindau kontinuierlich im Stau.

Ironischerweise bestärken diese Qualen aber nur unseren Willen, heute doch nicht mehr am Bodensee zu übernachten. Auf Zelt aufbauen und noch einmal in einer fremden Gegend schlafen haben wir jetzt erst recht keine Lust. Also ab nach Hause, nun ist es auch schon egal. Hauptsache, wir landen heute Abend in unserem bequemen Doppelbett.

Und tatsächlich: Auf der Autobahn ist die Lage plötzlich völlig anders, Gottseidank! Ab jetzt heißt es endlich „Freie Fahrt nach Hause!“. Obwohl das immer noch 175 km sind, genießen wir das schnelle Fahren auf deutschen Autobahnen so sehr, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Dass wir einmal von Bergstraßen dermaßen genervt und die Autobahn so genießen würden, hätte ich vor dieser Heimfahrt auch nie gedacht.

Auf halbem Weg haben die Wettergötter dann noch Erbarmen und schenken uns ein wenig Regen. Dadurch kühlt sich die Außentemperatur um fast 10 Grad auf ca. 22 Grad ab – in diesem Fall also ein Segen. Absurderweise werden wir also auf diesen letzten Metern noch einmal deutlich wacher und lebhafter als wir es die letzten fünf Stunden waren. Kurz vor München brauchen wir bei einer Rast fröhlich die letzten Kekse auf und genießen den kurzen Rest der Strecke, bis wir schließlich und endlich zuhause ankommen. Wir sinnieren noch einmal darüber, wie wir heute ganze 11 Stunden auf der Motorrad unterwegs waren – weit mehr, als wir üblicherweise fahren. Es ist irgendwie gut zu wissen, dass das im Notfall also auch geht.

Sofort wiederholen müssen wir das aber nicht. Denn: So schön der Urlaub auf Korsika auch war – jetzt sind wir erst einmal froh, wieder zuhause zu sein und die Füße wohlverdient hochlegen zu können.

Routenüberblick

Datum: 5. – 7 Juli 2017
Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel – je nachdem, ob man gerade in den Alpen einen Pass fährt
Länge: 794km
Eindrücke: Flotte Fahrt auf den Autobahnen, aber furchtbar langsames Vorankommen in der Schweiz ohne Vignette

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Bonifacio bis Ghisonaccia – Über den Col de Bavella zum Badestrand https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/bonifacio-bis-ghisonaccia-ueber-den-col-de-bavella-zum-badestrand/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/bonifacio-bis-ghisonaccia-ueber-den-col-de-bavella-zum-badestrand/#respond Fri, 23 Feb 2018 12:16:01 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=5113 Nach einer erholsamen Nacht (trotz der Nähe unseres Zeltplatzes zur Hauptstraße war es nicht übermäßig laut) packen wir und widmen uns anschließend unserem Frühstück. Dieses Mal sind keine […]

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Nach einer erholsamen Nacht (trotz der Nähe unseres Zeltplatzes zur Hauptstraße war es nicht übermäßig laut) packen wir und widmen uns anschließend unserem Frühstück. Dieses Mal sind keine Croissants dabei! Wir bekommen dafür zwar doppelt so viel Baguette, doch das tröstet mich nur bedingt – ich mag diese in Butter getränkten Knusperdinger einfach zu gerne. Trotzdem schmeckt es auch so wieder sehr gut.

Im Anschluss schwingen wir uns wie üblich gleich auf die Motorräder. Heute ist unser letzter „echter“ Fahrtag auf Korsika – morgen wollen wir einen reinen Badetag einlegen und übermorgen geht es nur noch zu Fähre – und wir haben uns ein besonderes Highlight für den Schluss aufgehoben: den Col de Bavella.

Durch das Alta Rocca

Die ersten 25 Kilometer bis Porto Vecchio düsen wir auf schnurgerader Schnellstraße dahin. Bis hierhin kein besonderes Erlebnis. Aber dann führt uns die Route von der Küste weg nach Westen, Richtung Zonza – und mit jedem Höhenmeter steigt auch unsere Begeisterung. Das Gebiet, durch das wir fahren, nennt sich „Alta Rocca“ (was soviel wie „Hoher Fels“ bedeutet) und ist einfach nur wunderschön. Die Fahrbahn ist eher schmal und sehr kurvig, aber nicht übermäßig schwer zu fahren, denn sie befindet sich in einwandfreiem Zustand. Zudem sind wir fast allein unterwegs. Was auch gut ist, denn es gibt viel zu sehen und wir nutzen jede Gelegenheit um (teilweise recht abrupt) stehen zu bleiben und die Umgebung zu bewundern.

Zuerst schlängelt sich die Straße an der dem Meer zugewandten Seite den Berg hinauf und gewährt so immer wieder fantastische Blicke auf die Bucht von Porto Vecchio. Von hier oben erkennt man gut, warum dieser Teil der Küste so gerne mit der Karibik verglichen wird. Marvin und ich nehmen uns fest vor, auch hier einmal einen Badestopp einzulegen, falls wir mal wieder nach Korsika kommen sollten (was angesichts der Schönheit dieser Insel gar nicht so unwahrscheinlich ist).

Bald schon ändert sich die Szenerie. Wir erreichen eine Art hügeliger Hochebene, mit tollen Bergmassiven im Hintergrund, malerisch eingestreuten Felshaufen neben der Straße und geradezu kitschig ruhigen und friedvoll daliegenden Bergseen. Wahnsinn, ist das hier hübsch – schnell absteigen und Selfies machen!

Ungefähr nach der Hälfte der heutigen Strecke erreichen wir Zonza, ein malerisches Dörfchen mit vielen korsika-typischen Häusern aus hellem Stein. Wir überlegen kurz, ob wir hier eine Pause einlegen wollen, entscheiden uns dann aber doch dafür, lieber noch die knapp 10 km bis zum Col de Bavella zu fahren. Der Weg führt zuerst weiter über die Hochebene, im Hintergrund sieht man bereits die berühmten Felszacken des Bavella-Massivs. Dann noch ein wenig am Hang entlang in die Höhe und schon sind wir da.

Auf der Passhöhe

Den Pass selbst kann man kaum verfehlen. All die anderen Verkehrsteilnehmer, die wir auf der bisherigen Strecke (zum Glück) kaum zu Gesicht bekommen haben, versammeln sich scheinbar hier. Wir schließen uns der Horde an, parken unsere Motorräder, erkunden den Pass ein paar Minuten zu Fuß (man muss ja nicht übertreiben) und lassen uns schließlich auf der Terrasse des Pass-Restaurants nieder. Trotz der einzigartigen Lage und des spektakulären Ausblicks ist das Angebot nicht überteuert. Für ein (sehr leckeres) Crepe mit Schokoladencreme zahle ich gerade mal knapp 5 Euro, Marvins obligatorische Carbonara kostet 9 Euro und schmeckt ebenfalls super. Das finden wir absolut angemessen.

Nach dieser Pause geht es nur noch bergab – höhentechnisch, aber nicht, was die Aussicht betrifft. Die Route führt uns auf erneut sehr kurviger, aber nach wie vor gut fahrbarer Straße durch Wald- und Felsgebiet nach unten. Immer wieder öffnen sich die Baumreihen und wir erhaschen fantastische Ausblicke auf die uns umgebende Gebirgskulisse. Diese Strecke sollte wirklich jeder, der auf Korsika mit dem Motorrad unterwegs ist, einmal fahren. Uneingeschränkt empfehlenswert!

Auf dieser Seite des Passes ist die Verkehrsdichte allerdings ein klein wenig höher und es kann vorkommen (so wie bei uns), dass man über längere Strecken ein Wohnmobil vor sich hat, das man nicht überholen kann (oder will). Je weiter wir nach unten kommen, umso heißer wird es auch, so dass wir schließlich doch aufatmen, als wir endlich – nach einer letzten Kurve – auf das Meer hinausblicken können.

Feriendorf mit Luxus-Strand

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu dem von uns ausgesuchten Luxus-Campingplatz Arinella Bianca. Noch ein paar Kilometer auf der Schnellstraße (Huh, endlich wieder erfrischender Fahrtwind!) und wir erreichen Ghisonaccia. Nach einem Hinweisschild, das uns zu dem Campingplatz führt, suchen wir allerdings vergeblich. Nun gut, wir haben ja die Adresse und vertrauen darauf, dass unser Navi heute keinen Unfug macht. Je weiter wir in die vermeindliche Einsamkeit fahren, umso unsicherer werden wir uns diesbezüglich jedoch. Wo soll sich hier, wo doch eigentlich nichts ist, ein Feriendorf verbergen?

Wir sind kurz davor umzudrehen, als wir schließlich doch die (pompösen) Tore des Platzes erreichen. Wow! Genauso beeindruckend wie der Eingangsbereich sind aber auch die Preise (wir zahlen 115,00 Euro für zwei Nächte … der mit Abstand teuerste Platz auf Korsika, was wir aber schon vorher gewusst haben), dafür ist der Service sehr gut. Nachdem wir uns einen Platz ausgesucht haben, sorgt die nette (und fließend Deutsch sprechende) Dame an der Rezeption z.B. dafür, dass einer der Angestellten uns mit seinem Wagen eine Leih-Kabeltrommel für unseren Stromanschluss direkt an den Stellplatz bringt, damit wir das Ding nicht tragen müssen. Sehr nett!

Bei einem späteren Gespräch mit unserem Platznachbarn erhalten wir einen guten Tipp: Als Mitglied bei ASCI erhält man wohl teilweise sehr starke Nachlässe bei vielen Campingplätzen (wenn auch manchmal mit kleinen Einschränkungen). Mit so einer Karte hätten wir hier nur knapp 20 Euro pro Nacht gezahlt, dafür aber nicht alle Poolanlagen benutzen dürfen (was in unserem Fall – siehe etwas weiter unten – jedoch auch egal gewesen wäre).

Nun, jetzt haben wir den normalen Preis gezahlt, was uns auch nicht wirklich etwas ausmacht. Der Platz lässt nämlich keine Wünsche offen. Es gibt zwei riesige, ansprechend gestaltete Poolanlagen (eine davon ist nur für Erwachsene und entsprechend weniger stark frequentiert und deutlich ruhiger), einen großen, überdachten Bereich mit Restaurant (mit günstigem, qualitativ hochwertigem Essen und sehr großen Portionen), Café, Supermarkt, Sportbereich (man kann kostenlos an diversen Sportstunden teilnehmen) sowie einer Bühne für das Abendprogramm (welches zum Glück nicht aufdringlich laut ist). Und gleich dahinter befindet sich ein herrlicher Strand, sehr breit, gepflegt, mit weichem Sand, perfekter Wassertemperatur und Blick auf das Bavella-Massiv in der Ferne. Wie gemacht für unseren Pausentag!

Ein Badeshort-Problem

Auf eine französische Besonderheit, die uns bisher verborgen geblieben ist, stoßen wir hier allerdings: Badeshorts sind an den Pools verboten. Wir erfahren, dass das anscheinend für ganz Frankreich gilt und es dafür gleich mehrere Gründe gibt. Zum einen hygienische (speziell jüngere Leute tragen die Shorts wohl den ganzen Tag, quasi als Hosenersatz, und bringen so unnötige viel Schweiß und Staub ins Wasser), dann befindet sich in den Taschen, die solche Shorts oft haben, recht häufig Sand, welcher dann ebenfalls in die Pools gelangt (insbesondere, wenn zwischen Strand und Poolanlage gewechselt wird), und zu guter Letzt saugt die hohe Stoffmenge wohl beim Verlassen merklich mehr Wasser aus den Pools, die dann häufiger nachgefüllt werden müssen.

Nun gut, das mag alles stimmen, ist für uns aber blöd. Marvin hat nämlich nur seine Badeshort dabei (und keine Lust, sich jetzt noch eine extra-enge, taschenlose Hose zu kaufen, auch wenn diese massenweise im Campingplatz-Markt angeboten werden). Also passen wir einen Moment ab, an dem der Bademeister in eine andere Richtung guckt, um dann schnell ins Wasser zu huschen (wissen wir doch, dass Marvin die Hose nicht vollgeschwitzt hat und auch keinen Sand in den Taschen bunkert). Wir ernten anschließend zwar ein paar misstrauische Blicke vom Bademeister, sagen tut er aber nichts. Trotzdem ist das Plantschen dadurch – trotz der schönen Anlage – nicht allzu entspannt und wir entscheiden uns danach lieber wieder für den Strand.

Faulenzen hoch drei

Ungeachtet dieser kleinen Einschränkung genießen wir unsere letzten Tage auf Korsika in dieser herrlichen Umgebung. Wir baden, faulenzen, essen und lassen es uns einfach nur gutgehen. Insbesondere das Schwimmen im Meer am frühen Morgen, wenn der Strand noch ruhig ist und das Wasser klar und kühl, bleibt uns in besonderer Erinnerung … was für eine wundervolle Insel!

