In fremden Gefilden https://www.in-fremden-gefilden.de/ Anja und Marvin brausen durch die Welt Fri, 10 Oct 2025 09:59:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.1.9 Algund bei Meran – etwas abseits vom Massentourismus https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/italien/italien-2025/algund-bei-meran-etwas-abseits-vom-massentourismus/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/italien/italien-2025/algund-bei-meran-etwas-abseits-vom-massentourismus/#respond Fri, 10 Oct 2025 09:58:59 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=10501 Für die nächsten sechs Tage liefern die Online-Wetterportale die unterschiedlichsten Vorhersagen. Von „gewittrig-kühl“ bis hin zu „überwiegend sonnig“ ist so ziemlich alles dabei. Nur heute sind sich alle […]

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Für die nächsten sechs Tage liefern die Online-Wetterportale die unterschiedlichsten Vorhersagen. Von „gewittrig-kühl“ bis hin zu „überwiegend sonnig“ ist so ziemlich alles dabei. Nur heute sind sich alle einig: Sonne, den ganzen Tag!

Reschenpass-Premiere

Bereits unser Frühstück können wir bei bestem Wetter genießen. Ich freue mich auf die heutige Strecke. Wir wollen über den Reschenpass bis kurz vor Meran fahren. Einen Teil der Route kennen wir schon, allerdings sind wir bisher immer kurz hinter Pfunds, also noch ein gutes Stück vor der eigentlichen Passhöhe, rechts abgebogen Richtung Engadin. Heute jedoch nehmen wir den linken Abzweig. Der führt uns durch so wohlklingende Orte wie „Nauders“ und „Fuhrmannsloch“ direkt zum Reschensee mit dem berühmten, aus dem Wasser ragenden Kirchturm des versunkenen Dorfes Graun.

Ich bin gespannt! In grauer Vorzeit bin ich mal als Sozia auf dem Rücksitz eines Motorrades über den Pass gefahren, aber das zählt nicht. Eben weil nicht selbst gefahren. Zudem habe ich sowieso keine Erinnerungen mehr daran. Gefühlt ist das also heute meine Premiere, genau wie bei Marvin.

Frustration beim Tanken

Gleich nach dem Aufbruch geht es an die Tankstelle. Aufgeregt wie ich bin, achte ich nicht auf den leicht abschüssigen Boden neben der Zapfsäule und habe für einen kurzen Moment beim Abstellen schon wieder das Gefühl, meine BMW würde mir umkippen. Verdammter Seitenständer! Die kriege ich alleine bestimmt nicht mehr hoch. Und tatsächlich: Ich mühe mich nach dem Tanken zwar ab, muss aber letztendlich doch Marvin um Hilfe bitten.

Er macht dies so unauffällig wie möglich, wofür ich ihm doppelt dankbar bin. Schließlich ist die Tankstelle voll mit anderen Motorradfahrern und als so ziemlich einzige selbstfahrende Frau möchte ich die Klischeevorstellung vom schwachen Weibchen nicht unbedingt noch nähren. Auch wenn es in diesem Moment stimmt.

Die unscheinbare Passhöhe

Der Frust sitzt tief, als wir weiterfahren. Doch die schöne Umgebung sorgt dafür, dass ich mich bald wieder besser fühle. Das Wetter ist so schön wie vorhergesagt, die Straßen trocken, nur leicht kurvig und sehr entspannt zu fahren. Kurz vor Nauders stehen wir wegen einer Baustelle einige Minuten im Stau, ansonsten kommen wir super voran und erreichen Punkt Zwölf die Grenze zu Italien. Zeit für eine kleine Pause bei Cola und geteilter Pizza.

Wir sind der Überzeugung, an der Passhöhe zu sein, erst nachträglich (nämlich jetzt, als ich diesen Text schreibe) merke ich, dass wir uns geirrt haben. Die Passhöhe selbst liegt wohl noch etwas weiter südlich von hier, angeblich unmittelbar vor dem Dorf Reschen (Google-Maps ist hier auch nicht allzu eindeutig). Sie ist jedenfalls als solche nicht zu erkennen und wir passieren sie, ohne es zu merken.

Spektakuläre Ausblicke

Der schönste Teil der Strecke beginnt am See, wo es wieder sanft bergab geht. Da ist zuallererst natürlich der schon erwähnte aus dem Wasser ragende Kirchturm. Wir fahren kurz auf den dahinter befindlichen Parkplatz, doch der ist dermaßen überfüllt, dass sich nicht mal für unsere Motorräder ein Abstellplatz finden lässt. Nun gut, dann gibt es halt keine eigenen Fotos. Diesen Turm kennt vermutlich eh schon jeder. Wobei ich sagen muss, dass er in live doch noch mal surrealer aussieht als auf den Bildern. Wenn ihr also mal in die Gegend kommt, lohnt sich ein kurzer Besuch auf alle Fälle.

Nach dem See beginnen dann die wirklich spektakulären Ausblicke. Nicht nur einmal entfährt uns ein staunendes „Ui, schau mal!“, wenn in der Ferne die riesigen schweizer Bergmassive emporragen, eingerahmt von den etwas sanfteren italienischen Alpen. Schon schön! Sehr sogar.

Camping(platz)glück

Am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich Algund, kurz vor Meran. Ich hatte zuerst einen Platz direkt in Meran ausgespäht, aber der hatte nicht besonders gute Bewertungen. Daher haben wir uns für diesen hier entschieden, klein, aber fein. Da es inzwischen schon richtig heiß geworden ist, sind wir recht froh, unsere Motorradjacken ablegen zu können. Der Campingplatz hat noch Mittagspause, die Zeit überbrücken wir bei einer Tiramisu und einem Cafe in einem nahegelegenen Restaurant.

Die Campingplatzangestellte ist total nett und auch hier haben wir Glück: Der Platz ist zwar erneut nahezu vollständig ausgebucht, aber für Zweiräder (motorisiert oder nicht) gibt es einen separaten Sammelbereich „solange der Platz reicht“. Was damit gemeint ist, merken wir, als wir ihn uns ansehen. Es handelt sich um eine Fläche, die nicht mit einem breiteren Fahrzeug erreichbar ist, weil unmittelbar davor zwei normale Stellplätze sind, zwischen denen man sich hindurchschlängeln muss. Es dürfen so viele Fahrrad- bzw. Motorradzeltende darauf übernachten, wie eben Platz finden. Passt kein Zelt mehr hin, ist eben Schluss.

Aus Rücksicht auf noch kommenden Gäste stellen wir unser Zelt daher möglichst weit ins Eck und die Mopeds eng daneben. Im Laufe des Nachmittags kommen tatsächlich noch zwei Zelte mit Radlern hinzu, aber die finden locker Platz.

Der Campingplatz selbst liegt enorm idyllisch. Die Sanitäranlagen sind supermodern, blitzsauber und mit Klopapier ausgestattet. Zudem erhält jeder Übernachtungsgast Freikarten für das nebenan liegende Schwimmbad (die wir allerdings nicht nutzen). Einen Campingladen gibt es nicht, aber Restaurants und eine Bäckerei (sonntags geschlossen) sind in der Nähe und zum Ortskern ist es auch nicht weit. Und als I-Tüpfelchen zahlen wir für die Übernachtung gerade mal 25 Euro. Besser geht es kaum.

Schräglage

Bis das Zelt aufgebaut und wir geduscht sind, ist es schon später Nachmittag. Aber wir hatten für heute eh nicht mehr viel vor, es gibt also keinen Stress. Wir schlendern noch ein wenig durch den kleinen Ort, dann landen wir erneut im Lokal neben dem Campingplatz und essen gemütlich zu Abend.

Zurück am Platz will ich mein Motorrad noch etwas näher zum Zelt schieben (falls weitere Zweirad-Reisende auftauchen) und scheitere beinahe erneut. Lediglich weil meine doch recht schwere Gepäckrolle nicht mehr auf der Sitzbank befestigt ist, klappt es mit Müh und Not. Vor Frustration fange ich fast an zu heulen.

Marvin bemerkt es und testet es selbst. Er gibt zu, dass es deutlich schwieriger ist als bei seiner eigenen, obwohl mein Motorrad kleiner ist. Es liegt eindeutig am Winkel des Seitenständers. Zum Vergleich probiere ich seine 800er aufzustellen und schaffe es ohne Probleme. Das beruhigt mich ein wenig. Liegt es also doch nicht (nur) an meinen schwindenden Kräften.

Lösungen statt schlechter Laune

Für den Rest des Urlaubes muss allerdings eine Lösung her. Marvin schlägt vor, das komplette Zelt auf seiner BMW zu transportieren. Ihm macht das nichts aus und für mich wird das oben befestigte Gepäck dadurch deutlich leichter. Ich kämpfe noch einer Weile mit meinem Stolz, dann stimme ich zu. Das ist allemal besser, als vielleicht gar nicht mehr campen zu können. Oder – Göttin bewahre – womöglich in einem kleineren Zelt übernachten zu müssen.

Solange ich nicht so ende wie jene von mir hin und wieder beobachteten Frauen, bei denen am Motorrad nur handtäschchengroße Köfferchen befestigt sind, während das Gefährt des Mannes komplett überladen ist, ist alles gut!

Überblick

Datum: Sonntag, 31. August 2025
Schwierigkeitsgrad: mittel – zu jeder Zeit gut ausgebaute Straßen; der Pass hat nach unten ein paar Kehren, aber die sind weitläufig und nicht sehr eng
Länge: 140 km, ca. 3 h
Eindrücke: besonders ab dem Ort Reschen fantastische Ausblicke

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Von München nach Imst – Versteckspiel mit dem Regen https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/italien/italien-2025/von-muenchen-nach-imst-versteckspiel-mit-dem-regen/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/italien/italien-2025/von-muenchen-nach-imst-versteckspiel-mit-dem-regen/#respond Sat, 20 Sep 2025 10:16:49 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=10411 Ein frühmorgentlicher Blick auf die Wettervorhersage zeigt für den ersten Teil des Tages Regen an, am Nachmittag soll es aufklaren. Da es noch vor einer Woche so ausgesehen […]

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Ein frühmorgentlicher Blick auf die Wettervorhersage zeigt für den ersten Teil des Tages Regen an, am Nachmittag soll es aufklaren. Da es noch vor einer Woche so ausgesehen hat, als würden alle unsere geplanten Urlaubstage durchgehend verregnet sein, sind wir nicht allzu unglücklich. Nur die Idee, über das Hahntennjoch zu fahren, hat sich hiermit erledigt. Das haben wir vor einigen Jahren nämlich schon bei Niesel und tiefhängenden Wolken kennengelernt, eine erneute feuchtgraue Erfahrung muss nicht sein. 

Dann wird es also der Fernpass, den kann man bei jedem Wetter bequem fahren. Da der von uns angepeilte Campingplatz allerdings Mittagspause bis 14 Uhr macht, wollen wir auch nicht allzu früh ankommen und beschließen, weitestgehend auf die Autobahn zu verzichten.

