Infos zur Fährverbindung Rødbyhavn – Puttgarden

Eine der möglichen Routen nach (oder von) Skandinavien führt über die Fährverbindung zwischen Rødbyhavn (Dänemark) und Puttgarden (Deutschland).

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Puttgarden (Insel Fehmarn) ist der nördlichste Fährhafen Deutschlands, Rødbyhavn wiederum liegt gleich gegenüber, am Südzipfel von Ostdänemark – und die Fährlinie dazwischen wird ausschließlich von Scandlines bedient.

Wir haben diese Verbindung auf unserer Rückreise aus Skandinavien (Sommer 2015) gewählt, da die Fähren häufig und regelmäßig verkehren und keine Reservierung notwendig ist. Ideal also für einen nicht genau planbaren Reiseablauf.

Einfach durch!

Beim Einfahren nach Rødbyhavn haben wir gleich das erste Problem: Wo bekommt man die Tickets? Verunsichert biegen wir von der Hauptstraße ab und kurven durch die verlassen wirkenden Straßen rund um den Fährhafen. Scheinbar gibt es hier nichts weiter, nicht einmal irgendwelche Passanten, die man fragen könnte. Nach einer halben Stunde Suchen schließlich sehen wir das ersehnte Gebäude: Es überspannt die Hauptstraße, die wir soeben verlassen haben! Nun gut – diesen Umweg hätten wir uns also sparen können.

Wir fahren auf verschlungenen Wegen zurück und stoppen kurz darauf bei einer der zig Kabinen der riesigen Ticketstation. Und erleben gleich den nächsten Schreck, als uns die freundliche Dame am Schalter den Preis für die Überfahrt nennt: knapp 107,00 Euro für zwei Personen und zwei Motorräder! Zum Vergleich: für die Überfahrt zwischen Hirtshals und Kristiansand haben wir nur 13 Euro mehr bezahlt. Eine spätere Überprüfung via Website hat ergeben, dass die Preise unabhängig von Tag und Uhrzeit immer gleich sind – lediglich in der Nebensaison ist es billiger. Bei Vorbuchung kann man ein paar Euro sparen, ist dafür aber an eine bestimmte Fahrzeit gebunden.

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Regen oder Traufe?

Der große Vorteil der Fährverbindung zwischen Rødbyhavn und Puttgarden ist ihre Schnelligkeit und Verfügbarkeit. Die Überfahrt dauert nur 45 Minuten, die Fähren fahren alle halbe Stunde – flotter geht es nicht.

Ein eklatanter Nachteil jedoch ist der Preis. Dieser ist unverhältnismäßig hoch, wie wir finden. Wir haben für diese kurze Strecke fast genauso viel bezahlt wie für das Übersetzen von Hirtshals nach Kristiansand. Leider ist die Route über die Insel Fyn keine echte Alternative. Die Maut für die Benutzung der Storebælt Brücke zwischen Ost- und Westdänemark ist nämlich ebenfalls nicht ohne – und wenn man noch die ggf. anfallenden Mehrkilometer dazurechnet, wird es leicht genauso teuer.

Da uns nichts anderes übrig bleibt, bezahlen wir, und werden in eine spezielle Spur gewiesen, in der sich schnell weitere Motorräder sammeln. Denn auch hier gilt: Mopeds first! Der gesamte Wartebereich im Fährhafen ist riesig und straff durchorganisiert. Grell-orange gekleidetes Einweisungspersonal wuselt geschäftig vor den zahlreichen, durchnummerierten Wartespuren umher, auf einem Bildschirm kann man die Zeiten der aktuell an- und abfahrenden Fähren ablesen und etwas weiter vorne erkennt man gleich mehrere Terminals für das Anlanden der Fähren. Das Ganze hat etwas von einem Flughafen – nur eben mit Schiffen.

Ich entdecke unweit unseres Standplatzes einen kleinen Aufenthaltsraum, der kühlen Schatten, Getränke und eine Toilette verheißt, und überlege gerade, ob wir uns nicht für eine kurze Pause dorthin verziehen sollen, als das Fährenpersonal uns signalisiert, wir mögen uns bereit machen. So schnell habe ich nicht damit gerechnet, ein Glück, dass ich nicht auf die Toilette verschwunden bin!

Wir (sowie das mittlerweile gute Dutzend weiterer Motorradfahrer) werden von den Einweisern an vorderster Linie in Position gestellt. Dort müssen wir ein paar Minuten warten, während die von der soeben angekommenen Fähre herabfahrenden Fahrzeuge an uns vorbeigeleitet werden. Kaum ist der letzte Wagen vom Schiff, winkt man uns auch schon hektisch auf die Rampe in die Fähre. Das alles macht den Eindruck, als dürfe keine Sekunde verschwendet werden – und wahrscheinlich ist das auch so. Alle halbe Stunde eine Fähre – da bleibt nicht viel Zeit für das Ab- und wieder Aufladen der Motorräder, PKWs, Gespanne, Wohnmobile und LKWs.

Auf dem Schiff erwartet uns die übliche Routine: Die Motorräder müssen gesichert werden. Hierfür sind am Boden große Ösen zu finden, ein breiter Gurt wird quer über die Sitzbank geführt und dort befestigt. Alles kein Problem und schnell erledigt.

Wir folgen dem Strom der anderen Gäste und landen schließlich bei einem kühlen Getränk im Bugrestaurant des Schiffes (Selbstbedienung). Die Zeit an Bord – die Überfahrt dauert 45 Minuten – reicht gerade so für das gemütliche Austrinken unserer Cokes, dann sehen wir auch schon das Ufer der Insel Fehmarn und begeben uns wieder zu unseren Motorrädern. Das Abfahren von der Fähre ist genauso gut organisiert wie das Auffahren und wenige Minuten später verlassen wir auf einem autobahngleichen Weg den Fährhafen.

Eines ist offensichtlich: Dieser ganze Betrieb ist auf die Beförderung möglichst vieler Fahrzeuge in möglichst kurzer Zeit ausgelegt. Der Bedarf scheint vorhanden, die Wartespuren haben sich auch während unserer kurzen Aufenthaltszeit schnell gefüllt. Es bleibt abzuwarten, was sich durch den derzeit noch immer in Planung befindlichen Tunnel durch den Fehmarnbelt (Fertigstellung frühestens 2022) ändern wird. Preislich wohl nicht viel, denn angesichts dessen, dass die Baukosten schon jetzt zu explodieren scheinen, werden die Betreiber (verständlicherweise) so viele Gelder abschöpfen wollen wie möglich. Somit wird man wohl auch in Zukunft nicht günstiger wegkommen.

Der Vorteil eines Tunnels ist natürlich die (fast) verzögerungsfreie Durchfahrt. Allerdings ist es in einem Tunnel nicht so schön wie auf einer Brücke (vgl. Öresundbrücke) und eine kleine Pause bei einer Tasse Kaffee, leckerem Gebäck und angenehmer Aussicht von Deck eines Schiffes ist auch nicht zu verachten. Ich könnte mir daher gut vorstellen, auch weiterhin die Fähre zu nutzen, wenn ich es nicht allzu eilig habe – bezweifle aber, dass es diese nach Fertigstellung des Tunnels überhaupt noch geben wird. Irgendwie schade …