 

Routenüberblick

Datum: 3. Juli 2017
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer – teilweise enge und kurvige Fahrbahn, aber kaum Verkehr, daher sehr entspannt
Länge: 126 km, knapp 3 h Fahrzeit – unbedingt ausreichend Zeit für Pausen einplanen, es gibt viel zu sehen
Eindrücke: Kaum zu glauben, aber Korsika konnte sich tatsächlich noch mal steigern!

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Olmeto nach Bonifacio – Stadtbesichtigung und Horror-Bootsfahrt https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/olmeto-nach-bonifacio-stadtbesichtigung-und-horror-bootsfahrt/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/olmeto-nach-bonifacio-stadtbesichtigung-und-horror-bootsfahrt/#comments Fri, 19 Jan 2018 10:17:10 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4981 Der Abschied vom Campingplatz Ras l’Bol fällt uns unerwartet schwer. Seine unglaublich friedliche Atmosphäre hat uns von Anfang an bezaubert, genauso wie die Herzlichkeit der Menschen hier. Das […]

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Der Abschied vom Campingplatz Ras l’Bol fällt uns unerwartet schwer. Seine unglaublich friedliche Atmosphäre hat uns von Anfang an bezaubert, genauso wie die Herzlichkeit der Menschen hier. Das petit-déjeuner – inzwischen unser Morgenritual – im Campingplatzrestaurant brilliert mit besonders leckeren und phantasievollen Marmeladen. Genauso angenehm ist die morgendliche Ruhe des nebenan gelegenen Pools (gestern war dieser doch recht stark bevölkert und entsprechend lebhaft).

Am liebsten würden wir diese schöne Umgebung noch etwas länger genießen – doch es drängt die Zeit. Wir wollen heute nämlich Bonifacio, die wohl bekannteste Stadt Korsikas, besichtigen und nicht zu spät dort ankommen.

Aus diesem Grund ist die heutige Tagesetappe auch eher kurz und führt fast komplett über die T40, eine der wenigen Schnellstraßen der Insel. Die knapp 73 Kilometer bis zum Ziel sollten wir in eineinhalb Stunden schaffen. Für korsische (und unsere) Verhältnisse ist das echt flott.

Gleich nach dem Frühstück brechen wir also auf – und in der Tat, die Strecke lässt sich sehr zügig fahren. Trotzdem geizt die Insel auch hier nicht mit landschaftlichen Reizen. Die Bucht von Propriano ist sehr malerisch und hat mit ihrem leuchtend türkisfarbenen Meer und den hellen Sandstränden fast schon karibisches Flair. Dazu passen auch sehr gut die pompösen Kreuzfahrtschiffe, die hier vor Anker liegen.

Unmittelbar bei Propriano biegen wir ein wenig ins Landesinnere ab und es geht in die Höhe. Die Straße bleibt zwar gut ausgebaut, wird aber kurviger. Wir kommen nach Sartène, der angeblich korsischten aller korsischen Städte. Weil wir für heute aber schon eine Stadtbesichtigung geplant haben, fahren wir einfach hindurch – können diese Behauptung also weder bestätigen noch widerlegen.

Recht bald hinter Sartène geht es auch schon wieder etwas bergab, die Kurven werden weniger und es gibt einige lange, sehr gerade Streckenabschnitte, auf denen man richtig Gas geben kann (wenn man Wert darauf legt). Doch auch hier ist es nicht langweilig, denn jetzt kommt erneut das Meer in Sichtweite und wir haben einige spektakuläre Aussichten auf wunderschöne Buchten oder bizzare Felsformationen. Oder beides zugleich.

Schon bald darauf erreichen wir die Ortseinfahrt von Bonifacio. Gleich dort liegt auch der Campingplatz L’Araguina, den wir uns für die heutige Übernachtung ausgesucht haben. Der Platz ist nicht allzu groß und auch nicht besonders luxuriös, aber er bietet alles, was wir brauchen. Was jedoch das Wichtigste ist (und auch der Hauptgrund für unsere Wahl): Er liegt nur wenige Geh-Minuten vom Hafen von Bonifacio entfernt. Wir können also die Stadt wunderbar zu Fuß erkunden, ohne dabei Helm oder Motorradjacke mitschleppen zu müssen.

Die Frau vom Campingplatz weist uns einen erfreulich schönen Stellplatz für unser Zelt und die Motorräder zu. Prima! Wir schlagen unser Lager auf, machen uns kurz frisch und dann geht es auch schon weiter in die Stadt. Inzwischen ist es Mittag, es ist heiß und Marvin hatte bei der Recherche über Bonifacio etwas von einer angeblich sehr guten Eisdiele gesagt. Also nichts wie hin!

Zehn Minuten später stehen wir im Hafen von Bonifacio und staunen über den kitschig-schönen Anblick. Das ist ja wirklich hübsch hier! Normalerweise zeigen die Fotos, die man im Internet oder Reiseführer sieht, ja nur die Schokoladenseite eines Ortes. Dreht man sich um, ist es oft nicht mehr ganz so schön. Doch hier sehe ich überall ausschließlich Schokoladenseiten. Beeindruckend!

Apropos Schokolade – ich frage Marvin nach dem Standort einer gewissen Eisdiele und er zeigt ans linke Hafenufer. Auf dem Weg dorthin stolpern wir über ein Werbeschild für Bootsfahrten und gehen spontan zum dazugehörigen Terminal, um eine Fahrt zu buchen. Die berühmten weißen Klippen von Bonifacio sollen von der Meeresseite aus nämlich besonders schön zu sehen sein.

Die Dame am Schalter murmelt etwas von 5 Euro Ermäßigung, weil heute das Meer etwas unruhiger sei. Verwirrt blicken wir auf die spiegelglatte Wasserfläche im Hafen, zucken mit den Schultern und kaufen unsere verbilligten Tickets. So schlimm wird das schon nicht sein.

Wir haben noch etwas über eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt unseres Bootes und nutzen sie, um den Hafen und die dort befindlichen, zahlreichen Geschäfte zu erkunden und ein paar Mitbringsel zu erstehen. Zuallererst stellen wir jedoch fest, dass die Eisdiele tatsächlich ausgezeichnet ist. Die Becher sind reichhaltig, erfrischend und ausgesprochen lecker. Bald danach entdecken wir die „Höhle von Ali Bonbon“ – ein Süßigkeitenparadies, bei dem ich nur eindringlich davor warnen kann, es jemals mit Kindern zu betreten! Wenn Marvin nicht noch von dem riesigen Eisbecher satt wäre, hätte ich sogar ihn wohl nicht so schnell wieder dort herausgebracht 😉

Pünktlich sitzen wir schließlich in „unserem“ Boot, freuen uns auf den Ausflug über das Meer – und keine zehn Minuten später bitte ich inbrünstig darum, dass die nächste Stunde so schnell wie möglich vergehen möge. Nach dem Verlassen des langen Hafeneinschnittes, der sogenannten „Calanque“, wird uns nämlich schlagartig klar, was die Ticketverkäuferin mit „unruhiger See“ gemeint hat. Hohe Wellen lassen das Boot auf einmal winzig erscheinen, der Bug der kleinen Nussschale wird von jeder Welle hochgedrückt und klatscht dann mit voller Wucht in das darauffolgende Wellental, wobei jedes Mal ein Schwall Wasser über Bord kommt … und genau auf Marvin trifft, der neben mir mindestens genauso gequält und entgeistert guckt wie ich.

Zu allem Überfluss sitzt direkt vor uns ein vorlauter Junge, dem jeglicher Sinn für Gefahr fehlt und der nach jedem Fast-Überschlag des Bootes laut „Juchhu!“ brüllt – was den Bootskapitän nur umso mehr anstachelt, frontal in noch eine weitere, noch höhere Welle zu fahren. Am liebsten würde ich dem frechen Gör unauffällig einmal gegen den Hinterkopf dotzen, habe dafür aber leider keine Hand mehr frei. Ich muss mich schließlich am Sitz festklammern, um nicht über Bord geworfen zu werden.

Den absoluten Höhepunkt dieses Horrors erleben wir wenig später, als der Kapitän sich entschließt, trotz des hohen Wellengangs in eine der Grotten an der Steilküste einzufahren. Ich ziehe den Kopf ein und beobachte die mit jeder Welle beängstigend nahe kommende Höhlendecke. Sogar das unmögliche Kind vor mir ist jetzt still. Als schließlich einer der vielen kleinen Felszapfen, die von oben herabragen, fast das Bootsdach rammt, bekommt es wohl auch der Kapitän mit der Angst zu tun – denn ganz plötzlich legt er den Rückwärtsgang ein, gibt Vollgas und schaut zu, dass wir  möglichst schnell aus dem Felsloch herauskommen.

Gleich darauf machen wir eine kurze Verschnaufspause in einer ruhigen Lagune. Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, über Bord zu springen, an Land zu schwimmen und zu Fuß nach Bonifacio zurückzukehren. Ehe ich das jedoch in die Tat umsetzen kann, geht es schon wieder weiter, zurück in die Wellen. Örgs.

Als wir eine Stunde später schließlich endlich wieder auf festem Boden stehen, ist mir schlecht und schwindelig. Das war eines der grässlichsten Erlebnisse meines Lebens! Marvin geht es sogar noch schlimmer: Er hat nicht nur ebenfalls mit den Nachwirkungen der Seekrankheit zu kämpfen, sondern ist zu allem Überfluss auch noch klitschnass. In der Sonne trocknet das Meerwasser, mit dem er so großzügig übergossen wurde, zwar recht schnell, aber das Salz bildet überall auf seiner Haut juckende Krusten. Der Arme!

Wir beschließen, dass wir keine Lust mehr haben, zu Fuß zur Altstadt hochzulaufen, und gönnen uns für jeweils 5 Euro ein Ticket für die Mini-Bahn, die hier ihre Runden dreht (das Ticket gilt auch für die Rückfahrt, ist also nicht sehr teuer). Oben angekommen besuchen wir zuerst den Friedhof von Bonifacio – und die Ruhe und fast schon meditative Stimmung, die in dieser kleinen Stadt der Toten herrscht, beruhigt unsere von den Wellen aufgewühlten Gemüter sehr schnell. Schön ist es hier!

Schon wieder deutlich entspannter entdecken wir nicht weit vom Friedhof entfernt die Treppe, die quer durch den Stein hinab zu „Le Gouvernail“ führt, einer Felsformation an den Klippen (nicht zu verwechseln mit der Treppe des Königs von Aragon, die sich etwas weiter östlich von hier befindet). 168 Stufen führen in einem Tunnel steil nach unten, dann steht man auf einem Felsbalkon mit Blick auf das Meer – und auf die unglücklichen Gesichter der Fahrgäste anderer Ausflugsboote, die hier direkt vorbeifahren.

Der Weg wieder zurück ist etwas beschwerlicher, aber oben kann man sich eine erfrischende Cola bestellen und ein wenig ausruhen – was wir dann auch tun. Angenehm kühl ist es hier im Fels!

Nach der kurzen Pause geht’s weiter in die Altstadt von Bonifacio. Auch diese ist malerisch-kitschig, aber trotzdem sehr sympathisch. Schmale, verwinkelte Gassen, überall hübsche kleine Läden, gutgelaunte Menschen und nie allzu voll. Wir schlendern gemütlich hindurch und erkunden alles ausgiebig. Doch so langsam werden wir müde, außerdem knurrt uns der Magen und wir überlegen, wo wir zum Abendessen einkehren wollen. Da wir keine große Lust haben, mit vollem Bauch noch weit zu laufen, entscheiden wir uns für den Hafen.

Nachdem wir dort an zig verschlossenen Türen (Öffnungszeit erst 19 Uhr, also in einer Stunde…) vorbeigegangen sind, finden wir endlich ein Restaurant mit durchgehendem Service, hurra! Das Essen ist reichhaltig und wohlschmeckend, der Ausblick auf den Hafen mit dem hier so trügerisch ruhigen Wasser sehr idyllisch und die Leute sehr nett. Geruhsam genießen wir so die letzten Stunden in Bonifacio, ehe wir müde und zufrieden zu unserem Zelt zurückkehren. Ein perfekter Abschluss für einen erlebnisreichen Tag!

 

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Morgenstund hat Gold im Mund – besonders, wenn man im eigentlich abenteuerlichen Motorradurlaub bequem im Hotelbett aufwacht und das sprichwörtliche „Gold“ dabei lecker gebackene Croissants sind, die uns am Frühstücksbuffet begrüßen. Wir befinden uns immer noch in dem netten Familienhotel in Corte und hatten auf dem tollen Bett (im Vergleich zur Isomatte im Zelt) eine sehr erholsame Nacht. Das besagte Buffet finden wir in einem Raum, der sich als gemütliche Mischung aus einem Wohnzimmer und einem Restaurant beschreiben lässt. Bei einem leckeren Vollkornbaguette (selten in Frankreich) mit Fruchtsaft und Cafe au Lait planen wir schon einmal die heutige Route.