Pommes zum Frühstück

Noch ist es zwar bewölkt, aber trocken. Gutgelaunt starten wir gegen 10 Uhr die Maschinen. Theoretisch könnten wir sofort auf die Landstraße, aber wie üblich wollen wir nach den ersten Kilometern erst einmal frühstücken und abseits der Autobahn kennen wir keine geeigneten Möglichkeiten. Also rauf auf die Garmischer, bis zur Raststätte Höhenrain.

Während der nächsten halben Stunde fängt mein Magen immer mehr an zu knurren, voller Vorfreude auf ein Rührei mit frischen Brötchen. Hungrig stelle ich die BMW ab und eile Marvin voraus in das Raststättenlokal. Auf der eher dürftigen Speisekarte finde ich jedoch nichts Rühreiartiges. Auch kein Spiegelei. Das verwirrt mich. War das Angebot früher nicht anders? Marvin wählt ein mit Käse und Tomaten belegtes Baguette, aber ich mag diese vorbelegten Brote nicht so sehr. Leicht verstimmt entscheide ich mich daher für Pommes mit Coleslaw und diversen Saucen. Die schmecken tatsächlich ganz gut, wenn auch überhaupt nicht nach Frühstück. 

Günni kommt in die Jahre

Während wir essen, checken wir auf den Handys die weitere Route. Ich bin neugierig, warum Google uns partout nicht am Ufer des Starnberger Sees entlangführen will, und entdecke beim Reinzoomen eine Straßensperrung. Günni, unser Uralt-Navi, hat davon natürlich nichts gewusst und hätte uns zielsicher in die Sackgasse geführt. Nicht zum ersten Mal übrigens. Es wird wirklich langsam Zeit für ein etwas moderneres System, auch wenn wir seine verschrobene Streckenführung irgendwie auch ganz lustig finden. Zumindest hinterher – nachdem wir es geschafft haben, uns wieder aus einem unbefahrbaren Hinterhof herauszukämpfen, den er stur für die beste Route erklärt hat. Das gibt immer so interessante Geschichten.

Wir korrigieren Günnis Routenvorschlag manuell und düsen los. Der Himmel ist bedeckt und wir rechnen jeden Augenblick mit dem vorhergesagten Regen, aber das Glück bleibt uns hold und wir trocken. Während wir gemütlich über Oberammergau und Ettal, vorbei an dem fast schon obszön opulenten Kloster, nach Garmisch und zum Fernpass cruisen, merken wir an der Nässe der Straßen, dass es hier wohl kurz vor unserer Ankunft geregnet hat. Uns treffen aber lediglich ein paar von den Reifen aufgewirbelte Tropfen von unten. Ich bin sehr dankbar darüber, denn ich merke, dass ich mich ziemlich unsicher fühle auf meinem Motorrad. Das schwere Gepäck macht sich in den Kurven deutlicher bemerkbar, als ich es in Erinnerung habe. Werde ich etwa zu alt fürs Motorradfahren? Sollte ich, wie unser Günni, ebenfalls gegen ein moderneres System ausgetauscht werden?

Schräglage im Stehen

Auch beim Parken bekomme ich Probleme. Auf dem Seitenständer stand meine BMW schon von Anfang an ungewöhnlich schräg (ich habe ja den direkten Vergleich zu Marvins 800er). Das hat sich im Laufe der Jahre jedoch noch verschlimmert. Nach unserer Frühstückspause bekomme ich mein Moped mit Ach und Krach aufgerichtet, was mich zusätzlich nervös macht. Während der restlichen Strecke achte ich peinlich genau darauf, das Motorrad im richtigen Winkel zur Neigung des Bodens abzustellen.

Kurz nach 14 Uhr erreichen wir wie geplant den Campingpark Fink in Imst. Unter „Campingpark“ hatten wir uns zwar etwas Größeres vorgestellt, aber der Platz ist gepflegt und liebevoll ausgestattet, die Sanitären sauber und sehr modern. Wir sind angesichts der unerwartet kleinen Fläche jedoch ganz kurz in Sorge, weil wir von Freunden gehört haben, dass Campingplätze im Sommer nach wie vor meist ausgelastet sind und man unbedingt vorbuchen sollte. Das ist aber, wenn überhaupt, meist nur bei einem Mindestaufenthalt von zwei oder mehr Nächten möglich, daher haben wir darauf gebaut, dass es nun, in der beginnenden Zwischensaison, nicht mehr ganz so eng ist. Und tatsächlich, die Zeltwiese ist noch komplett frei und wir dürfen uns einen Platz aussuchen. Im Laufe des Nachmittags kommen nur zwei weitere Zelte hinzu, lediglich die Stellplätze für Wohnmobile bzw. Wohnwagen sind bis zum Abend voll belegt. Schön, wenn die eigenen Planungshoffnungen in Erfüllung gehen.

Kekse, Kabel, Klopapier

Nach einem Jahr Pause gestaltet sich das erste Aufbauen unseres Zeltes – wie üblich – etwas umständlicher. Erstaunlich, was man so alles vergessen kann. Doch wir kriegen es – wie ebenfalls üblich – hin und merken anschließend auch gleich, was wir alles nicht eingepackt haben. Das sind (mal wieder) ausreichend USB-Ladekabel, um gleichzeitig die Helm-Interkoms und unsere Handys zu laden. Genau zwei Kabel krame ich aus meiner Tasche, nur eines davon passend für die Interkoms. Da morgen Sonntag ist, müssen wir aber eh zum nahegelegenen Supermarkt, um Knabbereien für den Abend und Frühstücksutensilien einzukaufen. Dabei packen wir auch gleich zwei weitere USB-Kabel ein. Unser häuslicher Gesamtvorrat an Kabeln hat sich durch solche Urlaubsnotkäufe in den letzten Jahren schon vervielfacht. Ich sollte den Punkt „ausreichend USB-Kabel“ in unserer Packliste mal etwas deutlicher hervorheben.

Wieder zurück am Zelt fällt mir bei einem ausgiebigen Test der Sanitären ein, dass die Campingplätze in Italien häufig kein Klopapier anbieten. Und da dort morgen eventuell auch die Einkaufsmöglichkeiten eingeschränkt sind, gehen wir ein zweites Mal los und erstehen zwei Rollen. Zur Sicherheit.

Die erste Pizza des Urlaubs

Am späten Nachmittag schließlich laufen wir den Weg zum dritten Mal. Aber nicht, weil uns noch etwas fehlt, sondern weil neben dem Supermarkt eine Pizzeria ist, in der Marvin seine heißersehnte erste Pizza dieses Urlaubs bestellt. Erstaunlicherweise schmeckt sie ihm – verglichen mit allen noch folgenden Pizzen – am besten. Was aber vielleicht auch mit der längeren Pizza-Abstinenz zusammenhängt, die er sich vorher auferlegt hat. Meine Spaghetti Aglio e Olio sind eher durchschnittlich, aber trotzdem lecker. Auf alle Fälle um Welten besser als jenes Nudelverbrechen, dass wir vor zwei Monaten unter demselben Namen an der Nordsee serviert bekommen haben. Auf einen Nachtisch verzichten wir. Schließlich warten gleich zwei Tüten Dragee Keksis auf uns im Zelt 🙂

Überblick

Datum: Samstag, 30. August 2025
Schwierigkeitsgrad: leicht – zu jeder Zeit gut ausgebaute Straßen
Länge: 160 km, ca. 3,5 h, sehr gemächlich gefahren
Eindrücke: sind halt die Alpen – die sind immer schön 🙂

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Eine letzte Unternehmung, Heimflug und Fazit https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/eine-letzte-unternehmung-heimflug-und-fazit/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/eine-letzte-unternehmung-heimflug-und-fazit/#respond Mon, 02 Dec 2024 16:34:01 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=10237 Es ist wie bei allen unseren bisherigen Reisen: Die Vorfreude auf Zuhause mischt sich mit Wehmut über den bevorstehenden Abschied. Doch noch ist es nicht soweit. Unser Flieger […]

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Es ist wie bei allen unseren bisherigen Reisen: Die Vorfreude auf Zuhause mischt sich mit Wehmut über den bevorstehenden Abschied. Doch noch ist es nicht soweit. Unser Flieger geht erst um 21:50 Uhr und es hat wenig Sinn, bereits mittags am Flughafen zu sein (selbst wenn wir gerne stundenlang herumsitzen). Eine letzte Attraktion wollen wir daher noch besuchen: den Daibutsu (= großer Buddha) von Kamakura.

Zunächst müssen wir unser Zimmer räumen und unser Gepäck irgendwo unterbringen. Bereits am Vortag hatten wir ausgekundschaftet, dass es am Hauptbahnhof von Kamakura gleich zwei Räume mit Schließfächern gibt. Und da wir bereits recht früh am Vormittag dort sind, bekommen wir auch problemlos zwei nebeneinanderliegende Fächer, die groß genug für unsere Kofferrucksäcke sind. Dass das auch anders hätte enden können, merken wir erst, als wir später unsere Rucksäcke wieder abholen: Inzwischen sind nämlich ausnahmslos alle übrigen Schließfächer belegt!

Zweitgrößter Buddha Japans

So aber können wir unbeschwert mit unseren üblichen kleinen Tagesrucksäcken die wenigen Kilometer bis zum Tempel Kotoku-in marschieren, auf dessen Gelände sich die riesige Buddhastatue aus Bronze befindet. Natürlich haben wir vorab zig Fotos des Buddhas gesehen – aber als wir dann eine halbe Stunde später tatsächlich vor ihm stehen, sind wir schon sehr beeindruckt. So groß haben wir ihn uns dann doch nicht vorgestellt!

Lauschiger Hase-dera

Nachdem wir den Buddha ausgiebig bewundert haben, wandern wir weiter zum nahegelegenen Hase-dera-Tempel, der einen entzückenden Garten besitzt und malerisch auf einem Hügel liegt. Es gibt sogar einen kleinen Aussichtspunkt mit einem schönen Ausblick auf die Buch von Kamakura. Und eine Höhle, die teilweise so niedrig ist, dass wir nur stark gebückt durchgehen können.

Obwohl wir uns bemühen, viel Zeit verstreichen zu lassen (Habe ich schon erwähnt, dass es wenig Sinn macht, schon mittags am Flughafen zu sein?), ist auch dieses Gelände in weniger als einer Stunde für unseren Geschmack ausreichend erkundet.

