Italien-Hausstrecke – Über den Brenner bis ins Pustertal

München gilt zwar gemeinhin als nördlichste Stadt Italiens - aber trotzdem zieht es uns regelmäßig auch in die südlich des Brenners gelegene Heimat von Pizza und Parmesan.

Nachdem Marvin 2010 tapfer seine MZ quer durch Südtirol durch Italien bis nach Venedig (und zurück!) gebracht hat, musste im Folgejahr natürlich auch seine neue BMW F 800 GS den Alpentest bestehen. Und weil wir im Münchner Süden wohnen, wählen wir für unseren ersten Urlaubstag im August 2011 als Etappenziel gleich das Pustertal (Südtirol).

Am Anfang war die Autobahn

Die Streckenvarianten von München bis zum Brenner sind unzählig, wir bevorzugen den Weg über Garmisch, den Zirler Berg und den Brenner, unsere Hausstrecke sozusagen.

Bis kurz vor Garmisch kann man getrost die knapp 60 km lange Autobahn nehmen, ohne viel Landschaft zu verpassen – letztere ist zwar hübsch, aber lohnt den zeitlichen Mehraufwand nur bedingt.

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Vorsicht: An Tagen mit viel (Ausflugs-)Verkehr bildet sich am Ende der Autobahn (bei Eschenlohe) gerne mal ein Stau. Hier kann man dann entweder gleich von vorneherein eine andere Strecke (oder einen anderen Tag) wählen, oder muss den Stau einfach erdulden – ein Ausweichen auf die Landstraße bringt wenig, meist steht man dort genauso lange, da Landstraße und Autobahn hier ineinander übergehen.

Sieht man bei der Anfahrt die Alpen immer näher heranrücken, während man selbst noch auf flachem Gebiet fährt, so schließen einen die Berghänge ab Eschenlohe so langsam von beiden Seiten ein. Die Straße selbst ist nicht sehr spannend, aber die Ausblicke nach rechts, links und vorne machen Laune.
Gleich hinter dem Ort Garmisch – den man direkt durchfährt – geht es dann langsam aber sicher in die Höhe. Die Straße ist übersichtlich, gut ausgebaut und nur mäßig kurvig, so dass man die immer grandioser werdende Berglandschaft entspannt genießen kann. Recht bald erreicht man Mittenwald, lässt es rechts liegen und kommt kurz darauf an den ersten Pass, den Scharnitz Pass, auch Scharnitzer Klause genannt. Hier befindet sich auch der Grenzübergang nach Österreich, doch bis auf eine kurze Strecke mit starker Geschwindigkeitsbeschränkung merkt man nicht allzu viel davon (vom Pass übrigens auch nicht). Wenn man in Österreich auch die Autobahnen nutzen möchte, so kann man kurz vor Scharnitz an einer Tankstelle die hierzu notwendige Vignette erwerben.

Wir brauchen jedoch keine, also fahren wir weiter, erreichen bald Seefeld in Tirol und schließlich, kurz nach Leithen (hier unbedingt die Geschwindigkeitsbeschränkung innerhalb geschlossener Ortschaften beachten – die Bewohner dieses kleinen, verkehrsgeplagten Dorfes reagieren verständlicherweise empfindlich auf Raser) ist er da, der Schrecken vieler Autofahrer: der Zirler Berg.

Für uns Motorradfahrer ist er jedoch keine Herausforderung, einfach zweiten oder dritten Gang einlegen und herunterrollen :-). Kurz vor dem Ende der steilen Abfahrt gibt es eine verhältnismäßig enge Kehre, an der sich auch ein Aussichtspunkt mit Gasthaus und Parkplatz befindet (ein schöner Platz für einen Kaffee zwischendurch, mit Blick über das Inntal), aber mehr ist an Schwierigkeit nicht geboten.

Die Brenner-Landstraße – eine der schönsten Alpenstrecken

Nach der Kehre geht es eigentlich nur noch geradeaus, mit Schwung erreicht man das Tal und bleibt auf der Landstraße nach Innsbruck. Weiter geht’s auf die sogenannte „alte Brennerstraße“, wobei es sich hier um nichts anderes als die Landstraße Nr. 182 über den Brennerpass nach Italien handelt. Die Autobahn ist langweilig und kostet Maut, somit ist das für uns keine Alternative. Zudem die alte Brennerstraße auch richtig viel Spaß zum Fahren macht und noch dazu als eine der schönsten Alpenstraßen gilt.