Denn diesmal wollen wir etwas mehr Strecke zurücklegen als sonst – zumindest in Punkto Luftlinie – um bis zur Bucht von Propriano hinter Ajaccio zu kommen. Der Weg verläuft dabei fast direkt nach Süden und macht etwa die halbe Höhe von Korsika aus. Wir wissen nicht so recht, was wir dabei erwarten sollen – kamen wir doch auf Korsika bislang nie so schnell voran und haben uns durch kurvige und eher mittelprächtig ausgebaute Straßen geschlagen. Trotzdem scheint die Strecke auf der Karte auch weiterhin sehr gebirgig zu sein. Wir lassen uns einfach überraschen.

Heraus aus Corte, hinauf auf die Berge

Nach dem Frühstück holen wir erst einmal unsere Motorräder aus der Garage. Beziehungsweise: Wir versuchen es. Denn zu unserem Schock kann Anja den ihr anvertrauten Schlüssel nicht mehr finden. Na super, hoffentlich ist der gestern nicht ausgerechnet bei der Stadtbesichtigung verlorenen gegangen. Die Hotelbesitzerin lächelt nervös, als wir ihr davon erzählen, doch Anjas panische Suche zahlt sich schon bald aus und sie findet das ersehnte Stück doch noch im hintersten Fach ihres Rucksacks.

Mittlerweile brennt die Sonne schon ganz ordentlich auf uns herunter – und das in voller Motorradkluft. Wir tippen noch schnell die GPS-Daten in Günni (unser Navi) ein und machen uns geschwind auf dem Weg hinaus aus Corte, auf dass der Fahrtwind uns rette. Dafür fahren wir noch einmal durch das schöne Stadtzentrum von Corte, kommen aber schon bald über eine Brücke in einen ganz anderen, moderneren und viel größeren Stadtteil. Anscheinend haben wir bisher nur die Altstadt gesehen. Aber gut, viel verpasst haben wir sonst wohl nicht, immerhin sieht der Rest nicht annähernd so rustikal aus. Kurz darauf befinden wir uns schließlich auf der Hauptstraße hinaus aus der Stadt.

Zu unserem Erstaunen geht es dabei sofort nach dem Ortsschild wieder bergauf. Wer glaubt, dass eine Hauptverbindungsstraße in Korsika nicht trotzdem eine Bergstraße ist, der täuscht sich. Obwohl die Straße oft drei Spuren hat und super ausgebaut ist, schlängelt sie sich genauso durch die Gebirgskämme, wie die 1,5-spurigen Straßen auf dem Rest der Insel. Aus Sicht eines Motorradfahrers macht das richtig Spaß. Hier oben gibt es reichlich Kurven und tolle Aussichten über weite, bewaldete Berge, ohne die übliche Klaustrophobie von engen Straßen.

Wie auf Korsika typisch durchfahren wir hier oben auch einige Bergdörfer, in denen die Straße dann kurzzeitig doch noch einmal deutlich schmaler wird – um nicht zu sagen einspurig mit teils ordentlichen Steigungen, die wohl dem organischen Bau der Stadt geschuldet sind. Uns gefällt die Strecke dadurch aber nur noch umso mehr. Einige der Dörfer sind so schön gelegen, dass man sie mit Umgebung in einen Bilderrahmen packen könnte.

Nettes Schmanckerl für Filmfans: Obwohl Der Herr der Ringe bekanntlich in Neuseeland gedreht wurde, kam ich nicht umhin zu bemerken, dass man hier eine tolle Alternativlocation gefunden hätte. Auf einem der Hügel hier oben wurde anscheinend sogar schon einmal mit dem Bau von Edoras angefangen.

Bloß weg von Ajaccio!

Überhaupt lässt sich die Strecke heute als ungewohnt „europäisch“ beschreiben. In der folgenden Stunde führt uns die Straße immer durch dichten Wald, der willkommenen Schatten spendet. Alles auf einer modernen, gut-ausgebauten Hauptstraße, die sich immer weiter abwärts gen Ajaccio windet.

Doch wirklich ankommen wollen wir heute dort nicht. Laut Reiseführer ist Ajaccio nämlich der wohl stressigste Ort auf ganz Korsika – groß, dicht bevölkert und verstopft. Ob das wirklich stimmt, können wir hier zwar nicht sagen, aber wir machen trotzdem lieber einen mittelgroßen Bogen um die Stadt. Stattdessen fahren wir über eine Schnellstraße zwar sehr nah heran, biegen aber beim Flughafen südlich ab und schrauben uns schon bald wieder auf einen Hügel herauf – und zwar auf deutlich weniger befahrenen Straßen. Genau unser Ding!

Zumindest dachten wir uns das bei der Routenplanung noch so. Was wir damals noch nicht wissen konnten, war, dass wir uns damit den schlechtesten Straßenbelag des ganzen Urlaubs eingebrockt haben. Denn am Col de Bellavalle führt uns unser Navi auf eine Straße, die sich merkwürdig rechts von der Hauptstraße abspaltet (dem stehengebliebenen PKW vor uns nach zu urteilen sind wir hier nicht als einzigen, die über die Straßenführung verwirrt sind) und kommen auf eine Strecke, auf der wir all die Schlaglöcher finden, die wir bislang auf Korsika vermisst haben. Ach da sind sie geblieben!

Die Fahrt gleicht nicht nur von der Kulisse, sondern auch vom Schneckentempo her einem einsamen Spaziergang im Wald. Das ganze fordert viel Aufmerksamkeit und Geduld, aber nach einer Weile kommen wir Gottseidank wieder auf ordentlichen Asphalt und verlassen den Hindernisparkours ohne bleibende Schäden.

Kurze Pause bei A Baracca

Etwas erschöpft von alledem erreichen wir nun aber einen Ort, auf den wir uns schon gefreut haben: A Baracca – ein etwas unscheinbares Restaurant, das oben am Hügel mit Sicht auf die Bucht von Ajaccio liegt und uns von allerlei Internetrezensionen empfohlen wurde. Denn obwohl das Gebäude von außen ein wenig wie eine Bruchbude aussieht, soll das Essen und die Stimmung fantastisch sein. Und ein kleiner Happen mit einer Pause scheint uns jetzt genau das Richtige.

Abgestiegen vom Motorrad wuseln wir uns durch das Hauptgebäude und gelangen auf eine von Wein umrankte, schattige Terasse. Ich gönne mir hier ein paar Canneloni, während Anja das Omelett mit Ziegenkäse wählt. Anja ist mit ihrem Gericht sehr zufrieden, während ich allerdings zugeben muss, dass ich schon bessere Nudeln gegessen habe. Gerade in der lieblosen Form wirkt das Ganze doch sehr wie Mikrowellenkost. Ich schätze, hier habe ich wohl einfach das Montagsgericht erwischt – gerade auch, da viele der sonstigen Mahlzeiten, etwa auf Tripadvisor, deutlich leckerer aussehen.

Nett: Belustigt werden wir beim Essen von einem Hund, der offensichtlich zum Restaurant gehört und auf der anderen Seite des Terassenzauns großes Interesse am Geschehen zeigt. Als er dabei auch noch die Schnauze (mehr passt nicht) durch das karoförmige Muster des Zauns steckt, verschlucke ich mich bei dem absurden Bild fast an meinem Essen.

Abstecher nach Filitosa oder lieber doch nicht?

Gut gestärkt und etwas ausgeruht schwingen wir uns wieder aufs Bike und fahren die letzte Etappe bis zu unserem Ziel – der Campingplatz Ras l’Bol. Weit ist es wirklich nicht mehr und eigentlich geht es dabei nur noch bergab.

Dabei erhaschen wir noch ein paar tolle Aussichten auf die vor uns liegende Küste, bevor wir langsam über Serpentinen durch Dörfer wieder auf Höhe des Meeresspiegels ankommen und noch eine letzte Entscheidung treffen müssen: Filitosa oder nicht Filitosa? Eigentlich wollten wir heute noch einen kurzen Abstecher zur uralten Ausgrabungsstätte machen, die quasi auf dem Weg liegt. Nachdem es aber im Laufe der Strecke immer heißer wird, entschließen wir spontan, dass wir die restliche Zeit heute lieber im kühlen Nass des Meeres statt auf einem trockenen Hügel mit Motorradklamotten verbringen wollen.

Ankunft in Ras l’Bol

Zu unserem Erstaunen werden wir in Ras l’Bol nicht nur nett begrüßt, sondern sogar auf Deutsch. Die Rezeptionistin (und Besitzerin?) wechselt beim Gespräch mit uns und anderen Gästen derart fließend zwischen Französisch, Englisch und Deutsch, dass wir uns wundern, ob sie nicht mit allem gleichzeitig aufgewachsen ist. Wie immer sind wir recht früh dran und können uns auch hier den Stellplatz wieder frei aussuchen.

Der Campingplatz ist absolut riesig, quasi zu 100% von Bäumen bedeckt und hat durch den roten Boden, die offen-gestalteten Gebäude und die vielen Palmen fast schon ein afrikanisches Flair. Wirklich toll! Wir fühlen uns jedenfalls sofort wohl.

Nach dem Zeltaufbau kommen wir aber noch nicht zur Ruhe – wir wollen ja schließlich noch den Sprung ins kühle Nass wagen! Dafür müssen wir auch gar nicht weit gehen, denn das Meer befindet sich praktischerweise direkt auf der anderen Straßenseite. Merkwürdigerweise werden wir hier noch von der oben erwähnte Rezeptionistin gewarnt: Das Meer sei heute besonders stürmisch. „Umso besser!“ sagen wir voller Trotz, schließlich war unsere letzte Badeaktion im Meer von Calvi arg wellenarm.

Auf der Düne angekommen, verstehen wir dann aber, was sie meinte: Der Wind trifft uns ins Gesicht wie ein warmer Fön und die Wellen brechen nur so über den Sand herein. Obwohl der Strand gut gepflegt ist und sich hunderte Meter weit erstreckt, können wir nur ein einziges Paar erspähen, das sich ins Meer traut. Egal, jetzt sind wir schon hier, also werden wir halt das zweite Paar!

Mit Anja neben mir wage ich mich Schritt für Schritt ins kühle Nass. Der Druck der Wellen ist dabei so groß, dass ich mich wenig später wundern muss, wo Anja abgeblieben ist: Ihr hat es die Füße weggezogen und sie verschwindet mit ganzem Körper unter Wasser. Als sie kurz darauf (ein paar Meter abseits) wieder auftaucht, ist sie von oben bis unten mit Sand und Steinchen bedeckt und wirkt völlig durch den Wind. „Ich denke, ich gehe lieber raus!“ ruft sie mir entgegen, bevor sie ein paar Schritte gen Strand geht und ihr die rückläufigen Wellen erneut die Beine wegreißen und sie wieder am Sand angespült wird. Jetzt können wir uns beide ein Lachen nicht mehr verkneifen.

Ich spiele derweil noch eine Weile in den Wellen, die mich dank meiner Stämmigkeit (*hust*) nicht so sehr von den Socken hauen wie Anja. Eigentlich ganz lustig, aber irgendwann wird mir die Sache auch zu wild und wir entschließen uns, zum Campingplatz zurückzukehren, damit sich „jemand“ endlich all den Sand und die Steine abduschen kann.

Später am Abend kehren wir noch in das Campingplatz-eigene Restaurant ein und genießen zwei tolle Pizzen, dazu gönne ich mir einen Milkshake und wir beide noch einen Nachtisch. Die Auswahl an Leckereien hier ist recht groß und exotisch, ganz dem Flair des Campingplatzes entsprechend. Zufrieden fallen wir nicht viel später beide auf die Isomatte und freuen uns auf morgen: Denn dann geht es ab nach Bonifacio – die wohl schönste und berühmteste Stadt Korsikas.

Routenüberblick

Datum: 1. Juli 2017
Schwierigkeitsgrad: einfach, viele gut ausgebaute, breite Straßen
Länge: 114 km, ca. 2,5 Stunden Fahrzeit
Eindrücke: Tolle Bergaussichten von ungewöhnlich gut-ausgebauten Straßen. Später teilweise aber auch furchtbarer Straßenbelag.