Wir geben auf… und fahren zum Flughafen

Also geben wir auf uns vorzumachen, dass es uns nicht zum Flughafen zieht, marschieren stramm zurück zum Bahnhof, erlösen unsere Kofferrucksäcke und setzen uns in den Zug Richtung Tokyo. In Yokohama müssen wir einmal umsteigen, dann erreichen wir – kurz nach Mittag – den Flughafen. Jetzt ist unsere Welt wieder in Ordnung. Denn: Lieber stundenlang herumsitzen, als den Flug verpassen 😉

Die Wartezeit auf dem Flughafen Haneda entpuppt sich allerdings als erfreulich kurzweilig. Zuerst einmal suchen wir uns einen hübschen Sitzplatz, machen es uns bequem und erkunden abwechselnd das riesige Gebäude. Auf der oberen Ebene entdecken wir eine richtige kleine Stadt mit Restaurants, Läden und fairen Preisen. Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen noch zwei Souvenirs.

Im Anschluss vergügen wir uns damit, in einem ebenfalls hier befindlichen SevenEleven-Konbini unsere beiden Suica-Cards bis auf wenige Yen leerzuräumen. Wir haben nämlich entdeckt, dass auf der Einkaufsquittung das Restguthaben der jeweiligen Karte abgedruckt ist. Sehr praktisch! Die dabei ergatterten Snacks dienen auch gleich als Verpflegung für den Nachmittag.

Schließlich ist es soweit, wir können das große Gepäck aufgeben und dürfen in den Sicherheitsbereich vorrücken. Unsere letzten Münzen reichen gerade noch für eine gemeinsame Tasse Kaffee sowie zwei gekühlte Getränke, dann endlich geht es an Bord.

Über den Nordpol zurück nach Europa

Der nächtliche Rückflug nach Helsinki verläuft ohne große Zwischenfälle. Allerdings wundern wir uns über die Route. Auf dem Hinflug sind wir unterhalb von Russland über China geflogen. Diesmal fliegen wir nördlich, nahezu ausschließlich übers Meer und erfahren kurz vor der Landung in Helsinki, dass wir soeben den Nordpol überquert haben. Wir erhalten dafür sogar ein Diplom:

Anscheinend ist Finnair die einzige Fluggesellschaft, die diese Route bedient. Sie wurde lange nicht genutzt, da aber derzeit Russland umflogen wird, hat Finnair sie wieder reaktiviert. Wie schön!

Am Flughafen in Helsinki angekommen, suchen wir uns zuerst unser Weiterflugterminal und anschließend ein Flughafencafe, das um vier Uhr morgens eine Möglichkeit für einen kleinen Snack anbietet. Ein solches finden wir auch – mit einer auffallend schlecht gelaunten Bedienung, die es offensichtlich bereut, diesen Job angenommen zu haben, und das durch deutlich zur Schau getragene Muffeligkeit an den Gästen auslässt. Wir sind wieder in Europa.

Die Wartezeit auf unsere letzte Flugetappe nach München zieht sich etwas. Ich bin zu leicht gekleidet und friere im wenig geheizten Aufenthaltsbereich. In Tokyo hatte es lauschige 24 Grad und ich war natürlich zu doof, mal das Wetter zu googeln und festzustellen, dass es in Helsinki und München deutlich kälter ist. Ziemlich gerädert kommen wir in München an.

Bei der Gepäckausgabe können wir gleich den nächsten Unterschied zwischen Europa und Japan hautnah miterleben, werden wir doch unfreiwillig Zeuge mehrerer lautstark via Video-Call geführten Belanglosigkeits-Gespräche zwischen zwei Mallorca-Heimkehrerinnen und einem irgendwie dazugehörigen Mann.

Wir vermissen Japan bereits jetzt. Lieber werde ich mit Musik und Werbeslogans beschallt (deren Wortlaut ich eh nicht verstehe), als diesen dümmlichen Dialogen zuhören zu müssen. Echt maaaaahn!

Fazit

Nun ist die Reise also vorbei – doch was für ein wunderbares Erlebnis! Selbst jetzt, über ein Jahr nach unserer Rückkehr, bin ich noch erfüllt von all den vielfältigen Eindrücken.

Japan ist in so vielerlei Hinsicht ein fantastisches Land. Da gibt es natürlich die wunderschöne, manchmal geradezu atemberaubende Natur. Dann die überall herrschende Sauberkeit und Sicherheit. Die uralte, hochentwickelte Kunst und Kultur, wie selbstverständlich vereint mit schräg-bunter Moderne in den Großstädten. Nicht zu vergessen die praktischen Konbinis, die Getränkeautomaten (der ökologische Nachteil ist uns durchaus bewusst – geschätzt haben wir sie trotzdem), der perfekt funktionierende öffentliche Verkehr, die immer sauberen und zahlreich vorhandenen Toiletten und so vieles mehr.

Vor allem aber sind es die Menschen, die uns das Land lieben gelehrt haben. Solch eine Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und gegenseitige Rücksichtnahme haben wir bisher noch nirgendwo erleben dürfen.

Die Menschen in Japan

Wir finden es grundsätzlich völlig OK, dass z.B. die Bedienung im Flughafen von Helsinki ihre schlechte Laune so offen kundtun konnte. In Japan dürfte das ein Angestellter niemals tun. Daher ist vielleicht vieles, was wir als „typisch japanische Freundlichkeit“ kennengelernt haben, nur ein Teil dieser sehr strengen Arbeitskultur.

Doch auch außerhalb der typischen Kunde-ist König-Situationen haben wir ebenfalls nur super-freundliche, zurückhaltende und gleichzeitig hilfsbereite Menschen erlebt. Es ist ganz offensichtlich auch ein großer Teil des japanischen Selbstverständnisses, sich nicht immer so wichtig zu nehmen, sondern seine eigenen Bedürfnisse dem Wohlbefinden der gesamten Gesellschaft unterzuordnen.

Sicherlich gibt es viele Kritikpunkte an dieser scheinbaren „Unterordnungskultur“. Zum Beispiel die extrem hohen Arbeits- und extrem niedrigen Urlaubszeiten, der Druck, der bereits auf den Schülern lastet, und so weiter.

Jeder hilft jedem

Doch gleichzeitig haben wir noch nirgendwo so viele offensichtlich zufriedene Menschen getroffen, die sich selbst als wichtigen und geschätzten Teil der Gesellschaft begreifen. Hier gibt es keine „niedrigen“ Tätigkeiten, jede Art von Arbeit wird als wertvoll wahrgenommen und jede gut erledigte Aufgabe erfüllt denjenigen mit Stolz und Zufriedenheit. Rücksichtnahme wird als selbstverständlich angesehen, Hilfsbereitschaft macht auch den Helfenden glücklich. Nach dem Motto: Wenn jeder jedem hilft, so ist auch jedem geholfen.

Ich würde mir für Deutschland auch etwas von dieser Einstellung wünschen. Rücksichtnahme ist durchaus auch ohne Selbstverleugnung möglich. Und wenn die eigenen Wünsche der Rücksicht auf andere entgegenstehen – nun, dann sollte man vielleicht einmal die Wünsche überdenken, oder nicht?

Vegetarier haben es nicht leicht – und fliegen muss man auch

Wir jedenfalls können Japan als Reiseziel absolut empfehlen. Einen Wermutstropfen gibt es natürlich. Nein, eigentlich zwei: Als Vegetarier*in, erst recht als Veganer*in hat man es in Japan nicht so leicht, wie vom Land des Tofus vielleicht erhofft. Aber Konbinis und die App HappyCow helfen enorm.

Der zweite Nachteil: Es liegt von uns aus so weit entfernt, dass nur ein Flug dorthin sinnvoll ist.

Ich habe im Vorfeld tatsächlich nach alternativen Anreisemöglichkeiten gesucht. Zum einen wegen meiner Flugangst, zum anderen, weitaus wichtigeren Teil aber wegen der Klimaschädlichkeit von Flugreisen. Leider gab es jedoch keine Route, die für uns – mit unserem Zeit- und/oder Geldkontingent – irgendwie umsetzbar gewesen wäre. Zur Gewissensberuhigung habe ich zumindest bei Atmosfair einen „Ablassbrief“ für unsere Flüge gekauft. Besser als nichts. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass Flüge einfach nicht mit Klimaschutz vereinbar sind. Leider.

Gleichwohl planen wir – noch ohne konkretes Datum – einen weiteren Besuch dort. Wer weiß, vielleicht finde ich ja doch eine weniger schädliche Art, dorthin zu kommen. Es gibt noch so viel zu entdecken, so viel zu erleben. Und um noch besser vorbereitet zu sein, haben Marvin und ich auch schon angefangen, Japanisch zu lernen.

また会いましょう - たぶん日本で会いましょう?

(Auf ein Wiedersehen – vielleicht in Japan?)

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Tokyo – noch ein Abstecher in die Mega-Stadt https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/tokyo-vielfaeltiges-abschiednehmen/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/tokyo-vielfaeltiges-abschiednehmen/#respond Mon, 25 Nov 2024 10:37:14 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=10033 Ursprünglich war für heute die Besichtigung der Insel Enoshima geplant. Da wir aber durch Marvins Corona-Erkrankung einen zwar glücklicherweise nur kleinen, aber wichtigen Teil unserer Tokyo-Besichtigung ausfallen lassen […]

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Ursprünglich war für heute die Besichtigung der Insel Enoshima geplant. Da wir aber durch Marvins Corona-Erkrankung einen zwar glücklicherweise nur kleinen, aber wichtigen Teil unserer Tokyo-Besichtigung ausfallen lassen mussten, haben wir beschlossen, diesen nun nachzuholen.

Frühstücksfreude

Doch zuerst werden wir gleich nach dem Aufstehen extrem positiv überrascht. Beim Einchecken gestern haben wir angeben müssen, um wieviel Uhr wir denn frühstücken wollen. Bei der Gelegenheit haben wir gefragt, ob es denn möglich wäre, Fisch und Fleisch wegzulassen, weil wir Vegetarier sind (es gibt hier normalerweise ein typisch japanisches Frühstück, das meist zumindest Fisch enthält). Dies wurde bejaht und wir hatten uns auf einen eher simpel gefüllten Teller eingestellt (nur Reis und etwas Gemüse oder so).

Vollkommen baff blicken wir daher auf das Tablett, das uns heute serviert wird. Noch nie haben wir so ein liebevolles, vielseitig zubereitetes und wohlschmeckendes Frühstück in einer Unterkunft bekommen. Das gebratene Gemüse ist der Hammer, die Eier perfekt, das Brot sanft geröstet… hmmm.

Und die Kellnerin kommt kurz darauf noch zu uns und fragt uns nach einem Extra-Wunsch, denn – O-Ton Kellnerin – „das Frühstück würde nicht ihren sonst üblichen Standards entsprechen und sie möchten uns daher noch etwas zusätzlich anbieten“. Wir entscheiden uns beide für ein kühles Getränk, machen aber gleichzeitig klar, dass wir mehr als zufrieden sind mit dem Angebotenen. Was für ein Start in den Tag!

Shibuya – berüchtigte Kreuzung und berühmter Hund

Gutgelaunt und energiegeladen marschieren wir zum Bahnhof und steigen in die Regionalbahn (natürlich in den 1. Klasse-Wagen^^), die direkt zu unserem ersten Ziel, Shibuya, durchfährt. Etwas über eine Stunde später sind wir auch schon da.