Jetzt werden die Kurvenabstände kürzer, die Straße enger und die Hänge steiler, der fahrerische Anspruch steigt. Doch allein schon der Moment, an dem man unter der riesigen Europabrücke durchfährt (oben verläuft die Autobahn) lohnt die Streckenwahl. Die Geschwindigkeit ist nahezu über die gesamte Strecke auf 60 km/h beschränkt – und man sollte sich auch daran halten, denn man weiß nie, was einen hinter der nächsten Kurve zum Bremsen zwingt. Häufig gibt es landwirtschaftlichen Verkehr, auch ist die Straßenoberfläche nicht immer optimal gepflegt, also wachsam sein und nicht hetzen! Ich habe bereits einmal einen tragischen Motorradunfall auf dieser Strecke miterlebt und möchte das keinem anderen wünschen.


Bei Matrei gibt es rechter Hand eine Imbissbude, an der man sehr gut eine kleine Pause einlegen und eine Kleinigkeit essen kann. Ausgeruht geht es dann auf zum letzten Streckenabschnitt: Hinauf auf den Brenner und wieder herunter ins Sterzinger Becken, wo das Wipptal, das Ridnauntal und das Pfitscher Tal zusammentreffen.

Südtirol – ein bisschen Italien, ein bisschen Tirol

Der Streckenverlauf wird ab Matrei wieder etwas weniger kurvig, bleibt aber landschaftlich höchst reizvoll, die Zeit bis zur Landesgrenze nach Italien, kurz vor der Ortschaft Brenner, vergeht schnell. Mitten im Ort befindet sich auch der Brennerpass, und wer gleich Lust auf Pizza und einen echt italienischen Cappuccino hat, findet am Straßenrand genügend Möglichkeiten für eine Einkehr.

Wir jedoch sparen uns unseren Pizzahunger für den Abend auf. Ab dem Brenner geht es relativ schnell wieder bergab, nach knapp 20 Kilometern durchfährt man schon Sterzing. Wir bleiben auf der Landstraße, die nun nahezu parallel zur (mautpflichtigen) Autobahn verläuft. Um zu verhindern, dass LKWs die Landstraße nutzen, um Maut zu sparen, gilt hier schon länger eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h. Das kommt mir – als chronische Schleicherin – natürlich entgegen, und so cruisen wir gemütlich und bei strahlendem Sonnenschein weiter Richtung Süden, umgeben von wunderschönen Bergen.

Bei der Gelegenheit auch gleich ein Hinweis zum Tanken in Italien:

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Tanken in Italien

Gerade abseits der üblichen Touristenstrecken – und manchmal selbst dort – findet man häufig Automatentankstellen. Leider funktionieren diese unserer Erfahrung nach sehr oft nicht mit der Kreditkarte, sondern nehmen nur Geldscheine an. Man muss also vorher wissen, für welchen Betrag man tanken möchte. Das ist für mich, da mein Motorrad keine Tankanzeige hat, höchst unangenehm. Schließlich kann ich dadurch immer nur ungefähr abschätzen, wie voll mein Tank gerade ist. Daher solltet ihr (besonders bei kleinem Tankinhalt) jede „bemannte“ Tankstelle nutzen.

Kurz hinter der trutzig aufragenden Festung Franzensfeste biegt man links ab ins Pustertal, danach haben wir es nicht mehr weit. Nach weniger als 20 Minuten erreichen wir St. Sigmund (Bozen) und biegen kurz darauf rechts ein zum Camping Gisser. Der Platz ist sehr weitläufig, bietet viel schattige Plätze, besitzt einen Swimmingpool und in der angeschlossenen Gaststätte kann man auch gut frühstücken.

Doch für das Abendessen haben wir etwas anderes geplant. Schnell nur noch das Zelt aufgebaut und geduscht, anschließend geht es zu Fuß ein paar Meter an der Hauptstraße entlang zurück in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Und dort liegt das heimliche Ziel unserer Etappe: die Pizzeria Petra. Hier gibt es nicht nur großartige Pizzen, sondern auch einen ausgezeichneten Nachtischteller. Gerade das halbgefrorene Haselnusseis ist einfach nur gigantisch gut! Besser kann man einen ersten Urlaubstag kaum ausklingen lassen, finde ich…

Routenüberblick

Datum: 14. August 2011
Schwierigkeitsgrad: einfach bis mittelschwer
Länge: 233 km, ca. 4 h
Eindrücke: Für mich noch immer eine der schönsten Routen nach Italien.