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Corte, wir kommen! Die Fahrt ins Landesinnere von Korsika https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/porto-bis-corte-es-geht-ins-landesinnere/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/porto-bis-corte-es-geht-ins-landesinnere/#respond Sun, 29 Oct 2017 07:54:32 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4705 Nach drei Tagen am Westufer der Insel führt unsere Route heute ins Landesinnere, nach Corte. Die Fotos, die wir uns von diesem geschichtsträchtigen Ort angesehen haben, zeigen steile […]

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Nach drei Tagen am Westufer der Insel führt unsere Route heute ins Landesinnere, nach Corte. Die Fotos, die wir uns von diesem geschichtsträchtigen Ort angesehen haben, zeigen steile Gassen zwischen schmucklosen Häusern, umgeben von ebenso kargen wie hohen Bergen. Müsste ich Corte nur anhand dieser Fotos beschreiben, würde ich es kühl und ein wenig abweisend nennen. Tja, wie man sich täuschen kann …

Schweine! Überall Schweine!

Ehe wir am Morgen von Porto starten können, müssen wir unser Equipment erst wieder zu unseren abseits geparkten Motorrädern schleppen. Und anschließend natürlich ein petit-déjeuner zu uns nehmen, diesmal im Campingplatzlokal direkt an der schicken Poollandschaft, mit Blick auf die grandiosen Berge dahinter. Daran könnte man sich echt gewöhnen. Wenn nur diese Kalorien (Croissants sind ein Teufelszeug!) nicht wären. Aber das heute besonders anstrengende Beladen der Motorräder hat sicherlich genug davon verbrannt 😉

Nach dem Auschecken fahren wir an die nahe gelegene Tankstelle. Bisher klappt die Spritversorgung prima – wann immer wir Benzin wollen, gibt es auch welches. Ich denke, diesbezüglich braucht man sich auf Korsika wirklich keine Sorgen zu machen. Zudem sind die von uns gefahrenen Strecken ja kilometertechnisch nicht allzu lang, d.h. wir kämen wohl auch locker mal einen oder sogar zwei Tage ohne nachtanken aus. Müssen wir aber nicht, tun wir also auch nicht. Ich habe einfach gerne einen vollen Tank, ehe ich losfahre.

Dergestalt perfekt vorbereitet geht es nun direkt nach Osten, rein in die Berge. Die recht schmale Straße schraubt sich auch gleich mächtig in die Höhe, schon nach wenigen Kilometern sind wir umgeben von rötlich leuchtenden Felsmassiven. Gigantisch schön! Und ein wenig einschüchternd, man kommt sich plötzlich ziemlich winzig vor. Verkehr gibt es nur sehr wenig. Ab und zu begegenen wir dem einen oder anderen Motorradfahrerkollegen – PKWs oder gar LKWs hingegen so gut wie nie.

Dafür kommen wir nun in den Genuss einer der bekanntesten Attraktionen Korsikas: halbwilde Schweine! Richtige Herden dieser muskulösen, dunkelbraun-gescheckten und im Vergleich zu unseren Schweinen eher kleinen Tiere tummeln sich am Rande unserer Strecke.  Und darauf: Mehr als einmal müssen wir bremsen, weil eins davon ungerührt (und fast schon provokant langsam) über die Straße marschiert. Sogar Muttersauen mit ihren niedlichen Ferkelbanden bekommen wir zu sehen. Ein tolles Erlebnis!

Allerdings auch nicht gänzlich ungefährlich. Nicht nur die Tiere selbst bilden ein unberechenbares Verkehrshindernis – auch ihre Hinterlassenschaften verschmutzen die Fahrbahn. Dank unseres Schneckentempos stört uns das nicht besonders. Schnellfahrer sollten hier aber lieber ein bisschen weniger am Gasgriff ziehen. Sich selbst und den Schweinen zuliebe.

Die Umgebung wird zunehmend karger – und kälter. Nach einer Weile fangen Marvin und ich an zu frieren und beschließen, bei der nächsten Gelegenheit anzuhalten und uns wärmer anzuziehen. Kurz danach erreichen wir einen Parkplatz, an dem sich eine Statue sowie ein kleiner Kiosk findet. Prima! Wir stellen die Mopeds ab, gönnen uns je einen Schokoriegel sowie einen Becher heißen Kakao (ja, tatsächlich – so kalt ist es inzwischen geworden) und stellen bei einem Blick auf die Karte fest, dass wir uns gerade auf der Passhöhe des höchsten Passes von Korsika, dem Col de Vergio befinden. Ach! Was für eine nette Überraschung. Irgendwie ist uns bei der Routenplanung ganz entgangen, dass wir über den auch drüberfahren. Wie schön!

Das wandelbare Gesicht der Insel

Von der Passhöhe aus hat man einen herrlichen Blick nach Osten, auf eine Art Hochebene. Ein See blitzt in der Ferne auf (es handelt sich dabei um den Stausee von Calacuccia) und die Landschaft wirkt friedlich und weitläufig. Locker verstreut sieht man überall kleine Ansiedlungen – irgendwie erstaunlich angesichts der wenigen Straßen, die hierherführen.

Die Passstraße führt in gemütlichen Serpentinen bis auf die Hochebene herunter, danach geht es eine ganze Weile lang durch diese eher sanfte Szenerie. Doch Korsika wäre nicht Korsika, wenn sich die Landschaft nicht schnell wieder wandeln würde. Und in der Tat: Schon bald engt sich der Horizont ein und schroffe Felsen ragen auf der einen Seite der Fahrbahn hervor, während es auf der anderen Seite unvermittelt steil nach unten geht. Die Felsen sind nicht ganz so hoch wie die kurz hinter Porto, dafür rücken sie uns näher auf die Pelle. Ab und zu gelingt mir ein Blick in die Tiefe und ich erkenne Wasser am Grunde der Schlucht. Ein weiterer wunderschöner Streckenabschnitt – völlig anders als heute Vormittag, aber nicht minder beeindruckend.


Die heutige Etappe ist nur 100 km lang – fühlt sich aber aufgrund der so stark wechselnden Eindrücke an wie mindestens doppelt so viel. Ich kann nur jedem raten, sich für diese Insel viel Zeit zu nehmen. Man wird so überladen mit landschaftlicher Schönheit, dass man sonst Mühe hätte, alles aufzunehmen.

Wir aber haben glücklicherweise genügend Muße, jede Kurve und jeden Ausblick ausgiebig zu genießen. Und als wir dann wenige Kilometer vor Corte schließlich wieder auf die breite Hauptstraße kommen, machen wir gleich auch noch einen außertourlichen Abstecher nach Norden. Dort gibt es nämlich einen ganz besonderen Laden: Die Biscuiterie der jungen Korsin Anne Marchetti.

Wir gönnen uns eine Auswahl der bis über die Inselgrenzen hinaus bekannten Macarons und nutzen die Gelegenheit für erste Mitbringsel-Einkäufe in Form von etwas haltbareren Leckereien. Dann geht es über die Schnellstraße zurück nach Süden und nach wenigen Minuten erreichen wir Corte.

Hier das Video der heutigen Strecke:

Erholung auf korsisch-französische Art

Da der Wetterbericht heute früh für den Nachmittag/Abend Regen und Kälte angesagt hat, hatten wir überlegt, uns in Corte ein Zimmer zu gönnen. Bisher ist vom angekündigten Wetterumschwung zwar noch nichts zu sehen, wir machen uns aber trotzdem auf die Suche nach einem Hotel. Es ist immer eine angenehme Abwechslung, das Zelt einmal nicht aufbauen zu müssen, Wetter hin oder her.  Die Suche gestaltet sich nicht allzu schwierig, unmittelbar neben dem Stadtzentrum finden wir ein nettes, herrlich altmodisch wirkendes Familienhotel im ersten Stock eines Altbaus. Man begrüßt uns dort dermaßen freundlich, dass wir beschließen zu bleiben, obwohl die unten angekündigten günstigen Zimmer alle bereits ausgebucht sind. Für etwas über 100 Euro bekommen wir ein wunderschönes, geräumiges Zimmer mit Frühstück, samt Schlüssel für eine Garage im Hinterhof, in der wir unsere Motorräder parken können. Die Garage steht uns alleine zur Verfügung, wir können unser gesamtes Gepäck also auf den Mopeds lassen und nur ein paar Klamotten für die Übernachtung nach oben holen. Was für ein Luxus 🙂

Das Zimmer hat zudem noch einen schönen, schmiedeeisernen Balkon. Wir nutzen die Gelegenheit, kochen uns einen Kaffee (im Zimmer stehen ein Wasserkocher sowie ein paar Tütchen mit Instant-Kaffee bzw. Tee bereit), setzen uns auf den Balkon, genießen die Aussicht und futtern uns durch die tatsächlich spektakulär schmeckenden Macarons – Wohlfühlen pur.

Corte – Eine lebendige Stadt

Nach dieser kurzen, aber schönen Erholungspause brechen wir auf zur Stadterkundung. Weit haben wir es nicht, bereits um die nächste Straßenecke beginnt Cortes Altstadt. Überall finden sich Cafés, Restaurants und andere Kneipen, die ihre Tische bis an den Straßenrand verteilt haben, dazwischen immer wieder kleine Läden.

Die Straßen sind total belebt und quirlig, aber wir entdecken nur wenige als Touristen identifizierbare Besucher. Vielmehr scheinen die Einheimischen selbst – jung und alt – das Leben auf der Straße zu genießen. Auch die sonst so typischen Souvenierläden sind hier eher selten vertreten. Corte ist offensichtlich eine lebendige, fröhliche Stadt, ohne sich allzu sehr auf den Tourismus zu fokussieren. Das überrascht uns – gefällt uns aber sehr gut.

Wir kaufen ein paar Kleinigkeiten ein, machen uns dann auf den Weg zur Zitadelle. Um das Gelände betreten zu dürfen, muss man den Eintritt in das ebenfalls dort befindliche Museum bezahlen, was mit knapp 3 Euro pro Person aber ziemlich billig ist. Das Museum selbst hat uns jetzt nicht allzu sehr beeindruckt, ist aber ganz nett, um einen kleinen Überblick über Korsikas Geschichte zu erhalten. Spektakuläre Ausstellungsstücke darf man aber nicht erwarten.

Beim Anstieg zur Zitadelle macht sich meine noch vom Morgen (und gestrigen Abend) überanstrengte Beinmuskulatur bemerkbar. Muss denn hier alles immer so steil bergauf gehen? Kurz vor dem Ziel beschließe ich daher, dass ich hoch genug gestiegen bin – und lasse Marvin die letzten Meter alleine erklimmen. Man muss ja nicht übertreiben. Und die Fotos, die er von oben mitbringt, reichen mir völlig. Auch von ein paar Metern weiter unten ist die Aussicht schon herrlich.

Nach dem Besuch der Zitadelle ist auch Marvin der Meinung, dass wir für heute genug gesehen haben. Auf dem Weg nach unten entdecken wir auch gleich ein bereits geöffnetes Lokal (durchgehender Service ist ein Segen!) und lassen uns sofort nieder. Das 3-Gänge-Menü für unter 20 Euro überrascht mit einem unerwarteten vierten Gang zwischen Hauptgang und Dessert: Korsischer Ziegenkäse mit Feigenmarmelade. Oh Gott, ist das lecker … warum sind wir eigentlich nicht schon viel eher mal nach Korsika gefahren?

Routenüberblick

Datum: 30. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, aber nie viel Verkehr, so dass man langsam fahren kann (und auch sollte)
Länge: 98 km, ca. 3 Stunden Fahrzeit
Eindrücke: Viele! Sehr viele! Und Schweine 😉

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Korsische Klippenfahrt: Atemlos von Calvi nach Porto https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/korsische-klippenfahrt-atemlos-von-calvi-nach-porto/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/korsische-klippenfahrt-atemlos-von-calvi-nach-porto/#respond Sun, 24 Sep 2017 08:49:02 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4690 Heute wird ein guter Tag. Irgendwie ist uns das schon sofort nach dem Aufstehen klar. Aus der etwas trübsinnigen Laune und den Hitzeanstrengungen von gestern erhebt sich heute […]

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Heute wird ein guter Tag. Irgendwie ist uns das schon sofort nach dem Aufstehen klar. Aus der etwas trübsinnigen Laune und den Hitzeanstrengungen von gestern erhebt sich heute wieder Abenteuerlust und Urlaubsfeeling, ganz wie der Phönix aus der Asche – oder zumindest einer aus dem Bett. Die neu gefundene Motivation kann nämlich auch einfach daher rühren, dass wir ganze 12 Stunden durchgeschlafen haben und heute erst um 8 Uhr von der Isomatte gerollt sind. Gestern standen wir zu dieser Zeit schon mit einem Fuß auf dem Bike. Aber auch die Temperatur ist merklich erträglicher und das Wetter scheint uns keine Probleme zu machen.

Nach unserem ersten, typisch französischen „Petit-Déjeuner“, das es hier in Camping Paduella besonders billig gibt (5,50 € für zwei halbe Baguettes, zwei Croissants, Aufstrich und Café au Lait), packen wir alles zusammen, schwingen uns gestärkt auf die Motorräder und fahren wieder auf die Piste.