Vor unserem Urlaub hatten wir ein wenig Bammel vor der berühmt-berüchtigten Shibuya-Kreuzung, haben wir doch zig Videos gesehen, die zeigen, was für ein Gewusel ausbricht, sobald die Fußgängerampeln auf Grün umschalten. Werden wir uns da zurechtfinden? Oder werden wir gleich vor das nächstbeste Auto rennen?

Nun, als wir dann direkt an dieser Kreuzung stehen, fällt es uns das erste Mal auf: Sobald die Fußgänger*innen über die Straße dürfen, werden ALLE Auto-Ampeln auf Rot geschaltet. Man kann also gefahrlos auch schräg über die Kreuzung laufen. Eigentlich komisch, dass wir das vorher nicht schon bemerkt haben.

Aber bei all den Menschen sieht man ja nix mehr! 😉

Nachdem wir das Spektakel ausreichend beobachtet haben, wenden wir uns dem nächsten Must See an diesem Platz zu: Hatchikos Denkmal. Vermutlich kennt jeder die Geschichte dieses Hundes. Falls nicht, kann man sie hier nachlesen.

Wie wir es inzwischen von Japan gewöhnt sind, herrscht auch dort eine rücksichtsvolle Ordnung. Kein wildes Gedränge um die beste Foto-Perspektive, sondern eine einzelne Schlange, in der man seelenruhig darauf warten kann, bis man selbst mit dem Foto an der Reihe ist. Und die jeweils Nachfolgenden helfen einem selbstverständlich bei einem Gruppenfoto. Ich weiß bereits jetzt, dass ich diese angenehme Disziplin zuhause sehr vermissen werde.

Einige Fotos später überqueren wir schließlich auch (unbeschadet) die Shibuya-Kreuzung und marschieren in Richtung Meiji-Tempel. In den Nebenstraßen fällt uns erneut auf, wie niedrig die Verkehrsdichte in dieser Riesenstadt doch ist. Kaum hat man sich ein paar Meter von den Hauptverkehrswegen entfernt, ist es ruhig und so gut wie gar nicht mehr befahren. Ich mag das sehr.

Schwammkuchen warm im Park

Hier entdecken wir auch einen Stand, der frischen Kasutera verkauft. Da unser Frühstück nun doch schon eine Weile her ist, ist es die Gelegenheit, diesen besonders fluffigen Kuchen endlich auch noch zu probieren. Interessant finde ich, dass die Verkäuferin den Kuchen aufwärmt, ehe sie uns unsere Stücke gibt. Bisher habe ich nicht gewusst, dass man ihn anscheinend warm genießt.

In einem nahegelegenen Park entdecken wir mehrere Tische. Da dort auch andere Menschen essen, gehen wir davon aus, dass es hier erlaubt ist, und testen den Kuchen. Er ist seidenweich und lässt sich wie ein Schwamm zusammendrücken (daher auch der englische Name „Sponge Cake“). Schmecken tut er gut, wenn auch ein wenig langweilig. Wie ein besonders zarter Sandkuchen, nur nicht ganz so trocken und bröselig. Trotzdem habe ich hier in Japan schon deutlich leckerere Kuchen gegessen. Doch das ist unser ganz individueller Geschmack. Perfekt zubereitet ist er definitiv!

Neben den Ess-Tischen hat dieser Park noch eine andere Besonderheit vorzuweisen: Es gibt öffentliche Mülleimer! Inzwischen sind wir so sehr daran gewöhnt, dass es keine gibt (mindestens eine Plastiktüte für anfallenden Müll schleppen wir grundsätzlich mit uns rum), dass es uns extrem auffällt. Und wir gleich mal ein paar Fotos davon machen müssen^^.

Kontrastprogramm Meiji-Tempel

Nach dieser kleinen Pause geht es zu Fuß weiter zu unserem nächsten Ziel, dem Meiji-Tempel. Er liegt zwar mitten in der Großstadt, durch das weitläufige, von riesigen Bäumen bewachsene Gelände drumherum taucht man jedoch sofort ein in eine Oase der Entspannung.

Es verblüfft uns immer wieder aufs Neue, wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Gebieten dieser Stadt sein können. Auf der einen Seite die neon-grelle Shibuya-Kreuzung mit ihren Wolkenkratzern, den bunten Reklametafeln, den vielen Menschen und den von allen Richtungen auf einen herabschallenden Werbe- und Informations-Durchsagen, auf der anderen Seite – nur wenige Geh-Minuten entfernt – so eine kontemplative Anlage wie diese hier, in der man sofort unwillkürlich durchatmet und ruhiger wird. Faszinierend!

Shinjuku – Katzen und andere Riesenmonster

Kaum haben wir das Tempelgelände durchquert, begrüßt uns auf der anderen Seite auch schon das nächste Neon-Viertel: Shinjuku. Noch mehr Wolkenkratzer, noch mehr Reklame, noch mehr Menschen. Wir finden auch das toll!

Pflichtprogramm ist hier natürlich die 3D-Video-Katze, ebenso wie das Rotlicht- und Kneipenviertel Kabukicho mit dem über alles wachenden Godzilla. In unserem Katzen-Video gewinnt man auch einen guten Eindruck der Geräuschkulisse in diesem Viertel von Tokyo:

Shinjuku-Bahnhof – „The world’s busiest passenger station“

Nachdem wir auch das ausgiebig erkundet haben, steht uns noch ein letzter Härtetest bevor: Der Bahnhof Shinjuku. Mit über drei Millionen Fahrgästen täglich gehort er zu den zehn größten Bahnhöfen der Welt und gilt als der verkehrsreichste.

Während unserer Reiseplanung haben wir ein unterhaltsames Video über einen städtischen Angestellten gesehen, der einzig und alleine dafür da ist, hilflosen Menschen in diesem undurchschaubaren Bahnhofslabyrinth den Weg zu weisen.

Falls man sich also in dem vielstöckigen Gebilde verläuft, genügt es, eine Weile möglichst verwirrt in Richtung einer der zahlreichen Überwachungskameras zu blicken, und schon ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ebendieser Angestellte herbei eilt und fragt, wohin man denn möchte.

Nun, wir sind inzwischen erfahren genug, um uns nicht mehr zu verlaufen. Aber ganz ehrlich, etwas froh bin ich schon um das Wissen, dass im Notfall Hilfe zur Verfügung stünde 🙂

Meigetsu-in – uralter Zen-Garten

Eine Station vor Kamakura-Hauptbahnhof verlassen wir die Regionalbahn wieder. Zur mentalen Erholung nach der optischen und akustischen Dauerberieselung rund um Shinjuku wollen wir noch den fast 900 Jahre alten Zen-Schrein Meigetsu-in besuchen.

Das Gelände schließt um 16 Uhr, wir schaffen es jedoch, um 15 Uhr dort zu sein und haben somit noch eine ausreichende Stunde Zeit, um diese wunderschöne Anlage zu genießen. Auch hier gibt es zusätzlich zur fantastischen Gartengestaltung noch tierische Gesellschaft: Keine Rehe, dafür aber Eichhörnchen, die im Vergleich zu ihren zierlichen deutschen Pendants geradezu riesig erscheinen. Falls jemand die „Squirrels“ aus dem Londoner Hyde Park kennt: Die haben ungefähr die gleiche Größe.

Sie lassen sich zwar nicht füttern (wie die Rehe in Nara und auf Miyajima), sind aber sehr süß anzusehen.

Geistig erholt, aber inzwischen körperlich schon etwas erschöpft machen wir uns im Anschluss langsam auf den Rückweg zu unserer Unterkunft. Auf dem Weg zum Bahnhof geraten wir mitten in eine Gruppe von Schülern, die anscheinend gerade Schulschluss haben. Jetzt, am späten Nachmittag, kurz vor dem Dunkelwerden.

Neugierig schlagen wir im Zug ein paar Infos zum Schulsystem in Japan nach. Tatsächlich dauert ein japanischer Schultag wohl grundsätzlich von 8:00 bis 15:30 Uhr. Es gibt auch einige andere Unterschiede zum deutschen System, die man hier nachlesen kann. Vieles finde ich gut, anderes – wie z.B. der hohe Druck, der auf den Schüler*innen lastet – bedenklich. Wie so oft hat eben alles seine zwei Seiten.

Die (vorerst) letzte Nacht in Japan

Am Bahnhof von Kamakura decken wir uns wieder mit ein paar Leckereien ein und verbringen unseren letzten Urlaubsabend im Good Morning Zaimokuza. Wehmütig blicken wir auf den wunderschönen Sonnenuntergang. Morgen geht unser Flug zurück nachhause.

Zwar freuen wir uns auf unsere Familie, die vertraute Umgebung und den gewohnten Tagesablauf. Wie nach jeder unserer eindrucksintensiven Reisen ist es an der Zeit, in den Alltag zurückzukehren und alles in Ruhe zu verarbeiten. Aber gleichzeitig schnürt es uns den Hals zu bei dem Gedanken, dieses Land mit seinen liebenwürdigen Menschen so bald wieder verlassen zu müssen. Wo wir uns doch gerade erst eingelebt haben…

Überblick

Datum: Freitag, 13. Oktober 2023
Anmerkung: Ich habe die Route als Fahrradtour planen müssen, weil Google bei öffentlichen Verkehrsmitteln keine Mehrfachziele zulässt; eigentlich sind wir das alles natürlich per Bahn gefahren oder zu Fuß gegangen 🙂
Unterkunft: Good Morning Zaimokuza, Bed & Breakfast

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Kamakura – Surfer im Sonnenuntergang https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kamakura-surfer-im-sonnenuntergang/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kamakura-surfer-im-sonnenuntergang/#respond Mon, 04 Nov 2024 08:40:51 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=9961 Für die letzten beiden Übernachtungen in Japan haben wir uns Kamakura ausgesucht. Nicht nur, weil es sehr nahe bei Tokyo liegt, sondern auch wegen seiner schönen Strände. Als […]

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Für die letzten beiden Übernachtungen in Japan haben wir uns Kamakura ausgesucht. Nicht nur, weil es sehr nahe bei Tokyo liegt, sondern auch wegen seiner schönen Strände. Als Unterkunft hatten wir ein einfach ausgestattetes, aber geräumiges Zimmer in einem traditionellen Holzhaus/Hostel gebucht – nahe des Ufers, mit einem hübschen japanischen Garten und chilliger Atmosphäre (zumindest den Fotos und Bewertungen nach). Zwei Monate vor unserer Reise bekamen wir die Nachricht, dass die Buchung leider storniert werden muss. Die Unterkunft ist nach einer Inspektion durch die örtliche Baubehörde wegen Baufälligkeit bis auf Weiteres geschlossen worden. Tja.

