München bis Amsterdam – Asphalt, Stau und immer wieder Regen

Vom Süden Deutschlands bis nach Schottland ist es ein langer Weg - eine Tatsache, die uns Wetter und Verkehr auch eindringlich vermitteln wollten.

Von München über den Ärmelkanal durch ganz England nach Schottland zu fahren ist uns zu weit – aber es gibt ja eine gute Alternative: die Fährverbindung von Ijmuiden nach Newcastle!

Die Strecke bis Ijmuiden (das spricht man übrigens „Eimauden“ aus – jedenfalls so ungefähr) ist in zwei Tagen zu schaffen, einer meiner Brüder wohnt nahezu exakt auf halber Strecke (nämlich in Oberursel) und zu guter Letzt landet die Fähre sehr nahe der schottischen Grenze, so dass man sich den langen Weg durch England spart. Perfekt, das nehmen wir!

Zu unserem ersten Buchungstermin, Anfang Juni, kostet uns eine Luxuskabine inklusive Frühstück  verhältnismäßig günstige 650,00 Euro (zwei Personen, zwei Bikes, Hin- und Rückfahrt). Leider müssen wir unseren Urlaub zwei Mal verschieben (warum, das könnt ihr hier lesen), letztendlich wird es Ende Juli – Hauptsaison -, statt der Luxuskabine begnügen wir uns mit einer Mini-Etagenbett-Kabine (immerhin mit Außenfenster) und der Preis steigt auf happige 1.000,00 Euro an. Aber nun gut … wir sind froh, dass die Tour dieses Jahr überhaupt noch klappt, und nehmen die Kabine.

Es geht los, endlich!

Heute ist der Tag der Abfahrt gekommen, endlich geht es los in Richtung Norden. Juchhu! Auch wenn nun zwei Tage dröges Autobahnfahren vor uns liegt, bin ich glänzender Laune. Wie sehr habe ich mich doch auf diese Reise gefreut! Ein wenig Sorge macht mir das Wetter – bereits seit Wochen regnet es nahezu täglich – aber wenigstens ist es warm, also was soll’s.

Auf der ersten Etappe – München bis Oberursel – bleibt es trocken, teilweise wird es sogar richtig warm. Wie bei allen langen Autobahnfahrten einigen Marvin und ich uns darauf, dass wir alle 100 Kilometer eine kleine Rast einlegen. Das hat sich bewährt. Dann kann Anja auf’s Klo marschieren und danach mit viel Kaffee und/oder Limo dafür sorgen, dass auch die nächste 100-Kilometer-Pause auf keinen Fall ausgelassen werden kann 🙂

Nein, im Ernst, gerade auf langweiligen Autobahnstrecken wirken diese regelmäßigen Stopps Wunder. Hinterher bin ich jedesmal deutlich frischer und kann mich wieder voll auf das Fahren konzentrieren.  Außerdem tut das meinen Knien gut, die dabei immer etwas leiden. Ich sollte mir vielleicht doch einmal den etwas höheren Sattel kaufen, den es für meine BMW gibt..

Schöne Ankunft in Oberursel

Nach drei solchen Pausen sowie einem etwas längeren (aber immerhin einzigen) Stau um Karlsruhe herum erreichen wir am Spätnachmittag Oberursel. Mein Bruder ist heute selbst in den Urlaub gefahren, ist also nicht da, hat uns aber einen Schlüssel für sein Haus hinterlegt und – was für eine schöne Überraschung – einen Tisch (mitsamt Essensgutschein) beim nahegelegenen Italiener reserviert. So muss Urlaub anfangen!

Ab Holland wird es flach – und wieder sonnig!

Am nächsten Tag wiederholt sich das Spiel – Autobahn, Pause alle 100 Kilometer -, doch heute ist kein Stau dabei. Dafür kommt Regen hinzu, und zwar nicht wenig. Von Oberursel bis zur holländischen Grenze (die wir in der Gegend von Venlo überschreiten) schüttet es. Doch dann bricht die Wolkendecke auf und es bleibt für den Rest des Tages sonnig und trocken.

Gleich auf dem ersten Rastplatz in Holland kommen wir mit einem älteren Motorradfahrerpaar ins Reden (einer der vielen Vorteile von Motorradurlauben – man schließt sofort Freundschaft mit allen anderen Motorradfahrern), die gerade auf der Rückreise von einem mehrwöchigen Aufenthalt in Portugal sind. Auch nicht schlecht! Von den beiden lernen wir übrigens, wie man Ijmuiden ausspricht 🙂

Am Spätnachmittag schließlich erreichen wir unser Ziel. Erschöpft, aber überglücklich machen wir es uns auf dem Campingplatz ganz in der Nähe des Fährhafens gemütlich. Der langweilige Teil liegt nun endlich hinter uns, morgen geht es auf die Fähre und mitten hinein ins Abenteuer.

Schottland, wir kommen!

Routenüberblick

Datum: 27. und 28. Juli 2016
Schwierigkeitsgrad: niedrig, aber extrem langweilig
Länge: insgesamt 910 km, aufgeteilt auf zwei Tage; pro Tag mit Pause alle 100 Kilometer ca. 7 Stunden
Eindrücke: Also, diese Serways-Raststätten haben echt prima Verpflegung … und saubere Toiletten 😉