Windige Fahrt durch korsische Täler

Heute freue ich mich besonders auf die vor uns liegende Strecke, da es zum ersten Mal auf Korsika so richtig in Richtung Süden geht und wir dabei die berühmte Westküste miterleben werden, die im Laufe der Jahrmillionen durch die Wellen des Mittelmeeres zu einer schroffen Landschaft aus Klippen geformt wurde – ganz im Gegenteil zur Ostküste, an der man eher flache Strände findet. Als absoluter Berg- und Kurvenenthusiast erhoffe ich mir daher eine atemberaubende Fahrt.

Doch auch schon die erste Etappe der heutigen Strecke macht – so ganz ohne Klippen – bereits unerwartet viel Spaß. Nachdem wir ohne große Umwege aus Calvi herauskommen, biegen wir in Richtung südliches Inland ab und fahren über breite Straßen durch eine Landschaft, die mich regelrecht an den Wilden Westen erinnert: Nicht so sehr die unendlichen Wüsten voller Staub und Sand, sondern eher die etwas grasigen, weiten Täler, besiedelt von Ranches mit Holzzäunen und umringt von Bergen. Nur wirkt hier alles etwas gelblicher und wärmer – ein Merkmal von Korsika im Allgemeinen. Das ganze fährt sich sehr entspannt und wir haben Glück, dass uns die Straße fast komplett allein gehört.

Nicht viel später streifen wir den Rand eines solchen Berges und es geht allmählich bergauf. Ein nettes Highlight der Strecke erwartet uns ganz oben. Denn auf Passhöhe wurde die Straße schlicht quer durch den Fels gehauen. Der dadurch entstandene Windkanal fegt Anja beinahe von der Straße als sie mit dem Herumfummeln an der Helmkamera beschäftigt ist. Ich bekomme davon aufgrund des abbrechenden Funkkontaktes herzlich wenig mit und freue mich über die Erfrischung. Außer einem Adrenalinschub und viel Gefluche bleibt der Vorfall aber glücklicherweise ohne schlimmere Folgen.

Ab Galéria: Jetzt geht es richtig los

Nach etwa der Hälfte der heutigen Strecke kommen wir bei Galéria beinahe wieder bis auf den Meeresspiegel herunter, biegen nach links über eine Brücke ab und beginnen den zweiten Teil der Tour – und der hat es in sich. Wie man etwa auch der Übersichtskarte ganz unten entnehmen kann, geht es jetzt mit den Serpentinen erst richtig los. Die sehr kurvige Strecke führt uns an Hängen durch Täler und Hügel, die sich wie Wellen in Richtung Horizont ergießen und dabei bläulich verblassen. Hier fällt uns sofort ein weiteres Merkmal Korsikas auf: Der dichte, sattgrüne Bewuchs auf den Bergen wirkt teilweise fast wie ein kolumbianischer Regenwald. Hier mögen die Bäume zwar nicht allzu hoch sein, aber wenn ganze Gebirge fast bis zur Spitze komplett grün ummantelt sind – ein wenig wie ein nicht enden wollender Brokkoli – ist das doch ein markanter Anblick.

Eine Begegnung der dritten Art

Direkt auf der Grenze zwischen dem Départements Haute-Corse und Corse-du-Sud halten wir auf einem Aussichtspunkt an. Hier wurde wohl nicht umsonst eine politische Linie gezogen, denn auch geographisch ist sofort ein deutlicher Unterschied zu erkennen: Während die Strecke bislang durch das Inland und durch Täler verlief, sehen wir nun plötzlich das Meer in all seiner Pracht vor uns. Statt über Hügel geht es jetzt offenbar an Klippen entlang.

Der Ausblick ist atemberaubend – und ohrenbetäubend, denn gerade als wir das Panorama auf uns wirken lassen, scheppert es plötzlich von überall her: Ein lautes Geräusch ist zu hören, das bis in den Brustkorb dröhnt. Keine 50 Meter über uns hat uns gerade ein Düsenjet überflogen. Und nicht nur das: Kurz darauf schlägt er eine Fassrolle und stürzt in eines der Täler vor uns hinab. Zuerst denken wir, dass er sich dabei übernommen hat, aber er schafft es tatsächlich, die Maschine im letzten Moment noch nach oben zu reißen – dem Anschein nach noch knapper über den Baumkronen als zuvor über unseren Köpfen. All das zur großen Belustigung der vielen anderen Reisenden, die genauso wie wir einen kleinen Zwischenstopp auf dem Hang eingelegt haben.

Ganz unabsichtlich war das Kunststück wohl nicht. Nach ein wenig Recherche finden wir heraus, dass es auf der anderen Seite der Insel einen Militärflugplatz gibt und die Truppen im Sommer die Insel gerne als Spiel… ähm Trainingsplatz nutzen. Obwohl wir in Foren sogar von Touristen lesen, denen der Lärm einen Strich durch ihren ruhigen Strandurlaub gemacht hat, sollte das unsere einzige Begegnung mit einem Düsenjet auf Korsika bleiben.

Klippenfahrt nach Porto

Zurück auf dem Bike schlängeln wir uns anschließend durch dutzende Kurven am Berghang weiter in Richtung Süden – immer mit dem Meer als stetem Begleiter auf der rechten Seite. Dieser Teil der heutigen Strecke gefällt mir am besten: Als Motorradfahrer freue ich mich ja bereits, wenn ich entweder gut ausgebaute Straßen, Bergfahrten oder Meeresblick genießen kann. Aber alles zusammen hatte ich so noch nie.

Auf dem Weg nach Porto passieren wir auch ein paar Bergdörfer, die aber alle eher unspektakulär sind und uns vor allem durch ihre lustigen Bäume am Straßenrand in Erinnerung bleiben. Viel spannender wird es wenig später, als wir die letzten paar Kurven kurz vor Porto erreichen. Die befinden sich nämlich 150 Meter über dem Meer, mit einem fast vertikalen Hang. Es sagt wohl viel über kulturelle Unterschiede aus, dass der einzige Fahrbahnschutz, den die Korsen hier für nötig gehalten haben, eine 50cm hohe Steinmauer ist.

Abgesehen von der Angst um unser Leben ist die Aussicht dafür natürlich unschlagbar. Das denken sich offenbar auch viele andere Touristen, denn die Straße ist ordentlich befahren. Darunter finden sich zu unserem Erstaunen auch massive Wohnmobile, die aufgrund des Überhangs an der einen Seite und der Klippe auf der anderen kaum um die Kurven kommen. Eine wirklich rasante Fahrt sollte man hier also nicht erwarten. Die Gesundheit dankt es.

Nach einem letzten Schlenker sehen wir Porto endlich vor uns und es geht langsam bergab. Wir nähern uns rasch dem Meeresspiegel und kommen kurze Zeit später im ersehnten Ort an und quartieren uns im angepeilten Camping Les Oliviérs ein.

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Ausflug in die Calanche

Wer sich etwas mit Korsika auskennt, weiß, dass Porto direkt neben der berühmten Calanche liegt – UNESCO-Weltkulturerbe und eine der schönsten Felsformationen der ganzen Insel. Leider liegt sie nicht direkt auf unserem Weg, weshalb wir noch schnell einen außertourlichen Schlenker machen. Nach ungefähr 15 Minuten Fahrt von Porto durch einen Wald erreichen wir dann auch schon die Sehenswürdigkeit und staunen über die schroffen, roten Felsen, die sich auf bröckeligen Kämmen und Säulen gen Himmel erheben.

Ebenso staunen wir allerdings auch über die vielen Fußtouristen, die die schmale Straße verstopfen und ungeachtet der Fahrzeuge fröhlich Fotos machen, wo es ihnen passt. Nichtsdestotrotz lohnt sich der kleine Umweg, wenn man nicht ohnehin schon über diese Straße nach Süden fährt.

Kurze Zeit später kommen wir in Piana an, das offiziell als eines der schönsten Dörfer Frankreichs gekennzeichnet ist. Wir bekommen davon aber leider nicht all zu viel mit, da wir schon am Dorfeingang ein Restaurant und einen Parkplatz erspähen und uns sofort ködern lassen. Manchmal geht der Hunger eben vor. Nach einer ordentlichen Portion Spaghetti Carbonara für mich und einem Salat für Anja drehen wir wieder um, erleben die Calanche ein zweites Mal und fahren zurück nach Porto, um den restlichen Teil des Tages „zu Fuß“ zu genießen.

Feierabendprogramm in Porto

Camping Les Oliviérs liegt etwas versteckt im hinteren Teil der Bucht von Porto, hat dafür aber eine außergewöhnliche Lage. So liegt der Campingplatz steil am Hang und bietet seine Stell- und Zeltplätze auf dutzenden Terrassen an, die ein wenig wie chinesische Reisfelder wirken. Nachdem wir unser Zelt irgendwo auf mittlerer Höhe aufgebaut haben, genießen wir gleich einmal die frei zugängliche Poolanlage und entspannen ein paar Runden im kühlen Nass.

Ehe wir uns versehen, ist es dann aber auch schon Abend und wir machen uns auf zum Hafen von Porto. Als wir nach 25 Minuten Laufweg endlich ankommen, finden wir uns in einer gepflasterten Buchtpromenade wieder, in der wilde Wellen peitschen. Erst nachdem wir auf die andere Seite einer Häuserfront schauen, entdecken wir den eigentlichen Strand (voller Steine und ähnlich wilden Wellen) und einen kleinen Bereich, in dem man mit seinen Booten anlegen kann. Viel größer ist Porto eigentlich auch nicht – dafür hat es hier unten mächtig Charme: Die wenigen Häuser, die in der Bucht stehen, sind romantisch wie eine kleine Altstadt zusammengebaut und bieten Touristen mit zahlreichen Restaurants, Hotels und Souvenir-Shops ein erstaunliches Programm.

Leider sind wir wieder einmal zu früh dran, denn wie überall auf Korsika (und in Frankreich?) üblich, machen die Restaurants hier erst um 19.00 Uhr auf. Es scheint wohl eine deutsche Angewohnheit zu sein, dass uns der Magen aber schon ab 17.00 Uhr knurrt. Egal, dann besichtigen wir eben noch ein wenig die kleinen Gassen und genießen die Aussicht. Irgendwie bekommen wir die Zeit dann schließlich doch noch rum und setzen uns in ein gemütliches Restaurant mit Blick auf die Wellen. Heute fühlen wir uns so richtig wie eine Made im Urlaubsspeck. Mir fällt auf, dass ich anscheinend noch nie klischeehaft auf einer Insel im Mittelmeer in einer Bucht mit Meerblick gesessen bin und mir dabei ein üppiges 3-Gänge-Menü im Sonnenuntergang gegönnt habe. Was soll ich sagen? Manchmal hat Kitsch eben auch seine Vorzüge.

Routenüberblick

Datum: 29. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, gerade die Klippen können einem Angst machen
Länge: 73 km, ca. 2 Stunden Fahrzeit
Eindrücke: Zuerst durch Täler, dann an Klippen entlang, mit fantastischen Aussichten

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St. Florent bis Calvi – Über Wüstenhitze und Gewitter https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/st-florent-bis-calvi-von-wuestenhitze-und-erfrischenden-gewittern/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/st-florent-bis-calvi-von-wuestenhitze-und-erfrischenden-gewittern/#respond Thu, 24 Aug 2017 16:54:31 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4578 In der Nacht kühlt es kaum ab und es ist sehr stickig im Zelt. Mein Schlaf ist entsprechend unruhig. Als ich am Morgen von der aufgehenden Sonne geweckt […]

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In der Nacht kühlt es kaum ab und es ist sehr stickig im Zelt. Mein Schlaf ist entsprechend unruhig. Als ich am Morgen von der aufgehenden Sonne geweckt werde, fühle ich mich wie gerädert. Na, das kann ja heiter werden… apropos heiter: Ich schnappe mir mein Handy und schaue nach dem Wetterbericht. Über 30 Grad sind angesagt – schon wieder. Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer: Etwas weiter südlich soll es an der Küste gewittern und abkühlen, auf lauschige 27 Grad. Ob das auch auf Calvi zutrifft? Das wäre toll! Da wollen wir nämlich heute hin.

Kurze Etappen – und viel Zeit für andere (schöne) Dinge

Korsika ist nicht sehr groß. Wenn es uns nur ums Motorradfahren ginge, so könnten wohl selbst Langsamfahrer wie wir die Insel in drei, vier Tagen abfahren – genügend Sitzfleisch vorausgesetzt. Doch wir haben uns bei der Tourenplanung ganz bewusst dazu entschieden, auch anderen Aktivitäten viel Freiraum einzuräumen. Daher haben wir jeden (Fahr-)Tag so geplant, dass wir nicht erst abends am Ziel ankommen, sondern nach dem Aufbau des Zeltes noch genügend Zeit zum Baden und/oder Erkunden der Umgebung haben werden.