Eine hektische Suche bei booking.com ergab zuerst nur entweder sehr hässliche oder total überteuerte noch zur Verfügung stehende Übernachtungsmöglichkeiten. Wir waren kurz davor, uns einen anderen Ort für diese letzte Etappe zu suchen, als wir das Bed & Breakfast „Good Morning Zaimokuza“ entdeckten. Ein einziges Zimmer war noch zu haben. Die Fotos, die Lage und der Preis (ziemlich genau 100 Euro pro Nacht – inklusive Frühstück!) überzeugten uns, also haben wir uns das Zimmer schnell reserviert.

Noch mal Glück gehabt! Aber dieses Intermezzo hat uns erneut darin bestätigt, dass es richtig gewesen ist, bereits so weit im Voraus alle Unterkünfte gebucht zu haben.

Abschied von Kyoto

Nach einer erholsamen Nacht und einem kleinen Snack packen wir unsere Sachen zusammen und werfen noch einen letzten Blick auf unser behagliches Mini-Appartement. Kyoto ist für sich genommen bereits eine wunderschöne Stadt, aber diese Unterkunft hat einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen, dass wir sie nur ungern verlassen.

Jetzt – relativ früh am morgen und zudem in Richtung Bahnhof – ist der Bus eher leer und wir können ihn daher guten Gewissens auch mit unseren ausladenden Rucksäcken benutzen. Die heute zu fahrende Strecke ist die längste unserer Reise.

Zuerst geht es mit dem Schnellzug von Kyoto nach Shin-Yokohama-Station. Für diese fast 400 Kilometer benötigt der Tokaido Shinkansen nicht einmal zwei Stunden. Wieder einmal sind wir beeindruckt von dieser unglaublich komfortablen Art zu reisen.

Erste Klasse im Regionalzug

In Yokohama müssen wir dann umsteigen auf eine regionale JR-Linie. Begeistert entdecken wir, dass es in diesem Zug auch einen Green Car-Bereich gibt, und machen sofort Gebrauch davon. Es dauert nicht lange, bis ein Schaffner kommt und unsere Karten sehen möchte (das erste Mal auf unserer Reise). Und zwar nur unsere – alle anderen (einheimischen) Mitfahrenden werden nicht überprüft. Sobald wir jedoch unsere JR-Pässe mit dem Aufdruck „Green Pass“ vorzeigen, entschuldigt sich der Schaffner wortreich.

Wir haben Verständnis für ihn. Vermutlich kommt es recht häufig vor, dass Touristen die Unterschiede in den Wagenklassen nicht (er-)kennen und sich über die luxuriösen Abteile freuen, ohne zu wissen, dass sie den dafür nötigen Aufschlag nicht bezahlt haben. Schließlich gibt es in den Regionalzügen kein Reservierungssystem. Daher nehmen wir es gerne in Kauf, dass wir nicht nur heute, sondern auch morgen und übermorgen bei jeder Benutzung der Green Cars kontrolliert werden. Dafür sind die Sitze und die Aussicht im oberen Stockwerk dieser zweistöckigen Waggons einfach zu gut 🙂

Eine chillige Strandbar mit Übernachtung

Eine halbe Stunde später hält der Zug auch schon in Kamakura. Es gäbe die Möglichkeit, mit dem Bus zu unserer Unterkunft zu fahren, aber da der Weg nicht allzu weit ist, wählen wir die Fußmarsch-Variante. Auf diese Weise erhalten wir gleich mal einen Eindruck von der Stadt. Wir fühlen uns an italienische Mittelmeer-Städtchen erinnert – nur ohne den Lärm, den chaotischen Verkehr und die unzähligen Menschen. Dafür mit gepflegten Kiefern neben der Straße.

Unsere Unterkunft liegt direkt an der Uferstraße und gleicht eher einer Strandbar, die nebenbei auch Zimmer vermietet. Entsprechend locker ist die Atmosphäre.

Unser Zimmer besteht im Grunde nur aus einem riesigen Doppelbett. Auf der oberen Etage schlafen wir, den Bereich unten nutzen wir für unser Gepäck, um zu snacken oder hin und wieder mal einen Blick in das teilweise ziemlich skurrile japanische Fernsehprogramm zu werfen.

Der Blick aus dem Fenster an der Kopfseite des Bettes ist wunderschön. Einziges Manko: Das Fenster lässt sich nicht öffnen. Damit es nicht zu stickig wird, muss also die am Fußende des Bettes befindliche Klimaanlage die ganze Zeit laufen. Da ich Klimaanlagenluft nicht besonders schätze, stört mich das. Allerdings nicht allzu sehr. Schön ist es hier trotzdem! Es gibt für die wenigen Zimmer zwei Duschen, drei Toiletten und einen Waschbecken-Bereich. Das ist mehr als ausreichend, ich begegne nur selten den anderen Gästen.

Entspannung bei Bubble Tea mit Strandblick

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, gönnen wir uns erst einmal einen Bubble Tea mit Blick aufs Meer. Das Personal erklärt uns, dass die Bar auch gleichzeitig der Aufenthaltsraum für die Übernachtungsgäste ist. Wir könnten also auch ohne Getränke hier sitzen – machen wir aber nicht. Schließlich sind diese Getränke sehr lecker 🙂

Inzwischen ist es schon später Nachmittag. Für heute haben wir nicht mehr viel geplant. Wir machen uns noch einmal auf den Weg, um ein Restaurant für das Abendessen zu suchen, finden aber nichts Geeignetes. Es gibt zwar durchaus einige Lokale, aber keines davon hat eine ansprechende Auswahl an vegetarischen Gerichten.

Macht nichts, es muss ja nicht jeden Tag ein warmes Abendessen sein. Also füllen wir unsere Vorräte bei einem Bäcker und in einem Konbini am Bahnhof auf und marschieren zurück. Als wir das „Good Morning Zaimokuza“ erreichen, dämmert es bereits rötlich. Schnell laden wir unsere Einkäufe im Zimmer ab und genießen dann in der folgenden Stunde am Strand die wirklich beeindruckenden Lichtstimmungen des malerischen Sonnenuntergangs. Was für ein wunderschöner Ort für die letzte Etappe unserer Reise!

Überblick

Datum: Donnerstag, 12. Oktober 2023
Unterkunft: Good Morning Zaimokuza, Bed & Breakfast

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Kyoto: Wandern durch tausend Toriis https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kyoto-wandern-durch-tausend-toriis/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kyoto-wandern-durch-tausend-toriis/#respond Mon, 28 Oct 2024 13:19:32 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=9745 Bei der Planung unseres Aufenthaltes in Kyoto wurde schnell klar, dass wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit niemals alle Tempel uns sonstige Sehenswürdigkeiten besichtigen können. Also […]

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Bei der Planung unseres Aufenthaltes in Kyoto wurde schnell klar, dass wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit niemals alle Tempel uns sonstige Sehenswürdigkeiten besichtigen können. Also haben wir unsere Auswahl anhand der Entfernung zu unserer Unterkunft getroffen. Gestern war es der gleich um die Ecke liegende Kiyomizu-dera, heute besuchen wir einen anderen, ebenfalls recht nahen Schrein.

Orange-rote Wege in den Himmel

Die mit ungeheuer vielen orange-roten Toriis überspannten Wege des Fushimi Inari Taisha kennt vermutlich jeder, der sich schon mit Japan auseinandergesetzt hat. Um dorthin zu gelangen, müssen wir lediglich ein paar Stationen mit der regionalen S-Bahn fahren. Wir brechen trotzdem sofort nach dem Frühstück auf, da wir nicht einordnen können, wie lange wir für die Besichtigung brauchen werden – haben wir uns doch vorgenommen, bis ganz nach oben auf den Berg zu steigen.

Der Treppenweg bis auf die Bergspitze ist in diversen Reisenberichten als recht anstrengend beschrieben. Also stärken wir uns an den zahlreichen Buden vor dem Gelände noch mit einem kleinen Snack, ehe wir die Schreinanlage betreten.

Wie üblich kostet es keinen Eintritt. Und wie ebenfalls üblich ist es bereits recht voll. Ein Foto ohne zig andere Touristen zu machen ist schlicht unmöglich. Je weiter wir nach oben kommen, umso mehr leert sich zwar der Weg, aber trotzdem bleiben genügend Menschen übrig.

Ein besinnlicher Aufstieg

Wir sind mit dabei und finden es wunderschön hier. Die Menschen stapfen atemsparend (also nahezu still) den Berg hinauf, hin und wieder gibt es an Zwischenstationen Möglichkeiten zur Verpflegung, zum Einkauf von Souvenirs, zum Ausruhen oder einfach nur zum Genießen der spektakulären Aussicht über Kyoto.

Der Anstieg ist auch bei weitem nicht so anstrengend, wie von manchen beschrieben. Immer wieder sind zwischen den Treppenstufen längere Passagen mit nur mäßiger Steigung, so dass man eigentlich ziemlich gut vorankommt.

Der oberste Punkt, den wir nach knapp 40 Minuten Aufstieg erreichen, ist fast ein wenig enttäuschend. Hier gibt es weder einen Imbiss noch eine gute Aussicht, lediglich zahlreiche kleine, leicht durcheinander wirkende Toriis und Mini-Schreine. Trotzdem sind wir stolz auf uns, dass wir es so problemlos bis hierher geschafft haben.

Wir pausieren ein wenig und schlagen nach, durch wie viele Tore wir denn nun gelaufen sind. Die Zahlen schwanken: Insgesamt gibt es hier über 10.000 Toriis, von denen aber nur ein Teil die Wege überspannt. Mindestens 1.000 sind es wohl auf alle Fälle. Schon beeindruckend!

Im Anschluss machen wir uns wieder an den Rückweg. Es handelt sich um einen Rundkurs, bei dem sich die Wege hin und wieder zwar kreuzen, wir aber nur kurze Abschnitte doppelt gehen müssen. Als wir endlich wieder unten sind, ist es Mittag. Knapp zwei Stunden haben wir für die Bergbesteigung samt Pausen benötigt. Das geht ja!

Yasaka-Schrein und Maruyama Park

Wir fahren zurück Richtung Hotel, kaufen auf dem Weg ein bisschen was ein und machen dann eine Mittagspause. Ein Teil unseres Nachmittagsprogramms soll nach dem Dunkelwerden stattfinden, wir wollen daher nicht zu früh aufbrechen. Gegen zwei machen wir uns schließlich auf den Weg, diesmal zu Fuß und in die andere Richtung.

Inzwischen ist uns die Umgebung schon etwas vertraut und ohne große Umwege erreichen wir den Yasaka-Schrein samt direkt dahinterliegendem Maruyama Park. Beides ist sehr hübsch anzuschauen, besonders der fotogene Reiher im Park hat es uns angetan. Allerdings werden wir schon ein wenig mäkelig. Zwar gilt der Schrein als einer der größten, aber mangels Aussicht imponiert er uns weniger, als die beiden bisher besuchten.