Das ist bei der aktuell herrschenden Gluthitze sicher eine gute Entscheidung. Müsste ich in voller Motorradkluft sechs, sieben Stunden fahren, so würde ich wahrscheinlich irgendwann zwischendrin einfach vom Moped kippen. Aber so liegen heute nur etwas über 90 Kilometer Strecke vor uns. Wobei man das auf Korsika nicht unterschätzen darf: Nicht umsonst geben Einheimische hier die Fahrzeit an und nicht die Kilometer, wenn man sie nach der Entfernung zu irgendeinem Ort befragt. Trotzdem sollten wir für die heutige Etappe nicht mehr als zwei bis drei Stunden brauchen.

Die „Wüste“ Korsikas

Wir zelebrieren unser übliches Morgenritual – frühstücken, Zelt abbauen und packen – und fahren los. Gestern haben wir von St. Florent nichts mitbekommen (der Campingplatz liegt drei Kilometer vor dem eigentlichen Ort), aber heute tuckern wir mitten hindurch. Ein nettes kleines Städtchen in hübscher Lage!

Gleich nach St. Florent führt die Straße uns nach oben, wird kurvig und die Umgebung zunehmend felsiger. Désert des Agriates heißt die Gegend hier – Agriatenwüste. So, wie ich mir eine Wüste vorstelle – ohne Pflanzen, dafür mit Sand und Kamelen – sieht es hier zwar nicht aus, denn ein bisschen Bewuchs ist überall zu finden (Kamele jedoch keine), allerdings wirkt die Gegend tatsächlich einsam und trocken. Und es ist heiß, sehr heiß! Trotz leichter Bewölkung steigt das Thermometer sogar bis über die angekündigten 30 Grad. Bei jedem Pausenstopp fühlt man sich wie in einem Backofen – weshalb wir diese auch recht kurz gestalten. Nur schnell ein paar Schlucke aus der Wasserflasche, ein paar Fotos machen und weiter.

Beim Fahren lassen wir die Jacken geöffnet und verzichten auf Handschuhe (auf ein Halstuch sowieso), trotzdem ist die Situation für mich schwer zu ertragen. Mir macht die Hitze deutlich mehr zu schaffen, als ich gedacht hätte. Ich bin schnell erschöpft, fühle mich ausgelaugt und überfordert – und meine Unternehmungslust und meine Laune sinken rapide, trotz der prachtvollen Umgebung, der wunderbar kurvigen Strecke und der immer wieder tollen Ausblicke. Mist! Ich denke sogar darüber nach, ob ich Marvin am Abend nicht vorschlagen sollte, die Reise vorzeitig abzubrechen und vielleicht doch lieber zu einer anderen Jahreszeit wiederzukommen…

Kurven und Kameraexperimente

Doch zuerst gilt es, das heutige Ziel zu erreichen. Ich versuche die Hitze zu ignorieren und konzentriere mich stattdessen auf das Fahren. Und auf unsere neue Helmkamera. Die kommt nämlich jetzt zum ersten Mal so richtig zum Einsatz. Wir haben das Ding ein paar Monate vor unserem Urlaub als Vorführmodell billig erwerben können (ein typischer Spontankauf – war aber echt supergünstig). Zum Filmen habe ich sie nun rechts neben meinem Visier am Helm befestigt. Die Aufnahmen können über eine Art Fernbedienung gestartet werden, die ich an meinem Lenker angebracht habe.

So ganz komme ich damit noch nicht zurecht: Wenn ich Fernbedienung und Kamera die ganze Zeit eingeschaltet lasse, kann ich zwar spontan – sobald etwas Hübsches vor uns auftaucht – die Aufnahmetaste drücken, gleichzeitig verbraucht die Kamera dann aber auch ziemlich viel Strom und der Akku hält nicht lange. Schalte ich beide Geräte jedoch ab, so muss ich immer erst blind tastend die Kamera an meinem Helm anschalten, dann die Fernbedienung, anschließend warten, bis diese sich mit der Kamera verbunden hat … und erst DANN kann ich aufnehmen. Bis dahin liegen die interessanten Streckenabschnitte meist schon wieder hinter uns. Sicherlich gibt es hier auch elegantere Vorgehensweisen, doch die kenne ich noch nicht.

Ich probiere also ziemlich viel herum und bin damit recht gut beschäftigt. Marvin jage ich einige Riesenschrecken ein, weil ich beim Rumfummeln an Kamera und Fernbedienung immer wieder so weit hinter ihm zurückbleibe, dass er jedesmal befürchtet, ich hätte einen Unfall gehabt. Nach einer Weile kündige ich es daher lieber über’s Interkom an, sobald ich wieder vorhabe, mit der Kamera zu spielen 😉

Dörfer, an den Hang geklebt

Lässt man mal die abartige Hitze beiseite, so ist die D81 durch die Désert des Agriates wunderbar kurvig, sehr kurzweilig und bietet immer wieder tolle Ausblicke über diese „Felsenwüste“. Irgendwo hier soll übrigens auch eine (Schotter-)Straße zum angeblich schönsten Strand Korsikas abzweigen. Diesen Tipp haben wir von einem anderen Korsika-Urlauber gestern erhalten, der meinte, mit unseren geländegeeigneten Motorrädern könnten wir diese Straße zum Strand wohl problemlos fahren. Uns ist aber nicht nach Zwischenstopp. Wir (insbesondere ich) wollen lieber ankommen.

Die Straßenqualität ist durchgehend erfreulich gut und lässt sich zügig befahren. Recht schnell erreichen wir die Schnellstraße T30 und cruisen ein kleines Stückchen direkt am Meer entlang. Ehe wir jedoch nach L’Île-Rousse kommen, biegen wir wieder in Richtung Berge ab. Der Umweg durch die hier zahlreich am Hang angesiedelten Bergdörfchen ist nämlich lohnenswert: Rechterhand hat man immer wieder wundervolle Ausblicke auf das Meer oder die Ebene unter uns, während die kleinen Örtchen mit ihrem ganz eigenen, knorrigen Charme verzaubern.

Uns fällt auf, dass viele Radfahrer auf diesen Strecken unterwegs sind. Wegen der teilweise wirklich sehr engen Straßen würde ich hier niemals mit einem Fahrzeug fahren wollen, das größer als ein PKW ist – aber mit dem Rad ist es bestimmt auch schön. Wenn vermutlich auch anstrengend, gerade bei der aktuell herrschenden Hitze. Ebenfalls auffällig ist, dass die Straßen hier oben teilweise in deutlich schlechterem Zustand sind – allerdings nur auf kurzen Abschnitten. Das macht das Fahren etwas abenteuerlicher, stört aber sonst nicht.

Hier das Video, das ich aus den Ergebnissen meiner Kameraexperimente zusammengeschnitten habe. Ich entschuldige mich für die laienhafte Qualität (aber ich bin ja auch ein Laie ;-)), einen kleinen Eindruck der gefahrenen Strecke kann es hoffentlich trotzdem vermitteln:

Koller in Calvi

Kurz vor Lumio erreichen wir die Schnellstraße nach Calvi und wenige Minuten später auch den von uns ausgewählten Campingplatz Paduella. Obwohl wir nur 2,5 Stunden unterwegs gewesen sind (Pausen haben wir ja kaum gemacht), bin ich fix und fertig. Ich weiß auch nicht, warum mich die Hitze so extrem belastet (vielleicht ’ne Alterssache?), aber ich kann mich kaum noch bewegen, ohne gefühlt kurz vor dem Zusammenbruch zu sein. Diese Temperaturen bringen mich um! Die leichte Bewölkung während der Fahrt hatte mir Hoffnung gemacht – aber jetzt? Der Himmel ist strahlend blau und es sieht so aus, als würde es noch tagelang so bleiben! Das schaffe ich nicht. Ich will heim – und sage das Marvin auch. Der schaut mich ungläubig an, merkt aber, dass es mir ernst damit ist. Geduldig redet er auf mich ein – jedoch erst als er mir verspricht, dass wir wirklich vorzeitig nachhause fahren, wenn es mir in den nächsten beiden Tagen nicht besser geht, beruhige ich mich.

Wir suchen uns einen schönen schattigen Platz für unser Zelt (der Campingplatz ist übrigens sehr hübsch, doch dafür habe ich gerade kein Auge), ziehen uns um und marschieren zum nahe gelegenen Strand. Das angenehm temperierte Wasser versöhnt mich etwas, ich spiele „Tote Frau“ und treibe neben dem fröhlich planschenden Marvin vor mich hin. Nachdem wir uns ausgiebig abgekühlt haben, marschieren wir zurück zum Campingplatz – und sind nach nur wenigen Metern erneut vollkommen durchgeschwitzt. Aaaarrrggh.

Endlich Gewitter

Gegen sechs Uhr knurren unsere Mägen und wir brechen auf nach Calvi, um dort ein Restaurant zu suchen. Allerdings kommen wir nicht weit, denn nun passiert das Langersehnte: In erstaunlich kurzer Zeit zieht der Himmel zu. Begleitet von einem heftigen Gewitter wird ein Ozean aus Regenwasser über uns ausgegossen. Wir laufen so schnell wir können zurück zum Campingplatz, sind aber trotzdem pitschnass, bis wir dort ankommen. Ich bin begeistert. Endlich kühlt es ab!

Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei und die Luft fühlt sich deutlich angenehmer an (Marvins Bordthermometer verrät uns später, dass es nur noch 26 Grad hat). Wunderbar! Allerdings haben wir jetzt keine Lust mehr, die 30 Minuten nach Calvi zu laufen. Wir finden aber ein angenehmes Restaurant direkt am Strand, mit gutem Essen und tollem Blick auf die Bucht. Der Urlaub ist gerettet – und ich schlafe heute Nacht sicherlich wesentlich besser!

Routenüberblick

Datum: 28. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, angenehm kurvig, weitestgehend gute Straßenqualität
Länge: 92 km, ca. 2,5 h Fahrzeit (!)
Eindrücke: Heiß, sehr heiß – aber abgesehen davon landschaftlich wundervoll!

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Bastia bis St. Florent – Unser erster Tag auf Korsika https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/frankreich/korsika-2017/bastia-bis-st-florent-der-erste-tag-auf-korsika/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/frankreich/korsika-2017/bastia-bis-st-florent-der-erste-tag-auf-korsika/#respond Tue, 08 Aug 2017 08:39:20 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4532 Sanfte Wellengeräusche und leichtes Schaukeln. Viel mehr Sinneseindrücke liefert mir meine Umgebung nicht, als uns der Wecker im Dunkeln aus dem Bett reißt. Langsam lichtet sich die Schlaftrunkenheit […]

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Sanfte Wellengeräusche und leichtes Schaukeln. Viel mehr Sinneseindrücke liefert mir meine Umgebung nicht, als uns der Wecker im Dunkeln aus dem Bett reißt. Langsam lichtet sich die Schlaftrunkenheit und ich erinnere mich, dass wir immer noch auf der Nachtfähre nach Korsika sind (ersparen wir uns durch die Überfahrt bei Nacht doch einige Tage Reisezeit). Innerlich hoffe ich, dass Anja den Radau vielleicht überhört hat und ich noch 10-15 harmlose Minütchen weiterschlafen kann, aber das Rascheln im oberen Bett verrät mir, dass daraus wohl nichts wird. Leider müssen wir heute so früh aufstehen, weil wir laut Fähren-Webseite die Kajüte spätestens eine Stunde vor der Ankunft verlassen sollen – weshalb wir den Wecker zum Anziehen, Zähneputzen und Packen auf 5 Uhr gestellt haben. So wirklich meine Zeit ist das nicht, aber nun gut – wer abenteuerlich sein will, muss leiden.

Mit mäßigem Elan machen wir uns fertig, verlassen in voller Motorradkluft kurz vor 6 Uhr das Zimmer und sehen… nichts. Auf dem Gang draußen herrscht gähnende Leere. Anscheinend nehmen es unsere Mitpassagiere mit den Auscheckzeiten nicht ganz so genau. „Na toll“, denke ich mir, „da hätte ich auch noch weiterschlafen können!“ Immerhin sind wir so die ersten im Frühstücksrestaurant. Dort gönnen wir uns erst einmal ein Croissant und einen Kaffee und werfen anschließend einen Blick gen Westen. Und da ist es endlich: Korsika!

Schon von weitem erkennt man, woher die Insel ihren Beinamen „Gebirge im Meer“ hat: Von hier aus scheint sie nur aus einem endlosen Bergkamm zu bestehen. Die Hafenstadt Bastia taucht erst viel später aus dem dunklen Schatten der Hintergrundkulisse auf. Spätestens jetzt sind wir hellwach und voller Vorfreude auf unser Ziel.