Gion-Viertel bei Sonnenschein

Im Anschluss streifen wir durch das Gion-Viertel, auch bekannt als „Geisha-Viertel“. Wir kommen tatsächlich in den Genuss, zwei Geishas auf ihrem Weg zur Arbeit beobachten zu dürfen, machen aber aus Respekt keine Fotos und halten uns auch beim Hingucken sehr zurück.

Leider halten sich nicht alle Touristen daran und inzwischen hat die Stadtverwaltung von Kyoto daraus Konsequenzen gezogen: Seit April 2024 darf das Viertel nicht mehr betreten werden. Ein nachvollziehbarer Schritt, wenn auch schade. Wir sind jedenfalls froh, noch ohne Restriktionen hindurchschlendern zu können.

Beim Verlassen des Viertels stolpern wir zufällig über ein veganes Tempura-Restaurant und nutzen die Gunst der Stunde für das Abendessen. Sehr lecker! Und das Gemüse auf den Punkt genau gegart.

Zeit vertreiben im Zauberstab-Laden

Als letztes Besichtigungsziel haben wir uns für heute die Pontocho-Gasse vorgenommen, eine besonders enge kleine Straße am Westufer des Kamogawa-Flusses, die besonders in den Abendstunden wegen der dann brennenden zahlreichen roten Laternen vor den ebenfalls zahlreichen Essens-Lokalen besonders reizvoll sein soll.

Da es aber noch nicht dunkel ist, durchstöbern wir die danebenliegende weiträumige Einkaufspassage. Wir brauchen schließlich noch ein paar typisch japanische Mitbringsel für zuhause. Wir landen in einem Ess-Stäbchen-Laden und sind verblüfft. Hier gibt es ja tausende von Varianten! Unglaublich, wie unterschiedlich man so dünne Stöckchen gestalten kann. Spontan fühlen wir uns an den Zauberstabladen aus Harry Potter erinnert.

Kaum eine Stunde später haben wir endlich ausreichend Stäbchen ausgewählt und bekommen sie aufwändig eingewickelt von der Verkäuferin überreicht. Um unsere Schätze auch unversehrt nachhause transportieren zu können, kaufen wir in einem Ramschladen noch ein geeignetes Plastikgefäß.

Pontocho und Gion im Dunkeln

Wir belohnen uns für unsere Ausbeute mit einer eisgefüllten Waffel und anschließend ist es endlich düster genug, um Pontocho zu besichtigen. Was soll ich sagen: Es sieht tatsächlich extrem atmosphärisch aus. Das Warten hat sich definitiv gelohnt!

Als zusätzlichen Bonus erleben wir auf dem Rückweg zum Hotel auch noch das Gion-Viertel im Dunkeln, auch das ein weiteres Hightlight. Im Unterschied zu den Tages-Besichtigungszielen ist es hier ganz und gar nicht ausgestorben, sondern sehr lebendig und ebenfalls sehr stimmungsvoll. Was für ein schöner letzter Abend in Kyoto!

Überblick

Datum: Mittwoch, 11. Oktober 2023
Unterkunft: West Japan Kyoto Kiyomizu

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Kyoto: Stadt der Kimonos https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kyoto-stadt-der-kimonos/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kyoto-stadt-der-kimonos/#respond Sat, 12 Oct 2024 08:01:22 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=9598 Beim Essen genieße ich meine Lieblings-Schmankerl gerne zuletzt, das erhöht die Vorfreude. Mit einem ganz ähnlichen Gefühl bin ich nun gespannt auf Kyoto. Kann die Stadt uns noch […]

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Beim Essen genieße ich meine Lieblings-Schmankerl gerne zuletzt, das erhöht die Vorfreude. Mit einem ganz ähnlichen Gefühl bin ich nun gespannt auf Kyoto. Kann die Stadt uns noch begeistern, nach allem, was wir bereits erlebt haben? So viel sei vorab verraten: Sie kann. Und wie!

Von Kurashiki aus müssen wir zuerst wieder in den Regionalzug und dann in den Shinkansen umsteigen, was, wie üblich, reibungslos funktioniert. Um kurz nach Zwölf erreichen wir den Hauptbahnhof von Kyoto. Übrigens ein sehr beeindruckendes Gebäude (das vom Bahnhof), was uns jedoch erst übermorgen, bei der Abreise, so richtig auffällt. Jetzt gilt es erst einmal den Bus zu unserem Hotel zu finden.

Begehrte Busstrecke

Wir marschieren einmal um den Platz mit den Haltestellen, bis sich unsere böse Ahnung bestätigt: Genau der Bus mit der langen Warteschlange ist der unsrige. Nun gut, damit haben wir im Grunde schon gerechnet.

In einem Artikel über Kyoto habe ich vorab gelesen, dass es derzeit hier große Probleme mit dem öffentlichen Verkehr gibt. Während der Corona-Zeit ist er aus Kostengründen reduziert worden und (mangels Personal, das inzwischen anscheinend woanders untergekommen ist) bis heute noch nicht zu alter Kapazität wiederaufgebaut. Zusammen mit den deutlich gestiegenen Besucherzahlen gibt es dadurch insbesondere auf den Strecken zu den einzelnen Attraktionen der Stadt immer wieder enorme Engpässe.

Die Stadtverwaltung von Kyoto hat deswegen die Touristen gebeten, auf andere Transportmöglichkeiten auszuweichen, besonders wenn sie größeres Gepäck mit sich führen. Aus diesem Grund haben wir unsere Unterkunft nicht allzu weit weg vom Hauptbahnhof gewählt. Knapp drei Kilometer sind es zu Fuß, das schaffen wir auch mit den schweren Rucksäcken.

Das perfekte Hotelzimmer

Vierzig Minuten später stehen wir auch schon an der Rezeption und werden positiv überrascht, als die Hotelangestellte meint, wir könnten bereits jetzt einchecken. Das ist ja super!

Die nächste Überraschung erleben wir, als wir unser Zimmer betreten. Das ist mit Abstand das beste Hotelzimmer, was wir während unserer gesamten Reise bewohnt haben. Nicht nur ist der Schlafraum besonders geräumig, es gibt sogar einen Balkon, eine gut ausgestattete Küche, ein von der Dusche getrenntes WC und eine eigene Waschmaschine. Und das Ganze für lächerliche 60 Euro pro Nacht (für uns beide). Toll!

Die Waschmaschine benötigen wir dringend, um unseren schwindenen Vorrat an sauberer Wäsche noch ein letztes Mal aufzustocken. Doch zuerst haben wir Lust auf Tempel, gewaschen werden kann später. Wir machen uns also nur etwas frisch, dann ziehen wir los.

Eine hohe Kimono-Dichte

Bereits eine Straßenüberquerung später erhöht sich die Menschendichte deutlich. Und – was uns sofort auffällt – auch die Anzahl jener, die in traditionelle Kleidung gehüllt sind. Viele Frauen sind passend geschminkt und frisiert.

Wir entdecken auch einige Läden, die Leih-Kleidung samt Schmink- und Frisurenservice anbieten. Uns persönlich reizt das nicht, aber den Anblick genießen wir sehr. Er erzeugt eine ganz besondere Stimmung, die wir so in keiner von uns bisher besuchten Stadt erlebt haben.

Die Straße führt ein wenig den Hang hinauf und ist gesäumt von besagten Kimono-Komplettpaket-Läden, Souvenirshops, Imbissen und anderen Geschäften. Die Menschen sind fröhlich und die gute Stimmung steckt an. Wir gönnen uns den einen oder anderen Leckerbissen und erreichen schließlich den Eingang zum eigentlichen Tempel.

Kyoto von oben

Die Anlage ist einfach nur wunderschön. Zudem haben wir Glück mit dem Wetter und können einen fantastischen Blick über Kyoto genießen. Ich bin zutiefst beeindruckt und erneut dankbar, dieses wunderbare Land bereisen zu dürfen.

Wir erkunden das Tempelgelände ausgiebig, dann geht es wieder zurück nach unten. Auf der Suche nach einem in HappyCow angezeigten veganen Ramenrestaurant biegen wir rechts ab und kommen so auch durch die Nebengassen des Gebietes, die dank kleiner Treppchen, Kurven und Winkel mindestens genauso attraktiv sind wie der Tempel selbst. Auch hier herrscht eine hohe Kimono-Dichte und dadurch eine fantastisch schöne Atmosphäre.

Zum Abendessen gibt es veganen Ramen

Beim Ramen-Restaurant müssen wir nicht allzu lange anstehen, ehe wir zwei Plätze ergattern. Dabei fällt uns nicht zum ersten Mal auf, dass in Lokalen, die ein vegetarisches oder veganes Angebot haben, überwiegend westliche Gäste sitzen. Anscheinend hat sich dieser Trend hier noch nicht allzu sehr etabliert. Kein Wunder also, dass wir nur eine recht eingeschränkte Auswahl bei entsprechenden Angeboten in den Konbinis haben.

Die Eiersandwiches jedenfalls hängen mir schon langsam zum Hals heraus, daher bin ich froh um die frisch zubereitete und sehr leckere Suppe. Todesmutig bestellen wir dazu zwei fertig gemixte Highballs aus der Dose, die in unserem Fall aus Whisky mit Sodawasser bestehen. Schon nach einem Schluck stelle ich fest, dass mir Whisky nicht mehr schmeckt, und schiebe meinen zu Marvin rüber. Was ihn nach einer Weile ziemlich lustig werden lässt^^

Saubere Wäsche und einsame Gassen

Wieder zurück im Hotel werfe ich zuerst die Wäsche in die Maschine und mich anschließend aufs Bett. Den Rest des Spätnachmittags verbringen wir mit Ausnüchtern (in Marvins Fall), Faulenzen, Lesen und Aufhängen der frischgewaschenen Klamotten.

Marvin zieht es am Abend noch mal nach draußen. Hauptsächlich, um noch etwas einzukaufen, aber gleichzeitig möchte er herausfinden, ob auch hier mit Einbruch der Dunkelheit alles dichtmacht. Und in der Tat, auch die Gassen rund um den Tempel sind nun wie ausgestorben, eine völlig andere Welt. Lediglich einige Reinigungs- und Aufräumkräfte sind noch zu sehen, der Aufgang zum Tempel ist mit Absperrband und Schildern abgeriegelt. Was heute nachmittag noch so einladend, laut und bunt war, ist jetzt ruhig, dunkel und fast ein wenig geheimnisvoll – mit seinem ganz eigenen, besonderen Reiz:

Überblick

Datum: Dienstag, 10. Oktober 2023
Unterkunft: West Japan Kyoto Kiyomizu

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Kurashiki: Malerisches Bikan-Viertel https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kurashiki-malerisches-bikan-viertel/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/kurashiki-malerisches-bikan-viertel/#respond Sat, 28 Sep 2024 07:44:07 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=9440 Dank der superschnellen Shinkansen wäre es zwar problemlos möglich, erst auf den letzten Drücker vor unserer Heimreise vom Süden Japans nach Tokyo zurückzufahren, allerdings entspricht das nicht unserer […]

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Dank der superschnellen Shinkansen wäre es zwar problemlos möglich, erst auf den letzten Drücker vor unserer Heimreise vom Süden Japans nach Tokyo zurückzufahren, allerdings entspricht das nicht unserer „Lieber viel zu früh da sein“-Devise. So vieles könnte die Rückfahrt verzögern: Taifune, Erdbeben, Tsunamis, unpünktliche Züge. OK, zugegeben – das Letztere kommt hier nicht vor – aber die ersten drei Ereignisse gibt es in Japan dafür relativ häufig.

Außerdem empfinden wir es als verpasste Gelegenheit, einen ganzen Tag ausschließlich im Zug zu verbringen. Dann lieber immer nur wenige Stunden und am jeweiligen Zielort noch etwas besichtigen. Häufig genügt ja ein halber Tag, um einen guten Eindruck von einem Ort zu bekommen. Also haben wir nach einem solchen Ziel in entsprechender Entfernung von Hiroshima gesucht – und Kurashiki gefunden.

Frühe Ankunft, wie geplant

Es gibt keine Shinkansen-Direktverbindung, wir müssen am Bahnhof von Okayama in den Regionalzug umsteigen. Inzwischen sind wir diesbezüglich jedoch Profis und bereits mittags erreichen wir Kurashiki.

Das historische Bikan-Viertel – eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Ortes – befindet sich nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Und unsere Unterkunft – das Hostel Cuore Kurashiki – liegt mittendrin. Als wir dort eintreffen, ist unser Zimmer wie erwartet noch nicht bezugsbereit. Wir deponieren also lediglich unser Gepäck und machen uns sogleich an die Besichtigung des Viertels.

Ein weiteres Venedig

Weltweit gibt es zig Orte, die als „Venedig von …“ gelten. Das Bikan-Viertel ist das von Japan. Auch wenn sich innerhalb des Viertels gerade mal ein einziger Kanal befindet, so fahren doch zumindest eine Art Gondeln auf ihm. Das war es allerdings auch schon mit der Venedig-Ähnlichkeit – aber schön ist es hier trotzdem. Sehr sogar.

Kurashiki war früher eine bedeutende Handelsstadt und hier, neben dem Kanal, stehen noch viele der alten Lagerhäuser. Inzwischen sind dort Restaurants, Souvenirläden und auch viele Klamottenläden untergebracht (der Ort ist für die hier hergestellten Jeansstoffe und -kleider bekannt). Marvin und ich probieren einiges an, müssen aber erneut feststellen, dass es so gut wie nichts in unserer Größe gibt. Schade, denn einige der Sachen sind wirklich hübsch.

Aber auch so macht es Spaß, durch die Gassen zu schlendern und alles zu erkunden. Am frühen Nachmittag bekommen wir Hunger und im Plastikessen-Aushang eines eher unscheinbaren kleinen Restaurants meinen wir einige Tofu-Gerichte zu erkennen. Also nichts wie hinein!

Fifty Shades of Tofu

Zuerst scheitern wir fast an der Sprachbarriere, bis sich ein Mann vom Nachbartisch freundlich einmischt. Er kommt – wie er uns auf Englisch erklärt – aus Australien, lebt aber schon viele Jahre als Reiseführer hier in Japan. In fließendem Japanisch erklärt er der Betreiberin des kleinen Lokals, was wir gerne hätten (bzw. nicht hätten – nämlich Fisch oder Fleisch). Zwei junge japanische Frauen an einem weiteren Tisch kommen ebenfalls noch mit einigen Anmerkungen zu Hilfe, und es entspinnt sich ein fröhliches Gespräch, das zum Schluss das gesamte Restaurant mit einbindet.

Als Ergebnis serviert man uns kurz darauf zwei Tafeln mit einem halben Dutzend unterschiedlichen Tofu-Gerichte – eines köstlicher als das andere. Ich bin begeistert – sowohl vom Essen als auch von dem schönen Kommunikationserlebnis!

Den freundlichen Australier samt Begleitern treffen wir übrigens später noch mehrmals in den Gassen von Bikan und grüßen uns jedesmal grinsend.

Neue und altbekannte Gesichter

Überhaupt scheint heute der Tag der Begegnungen zu sein, denn als wir vollgefressen das Lokal wieder verlassen, werden wir kurz darauf am Rand des Kanals von einem Mann angesprochen. Er fragt uns freundlich, ob wir aus Deutschland kämen (Wie kommt er nur darauf?), und als wir bejahen, redet er voller Freude auf Deutsch weiter. Er käme ebenfalls von dort, aus der Nähe von Iserlohn, sei aber vor einigen Jahrzehnten auf seiner Japanreise hier „hängengeblieben“. Soll heißen, er hat sich verliebt, hat geheiratet und ist in Japan sesshaft geworden. Er wäre schon 65 Jahre hier (also muss er über 80 sein – was mich sehr verblüfft, da er deutlich jünger wirkt) und nach wie vor glücklich, aber hin und wieder freue er sich einfach, mit ein paar Menschen in seiner Muttersprache sprechen zu können.

Wir tun ihm gerne den Gefallen und unterhalten uns noch eine Weile mit ihm, ehe wir uns schließlich verabschieden. Doch nur einige Minuten später werden wir erneut angesprochen. Diesmal ist es eine japanische Familie, die mit uns zusammen zu Gast im Roku-Hostel in Hiroshima gewesen ist. Das Gelächter ist groß, weil wir uns heute über hundert Kilometer weiter östlich im Bikan-Viertel über den Weg laufen. Japan ist kleiner als man denkt 🙂

Am Abend eine andere Welt

Schließlich schaffen wir es doch noch zu unserer Unterkunft. Das Zimmer, das wir beziehen, stellt sich eher als Appartement heraus. Nicht nur ist es besonders geräumig, es hat sogar in einer extra Nische eine kleine Einbauküche. Sehr schön! Wir breiten uns gleich mal aus, duschen und machen ein Verdauungsnickerchen.

Am Spätnachmittag treibt es uns wieder auf die Straße. Wir wollen noch etwas für das Abendessen einkaufen, doch erleben wir hautnah das Phänomen, von welchem wir schon gehört haben: Mit dem Einbrechen der Dunkelheit (gegen 18 Uhr) leeren sich in Japan die Touristen-Hotspots schlagartig. Sämtliche Geschäfte machen zu und das Gebiet wirkt wie ausgestorben.

Das hat hier im Bikan-Viertel seinen ganz eigenen, bezaubernden Reiz. Wir wandern durch die menschenleeren und nur spärlich beleuchteten Gassen und können uns auf einmal sehr viel besser vorstellen, wie es hier damals in der Edo-Zeit gewesen sein mag. Nur zu Essen finden wir nichts.

Erst als wir den Rand des historischen Viertels erreichen, landen wir wieder in der Moderne. Mit hellem Neonlicht, vielen Menschen und gleich mehreren geöffneten Konbinis.

Wir decken uns mit ausreichend Proviant ein, dann verkriechen wir uns in unserem Zimmer. Bei einem guten Buch und leckeren Knabbereien lässt es sich den Abend gut verbringen 🙂

Überblick

Datum: Montag, 09. Oktober 2023
Unterkunft: Hostel Cuore Kurashiki

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Travelblues in Hiroshima https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/travelblues-in-hiroshima/ https://www.in-fremden-gefilden.de/reisen/japan/japan-2023/travelblues-in-hiroshima/#respond Fri, 20 Sep 2024 12:03:00 +0000 https://www.in-fremden-gefilden.de/?p=9340 Wir haben gut geschlafen, das Wetter ist prima, die Unterkunft schön, die Zimmerwirtin supernett, das Frühstück lecker … und trotzdem haben sowohl Marvin als auch ich heute irgendwie […]

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Wir haben gut geschlafen, das Wetter ist prima, die Unterkunft schön, die Zimmerwirtin supernett, das Frühstück lecker … und trotzdem haben sowohl Marvin als auch ich heute irgendwie einen Durchhänger. Am liebsten wären wir jetzt zuhause in München, würden zwei Tage WoW durchspielen und dazu Pizza bestellen. Oder so ähnlich. Und mit keinem anderen Menschen interagieren außer kurz dem Pizzaboten an der Haustür.

Mentaler Overflow

Aber das ist vermutlich auch kein Wunder. Wir haben in den letzten zwei Wochen so dermaßen viel erlebt, uns gleichzeitig aber nie richtig die Zeit genommen, das auch zu verarbeiten. Stattdessen haben wir immer nur neue Eindrücke oben drauf gepackt. Da ist es wohl völlig normal, wenn das Gehirn sagt: Jetzt ist aber mal gut, jetzt ist Zeit für eine Pause! Glücklicherweise ist unser heutiges Programm sowieso eher kurz: Wir wollen uns der Kriegsvergangenheit von Hiroshima widmen und den extra hierfür eingerichteten „Friedenspark“ besichtigen.

Hiroshima Castle

Am frühen Vormittag brechen wir auf. Da sie auf dem (Fuß)Weg liegt, machen wir auch gleich einen Abstecher zur Burg Hiroshima. Hierbei handelt es sich um den orginialgetreuen Nachbau eines Teils der ursprünglich aus 1590 stammenden Gebäude, die – wie so vieles hier – 1945 von der Atombombe zerstört wurden.

Auf dem von einem Wassergraben umgebenen Gelände befinden sich neben der Burg selbst nicht nur die Grundmauern diverser historischer militärischer Gebäude, sondern auch einer der sogenannten A-Bomb Trees: Eine Stechpalme, die den Atombombenabwurf wundersamerweise überlebt hat und seither verehrt wird als „lebendes Mahnmal für Frieden, Verständigung und die Abschaffung von Atomwaffen“.

Es ist ein schönes Fleckchen hier, aber wegen unserer fehlenden Unternehmungslust schlendern wir eher lahm über die Wege. Vermutlich ist die aktuelle Stimmung besser beschrieben, indem ich aufzähle, was wir alles nicht tun: So betreten wir zum Beispiel nicht das Inneren der Burg und schauen uns auch nicht das dortige Museum über den zweiten Weltkrieg an. Dem ebenfalls hier angesiedelten Gokokku-Schrein gönnen wir nur ein paar gleichgültige Blicke. Echt schlimm heute!

Die heilende Wirkung von Brot

Schlagartig besser wird es, als wir nach dem Verlassen des Burggeländes ein paar Straßen weiter eine Art Bäckerei nach westlichem Stil entdecken. Und in ihr tatsächlich einige Dinge, die an unser heißgeliebtes Brot „von zuhause“ erinnern.

Wir kaufen, was uns lecker erscheint, und mampfen dann an den draußen aufgestellten Tischen glücklich unsere Beute. Die schmeckt zwar insgesamt etwas süßlich und nicht so deftig wie erhofft, hat aber immerhin deutlich mehr Konsistenz als ein mehliger Schaumkuss. Prima!