Korsika, wir kommen!

Wir beobachten vom Deck aus, wie die Fähre immer näher an Bastia heranrückt und schließlich vor dem Hafen hält, wo der Kapitän sie geschickt rückwärts in eine Bucht einparkt. Wirklich schnell geht das alles nicht, und als es mit dem Entladen der Fahrzeuge losgeht, ist es bereits 7:30 Uhr – bzw. fast 8 Uhr, als wir als Motorradfahrer endlich an der Reihe sind. Dafür ist das alles sehr gut koordiniert: Es wird über den Schiffslautsprecher durchgegeben, wann es Zeit ist, sich zu seinem Parkdeck zu begeben. Die Verspätung beunruhigt uns auch nicht, denn wir haben die heutige Reiseplanung spontan etwas entspannt: Ursprünglich wollten wir noch einen Schlenker um das Nordkap von Korsika machen, aber wegen der Strapazen bei der Wüstendurchquerung gestern fahren wir doch lieber direkt über den Berg – was kilometertechnisch absolut keinen Marathon darstellt – und gönnen uns einen Pausetag.

Nach dem Entladen fahren wir daher statt nach Norden eher in Richtung Süden, um zum Col de Teghime zu gelangen. Der Weg führt uns anfangs an der Hafenpromenade von Bastia über eine Schnellstraße (bzw. Staustraße) entlang, bis wir rechtwinklig nach Westen abbiegen. Ab jetzt geht es bergauf – und zwar ordentlich. Die Straßen werden immer kleiner und keine zwei Kilometer später fahren wir bereits die ersten Serpentinen. Wir können kaum glauben, wie schnell wir auf die Passhöhe von 500 Metern kommen, und haben dabei richtig Spaß.

Oben halten wir kurz an und genießen die Aussicht. Von hier hat man einen fantastischen Blick zurück auf Bastia und die weiterlaufende Küste. Auch ein merkwürdiges Monument findet sich hier, das einem mit Steinen umringten Scheiterhaufen ähnelt – wer oder was hier wohl verbrannt wurde?

Erfrischt schwingen wir uns auf die Bikes und fahren auf der anderen Seite wieder herunter. Die damit einhergehende Hitzewelle ist ernüchternd, aber immerhin sind wir schon fast am Ziel. Nach ein paar Kilometern Fahrt durch ein recht trockenes Tal entdecken wir unseren Campingplatz Camping D’Olzo am Wegesrand vor St. Florent – und sind bei 30+ C° (am frühen Morgen!) heilfroh, uns gegen den Abstecher zum Cap Corse entschieden zu haben (auch wenn wir gehört haben, dass sich die Fahrt an der Küste entlang lohnen soll). So haben wir von der Fähre bis zum Ziel nur ca. 20 km zurückgelegt – was sich durch die Überquerung des Gebirgskammes aber nach mindestens doppelt so viel angefühlt hat. Ab jetzt heißt es Entspannen!

Eine kleine Oase bei St. Florent

Das fällt uns hier glücklicherweise leicht: Der Campingplatz ist gemütlich in einem schattigen Wald versteckt, der uns vor den schlimmsten Sonneneinwirkungen schützt und reichlich Stellplätze bietet. Neben großen Sanitäranlagen und Waschräumen stehen auch eine Pizzeria, ein Pool und ein Minimarkt auf dem Gelände zur Verfügung. So lässt es sich leben! Wir nutzen die viele Freizeit heute zum Mittagessen, Wäsche waschen und Baden gehen – denn der Campingplatz liegt nur unweit von einem Badestrand entfernt. Gerade für mich ist das ein spannendes Erlebnis, da ich wohl das letzte Mal mit 13 im Meer baden war.

Der Weg zum Strand zieht sich leider ein wenig und wir werden noch einmal ziemlich durchgebraten. Unser einziger Wegbegleiter ist dabei ein lauter Zikadenchor – die Anwohner selbst sind wohl längst vor der Hitze in ihre Häuser geflüchtet. Als die blaue Rettung endlich in Sicht kommt, sind wir zwar erleichtert, müssen aber feststellen, dass der Strand hier nur aus toten Algen besteht. „Wurscht“, sage ich mir – „den Weg bin ich jetzt sicherlich nicht umsonst gekommen“, klettere über die Algenklippen und arbeite mich ins kühle Nass vor. Anja folgt mir dabei etwas zaghaft. Als wir dann aber zusammen entdecken, dass sich der gemütliche Sand wohl eher im Meer als am Ufer versteckt, haben wir richtig Spaß und lassen uns eine ganze Weile von den Wellen treiben. Daran, dass man Salzwasser besser nicht ins Gesicht bekommen sollte, muss ich mich aber erst wieder gewöhnen.

Zurück am Campingplatz lassen wir unseren ersten Tag auf Korsika gemütlich bei zwei (oder drei) Pizzen und einem Glas Wein ausklingen. Mittlerweile bläst ein erfrischender Wind durch die Bäume und wir fallen glücklich und wohltemperiert ins Bett, in gespannter Erwartung auf den nächsten Tag  – denn dann heißt es: Auf nach Calvi!

Routenüberblick

Datum: 27. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: mittel
Länge: 21 km, ca. 40 min Fahrzeit
Eindrücke: Die Strecke ist sehr kurz, führt aber direkt über den Bergkamm. Es geht also hoch hinauf und man hat eine tolle Aussicht.

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Domaso bis Genua – Heute wird es langweilig … oder doch nicht? https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/domaso-bis-genua-heute-wird-es-langweilig-oder-doch-nicht/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/domaso-bis-genua-heute-wird-es-langweilig-oder-doch-nicht/#respond Fri, 04 Aug 2017 05:14:02 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4358 Endspurt Anreise, heute wollen wir endlich Genua erreichen – und somit unsere Nachtfähre nach Korsika. Doch schon jetzt können wir sagen, dass es sich auf alle Fälle gelohnt […]

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Endspurt Anreise, heute wollen wir endlich Genua erreichen – und somit unsere Nachtfähre nach Korsika. Doch schon jetzt können wir sagen, dass es sich auf alle Fälle gelohnt hat, die Strecke auf drei (gemütliche) Etappen aufzuteilen. Die beiden letzten Tage waren bereits Urlaub pur!

Das westliche Ufer des Comer Sees

Wir gehen den Tag entspannt an, bestellen Frühstück an der Campingplatzbar (das ist überraschend günstig:  pro Person 4,90 Euro für je zwei Semmeln, 2x Marmelade, 2x Butter und einen großen Cappuccino) und essen gemütlich auf der Terrasse, mit Blick auf den um diese Uhrzeit sehr ruhigen See.

Noch ist die Hitze erträglich, daher packen wir gleich nach dem Frühstück zusammen und brechen auf, ehe wir wieder kräftig ins Schwitzen geraten. Die Straße nach Süden führt direkt am Ufer des Sees entlang und ist wunderbar zu fahren. Der Verkehr ist hier etwas dichter, was uns aber nicht stört. Die Strecke ist angenehm kurvig und die Orte, die sich hier aneinanderreihen, sind wirklich hübsch. Überall sieht man typisch italienische Gebäude und viele Hotels, denen man ihr Alter zwar ansieht, die aber trotzdem nichts von ihrem Charme eingebüßt haben.

Nach knapp einer Stunde ist der südlichste Punkt des Sees erreicht – und somit auch das Ende des landschaftlich schöneren Teils der heutigen Strecke. Ab jetzt heißt es Gas geben auf der Autobahn. Die Po-Ebene ist alles andere als fahrerisch abwechslungsreich, also nix wie durch! Knapp 200 km sind es von hier aus noch bis zum Hafen von Genua und wir wenden unsere übliche Autobahn-Taktik an: regelmäßig eine Pause einlegen. Wegen der nun schon ziemlich ermüdenden Hitze (über 30 Grad) machen wir das alle 70 – 80 km, bei einem kühlen Getränk und einem kleinen Snack.

Das läuft erfreulich gut und wir kommen schnell voran. Nur die Mautstationen auf der Autobahn (insbesondere die rund um Mailand) sorgen für einige Adrenalinschübe:

Der Fluch der Mautstation!

Die erste Station erwischt uns kalt gleich nach einer Kurve (Waren da wirklich Schilder? Da waren doch keine Schilder, oder?). Hastig fahren wir an die nächstbeste Schranke – und natürlich handelt es sich dabei um eine ohne Personal und an der auch nur mit spezieller (italienischer?) Karte gezahlt werden kann. Glücklicherweise steht hinter uns bisher kein weiteres Fahrzeug, also können wir die Mopeds rückwärts schieben und eine andere Spur wählen. Ging ja noch mal gut!

Bei der nächsten Station sind wir schon aufmerksamer und achten extra darauf, dass über der gewählten Spur „Cash“ steht … übersehen aber nun den Hinweis darauf, dass es sich hierbei um einen Automaten handelt, also wieder kein Mensch daneben sitzt. Prompt reihen sich diesmal auch gleich mehrere Autos hinter uns ein und versperren den Fluchtweg. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, irgendwie müssen wir hier durchkommen!

Hektisch schiebe ich meine EC-Karte in einen Schlitz, der mir dafür passend erscheint. Die Karte kommt umgehend zurück (immerhin) und eine italienische Ansage will mir irgendetwas mitteilen, was ich aber mangels ausreichender Italienischkenntnisse nicht verstehe – und unter dem Helm erst recht nicht. Schon leicht panisch versuche ich es mit der Kreditkarte, aber auch die wird wieder ausgespuckt. Die Automatenstimme wird immer lauter (für mich aber trotzdem nicht verständlicher) und die Gebührenanzeige (es geht um 3 Euro pro Motorrad) blinkt wie wild.

Ich gucke in den Rückspiegel und sehe, dass das Gesicht des Autofahrers hinter mir schon ziemlich finster wirkt. Gleich fängt er an zu hupen, wetten? Vollends entnervt kratze ich mit Müh und Not 3 Euro in Münzen zusammen. Über das Interkom bitte ich Marvin, sich neben mich zu stellen und auf mein Kommando zu warten. Ich füttere den Automaten mit den Münzen, die Schranke öffnet sich (endlich), ich rufe „Los!“ – und schön nebeneinander fahren wir beide gleichzeitig hindurch. Ja ja, ich weiß, jetzt haben wir die italienische Autobahngesellschaft um 3 Euro geprellt – aber was hätten wir denn tun sollen? Darauf warten, dass uns die Autos hinter uns wegrammen?

Von da an sind wir schlauer und reihen uns nur noch in die Spuren ein, über denen „Cash“, aber nicht „Automat“ steht. Das klappt erstaunlich problemlos. Kaum macht man alles richtig …

Heiße Kurven auf der Autobahn

Ungefähr 40 km vor Genua erreichen wir die Ausläufer der ligurischen Alpen – und die bisher schnurgerade Autobahn wird auf einmal kurvig. Und zwar nicht „so ein bisschen kurvig“, sondern richtig knackig, mit noch dazu deutlich schmaleren Fahrspuren. Fast rechnen wir damit, auch noch auf die eine oder andere Kehre zu treffen, aber so weit geht es dann doch nicht.

Man könnte meinen, dass das Fahren nun etwas lustiger wird, leider gilt aber ab hier eine strenge Geschwindigkeitsbeschränkung plus Überholverbot für LKWs – was dazu führt, dass diese sich jetzt rudelweise hintereinander aufreihen. Diesmal sind sie sogar uns zu langsam, und wir überholen sie so gut es geht. Wegen der vielen Kurven ist das aber nicht allzu angenehm. Ich mag es nicht, auf enger Fahrbahn an massenweise LKWs vorbeizufahren, weil es zwischen den hohen Fahrzeugen gerne mal einen unvorhersehbaren Windstoß von der Seite gibt, der einen zum Wackeln bringt. Und das, während man sich womöglich (Achtung, Wortspiel ;-)) gerade in Schräglage befindet. Habe ich schon erwähnt, dass es hier verdammt viele Kurven gibt?

Ich seufze erleichtert, als wir endlich die Abfahrt zum Fährhafen erreichen (Genova-Ovest). Marvin hat sich vorher im Internet glücklicherweise den richtigen Weg zum Hafen genauestens eingeprägt, so dass wir nur wenig später auch dort ankommen.

Das Symbol zur Infobox

Immer schön links bleiben!

Unmittelbar nach dem Verlassen der Autobahn an der Ausfahrt „Genova-Ovest“ ist der Weg zum Fährhafen bereits ausgeschildert (mit „Porto“).

Nach der Mautstation sollte man unbedingt auf der linken Fahrspur bleiben!