Die Atombombenkuppel

Mit etwas mehr Elan geht es weiter zum eigentlichen Ziel. Am nordöstlichen Rand des Friedenspark steht das Friedensdenkmal: Der weltbekannte, sehr markante Atomic Bomb Dome.

Wir stehen eine Weile davor und lassen die Stimmung auf uns wirken. Die Tatsache, dass nur wenige Meter über diesem Punkt eine Atombombe explodiert ist, löst in mir eine tiefe Beklemmung aus.

Ich habe in den 80er Jahren für Abrüstung gekämpft, den Film The Day After gesehen, ebenso wie das fantastische Wenn der Wind weht. Beide Filme machen sehr deutlich, welch eine bestialische Waffe eine Atombombe darstellt. Auch wenn Japan damals auf der Seite des Aggressors gekämpft haben mag … Krieg ist scheiße. Immer. Erst recht, wenn die Zivilbevölkerung so darunter zu leiden hat wie unter den Folgen eines Atombombenabwurfs.

Das Friedensmuseum

Unsere nachdenkliche Stimmung bleibt uns für den Rest des Nachmittages erhalten. Wir besichtigen den Park und wenden uns dann dem Friedensmuseum zu. Der Eintritt ist frei, aber die Schlange der wartenden Menschen davor lässt uns zuerst zögern. Wir beobachten jedoch, dass sie recht schnell voranrückt, und stellen uns daher ebenfalls an. Es dauert tatsächlich nur etwas über eine halbe Stunde, bis wir das Museum betreten können.

Es ist auf alle Fälle sehenswert, aber nichts für schwache Nerven. Die zahlreichen Fotos und Alltagsgegenstände aus der Zeit nach dem Abwurf zeichnen ein schonungsloses, extrem deutliches Bild des damit verbundenen Leids.

Burger statt Curry

Wieder zurück im Freien haben wir genug vom Krieg. Wir beschließen, zum Abschluss des Tages durch die Innenstadt von Hiroshima zu schlendern und in der dort angesiedelten Zweigstelle des CoCo Ichibanya noch mal so ein leckeres Curry zu essen wie in Imabari. Dort angekommen finden wir erneut eine Schlange von Wartenden vor. Allerdings bewegt diese sich auch nach ettlichen Minuten kein Fitzelchen vorwärts, also lassen wir das.

Nach einigem Suchen landen wir schließlich bei einer Filiale von MOS-Burger, die auch Grüne Burger anbietet – Burger, die nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan sind (was wir eh vorziehen). Dass die Brötchen tatsächlich hellgrün gefärbt sind, merken wir nach dem Bestellen. Schmecken tun sie prima!

Überblick

Datum: Sonntag, 08. Oktober 2023
Unterkunft: Roku Hostel, Hiroshima

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Wer kennt es nicht, dieses rote Tor, das nahe des Ufers im Wasser steht. Jedoch erst bei der Planung unserer Japanreise haben wir herausgefunden, wo genau in Japan es zu finden ist – nämlich auf der Insel Miyajima, nur ein kleines Stückchen süd-westlich von Hiroshima.

Nach unserem Frühstück brechen wir zeitig auf. Das heißt, wir versuchen es, denn erneut „erwischt“ uns Mako und lässt uns das Hostel erst verlassen, nachdem wir bei ihr an der Bar einen (erneut kostenlosen) Kaffee getrunken haben 🙂

Bereits in der Bahn ist es voll

Nur einen kurzen Fußmarsch von unserem Hostel entfernt startet die Regionalbahn zur Miyajimaguchi-Station, wo es eine Fährverbindung zur Insel gibt. Da beides – Bahn und Fähre – zu JR gehört, können wir es ohne Zusatzkosten nutzen.

Der Zug ist bereits in Hiroshima ungewohnt voll und wir bekommen keine Sitzplätze. Ein Blick über die Menge – sehr viele westliche Gesichter – lässt die Hoffnung sausen, dass es sich hier nur um den Berufsverkehr handelt und der Zug sich bald leeren wird. Im Gegenteil, es steigen immer mehr Menschen zu. Und nahezu alle steigen mit uns zusammen wieder aus. Unser Ziel ist dadurch allerdings sehr einfach zu finden: Wir folgen einfach der Karawane.

Fähren am laufenden Band

Am Fährterminal schaufeln gleich mehrere Fähren im 10-Minuten-Takt die Besucher auf die Insel. Zuerst müssen wir jedoch die erst vor wenigen Tagen neu eingeführte Besuchersteuer in Höhe von 100 Yen (ca. 60 Cent) bezahlen, dann dürfen wir mitfahren. Nur wenige Minuten später legen wir auch schon auf Miyajima an. Die Insel ist weitläufig, der Besucherstrom verteilt sich recht bald, ist also weniger störend als befürchtet. Zumal wir uns kaum über all die Touristen aufregen können – gehören wir doch selbst dazu.

Das erste, was uns auffällt, sind die zahlreichen Rehe. Auch hier laufen sie frei herum, sind aber bei weitem nicht so gut erzogen wie die in Nara. Sie verbeugen sich nicht, sondern versuchen ohne Umschweife direkt an alles Essbare heranzukommen, das man in der Hand hält.

Es gibt hier auch kein offizielles Rehfutter zu kaufen, so dass man die Rehe damit nicht ablenken kann. Es bleibt einem also nichts anderes übrig, als sie sanft, aber konsequent zu verscheuchen, wenn man in Ruhe seine Pommes essen möchte. Oder den Platz zu wechseln, falls auch das nicht hilft.

Eine vielfältige Snack-Auswahl

Apropos Essen: Es ist inzwischen mittags und bei uns kommt langsam wieder der Hunger durch. Da trifft es sich gut, dass in den Gassen Richtung Itsukushima-Schrein zahlreiche Imbissbuden angesiedelt sind und wir uns hier durchprobieren können.

Ich entdecke auch zum ersten Mal so eine Pyramide aus quadratischen Matcha-Mochis, wie ich sie schon in einigen Reiseführern gesehen habe. Da ich sowohl Matcha als auch Mochi mag, muss ich mir natürlich gleich einen Becher davon kaufen. Nach dem ersten Probieren bin ich jedoch froh, nur einen kleinen Becher genommen zu haben. Bei aller Liebe zu Matcha, aber das ist mir dann doch zu viel des Guten. Mehr als zwei, drei dieser feucht-matschigen Würfel schaffe ich beim besten Willen nicht, es schmeckt für mich viel zu stark nach dem grünen Teepulver. Marvin gibt bereits nach einem auf. Etwas enttäuschend.

Dafür schmecken die frittierten, mit Sojamehl bestäubten Kügelchen umso besser, die wir an einem anderen Stand entdecken. Außen knusprig, innen weich, aber nicht klebrig und mit dem mild-süßen Pulver bedeckt, sind sie so lecker, dass wir uns später auf dem Rückweg gleich noch eine Portion kaufen.

Überhaupt schlagen wir meist zu, wenn wir eine vegetarische Option entdecken. Unsere Essensweise ist in Japan ist deutlich komplizierter umzusetzen, als wir gehofft haben. Im Lande des Tofu sollte das eigentlich kein Problem sein, dachten wir. Aber nahezu überall ist Fleisch oder Fisch mit dabei. Und für differenziertere Bestellungen fehlen uns schlicht die Sprachkenntnisse. Aber wir wollen uns nicht beklagen, wir kommen auch so gut durch und müssen ganz sicher nicht hungern.

Der Itsukushima-Schrein

Einigermaßen gesättigt erreichen wir schließlich das Ufer, von dem aus man den besten Blick auf das berühmte Torii hat. Hier sitzen interessanterweise auch viele Menschen – meist Kinder, aber auch einige Erwachsene – und zeichnen. Später haben wir erfahren, dass es hier wohl Sitte sei, bedeutsame Stätten abzumalen. Nun, hier sind scheinbar ganze Schulklassen gerade damit beschäftigt.

Nachdem wir gefühlt einige Hundert Fotos vom Torii und seiner Umgebung gemacht haben, wandern wir weiter Richtung Inselmitte. Das bedeutet: es geht bergauf. Genauer gesagt auf den knapp 500 m hohen Berg Misen. Wir gehen nicht bis ganz nach oben, auf ungefähr der Hälfte der Höhe drehen wir um, weil wir glauben, das Wichtigste gesehen zu haben.

Ein Fehler, wie wir später herausfinden. Von ganz oben hat man anscheinend nicht nur einen spektakulären Blick, sondern kann wohl auch auf Affen stoßen. Beides haben wir somit verpasst.

Die Geschichte hinter den Zipfelmützen

Egal, auch so ist die Wanderung den Hang hinauf kurzweilig und macht uns viel Spaß. Überall sind kleine und größere Schreine zu finden, die innen wie außen aufwändig dekoriert sind. Manche der aufgestellten Statuen sind atemberaubend schön gestaltet.

Relativ weit oben am Hang stoßen wir auf eine Ansammlung unzähliger kleiner Steinfiguren, die zum größten Teil mit roten Zipfelmützen und Schals bzw. Lätzchen geschmückt sind. Ein entzückender Anblick, auch wenn wir uns wundern, was das wohl zu bedeuten hat.

Am Abend klärt uns eine Freundin in unserer WhatsApp-Gruppe auf, dass dies einen ernsten Hintergrund hat: Diese sogenannten Jizo-Statuen gelten als Begleiter der Seelen von Kindern, die vor ihren Eltern gestorben sind. Die Mützen und Schals bzw. Lätzchen werden von den Eltern umgebunden, damit die Gottheit Jizo ihr Kind besser finden kann. Jede Mütze steht also für ein zu früh verstorbenes Kind.

Das finde ich sehr traurig. Und ich bin froh, dass wir uns oben bei den Statuen respektvoll verhalten und nicht irgendwie rumgealbert haben. Allerdings war der kleine Weg, an dem die Statuen standen, auch ein schöner und Ruhe ausstrahlender Ort, der sowieso nicht zu unangemessenem Verhalten angeregt hat.

Ein fauler Abend

Am frühen Nachmittag kommen wir wieder unten am Torii an und überlegen, ob wir noch etwas unternehmen wollen, haben aber keine so rechte Lust. Wir sind jetzt ziemlich genau zwei Wochen unterwegs und stellen fest, dass eine gewisse Besichtigungsmüdigkeit eingetreten ist.

Für heute haben wir genug Eindrücke gesammelt, beschließen wir daher, und machen uns auf den Rückweg nach Hiroshima. Auf dem Weg ins Hostel decken wir uns noch mit ausreichend Vorräten ein, dann verbringen wir einen gemütlichen und sehr faulen Spätnachmittag auf unserem Zimmer. Auch das muss mal sein!

Überblick

Datum: Samstag, 07. Oktober 2023
Unterkunft: Roku Hostel, Hiroshima

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