Der Grund: Nach wenigen Metern zweigt die Straße zum Hafen nämlich einspurig links ab. Hat man sich nun vorher weiter rechts eingereiht und schafft es jetzt eventuell nicht mehr, auf die richtige Spur zu kommen, dann muss man die halbe Stadt durchqueren, ehe man wieder zurückgeführt wird. Bleibt man jedoch von vorneherein links, so ist das kein Problem und man erreicht den Fährhafen in nur wenigen Minuten!

Genua und der Hafen

Wer uns kennt, der weiß, dass wir Termine eher überpünktlich wahrnehmen. Unser Motto: Lieber warten und meckern, als verpassen und sich ärgern. Insbesondere bei Dingen, die wir noch nicht kennen – und der Fährhafen von Genua gehört eindeutig dazu.

Wir haben unsere Tickets bei Moby gebucht und die Anleitungen auf der Website gründlich studiert. Dort heißt es, dass man frühestens 6 Stunden vor Abfahrt auf das Hafengelände darf. In unserem Fall wäre das 15 Uhr – und um 15:05 Uhr trudeln wir dort ein. Punktlandung sozusagen. Die seit neuestem verschärften Sicherheitsmaßnahmen äußern sich darin, dass ein Bediensteter an der Einfahrt zum Hafen uns jeweils einen gelben Punkt vorne auf das Motorrad klebt. Als Zeichen dafür, dass wir „clean“ sind. Andere Fahrzeuge – insbesondere Wohnmobile und LKWs – werden aber deutlich gründlicher untersucht, sogar die Wagenunterseite wird mit Hilfe von Spiegeln überprüft.

Doch bei uns geht es schnell und wir werden an den nächsten Checkpoint weitergeschickt – nur um dort zu erfahren, dass das Check-in bei Moby erst in einer Stunde möglich ist. Nun gut, macht nix, Hauptsache, wir sind hier. Wir stellen die Motorräder ab und gehen auf Erkundungstour. Genua selbst reizt uns nicht besonders. Es soll hier zwar eine recht schöne Altstadt geben, doch das, was wir hier vom Hafen aus sehen können, finden wir jetzt nicht so attraktiv. Außerdem ist es viel zu heiß, um sich mehr als nötig zu bewegen – und wir haben Hunger und Lust auf ein Eis. Beides mitsamt klimatisierten Räumen finden wir bei einer McDonalds-Filiale im Aufenthaltsgebäude (beim Betreten und Verlassen dieses Gebäudekomplexes muss man jeweils das Fährenticket samt Ausweis vorzeigen), ein recht sauberes Klo gibt es auch – was will man mehr!

Wir essen, ruhen uns ein bisschen aus und erfahren von anderen Motorradfahrern schon einmal ein paar Details über den Ablauf. Anscheinend dürfen die Motorräder auch hier wieder als erstes auf die Fähre fahren – na, das kennen wir ja inzwischen.

Auf der Fähre

Als wir eine Stunde später wieder zu unseren Motorrädern gehen, kommt uns die Frau vom Check-in (die, die uns vorher gesagt hat, dass Moby noch geschlossen hat) bereits entgegen und erledigt unbürokratisch die Formalitäten. Wir bekommen weitere Aufkleber (diesmal mit dem Aufdruck „BASTIA“) auf das Windschild gepappt, dann erklärt sie uns den Weg zur Fähre. Eigentlich ganz einfach, im Grunde folgt man nur einer der Nummern, die riesengroß überall stehen.

An der Fähre angekommen gibt es noch eine letzte Kontrolle (jetzt erhalten wir die eigentlichen Tickets für uns und unsere Maschinen), dann heißt es wieder warten. Zuerst recht allein, doch nach und nach wird es voll. Das Fährpersonal hält extra eine Spur frei, damit alle ankommenden Motorradfahrer sich ganz vorne sammeln können. Um 19:30 Uhr beginnt schließlich das Aufladen.

Wir Motorradfahrer werden in die Fähre gewunken und dort über eine enge und recht steile Rampe (keine Sorge, lässt sich problemlos hochfahren) in ein höheres Stockwerk geleitet, welches ausschließlich für Zweiräder reserviert ist. Dort müssen wir uns nacheinander ganz nahe an die Wand stellen, den ersten Gang einlegen, den Motor ausschalten und das Moped auf den Seitenständer stellen. Mehr ist nicht zu tun, das Fixieren des Motorrads (mit Seilen) übernimmt das Fährpersonal. Guter Service!

Wir schnappen unser Tagesgepäck und machen uns auf zum Infoschalter bzw. zur Rezeption der Fähre, um unsere Kabinenkarte in Empfang zu nehmen (die bekommt man nämlich erst dort). Die Kabine ist keine Überraschung und entspricht den üblichen Standards, also schnell geduscht und ab, die Fähre anschauen. Wir finden ein paar Restaurants (mit überraschend normalen Preisen, nicht so ein Wucher wie auf der Strecke Ijmuiden-Newcastle), ein paar Bars und Aufenthaltsräume.

Eine Kleinigkeit essen wir noch, dann verziehen wir uns in unsere Betten. Die Fähre soll morgen schon um 7 Uhr in Bastia anlegen – und auf der Moby-Homepage steht, dass man eine Stunde vorher die Kabinen verlassen muss. Also stellen wir den Wecker auf fünf Uhr und versuchen einzuschlafen. Das klappt allerdings nicht, weil uns eine penetrant laute Durchsage alle 15 Minuten davon in Kenntnis setzt, dass die Restaurants des Schiffes nun geöffnet haben – und zwar in vier Sprachen. Wir haben schon gegessen, verflixt nochmal!! Leider lässt sich das nicht ausschalten, hört dann aber gegen 23 Uhr endlich von selbst auf. Grmpf. Das wird eine verdammt kurze Nacht …

Routenüberblick

Datum: 26. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: einfach
Länge: 240 km, ca. 3,5 h Fahrzeit
Eindrücke: Die Strecke am See entlang ist sehr schön, die Durchquerung der Po-Ebene ist, wie üblich, langweilig, dank Autobahn aber schnell erledigt

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Scuol bis Comer See – Abwechslungsreich in jeder Hinsicht https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/scuol-bis-comer-see-abwechslungsreich-in-jeder-hinsicht/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/scuol-bis-comer-see-abwechslungsreich-in-jeder-hinsicht/#respond Sun, 30 Jul 2017 05:30:16 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=4354 In den frühen Morgenstunden werden wir von lauten Pladdergeräuschen geweckt. Na toll, wieder mal nur Extreme. Erst die abartige Hitze, nun kräftiger Regen. Hätten ein paar kühlende Wolken […]

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In den frühen Morgenstunden werden wir von lauten Pladdergeräuschen geweckt. Na toll, wieder mal nur Extreme. Erst die abartige Hitze, nun kräftiger Regen. Hätten ein paar kühlende Wolken bei ansonsten trockenem Wetter denn nicht gereicht? Sind perfekte Verhältnisse denn zuviel verlangt?

Grummelnd bleiben wir so lange wie möglich liegen. Auch die heutige Tagesetappe ist eher kurz, sie sollte in knapp drei Stunden Fahrzeit zu schaffen sein. Wir müssen also nicht in aller Herrgottsfrüh aufstehen, sondern können gemütlich abwarten bis der Regen aufhört. Tut er aber nicht. Als es gegen 11 Uhr immer noch vor sich hinprasselt, geben wir auf und packen Zelt und Stühle klatschnass ein. Wird schon wieder trocknen – irgendwann.

Als wir endlich auf den Motorrädern sitzen und unsere wasserdichte Schutzkleidung tragen, hört der Regen auf. Grmpf. Aber gut, ich will nicht undankbar sein. Hätte auch schlimmer kommen können. Strömender Regen plus Kälte zum Beispiel…

St. Moritz und Malojapass bei strömendem Regen plus Kälte

Von Scuol bis St. Moritz sind es knapp 60 km. Die Strecke ist prima zu fahren, nach wie vor geht es ständig leicht bergauf. Wegen der vielen Wolken ist die Aussicht nicht ganz so phänomenal wie gestern, aber trotzdem schön. Auf ein paar Streckenabschnitten werden wir durch Baustellenampeln aufgehalten, ansonsten kommen wir gut voran und das Fahren macht Spaß.

Jedenfalls bis kurz vor St. Moritz der Regen wieder einsetzt – stärker als heute früh und begleitet von zunehmender Kälte. Wir zittern uns durch den weltbekannten Skiort mit seinen zig Luxushotels, bibbern an eigentlich sehr schönen Seeufern und wahrscheinlich tollen Berghängen entlang, kriegen von alledem aber wegen unserer beschlagenen Visiere nicht allzu viel mit. Endlich erreichen wir halb steifgefroren bei knapp 9 Grad Celsius den Ort Maloja. Ich jubele innerlich. Ab hier geht es wieder bergab, in hoffentlich wärmere Gefilde! Wieso nur habe ich in den letzten Tagen die Hitze verflucht? Nun sehne ich mich danach.

Der Malojapass ist insofern eher ungewöhnlich, weil er nur in die eine Richtung (nämlich die, in die wir fahren) steil nach unten führt. Von der anderen Seite her startet man direkt auf Passhöhe, unmittelbar hinter dem Dorf. Auch die Streckenführung ist extrem knuffig, so ein Kuddelmuddel an unterschiedlichen Kehren und Windungen sieht man selten. Ein echtes Erlebnis! Hier mal ein Eindruck, wie das ganze bei schönem Wetter aussieht:

Bei uns ist die Aussicht nicht ganz so klasse, aber der Pass macht trotzdem viel Freude. Und die Temperaturen nehmen von Höhenmeter zu Höhenmeter (oder Tiefenmeter zu Tiefenmeter?) zu. Unten angekommen ist es trocken, der Himmel blau und es wird wieder richtig warm. Nur wenige Kilometer weiter halten wir an einem Parkplatz, reißen uns die Tücher vom Hals und ziehen die warmen Handschuhe aus, ehe wir überhitzen. Das ist fast wie Sauna mit Eisbad – nur umgekehrt. Doch noch steckt die soeben durchgestandene Kälte in unseren Knochen und wir sind dankbar über die Sonne.

Aus dem Hochgebirge direkt zum Seeufer

Zufrieden tuckern wir weiter, durch eine immer flachere und immer italienischer wirkende Landschaft. Knapp eine Stunde später liegt der Comer See vor uns, unser heutiges Tagesziel. Hier, am Nordzipfel des Sees, findet man einen Campingplatz neben dem anderen. Den unsrigen haben wir deswegen ausgewählt, weil hier das Personal so freundlich sein soll – und in der Tat: Wir werden total nett und gut gelaunt empfangen! Einchecken ist kein Problem, der Platz kostet 25 Euro (inkl. Strom – kein Vergleich zur Schweiz), Duschen 1 Euro für 5 Minuten (Tokens bekommt man an der Bar) und Klopapier gibt es – wie in Italien üblich – nicht, kann man aber im Minimarkt des Platzes billig kaufen. Perfetto!

Während der Campinplatzmensch dann mit uns zusammen einen passenden Platz sucht, blickt er in unsere knallroten Gesichter und erzählt fröhlich, dass wir uns glücklich schätzen können, erst heute angekommen zu sein. Bis gestern wäre es wohl noch deutlich heißer gewesen – und selbst für die Einheimischen kaum zu ertragen. Puh! Wir entscheiden uns für einen möglichst schattigen Platz und laden unser regennasses Equipment ab. Ist es wirklich erst so wenige Stunden her, dass wir das eingepackt haben? Kaum zu glauben, so kontrastreich waren die Eindrücke heute. Kalt, heiß, nass, trocken, Hochgebirge und Seenlandschaft – alles dabei. Toll!

Während wir das Zelt, den Tisch und die Stühle aufbauen, sind die Sachen auch schon wieder getrocknet – die Feuchtigkeit verpufft bei dieser Hitze quasi sofort. Uns fließt der Schweiß mittlerweile wieder in Strömen den Rücken hinab – doch heute haben wir kein Problem damit. Genau deswegen haben wir uns doch einen Zeltplatz direkt am See ausgesucht, also ab in die Badeklamotten und hinein in das erfrischende Wasser! Der See hat die perfekte Badetemperatur und wir lassen uns gemütlich darin treiben. Zwischendrin gönnen wir uns immer wieder mal frischen Cappuccino an der Campingplatzbar mit Seeblick – so lässt es sich bis zum Abendessen in der Pizzeria nebenan wunderbar aushalten 😉 Und angenehmer und entspannter kann man sich eine Anreise kaum vorstellen.


Routenüberblick

Datum: 25. Juni 2017
Schwierigkeitsgrad: meist einfach, ab und zu mittelschwer
Länge: 141 km, ca. 3 h Fahrzeit
Eindrücke: landschaftlich sehr schön – insbesondere der Malojapass ist lohnenswert!

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